Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kunden

kunden,
1) kund machen, wie künden, s. d. 1, vgl. kunder. 2) kund werden, verlauten, bei Campe als neugebildet, mit einem gemachten beispiele von Wolke: es kundete schon gestern, der krieg sei erklärt. mhd. bestand es wirklich, s. wb. 1, 815ᵇ, ahd. chuntôn innotescere Graff 4, 421, vgl. 424 und 'innotuit kikhunthit' Hattemer 1, 182ᵇ (ags. cûđian innotescere Ettm. 377).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 53.

künden, kunden

künden, kunden
für können, s. d. I, 4, a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 59.

künden, kunden

künden, kunden,
kund thun, mhd. künden, kunden, praet. kunte, kunde, part. gekunt neben gekündet; ahd. chundian, chundan, praet. chundita und chunta, kundta Graff 4, 420 ff.; alts. cûđian, in den ps. aber cundan, ags. cŷđan, altn. kynna; mnd. kunden, mnl. conden, dän. kynde.
1)
kunden, mit fehlendem oder nicht ausgedrücktem umlaute: wir Albrecht .. von godis genadin ein romisch kuninc .. kundin unde virjen (verjehen) allen u. s. w. Höfers auswahl d. urk. 55, v. j. 1299, md., wie sonst kund thun, s. kund II, 3, b; im 15. jh. kunden notificare Dief. 383ᵇ, nunciare 385ᵇ, intimare 305ᶜ, indicere 294ᵇ, häufiger doch schon verkunden, verkünden oder kundigen (auch erkünden, s. Scherz 345, ahd. archundian demonstrare Graff 4, 424);
ir hern, ich kund die stunt der nacht.
fastn. sp. 793, 24;
hett Jonas worheit gkundt by zyt,
der visch hett in verschlucket nyt.
Brant narr. 104, 19,
diesz richtig umlautlos, das mhd. gekunt. dasz dem umlaute oft nur die bezeichnung fehlt, zeigt z. b. folg.:
wen wir heut nit frölich fünden,
den wollen wir pis suntag inn pan kunden.
fastn. sp. 678, 36. 734, 35,
wie mhd.: dar nâch chunt man in ze Pehaim in den pan. Germ. 12, 74, künden zugleich vom ausrufen des herolds (vgl. kunder).
2)
nhd. künden.
a)
es fehlt in den wbb. bis auf Campe, der es an der hand einer stelle von Voss ins wb. einführte:
trauriger ruf und kummer des volks und thränen der diener
kündeten jetzt der mutter den plötzlichen jammer des hauses.
noch Adelung nennt es, mit kündigen zusammen, nur als alt und in unklarer weise, Frisch gar nicht, obwol abkünden, ankünden, aufkünden (oder -kündigen) 1, 556ᵇ, wie schon Schönsl. h 4ᶜ abkünden, ankünden, auszkünden (für künden aber nur kund thuen). Erst gegen das 18. jh. haben es die dichter wieder in gang gebracht, vermutlich zuerst durch altdeutsche stellen veranlaszt, es war mhd. und ahd. in sehr entwickeltem gebrauche:
was kündest du für feste mir?
Göthe 40, 422 (Pandora);
der fackel flamme morgendlich dem stern voran
