Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kuche, f.

kuche, f.
gleich kufe in schlittenkufe.
1,
a)
es ist oberd., genauer kueche, also ursprünglich kuoche (s. 2, a): den 16 dis fueren wir früe vor tags uf und hinweg (von Stockholm), dann wir uns nicht zu saumen (hatten), wie dann der schneh uf dem land .. durch den regen schon abgangen und uf dem seh das wasser an ettlichen orten über die kuechen am schlitten gieng. Sam. Kiechels reisen 73, er war ein Ulmer; schlitkuchen farra et reda. voc. inc. teut. cc iiijᵃ (wol in Ulm gedruckt). aus Baiern, von der Isar, gibt Schmeller 2, 280 kuechen f.
b)
es fehlt nicht an nebenformen. aus Tirol gibt Schöpf 219 gueche f. (wie guefe das. neben kuefe 351), aus der Schweiz Stalder 2, 140 zwar nur kuechen m., schlittkuechen, Tobler 126ᵃ aber merkwürdig chuecha und huecha m., sodasz im anlaut sich eine bewegung zeigt, wie bei kitz u. a., s. sp. 870.
2)
weitergreifende zeugnisse sind
a)
ahd. in einer Tegernseer gl.: rostros, slitochoho (acc. plur.) Graff 4, 361, Schmeller a. a. o., mit ô gleich uo nach den nhd. formen, sing. chôha, chuocha f., starkformig.
b)
mnd. koke Schamb. 98ᵃ, götting. das. kauke f., die kufe auf welche der schlitten gestellt wird, mit au gleich urspr. ô, wie ebend. kauken für mnd. kôke m., mhd. kuoche, nhd. kuchen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2490, Z. 42.

küche, f.

küche, f.
culina.
1)
Formen und herkunft. es ist ein fremdwort.
a)
ahd. chúchîna coquina, culina, popina, taberna Graff 4, 360, d. i. das vulgärlat. coquîna, später gesprochen cokîna (coquinare kochen schon bei Plaut.) ziemlich rein übernommen, nur deutsch gemacht durch zurückziehung des tones auf die stammsilbe (chóchôn gleich coquere, cocere lag ja daneben) und erhöhung des ó zu ú in folge des -î (s. kirsche I, c); das î, das man bisher nicht annahm, stützt sich auf noch später mhd. erscheinendes chúchein coquina Mones anz. 8, 99ᵇ (tirol., v. j. 1323), bair. noch 1418 kuchein Schmeller 2, 278, nürnb. küchein 1450 Nürnb. chron. 2, 310, 7 var., vgl. kücheinen. daneben aber schon früh ein merkwürdiges chuchil, s. unter kuchel, küche.
b)
mhd. musz küchîn, kuchîn noch gegolten haben nach jenem späteren chuchein; im mhd. wb. 1, 856ᵇ küchen, küche, kuche, kuchi (Wack. voc. opt. 18ᵇ), in den var. Nib. 900, 1. 2 kuchin, kuchen, kuch, Parz. 486, 12 küchin, kuche, also starkes schwanken in der form, das schon über die mhd. zeit zurückgehn musz und sich nhd. lange, ja bis jetzt fortsetzt, hauptsächlich herbeigeführt durch die unsicherheit des sprachgefühls über das n, das man allmälich als zur flexion gehörig ansah. es gieng wie bei kette (lat. catena), besonders ähnlich sind die schicksale von küssen, d. i. kissen, das doch sein n heute noch hat; s. auch kümmel.
c)
die nhd. formen.
α)
die geschichtlich beste form wäre küchen, das denn auch im 18. jh. noch geschrieben ward: nun war über der küchen eine rauchkammer. Stilling jünglingsj. (1778) 57, freilich gleich darauf im acc.: die dreschtenne stiesz an die küche. 58, sodasz es als schwaches fem. behandelt ist, der acc. aber unrecht dem nom. gleichgesetzt. küchen auch im acc. hört man z. b. noch in Thüringen, Franken, wol auch im nom.; im nom. z. b. luxemb. kichen Gangler 234. älter: wir haben hier kein flaschenfutter, keine kalte küchen. Schuppius 321. im 15. jh. als nom. küchen popina Dief. 447ᵇ, im 16. bei Luther: dis ist die küchen, darin die diener ... kochen sollen. Ezech. 46, 24. vgl. kuchen unter ε zuletzt.
β)
auch noch mit i küchin Dief. 150ᵃ, nov. gl. 113ᵇ. 298ᵃ: ein küchin gebauet. Fischart bien. 116ᵃ;
küchinmaister, keller und köch,
dy zu der küchin hören.
Beheim Wiener 66, 22.
öfter ohne umlaut oder ohne bezeichnung des umlauts kuchin Dief. 161ᶜ. 447ᵇ, Dasyp. 369ᵃ (der daneben kuchen und küchen hat), Megiser dict. quat. lingu. Graz 1592 H 6ᵃ:
wer .. in ain kuchin laszet schwein.
Kellers alte gute schwänke s. 21;
die kuchin thet er in verfellen.
