Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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künstlich, adj.

künstlich, adj.
zu kunst. Noch nicht ahd., wo nur chunstig (s. künstig), aber mhd. künstlîch, künstelîch, auch umlautlos, wie noch im 16. jahrh. Maaler künstlich und kunstlich nebeneinander aufführt, selbst in der alphabetischen anordnung getrennt, vgl. Frank unter 3, b. die zweite volle form noch im 15. jahrh., z. b.:
wie eine fremde erztin komen wer,
die kund mit kunstelichen sachen
die sundersiechen sauber machen.
Rosenblüt, fastn. 1147.
Auch künstenlich, nach der schwachen form künsten plur.:
der hat ain kron so künstenleich,
die ist von gold und steinen reich.
fastn. sp. 655, 1.
alem. könstlich, z. b. bei Fischart: der könstlichsten bilder. klost. 10, 972; könstlich, adv., bienenk. 1588 174ᵃ, s. dazu konst sp. 2667. Nd. kunstlik, nl. konstelick Kil., jetzt kunstelijk; auch schwed. konstlig, altschw. konsteliker Rietz 365ᵃ.
1)
zu kunst in der ältesten bed., d. i. wissenschaft, künstlich gleich wissenschaftlich, das erst im 18. jahrh. sich ausbildete (s. sp. 2673).
a)
mhd. z. b. künstliche meisterschaft, wissenschaftliche überlegenheit o. ä. Konr. Silv. 4791, kunstlîcher prîs, wissenschaftlicher ruhm:
nu wâren von dem lande dar
vünf und vünfzic meister komen,
die wâren alle ûʒ genomen (eximii)
an kunstlîchem prîse.
sie wâren alsô wîse,
daʒ in was von listen (s. sp. 2674) kunt
astronomîe u. s. w.
Barlaam u. Jos. 21, 29.
b)
ebenso noch im 16. 17. jh. (vgl. künstlichkeit 1): kunstlich, weislich, ingeniose, docte, literate, argute, prudenter, scienter. Maaler 257ᵇ; kunstliche arbeit .. erudita operatio. das.; zum aller künstlichesten, scientissime. 255ᶜ, die erste angabe noch 1618 bei Schönsleder h 5ᵃ wörtlich übernommen (nur mit umlaut künstlich), ja noch am ende des jh. Stieler 1011 auch literate. belege: das weltlich recht, hilf got, wie ist das auch ein wildnis worden, wie wol es viel besser, kunstlicher, redlicher ist, den das geistlich. Luther an den adel L iijᵇ (Wackern. leseb. 3¹, 104), kunstgerechter, d. i. wissenschaftlicher; lerer der teütschen sprach .. da nit allain lesen, schreiben und rechen zugehört, sonder ain künstlicher verstand der ganzen teütschen wörter. Ickelsamer teutsche grammatica, bei Reichard hist. der d. sprachkunst 28; den thalmud mit vernunftigen und künstlichen worten zu widertreiben. Reuchlin aug. 6ᵇ. 39ᵃ. Später noch in zusammensetzungen, z. b. ihr meszkünstlicher geist J. Paul mum. 3, 10, mathematischer, s.meszkünstler, zu meszkunst.
c)
auch vom gelehrten selber u. ähnl.: und ob er (Andreae) gleichwol so künstlich nicht ist, das er allain die Adiaphoristen und Flaccianer vereinigen künnt. J. Nas antigratulatio 14ᵇ; ein volk schön von leib, kuͤn von gemuͤt, künstlich von vernunft. Frank weltb. 95ᵃ, von naturanlage, also etwa unser geistreich, vgl. Maalers ingeniose vorhin; dise wolthat, dasz .. vil künstliche köpf dem bergwerk mit irer erfindung nützlich dienen ... Mathesius Sar. 145ᵃ, zugleich zu 2, von mechanik (s. sp. 2678); Ptolomeus der beruͤmptest fleiszigste künstlichste landbeschreiber. Aventin chr. 116ᵇ; die künstliche und weisheitgeübte poetin Sapho. Fischart ehz. 78; ein künstlicher und weiser mann leidet keinen mangel. Olearius pers. baumg. 7, 24, obwol da die bed. 2 hereinspielen kann, wie denn beide sich mischen.