in vaterhänden aufgeschwungen kündest du
tag vor dem tage.
40, 381;
april ist dir im aug, der liebe lenz,
und thränen sind der regen die ihn künden.
Shakesp. Ant. u. Cleop. 3, 2;
kraft seiner vollmacht künd ichs aller welt.
kön. Lear 2, 1;
vergiszmeinnicht im namen schon sich kündet.
Uhland ged. (1847) 176;
Jehovah! dir künd ich auf ewig hohn.
Heine buch d. l. 69.
b)
es hatte sich aber auch landsch. erhalten, wenigstens schweiz.: sich künden, sich melden, bes. von spuk, wenn ein sterbender den verwandten oder freunden durch anzeichen seinen tod meldet, s. Stalder 2, 143, Fromm. 2, 483ᵇ, in Thüringen, Sachsen sich äugen, vgl. mhd. den tôt vor künden Megenb. 137, 11, urkünde ein solches vorzeichen, omen Gudr. 5, 3. Stalder nennt auch abkünden, ein capital, aufkünden, z. b. einen pacht, verkünden von der kanzel. das erste auch blosz künden (wie kündigen): er hatte von seinem gelde gekündet. Gotthelf 3, 276, einen theil seines verliehenen geldes dem schuldner aufgekündigt; ebenso dän. kynde en capital. s. dazu kündbar.
3)
in besonderer bedeutung.
a)
künden, kundschaft geben, zeugen. Schönsleder h 4ᵇ, also zu kunde m. zeuge sp. 2620, aber mit dem umlaute der diesem fehlt und eigentlich gebührt. s. auch kunde fem. 3, c, zeugnis, zeugenverhör. dazu, gleichfalls ohne den gebührenden umlaut, bekunden bezeugen, und 'testari, testificare, bezugen, erkunden' gemma Straszb. 1518 CC 2ᶜ. s. auch ahd. chundari testis Graff 4, 427, Hattemer 1, 185ᵇ.
b)
kunden, sciscitari Stieler 951, ebend. durchkunden percontari und erkunden explorare (er hat kein künden kund thun), letzteres reichlich belegt seit dem 16. jh., s. 3, 883 fg., wo denn auch der umlaut einzeln auftritt, der also J. Grimms tadel nicht verdient, vgl. erkündlich bei Luther. auch auskunden explorare Steinbach 1, 950, s. auch kundig II, 1, d. Es wird gleichfalls zu kunde zeuge, zeugnis gehören, eigentlich durch zeugen ermitteln, müszte demnach aus der rechtssprache stammen.
c)
bemerkenswert endlich erkunnen erkunden (fehlt oben 3, 885), s. sp. 1724 die belege. das ist freilich ein anderes, nur verwandtes wort; ahd. irchunnên, chunnên experiri, noscere Graff 4, 411 fg., alts. gikunnôn, ags. cunnian; aber ein späteres verflieszen mit erkunden wird wahrscheinlich durch verkunnen praedicare, verkünden Aventin bei Schm. 2, 311, durch kunnig gleich kundig (s. d. I, b), kunnigen gleich kundigen. zudem findet sich auch erkunnen für demonstrare, s. Schilter 3, 175ᵃ, eig. wol bezeugen, bekunden, zu a, erkunnet berühmt, s. Schmid schwäb. wb. 333.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2624, Z. 60.