Soltau 2, 67, Liliencron 3, 70ᵇ,
man zerschosz den auf Hohenkrähen belagerten die küche, im j. 1512. ebenso kussin, küssin noch im 16. jh.
γ)
ferner kuchi, küchi, wie schon mhd. und wie kussi, küssi sp. 852, hauptsächlich alem., und nicht blosz im nom.: kuchy Dief. 161ᶜ;
daʒ sey (die junge frau) kuchi, tisch und pett
schon berait und sauber halt.
Wittenweiler ring 31ᵈ, 31,
ebend. 32ᶜ, 35 auch küchi;
schmeckt (riecht) nach der kuchi wie ein hund.
Gengenbach gouchmat 1082;
zuͦ Dornach vor dem festen hus
da schluͦg der koch die kuchy uf.
Körners hist. volksl. 46;
der hausknecht fordert mee speis in der kuchy von der wirtin. Wickram rollw. 24, 12 Kurz. noch schwäb., z. b. im Riesz kuchi Schmeller 2, 278 fg., wo auch aus Aventins gramm. kuchi.
δ)
küche, kuche aber ward weiter zu küch, kuch, wie küsse, kusse zu küss, kuss sp. 852 (s. schon mhd. kuch unter b): kuech popina Dief. 447ᵇ, rhein.; was (= mhd. swaʒ) kuch und keller .. vermag. Simpl. 4, 56 Kurz, im wortlaut einer einladung; einem eine besondere küch aufschlagen, cupedias inferre, quando panis non sapit. Aler 1247ᵇ, nrh., er hat sonst küche. küch (neben kuche) auch Kirsch. vgl.küchmagd bei Göthe 30, 108 (neben küchengespann), küchfeuer, küchwagen, küchschrank ders., diesz küch ist also rheinländisch (frankf. kich Malsz jungfer köch. s. 12, auch dat. kich 38).
ε)
das fehlen des umlauts ist sicher z. b. im folg.: kuche Maaler 254ᵃ, der den umlaut genau beobachtete; in den zusammensetzungen schwankt er zwischen kuchegeschirr, kuchimeister, kuchenbuͦb, sodasz das kuche selbst in die zusammensetzung ohne das -n eingieng, vgl. schwäb. kuchebapst Zimmer. chron. 3, 52 (bei Logau küchejunge). noch der Schweizer Denzler hat nur kuche, garkuche, auch Schönsleder g 7ᵈ, dem nur in den zusammensetzungen neben kuchen- ein paarmaal sein bair. kuchel entschlüpft. diesz ausbleiben des umlauts ist auffallend, zumal diesem alem. kuche unmittelbar kuchi voraufgieng. Unsicher im nichtumlaut ist kuchen voc. inc. teut., voc. 1482, auch md. bei Trochus O 5ᵃ (aber kuche voc. opt. Lpz. 1501 H ijᵃ). wirkliches u aber: sihe in dein kuchen. Fischart podr. trostb. 685 Sch., als übersetzung von nosce te ipsum, s. auch Frank u. Fischart 2, c. noch nürnb. kuchen Grübel 3, 289ᵇ.
d)
auszer dem hd. gebiete.
α)
rheinisch. in den gl. des Jun. cochine culina Nyerup 314, aber auch schon cochene coquina 283, neben hd. chuchîna durch die kürzung auffallend, die aber dort auch sonst sehr früh eintrat (wie im ags., s. γ), s. z. b. cûchelen das. 285 gleich hd. chuochelîn (s. u. kräpfel, kräppel 1, d). im 15. jh. kochen, koghen coquina Dief. 150ᵃ, coche culina 161ᶜ (kochenrauch nidor 380ᵇ), selbst kochin fulina 251ᵃ (angelehnt an fuligo rusz); nrh. aber coecken coquina, clevisch, Teuthonista 53ᵇ. das o ist übrigens auch sonst mitteld., z. b. in kochenmeister Joh. v. Guben Zittauer chron. 52, 24, wie mrh. kochenmeister Dief. 46ᵇ. ebenso wieder kossen gleich küssen, kussen sp. 853 (g).
β)
im nd. gebiete: nl. noch bei Kilian recht alterthümlich kokene und keukene, jetzt keuken f., mnl. kukene Dief. 161ᶜ. alts. nicht belegt, mnd. kokene Dief. 150ᵃ. 161ᶜ. 447ᵇ, im Rein. vos koken (als acc. z. b. 6642); ditm. noch bei Neocorus köken, jetzt kœk f., wie anderwärts, z. b. in der Altmark Danneil 97ᵃ; im brem. wb. 2, 719 köke nom. acc., dat. aber noch köken, bei Schambach 108ᵃ auch noch köke nom., diesz aber auch im dat. neben köken. ostfries. noch köken nom., Stürenb. 117ᵇ, wie nl.