d)
im 16. jh. sogar noch zu kunst als wissen oder kennen überhaupt (s. sp. 2668): got kent ein menschen wol, spricht Nicolaus de Lira, in zwen weg (est notitia congnitionis et approbationis), got kent ein menschen künstlich (und) günstlich. er erkent alle menschen künstlich (d. i.) nach kunst, wer wir sein, wie wir sein aber nit günstlich, das er im in angenem lasz sein, sein thuͦn und sein laszen. Pauli schimpf u. ernst cap. 147 (s. 107 Öst.), kennen unterschieden als erkennen und anerkennen (s. sp. 536), zum ersten als subst. noch kunst, wie mhd., dazu als adv. künstlich.
2)
zu kunst geschicklichkeit (sp. 2674).
a)
mhd. noch wenig bezeugt, doch von zauberkünsten, ein teufelskünstler verfährt mit kunstelichem gewalde pass. H. 359, 91, mit kunstelichen sachen 176, 35, allerdings eben so zum vorigen zugleich gehörend, wie die ganze 2. bed. sich aus der vorigen entwickelt hat. ein dichter sagt von sich, der Teichner:
ich bin wol sô künstlîch,
daʒ diu welt mich machet (conj.) rîch
umb mîn kunst und gæb mir gnuog,
wolt ich loben ir ungevuog.
lieders. 3, 289,
also auch vom künstler selber, wie vom gelehrten unter 1, c.
b)
so persönlich auch noch nhd., bis in die neueste zeit: als zu Minchen ettlich burger an verbotnen tagen fleisch geessen hatten .. hatten si all mieszen entrinnen, bisz an sex, die waren künstlich meister, vermeinten, man wurde inen nütz thun. Th. Platter 69 (148), vermutlich dem kunstgewerbe angehörig; etwa seind si (die gefangnen, die als sclaven verkauft werden) fast theyr .. darnach si jung, stark, schön, künstlich oder nit seind. Frank weltb. 101ᵇ; sei der arzt wie gut er wöll, wie künstlich er wöll. Paracelsus 1, 21ᵇ, zugleich zu 1; kluge, künstliche und geschickte heiden. Felsenb. 3, 346; die künstlichen zwerge hatten indessen mit groszer behendigkeit ein paar pantoffeln von blankem stahl geschmiedet. Musäus volksm. 107 (Richilde);
am steinernen tisch auf dem sessel,
den vor dem winterkamin sein alter künstlicher hausknecht
heimlich geschnizt, und mit weisz und glänzendem grüne bemalet.
Voss Luise 1795 1, 5,
in der ausg. letzter hand (1825) ist das künstlich entfernt. aber um dieselbe zeit noch bei Göthe: der künstliche, werkthätige schelm hat sich ins obere thal gewendet, dort legt er maschinen an (spinnmaschinen). 23, 196, wanderj. 2, 13 am ende, von dem sog. geschirrfasser. in der volksrede noch heute herschend.
c)
natürlich auch anders als persönlich:
wie auf den schulen die studenten
baden und tauchen gleich den enten,
schwimmen künstlich wie gens und schwanen.
froschmeus. C 6ᵃ,
künstlich, d. i. wie es nicht jeder kann, wozu besondere kunst gehört, zu kunst in seinem erhöhten sinne (sp. 2675), wie im folg. von 'kunstreitern': waren sie einst ... auf ein nahgelegenes jagdhaus gefahren, wo ein künstliches reiten von Engländern zu sehen war. Jacobi Woldemar 1794 1, 41;
denn geschickt ist die hand schon lange, den zügel zu führen,
und das auge geübt, die künstlichste wendung zu treffen.
Göthe 40, 303.
zu kunst von kunstfertigkeit, mechanik u. ä. (sp. 2678):
am freitag fuͤrt man sie darnach
in das münster, da man besach
das künstlich urwerk (in Straszburg).
Fischart glückh. sch. 907;
nicht unsrer ahnen zahl, nicht künstlichers gewehr,
die eintracht schlug den feind, die ihren arm belebte.