kenten, künten

kenten, künten,
zünden, heizen, ein merkwürdiges oberdeutsches wort.
1)
kenten (kenden) heiszt es im bair. sprachgebiete, wo es jetzt allein heimisch ist. östreich. z. b. ein licht ankenten (anzünden), im ofen kenten feuer machen, ankenten feuer anmachen, einkenten einheizen. Höfer 2, 126; ebenso in Kärnten (Lexer 157), Tirol (Schöpf 311), Baiern; bair. auch ein feur aufkenden, anmachen, unterkenden feuer darunter machen, s. Schm. 2, 308:
der jager der kent ihm (sich) a pfeiferl o' (an).
Kobell oberbair. ged. (1846) 8;
na' kent' der oa' (eine) sei pfeifei o'.
264.
In Baiern, Tirol aber auch kenten allein trans.: eine stube, ein zimmer kentn, einheizen (Schm.), den ofen (Schöpf); 'eine stube is net zen derkentn', nicht zu erheizen. Davon dann kendofen, kendspân kienspan als fackel; der schornstein selbst heiszt kender oder kendner (kenderkerer schornsteinfeger), kendlein n. (kentl) ein kleiner wandherd, kamin in bauernstuben. Schmeller belegt diese bair. form bis ins 16. jh. zurück: dann khendten sich die khugel an; der khalch khendet die paumbwoll an. hdschr. fewrbuch v. 1591. Früher auch mit ö statt e: daʒ kain peck (bäcker) vor pfarmetten nicht underköntn und fewr ze ofen machen sol, v. j. 1491, und das nähert sich dem folg.
2)
künten, kunten heiszt es in den sog. cimbrischen gemeinden in den venetian. alpen, künten an de kerzen, z'vaür. (Schm. 140ᵃ). So denn auch bair. in einem voc. aus dem anfang des 15. jh.: auʒkuntn mit fewr (gebüsche ausbrennen), küntn oder zuntn incendere, ankünt accensus Schm. 2, 308 (Dief. 7ᵃ. 291ᵇ), ankuntung incendium (Dief. 291ᵇ). bei Schmeller aus Gemeiners Regensb. chr. auch küntofen (und kintofen) für das heutige kendofen: zu wem (in wessen haus) feuer im küntofen aufgeht, alsbald man klenkt (die feuerglocke zu abend läutet), so musz er 1 pfd. wandels (busze) geben.
3)
dazu stimmen dann die wenigen spuren, die bis jetzt mhd. und früher von dem worte gefunden sind; eine glosse des 12. jh. gibt incendium, chuntesal sumerl. 10, 30, etwas älter cuntisal Schm. 2, 308; dann im Lohengrin 2160 kündel in underkündel (gegenseitiges zündemittel), im reim auf zündel (ahd. zuntil) gleicher bedeutung. dem kündel entspricht wol das küntellen pl. kienspäne, das Schmeller aus Gemeiners Regensb. chr. 3, 479 beibringt. Die echte form war also mhd. künten, künden, ahd. chuntian, und auf das heutige kenden ist kein weiteres gewicht zu legen; auch zünden heiszt bair. jetzt zintn und zentn Schm. 4, 269, wie sünde send (bair. gramm. § 372), die nasale aussprache des n zieht das ü, i zu e herab.
4)
völlig entsprechend wiederholt es sich im norden: altn. kynda entzünden, dazu kyndill m. licht (dem mhd. kündel in der form entsprechend), auch kyndr m. feuer; das isl. kinda ignem alere, kindir m. feuer Biörn 1, 453 (vgl.kynda 484ᵃ) scheint nur i für y zu haben (s. gramm. 1³, 446), wie schwed. dial. kinda neben kynda, aber nur kyndel m. fackel Rietz 320ᵃ. Auch in England zeigt es sich, engl. kindle anzünden, entzünden, schott. kendle; das ags. wort ist noch nicht gefunden, aber auch hier mag i für y (gleich hd. ü) eingetreten sein. wäre etwa eine goth. spur des wortes in dem chozma der Wiener hs. als name des K und seiner rune enthalten? der entsprechende ags. runenname, cên, bedeutet kienspan, fackel, und chozma könnte wol ebenso gut den stamm kund enthalten, wie Zacher (das goth. alphabet s. 5) es als kaunsama auslegt.
5)
zur weiteren verfolgung des wortes in das dunkel der vorzeit deuten sich mehrere wege an (s. 3, 1583), aber kein sicherer. die zusammenstellung mit lat. accendere, incendere, candela hat die mangelnde lautverschiebung gegen sich; die mit ags. cennan erzeugen und hd. kind fuszt auf der annahme von kenden als echter form. auch eine nahe verwandtschaft mit zünden (goth. tandjan) ist nach K 4, c sp. 4 wol nicht ganz unmöglich zu nennen. Am wichtigsten jedoch scheint zunächst eine schwed. nebenform von kynda: kvända anzünden, dazu kvinsel n. span zum feuermachen, jenes auch norw. kvende (Rietz 320ᵃ); danach könnte qu für k der ursprüngliche anlaut sein, und die schwankungen des vocals würden sich daraus alle erklären, wie bei keck, keden, kommen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1865), Bd. V (1873), Sp. 554, Z. 61.

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„künten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCnten>, abgerufen am 06.05.2021.

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