γ)
ags. cycene f., auch cicen Wright voc. 57ᵇ, engl. kitchen. endlich dän. kjökken n., schwed. kök n., norw. kjök m. und kjöken n. Aasen 217ᵇ, auf Island aber kockhús kochhaus Biörn 1, 465ᵃ, altn. fehlend; man sieht die entlehnung aus dem nd., doch mit auffallender änderung des geschlechts. aus dem nd. auch ehstn. köök, aus dem schwed. finn. kyökki f.
e)
erwähnenswert ist auch das erscheinen des wortes anderwärts: litt. kukne, lett. kukña; sloven. kuhinja, bei Megiser (s. c, β) kuhina, russ. kuchnja, poln. kuchnia, böhm. kuchyně, alles aus dem deutschen, jenes nd., dieses hd., in der alten n-form. die Romanen haben gleichfalls coquina fortgeführt: walach. cocnë, it. cucina, span. cocina, prov. cozina, frz. cuisine. auch kelt.: altir. cucann, altkymr. keghin Zeusz 1095, welsch cegin, u. s. w. So hat sich das röm. volkswort, über das gebildete culina hinweg, ganz Europa erworben, zuerst vielleicht durch die soldaten verbreitet, durch die lagerküchen, vorwärts wandernd mit der römischen kochkunst, s. koch, kochen.
2)
Bedeutung und gebrauch.
a)
stabreimend küche und keller (wie koch und kellner): was des vorigen tages aufgangen sei in küche und keller. Schuppius 28; was zur hof-öconomie, küchen und keller gehört. 105, d. i. hofküche, unterschieden von hausküche, garküche, schiffküche Stieler 1001, klosterküche (klosterkoch Felder reich u. arm 284), feldküche, auch puppenküche, waschküche, dampfküche, hexenküche u. a., und gewerblich leimküche, theerküche. an höfen auch eine besondere bratküche und backküche, zum braten und backen; in Hohenzollern aber heiszt auch das gemeindebackhaus die bachkuche (vgl. das bachen in des teufels küche unter f), wie lat. coquere das backen mit umfaszte. kuche, darinn man alles gekochet feil findt, popina Maaler 254ᵈ, d. i. garküche, vgl. ahd. 'taberna' unter 1, a, auch diese einrichtung wird uns von den Römern gekommen sein; eine solche garküche, stadtküche ist wol auch die mnd. koken, in der einmal in Göttingen eine gastung ausgerichtet wurde (urkund. der stadt Gött. 2, 370, vgl. 204). eine küche aufschlagen, culinam temporariam exstruere Frisch 1, 552ᶜ, wie bei öffentlichen festlichkeiten, jagden (Nib. 900, 1).
b)
redensarten: man wird dir keine besondere küche aufschlagen, propter te non novus fiet fumus Frisch (vergl. Aler unter 1, c, δ), der es doch nicht kräftig genug faszt, ein leckermaul wird damit stark zurückgewiesen. hund aus der küche! hinc procul abeste, profani(!) Stieler 1001, vergl. küchenhund. kalte küche, die nicht gebraucht wird: arme leute haben kalte küchen. Lehman flor. 1, 168; vom (bloszen) dank wird die kuchen kalt. 86; die allen heiligen dienen, haben kalte küchen, sie werden mehr beräuchert als bereicht. 145, zugleich vom fasten und verarmen. dagegen 'die küche raucht', ist in thätigkeit: einen haufen freunde hat man oft, so lang die küche raucht. Simpl. 1685 1, 197. Man gibt, trägt 'in die küche', als beitrag, gabe: xenia, klein gab, als ostereyer, vel aliquid pro novo anno, ut kuw, kalb in die kuchen. Melber varil.; das graf Jos Niclas von Zollern .. nachdem (d. i. wie) er dan ain rechter erdenwurm (d. i. kröte, s. d. 2, c, ein landgieriger) und dem nit erden und lands gnug werden konnte, so heftig nach alten sachen (besitzurkunden) gesucht, die im dann hetten in die kuchen mögen eintragen, wie man sagt. Zimmer. chron. 1, 260; dieweil sie gemerkt, dasz es (das practikenschreiben) in die kuchen trägt. Fischart groszm. 6; es tragt nichts in die kuche, nihil ad farinam. Denzler 2, 178ᵇ; disz bringt nichts in die küche, trägt nichts ein, questo non fà farina. Rädlein 569ᵃ.
c)
oft schwankt der begriff vom küchenraum über in das was da gekocht wird oder vorrätig ist, also die hauptsache: nach der krönung (kaiser Karls V.) hielt man im pallacio frei kuchen für jedermann. S. Frank chron. 1536 1, 262ᵇ; bei solcher schmalen küche. Kirchhof wendunm. 224ᵇ; dan solches (das kreuz) trägt iren (der kirche) gute renten und macht ein feiszte helle kuchen und wolgespickte tafel. Fischart bien. 179ᵇ, 1588 197ᵇ (Marnix 189ᵃ een warme keucken); er hat eine magere kuche. Denzler; eine gute, fette küche Frisch; doch werde ichs keinem menschen sagen, wie mich nach meines vaters küche verlangte. Weise erzn. 70; er musz gestehen, dasz die thüringischen damen eine sehr gute küche führen. Schiller 1079ᵃ (herzog v. Alba in Rudolstadt).