Haller (1777) 290,
vom siege der Schweizer bei Murten. von der menschenhand: durch die bildung zum aufrechten gange bekam der mensch freie und künstliche hände. Herder ideen 4, 3 (9, 147 D.). von der mechanik der natur: das wesen, das sich so unbegreiflich künstlich in den zwecken der natur offenbart. Kant 7, 367 (vgl. u. kunstzubereitung). fast in allen diesen fällen wäre künstlich jetzt kaum noch brauchbar, ohne dasz es doch durch das heutige kunstvoll oder kunstreich ersetzt würde; so hat man das wort unter der bedeutung 4 verfallen lassen.
d)
aber auch von kunst die eben niemand kann, genauer geredet von zauberkunst, geheimen künsten (sp. 2677), wieder auch persönlich: der ist künstlich, der alte belz aus milch wäschen kan, dasz sie new werden, wie Eulenspiegel. Lehman flor. 1, 485, dasselbe wäre der ist ein künstler (vgl.das ist die kunst sp. 2675); das ist ein künstlicher bergmann, der kupfer in silber und gold verwandeln kan. Schuppius 112, kunst galt auch von goldmacherei; jener künstliche mann, der aus sand einen strick drehen konnte. Kant 3, 326;
vor meines vaters kammer
hängt ein blanker hammer.
wer damit zimmern kann,
der ist ein künstlicher mann.
Simrocks rätselbuch nr. 23 (eiszapfen),
aus Schleswig-Holstein bei Müllenhoff s. 505
wer damit timmern kann,
dat is en künstlichen mann.
Natürlich auch von gauklern u. ä. (wie künstler 2, b), leuten deren kunst an die zauberkunst streift. das künstlich gesind, das man auf den jahrmärkten find und nach der mesz für die zahlung (anstatt ihrer bezahlung) an galgen bind. Fischart groszm. 88. von einem seiltänzer:
ich hab ihn gesehen,   den künstlichen mann,
auf einem seile gehen,   so gut ichs auf der erde kann.
Mildheim. liederb. nr. 480.
Ähnlich folg. künstlich, von etwas das eigentlich unmöglich ist:
die nützen gesetze
sind künstliche netze,
drausz groszes entgangen,
dran kleines bleibt hangen.
Logau 2, 7, 21.
e)
zu kunst als eigennützige kunst (sp. 2676 unten), künstlich für listig, schlau, verschlagen, ränkevoll u. ä. (vgl.künste gleich ränke sp. 2677): Jacob ist uns zu künstlich, und wo das ding lange währt, so macht er uns einen strich durch alle neue zeitungen. Chr. Weise comöd. 180; hörst du es auch, wie die herren so künstlich waren? 195; wir haben es mit einem künstlichen manne zu thun, der etwas nicht sieht (sich so stellt), weil er es nicht sehen lassen will. Kant 3, 343;
was uns zuwider
wäre, glaubten wir wol dem künstlichen redner.
Göthe 1, 337 (epist. 1);
wie ein künstlicher dieb oder zauberer in der gefangenschaft manchmal die füsze aus den festgeschlossenen ketten herauszieht. 18, 60 (Wilh. Meister 1, 11); ich bin überzeugt, dasz Lothario mich liebt. aber eben so gewiss bin ich überzeugt, dasz er von seinen künstlichen und falschen freunden betrogen wird. 20, 71 (das. 7, 6); Natalie antwortete lächelnd: wir sind viel künstlicher als sie denken, wir haben die auflösung des räthsels, noch ehe es uns aufgegeben wurde, schon zu papiere gebracht. 20, 188 (8, 4), hier allerdings nicht eigentlich im üblen sinne, wie jetzt etwa schlau gleich klug, denn dieses künstlich ist uns gleichfalls ganz abhanden gekommen, der rasche leser kann die stellen Göthes kaum noch verstehn; eher noch im adv., wie in folg.:
der witz besticht dich nicht, die schmeichelei
schmiegt sich vergebens künstlich an dein ohr.
9, 105 (Tasso 1, 1);
die gerechte sache
hat künstlich schlauer wendung nicht vonnöthen.