d)
daher endlich entschieden für die küchenspeise selber, auch für kost überhaupt: brod, datteln und wein, das ist die küche eines soldaten. Lessing 2, 555 (matr. v. Eph.); ob auch wir der französischen küche kosten werden. Chamisso (1864) 5, 115, briefl. 9. dec. 1805. allgemein so kalte küche, kalte fleischspeisen, schwed. kallkök, dän. koldt kjökken, nl. koudekeuken Halma 341ᵃ: geschwind, magd, lauf nach dem weinkeller. frau, was vermag die kalte küche? der viesierl. exorcist 30, hier noch mit einer oder zwei fasern an dem alten begriffe hängend, sodasz die küche selbst noch mit gedacht ist; er wolte mir eine kalte küche mit auf den weg geben. Simpl. 1, 613, eine gute kalte küche 2, 199 Kurz, ebenso hier, es ist wie in flaschenkeller reisekeller (s. keller I, d, schon 16. jh. keller in fueteraln font. rer. austr. I. 1, 353), wo doch der keller zu hause bleibt, vergl. nl. de koude keuken mede op de reis neemen Halma 313ᵃ, wo in dem best. art. und dem mede die vorstellung an die küche selber noch deutlich durchblickt; absonderlich bedurften sie keines wirthshauses, so lange ihre kalte küche zulangen wolte. Weise kl. leute 145; eine schwester, die schickte ihm bisweilen etwas von kalter küche. erzn. 115; wir muszten .. mit kalter küche vorlieb nehmen. Göthe 24, 318; an beiden orten gabs nur kalte küche. der arme mann im Tockenb. 111. ebenso schott. kitchen zukost zum brote. auch lat. culina, popina galten zugleich für kost, speise. aus der Oberlausitz gibt übrigens Anton 9, 6 kalte küche für fliegenschrank in der küche zur aufbewahrung kalter fleischspeisen.
e)
nach andern seiten erweitert sich der begriff in folg.: die küche oder sich auf die küche verstehn, franz. connaître la cuisine, in der kochkunst erfahren sein; sie versteht sich auf die französische küche. auch die art zu kochen: mein magen muszte sich erst an die englische küche gewöhnen. bei groszen küchen, wie in gasthäusern, bei hofe, heiszen alle, die zur küche gehören, kurzweg die küche (wie die kanzlei, die schule u. ä.).
f)
des teufels küche, die hölle, wie der teufel der koch in der hell sp. 1552, vergl. teufelsbraten: dar umb sint si zuo nihtiu nütz dann in des teufels kuchein. Megenb. 197, 19;
begab sich, das derselbig gsell (landsknecht)
gschlagen ward und kam in die hell,
ins teufels kuchen.
Waldis Esop. 4, 12, 33;
dasz .. die teufel .. ausz höll und fegfeur ein küchin gebauet haben, darinn sie ir seelen nach irem willen sieden, bachen und braten. Fischart bien. 116ᵃ, 1588 125ᵇ; es ist mein glück (dasz ich mir aus tadel nichts mache), wollt ich mich dagegen vertheidigen, ich käm in des teufels küche. Bettine br. 2, 10; auch des henkers küche Weise Is. opf. 43. Auch von sinnlichem leben, bildlich: also (wie die küchenhunde, s. d., in der küche) ligen die faullenzer in des teufels kuchel, im zarten und waichen bet u. s. w. Albertinus narrenh. 390.
g)
die lateinische küche heiszt volksmäszig die apotheke, auch wie unter d die arzeneien von dort: lateinische küche, pharmacopolium, medicamenta Frisch 1, 552ᶜ; die lateinische küche ist die kostbarste. Simrock spr. 6001; arme kranke leute, die für die lateinische kuchel (schlesisch) keinen heller hatten. Schwartz leichenpred. auf Joh. Schefler, bei Kahlert A. Silesius 31.
h)
früher auch gleich münzschmiede, das haus worin man münzte Krünitz 54, 255 (vgl. gold kochen u. kochen II, 1, f). bei wollenfärbern die feuerstelle unter den kesseln. das.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2490, Z. 64.

kuchen, kuche, m.

kuchen, kuche, m.
placenta.
1)
herkunft und form.
a)
ahd. chuocho tortus panis, torta Graff 4, 360 (auch chuocha fem.? das., Schm. 2, 279), mhd. kuoche wb. 1, 856ᵇ; alts. nicht überliefert, mnd. kôke torta Dief. 589ᶜ, zum nrh. neigend kueke das., couke n. gl. 368ᵃ; nrh. koech pastilla Dief. 415ᶜ, kôche libium 327ᵃ, vgl. 326ᵇ koiche, im Teuth. coick 53ᵃ, nl. koeck Kil., jetzt koek. nnd. koke Chytraeus c. 99, br. wb., Dähnert, kauken Schambach.
b)
das hd. wort hat ziemlich lange seinen reinen nom. bewahrt, hauptsächlich im md.; wie im 15. jh. noch so oft kuche als kuchen, freilich auch kuch Dief. 439ᵇ. 589ᵇ. 415ᶜ, kuche libium 327ᵃ, so im 16. jahrh.: pastilla ein kuche voc. opt. Lpz. 1501 T 5ᵃ, tortula ein clein kuche Ee 5ᵇ; herr und knecht ist éin kuche. Luther 3, 466ᵃ; Ephraim ist wie ein kuche den niemand umbwendet. Hosea 7, 8, s. dazu 2, a, α zuletzt. oberd. kuͦch neben kuͦchen Dasyp. 269ᶜ, Maaler 259ᶜ u. a.
c)
für die ableitung ist entscheidend eine form mit a, die auszer dem hd. und nd. erscheint: isl. kaka f. placenta Biörn 1, 438ᵃ, norw. kaka f. und koke f. Aasen 203ᵇ. 228ᵇ, schwed. kaka f., vgl. Rietz 302ᵃ (der auch altn. kaka nennt), dän. kage. ebenso engl. cake, schott. caik, im prompt. parv. cake 58ᵃ, ags. noch nicht verzeichnet. auch nl. kaek neben koek M. Kramer nl. wb. 1787 1, 200ᶜ (kaakje törtchen Weiland s. v. kaak), nordfries. kâg Haupt 8, 362, 187, und selbst bei uns in einem auch sonst merkwürdigen voc. des 15. jh. bei Dief. 589ᵇ torta kage.
d)
die zu vermutenden ags. cace, altn. kaka stehen zu hd. chuocho im ablautsverhältnis, wie ahd. hano hahn zu huon. weitere bewegung im stammvocal verraten engl. nebenformen: altengl. kichel kleiner kuchen Halliwell 493ᵇ, Chaucer Cant. t. 7329 (in der endung gleich hochd. kuͤchel), ags. cicel buccella, a cake Lye (Dief. n. gl. 61ᵃ), im Ormulum 8662 kechel. dann in Somerset keech a cake Halliw. 489ᵇ. da liegt ein altgerm. stamm vor mit eigenem leben.
e)
ein rom. anklang kann das nicht stören: picard. couque kuchen, occit. coco, churw. cocca, catal. coca Diez wb. 117, 2. ausg. 1, 147, der davon den rom. namen des schlaraffenlandes it. cuccagna, franz. cocagne u. s. w. ableitet (J. Grimm ged. auf k. Friedr. 96 von kuchen, vgl. kokanje sp. 1600), sie selbst aber von lat. coquere. bei der bildung jenes rom. wortes, dem ja kein lat. entspricht, wird selbst einflusz des germ. wortes mitgewirkt, ja den anstosz gegeben haben, zumal in coquere im rom. munde die schlieszende gutturalis als solche früh verloren gieng, die doch in couque u. s. w. erscheint. s. auch kochen I, d. dasz kuchen sachlich keinen anhalt zur entlehnung von einer überlegenen bäckerkunst bietet, wird unter 2, a deutlich genug.
2)
Bedeutung und gebrauch.
a,
α)
geschichtlich wichtig ist vor allem der brotkuchen (s. d.), kuchen aus brotteig: kuͦchen von rocken mel, mustaceus. Dasyp. 269ᶜ, vgl. 146ᵃ; daher bei Boner 74, 34 das brôt, das sich die drei wanderer backen, einmal auch kuoche genannt. noch Simplex erzählt im 11. cap. des 1. buchs aus seinem leben mit dem einsidel im walde: das brod, oder besser zu sagen unsere kuchen buchen wir in heiszer asche aus zerstoszenem welschen korn (dinkel). Simpl. 1, 39 Kz., d. h. sie backen ihr brot nach ältester einfachster weise, wie schon bei Homer und noch bei wilden völkern geschieht, aber eben in kuchenform, und dieser brotkuchen steht an kunst zeitlich vor unserem mit sauerteig, backmulde, backofen u. s. w. hergestellten brote, musz aber wirklich auch schon kuchen geheiszen haben, wie noch Grimmelshausen mit dem 'unsere kuchen' es zu meinen scheint. vgl. kornkuchen (noch 18. jh.), gerstenkuchen (Ez. 4, 12), dann aschenbrot, ascherkuchen und Dief. 559ᵇ s. v. subcinericius. von diesem aschenkuchen rührt wol auch zuerst das umwenden des kuchens her (Luther u. 1, b), vgl. noch bei Comenius orb. pictus 2, 339: küchlein (placentae), die nicht umgewendet werden, verbrennen und verderben, bei Mathesius ein verbranter und dergeszner (verg.) ascherkuchen. Sar. 157ᵇ. vgl. kuchenwender.
β)
das alte verhältnis ist noch im germ. norden erkennbar. in Schottland ist caik (s. 1, c) ohne zusatz 'a caik of oat-meal' Jamieson 1, 188ᵇ, engl. an oat-cake (haber ist das schott. corn, brotgetreide, s. sp. 1816), und wenn das. aus dem 16. jh. erzählt ist, wie die Franzosen dort in einem harten winter so weit gekommen wären, die anfangs verachteten caikis to eit, yea to beg, also vor hunger sogar das 'kuchen essen' gelernt hätten, so zeigt das die urspr. bed. auch von unserm kuchen im rechten lichte. ebenso ist in Schweden kaka, kuchen, auch noch ohne weiteres 'eine art rundes brot' (brödkaka, kakabröd), massa farinacea cocta orbicularis Sahlstedt 255ᵃ, ein brot in der alten kuchenform, und dial. gilt kaka noch für brot überhaupt, s. Rietz 302ᵇ.