Schiller 240ᵇ.
am schwersten wol in fällen wie folg.: gegen ein mährchen, gegen einen künstlichen plan stehen beharrlichkeit und klugheit uns bei. Göthe 20, 192 (Wilh. Meister 8, 4), vgl.das spiel versteckter plane s. 191, ich glaube man würde jetzt nichts als intriguant dafür zur hand haben.
3)
Es galt übrigens ausdrücklich auch von schöner kunst.
a)
wieder auch vom künstler selber: die mänge hochgelährter und künstlicher männer. Rompler gebüch vorr. 3; mit ... gemählen und antiquitäten der allerkünstlichsten meistern, so jemahls in der welt gelebt. Simpl. 3, 220 (1713 172); siehe was der teufel vor ein künstlicher poet sei. Schuppius 653. noch im 18. jh. sogar: eine schöne lampe, die mein künstlicher vater aus erde gebildet hat. Sal. Geszner 2, 30;
jeglichem hatte der zwiergelähmte berühmte Hephaistos
sein besondres gemach mit künstlichem sinne gezimmert.
Bürger Il. 1, 608.
b)
natürlich auch vom kunstwerke, der kunstarbeit selber: wundergrosze bildnis, auch kostlich von materi und künstlich von gemächt. Frank weltb. 232ᵃ; ein bild das kunstlich und wärtlich ist auszgemacht .. simulachrum singulari opere artificioque perfectum Maaler 257ᵇ; mit verhergung (zerstörung) der schönsten stät, könstlichsten bilder, tafeln, seulen, gebäuen. Fischart, klost. 10, 972; noch im 18. jh., wo ja künstlerisch erst spät aufkam: ein künstlich stück, chef d'oeuvre Rädlein 572ᵇ; künstlich auf der lauten schlagen. das.;
so künstlich trifft itzund kein dichter die natur (an),
sie ist ihm viel zu schlecht, er sucht sich neue spur.
Canitz (1734) 240, dritte sat.,
der kunst entsprechend, kunstgemäsz, vgl. künstlichste natur bei Göthe unter 4, d und kunstnatur.
c)
von den werkzeugen der kunst und noch anders: dasz er (Orpheus), auf seine künstliche leyer sich verlassend, zu den understen geistern der höllen gestiegen. Schuppius 779. selbst von papier mit poesie bedruckt:
auf einem hochzeitsmahl da kommen oft geflogen
des künstlichen papiers bei vier und zwanzig bogen.
Rachel 8, 114 (Gödeke eilf b. d. d. 1, 367ᵃ).
4)
Jetzt gilt es wesentlich, einseitig zu kunst in ihrem gegensatze zu natur (s. sp. 2680 und 2682 unten).
a)
schon mhd. bei Megenberg 478, 7: electrum haiʒt gunderfai. daʒ ist zwairlei, natürleich und künstleich. daʒ künstleich wirt von golt und von silber ... (nachher auch gevelschet, gemacht). eine künstliche hand ist uns nicht mehr, wie sie es noch Herdern sein konnte, eine kunstfertige (2, c), sondern eine durch kunst gemachte, als ersatz der natürlichen; künstliche zähne, künstliche mineralwasser. natürlich mischt sich oft der begriff von 3 mit ein: gefiel uns die landart gegen über liegenden königreichs sonderlich, als dessen ebene von dem gemach und gemach aufsteigenden gebirge wie von einem kranze umbgeben ist und das aussehen eines künstlichen schauplatzes hat, darinnen etwan die alten ihre spiele zu zeigen gewohnt gewesen. Opitz 2, 282, natürlicher platz, durch kunst zum schauplatz gemacht;
künstliche himmel ruhen auf schlanken ionischen säulen,
und den ganzen Olymp schlieszet ein Pantheon ein.
Schiller ged. 1800 1, 59 (spazierg.).
b)
angewandt auf menschliches thun und wesen überhaupt:
doch ach! ein gott versagte mir die kunst,
die arme kunst, mich künstlich zu betragen.