γ)
bei uns ist ein rest davon der md. brotplatz, der beim brotbacken aus einem vom brotteige gesparten klumpen hergestellt wird (s. schon weisth. 4, 725) für feiertage oder den kindern zur freude, doch durch aufgelegten kümmel, speck, syrup oder dgl. mit dem neuen begriffe vom kuchen leidlich vermittelt. auf dem lande aber, z. b. in Thüringen, ist bei ärmern leuten aller kuchen, z. b. obstkuchen, noch aus brotteige, eben kuchen oder platz genannt, auch fladen (placenta, blacz, placz, flade, kuche Dief. 439ᵇ).
b)
so begreift sich geschichtlich kuchen für gebäck überhaupt, doch so dasz der gedanke an brot im vordergrunde steht, wie im folg. 'trank und kuchen':
hilf auch, das wir ... als brüder trew beweisen ...
und wie éin trank und kuchen
einander fein besuchen.
Ringwald ev. O 1ᵇ,
zugleich bildlich wie u. d, β; s. Luthers entsprechendes éin brot und éin trank u. d, γ; und sie buchen aus dem rohen teig, den sie aus Egypten brachten (mitgenommen hatten) ungesewrte kuchen, denn es war nicht gesewrt, weil sie aus Egypten gestoszen wurden und kundten nicht verziehen. 2 Mos. 12, 39. Die form des alten kuchens wird im folgenden damit bezeichnet: wollen sie ein lobopfer thun, so sollen sie ungesewrte kuchen opfern mit öle gemenget, und ungesewrte fladen mit öle bestrichen (flade war ursprünglich opferkuchen, s. 3, 1707), und geröstet semelkuchen mit öle gemenget. sie sollen aber solchs opfer (opferkuchen) thun auf einen kuchen von gesewrtem brot. 3 Mos. 7, 12. 13; nam er .. einen ungesewrten kuchen und ein kuchen geöltes brots und ein fladen (als opfer). 8, 26, vgl. 2 Mos. 29, 2.
c,
α)
der heutige begriff musz aber schon in ahd. zeit vorhanden gewesen sein nach dem tortus panis, torta u. 1, a, nach dem lat. worte (torta panis [gen.] vulg., 1 paral. 16, 3, Luther laib brots 1 chr. 17, 3) zuerst vielleicht von kringel- oder brezelförmigem feingebäck, obwol diese form nicht fremdher zu kommen brauchte (s. kringel, bes. 2, c); die änderung des alten begriffes musz aber auch eine geschichtliche beziehung haben zu dem aufkommen von ahd. prôt und seiner künstlichern bereitung. ahd. auch schon phanchuocho, und chuochili küchlein; mhd. dann auch eierkuoche, smalzkuoche, lebekuoche, pfefferkuoche, gefülter kuoche buch v. g. speise § 13, mandelkuoche 74.
β)
noch im 15. jh. wird torta, tortula vorwiegend mit kuche (eigen kuch oder vorbrot) erklärt, s. Dief. 589ᵇ, n. gl. 368ᵃ. aber auch im 16. jh. buk man noch kuchen im neuen begriffe in der asche (wobei der kuchen ein oder mehrmals gewendet werden muszte, wie noch ein pfannkuchen in der pfanne, s. Luther u. 1, b), z. b.: collirida, ein kringel ader weck ader kuche in dem oven oder in der aschen gebacken. voc. opt. Lpz. 1501 F 6ᵃ, vgl. die entsprechende angabe in der gemma Dief. 132ᶜ, und nannte solches gebäck anderseits auch brot, s. z. b. krummbrot, kleinbrot, eierbrot, marcipan, d. i. martius panis Murmellii pappa Cöln 1513 C 4ᵃ, Dief. 409ᶜ, wie noch zuckerbrot, mürbes brot, süszbrot u. ä.; an kuchen haftet dagegen wesentlich der begriff des gebäcks in runder flacher form, wie sie eben die alten aschenbrote hatten, auch dasz er ohne sauerteig hergestellt wird.
γ)
seit dem 15. 16. jh. musz aber die kunst des kuchenbackens rasche fortschritte gemacht haben. am ende des 17. jh. werden bei Stieler 908 aufgezählt ascherkuchen encryphias, eisenkuche, eyerkuchen, äpfelkuchen, kirschkuchen, monkuchen, weinbeerkuchen, honigkuchen, milchkuchen, spritzkuchen, scherbenkuchen, spieszkuchen, pfannkuchen, dann osterkuchen, hochzeitkuchen, teuftekuchen (kindtaufsk.). am ende des 18. jh. bei Krünitz 54, 531 ff. gegen siebenzig arten und namen (s. auch Popowitsch versuch 300), ich will nur probeweise noch nennen, ohne dabei den gebrauch des hauses zu überschreiten, aschkuchen, baumkuchen (oder baumtorte), obstkuchen, butterkuchen, zuckerkuchen, kaffee- und theekuchen, geburtstagskuchen; jede stadt und gegend hat dazu andere arten und namen, und strebsame kunstbäcker, zuckerbäcker, wirte bringen jährlich neue auf
δ)
ein kinderspruch, der alt scheint, gibt das recept zum kuchen: bicke backe kuchen, der bäcker hat gerufen. wer will gute kuchen backen (urspr. bachen), der musz haben sieben sachen: eier und schmalz, butter und salz, milch und mehl, saffran, macht die kuchen gehl (Simrock kinderb. nr. 18), vgl. aus dem 15. jh. das kochrecept wer ein guͦt muͦs wil haben, das mach von sibenler sachen, am schlusse auch saffran darzue, so wirt es gel Haupt 9, 367, zwischen beiden macht nur das kochen und backen den unterschied.
er (Knall) war der tapferste. im lande schöner kuchen,
in Golitz (Gohlis bei Leipzig), fieng er an die flügel zu versuchen ...
Zachariä renomm. 5, 303.
bildlich von anderm 'süszen' (vgl. küchlein 2, f):
was sind die brüste? ambrosiner kuchen,
die doch vor dich nicht selbst gebacken sein.
Hoffmannswaldau u. and. D. ged. 2, 317.
ε)
redensarten und sprichwörter: andrer leute brot ist den kindern (oder hunden) kuchen. eine ironische redensart ist ja wenns kuchen wäre! d. h. wärst du wol der rechte mann dazu. auch blosz ja kuchen! d. h. damit ists, wars nichts: er (Forkel) läuft an ihm (Seb. Bach) herum, tastirt hier und dort, kann aber weder hinein noch hinauf, und so schlieszt sich seine arbeit indem er uns alle ermahnt zu sein was Bach war — ja kuchen! sagt man hier (in Berlin). Zelter an Göthe 4, 104; denk ich, jetzt wirds ruhe geben ein weilchen? ja kuchen! Holtei Lammf. 1, 19. s. ebenso kirschkuchen und das südd. kücheln 2, c; bair. auch morgen bacht die alte küechel! Schm. 2, 279.
d)
merkwürdig eine reihe älterer bildl. redensarten.
α)
von denen die einig seind, sagt man, sie schlagen einander den ballen zu, sie liegen unter éiner deck, sie spannen zusammen, seind mit einander éin kuchen. Lehmann flor. 1, 186; da sie etliche mönche und geschwinde sophisten, so éines kuchens mit ihnen sind, zu hauf beschrieben. Melanchthon 9, 1013; mit herr Dieterich Speten ist er, als man sagt (d. i. um das sprichwort zu brauchen), áin kuch und aier gewest. Zimm. chron. 2, 478, 9, noch schwäb.: wir sind ja immer ein kuch und ein mus gewesen. H. Kurz Sonnenwirt 279. in der dritten stelle scheint an einen eierkuchen gedacht, zugleich wol von eiern éiner henne, vgl. bei Schütze holst. id. 1, 59: se sünd een bak, een eierkoken, sagt man von sehr vertrauten freunden. in der zweiten zeigt der gen. eines kuchens, dasz an den teig gedacht ist (daher auch 'éin kuchen und teig' Luther 4, 19ᵃ unter β), der als éiner ins backhaus kommt und erst dort zu mehreren kuchen getrennt wird, die doch unter anderen noch als aus einer quelle kommend erkennbar sind eben an der zubereitung des teiges; da zu festzeiten mehrere, ja viele hausfrauen in éinem backhause backen, ist eine solche unterscheidung recht nötig, und die redensart könnte da ihren ursprung haben. vgl. wir sind von éinem teig gebachen unter backen 8, éines gebacks leute, ejusdem farinae homines Stieler 75, einen anders bachen, ändern, bessern Fischart b. Gödeke d. d. 1, 162ᵇ, 58, und ausbacken. vläm. koeken van eenen deeg, leute éines schlags Schuerm. 271ᵃ.
β)
auf éinen kuchen schlagen, zu einem k. machen u. ä., in mehrfacher bildl. verwendung: also dʒ vil achten, dʒ man ausz vilen clöstern itzet nit éinen Bernhardum schmiden möcht, und schluͤg man sie gleich all auf einen kuͦchen. S. Frank chron. 1531 470ᵃ, das schlagen passt ebenso auf das teigmachen im backhause; da fasset er beides zu hauf (d. i. zusammen), das sie des vaters kinder und Christi eigen sind, und machet éinen kuchen draus. Luther 6, 184ᵃ; bis dasz wir jederman in uns drucken und leiben und éinen kuchen mit uns machen. br. 2, 163; er heisze Stenkefeld, Zwingel oder wie er wolle, denn ich rechen sie alle in éinen kuchen, wie sie auch sind, die nicht gleuben wollen, das des herrn brot im abendmal sei sein rechter natürlicher leib. 8, 178ᵇ; das von diesem einigen menschen (Adam) alle menschen komen müssen ... also das wir müssen mit im für éinen kuchen und teig gerechnet werden. 4, 19ᵃ (1556 21ᵇ), gleiches schicksal, gleiche lage haben; desgleichen lies ich auch (in kath. schriften) .. das der heiligen verdienst (pl.), durch den glauben Christi (nämlich verdiensten) eingeleibt und éin kuche mit inen worden, nu eines sind und eben das thun und wirken so das verdienst Christi thut. 1, 115ᵇ; von den alten röm. juristen sagt Luther irgendwo: und ich acht wol, wenn itzt alle juristen in éinen kuchen gebacken und alle weisen in éinen trank gebrawen würden, sie solten ... nicht so wol davon (von dem weltl. rechte) reden noch denken können, vgl. 'éin trank und kuchen' unter b; doch ist da zugleich an die verschiedenen zuthaten zum teige, mandeln, gewürz u. dergl. gedacht.