Göthe 2, 149, von sich selber;
so empfängt uns die bühne — in dieser künstlichen welt träumen wir die wirkliche hinweg, wir werden uns selbst wieder gegeben .. Schiller 705ᵇ, zugleich noch zu 3, wie im folg.; erfahrungen, aufschlüsse, fertigkeiten .. die man nur in positiven und künstlichen verhältnissen erlangt .. 1232ᵃ, im gegensatz zum naturzustande; sich dadurch (durch erbschleicherei) eine neue künstliche familie .. zu verschaffen. Göthe 31, 222.
c)
gesteigert wird das zu gekünstelt, überkünstelt, unnatürlich: wendung und ausdruck kunstvoll, ja mitunter künstlich. Göthe 39, 167; stieg seine (Serlos) recitation, declamation und sein gebärdenspiel zu einer hohen stufe von wahrheit, freiheit und offenheit, indem er im leben und umgang immer heimlicher, künstlicher .. zu werden schien. 19, 121;
ein künstlicher geschmack beekelt seinen stand.
Haller 28;
predigen sie zuweilen, ohne künstlich predigen zu wollen. Gellert (1784) 8, 24.
d)
aber kunst und natur begegnen und einigen sich auch (vgl.kunstnatur): der architekt hatte gesorgt, die reichen falten des weiszen atlasses (an Lucianens kleide) mit der künstlichsten natur zu legen. Göthe 17, 255; sie sehen hieraus, dasz das natürliche eigentlich das künstliche nicht ausschlieszt. alle werke der natur sind zugleich im höchsten grade künstlich. man nennet aber zum unterscheide dasjenige schlechtweg künstlich, was nicht natürlich zugleich und blosz durch willkürliche mittel .. entstanden ist. Mendelssohn in den br. die neuere litt. betr. 8, 358.
5)
Das wort birgt aber gewiss noch manche falte und schattierung seines begriffes, die, wie bei kunst selbst, im vorigen keineswegs erschöpft sind; daran gemahnt folg.
a)
künstlich, schwierig, mislich u. ä.; so im folg.: es war jetzt gar künstlich, zeitungen zu schreiben, worte des verlegers der Breslauer zeitung im j. 1740, der den verlag unter den schwierigen neuen verhältnissen aufgab und die stadt verliesz, s. bei Grünhagen Friedrich d. gr. und die Breslauer in den j. 1740 und 41 s. 112 anm. 2; es stimmt zu das ist keine kunst, das ist die kunst sp. 2675 (γ).
b)
eigen sich künstlich machen von einem gecken, jungfrauen gegenüber: indem kompt magister Stolzius, prangt gar heftig, sicht sich allenthalben an und singt von seiner schönheit und gelehrsamkeit, da sieht er 'seine jungfrau', er geht hinzu, zicht sein hütlein ab, macht sich gar künstlich ... Ayrer fastn. 157ᶜ (3113 K.), doch wol von gezierten geberden. ähnlich erscheint folg. künstlich im munde eines schles. bauernknechts, der in der stadt gelebt, seiner alten liebsten gegenüber:
siach mei siel! ich wöll (d. i. wölt) dich nahma,
wenn ich ne (net, nicht) su künstlich wär.
o (auch) ke berger ei (in) der stoadt
hoot mer noch se (sein) kind versoat ....
ich könde ne künstlicher seen (sein),
un wenn ich au ah dracha hätte (einen gelddrachen).
D. Stoppe ged. 1728 1, 150,
er zählt zur erläuterung künste auf die er dort gelernt, wie den tabaksrauch durch die nase zu blasen, aber künstlich im ganzen meint doch städtisch gebildet, wie kunst im sinne höherer standesbildung sp. 2670 (β).
c)
das adv. erscheint zuweilen als unmittelbar zum subst. gehörig, gleich 'durch kunst' oder bei Schönsleder h 5ᵃ gleich ausz der kunst, bei Aler 1256ᵃ ad unguem, z. b. im folg.: und abends gehen sie (die Römer) ins theater und sehen und hören das leben ihres tages, künstlich zusammengestellt, artiger aufgestutzt ... Göthe 27, 120.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2711, Z. 37.

künstling, m.

künstling, m.:
ästhetische künstlinge. Bürger 243ᵇ, die ohne kenntnis von kunst reden oder kunst treiben; vgl.dichterling.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2716, Z. 56.

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Zitationshilfe
„künstlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCnstlich>, abgerufen am 08.05.2021.

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