γ)
Luther brauchte diesz backhausbild auch im höchsten, ernstesten sinne als bild der innern, wesenhaften einigung mit gott und Christo im sacrament des abendmahls: hab ích gesündigt, so hat dieser leib (Christi, den ich jetzt esse) nicht gesündigt .... ich bin nu éin kuche mit Christo. 3, 158ᵇ, die genommene hostie ist ja wirklich aus teig; ir habt zwo frücht von dem heiligen sacrament. eine ist, das es uns machet brüder und miterben des herrn Christi, also das aus im und uns werde éin kuche. die ander, das wir auch gemein und eins werden mit allen andern leuten auf erden und auch alle éin kuche. 3, 159ᵃ, vgl. 159ᵇ, mit berufung auf s. Paulus 1 Cor. 10 wir sind alle ein brot und ein trank, die wir teilhaftig sind eins brots und tranks, doch mit sehr freiem citieren (s. dort v. 3. 4. 16. 17), vgl. Ringwald u. b; wenn du nu mit Christo éin kuche bist, was wiltu mehr haben? du .. sitzest nu im paradis. 3, 159ᵇ; wer in der liebe bleibt, das der in gott bleibt, und gott in im, also das er und gott éin kuche wird. 6, 46ᵇ; das gott in und bei uns ist und wonet, ja das wir in im und mit im éin kuchen seien. 48ᵇ.
e)
endlich von anderen stoffen in ähnlicher form.
α)
bergmännisch, im hüttenwesen, erzgusz u. ä., erzkuchen, kobaltkuchen, metallkuchen, silberkuchen (Frisch 1, 553ᵇ), nl. koeck van metael, pastillus Kil. (bei Weiland koek ein silberklumpen, barren von 150 mark): sogleich gieng ich den ofen zu besehn und fand das metall stehend und zu einem kuchen geronnen. Göthe 35, 211; dasz der kuchen zu schmelzen anfieng. 212, metallkuchen das. (Benv. Cell. 4, 6); einen kuchen salmiak, den ihm der brennende berg geliefert hatte. 25, 327; der sogenannte Bologneser schwerspath .. woraus man die kleinen kuchen bereitet, welche calcinirt im dunkeln leuchten. 27, 173. vgl. das zweite küchelchen.
β)
ölkuchen, leinkuchen, hanfkuchen u. ä., die ausgepressten hülsen des leins, hanfes, rübsens, auch weinbeeren u. ä., die unter der presse eine zusammengebackene kuchenähnliche gestalt gewinnen, und weitere verwendung finden, 'kuche oder kuchen' Frisch 1, 553ᵃ. rosenkuchen, die in der blase zurückgebliebene trockne rosenblätter in gestalt eines kuchens Krünitz 54, 531. ähnlich harzkuchen, pechkuchen. auch blut, das chemisch der zersetzung unterworfen wird, scheidet sich in wasser und kuchen.
γ)
auch die wachsscheiben im bienenstocke heiszen hie und da kuchen (Krünitz), vgl. ags. beobreád favus unter brot 7, honigwabe. das könnte noch von dem ältesten kuchen (a) herrühren.
δ)
in glashütten thönerne stöpsel, die luftlöcher des glasofens damit zuzusetzen. Krünitz, vgl. bergwerkslex. Chemn. 1743 345ᵃ.
ε)
eigen: herzriebkuchen, rheumatismus in den brustmuskeln, schulter- oder schulterriebkuchen (riebe rippe), rheumatismus in den schultermuskeln. A. Peter volksthüml. aus österr. Schlesien 2, 244. nl. bei Kil. koeck aen't herte, scirrus, scirrhoma, obstructio hepatis aut lienis; noch bei Weiland als ausdruck des gemeinen lebens, wenn man drücken auf der brust spürt, het ligt mij daar als een koek voor het hart. ein bildlicher ausdruck der älteren chirurgie.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2496, Z. 72.

küppchen, n.

küppchen, n.
dimin. zu kuppe: ein küppchen finger Rückert (1868) 2, 270, kleine kuppe vom finger.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2771, Z. 12.

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Zitationshilfe
„küppchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCppchen>, abgerufen am 27.07.2021.

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