Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kuppel, m.

kuppel, m.
kuppelei, das kuppeln als geschäft: ich musz Hilarien heute noch zu meiner frau haben ... im ernste, Lisette .. du müstest im kuppel nicht viel gethan haben, wann du so eine kleinigkeit nicht in sechs .. stunden zu stande bringen könntest. Lessing 2, 445 (weiber sind weiber 1, 8); neugebildet, wie handel zu handeln, falls es nicht alt ist und eig. zu dem dritten kuppeln gehört, vgl. kuppeltheil.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2773, Z. 41.

kuppel, f.

kuppel, f.
gleich koppel, s. d., das franz. couple, altfranz. auch cople; schon mhd. in der doppelform kuppel und koppel oder dem franz. näher kupel, kopel. die form mit o gilt aber als feiner, wie sich das schon in Frischs worten andeutet: 'koppel, einige sprechen es als kuppel aus' 1, 537ᶜ. es findet sich auch als m. oder n., s. 2, b zuletzt, 'die oder das kuppel' Ludwig 1090.
1)
kuppel f., band, 'kuppel oder fessel, chamus, camus' voc. 1482 r 8ᵇ. b 6ᵃ (halskoppel n 5ᵇ), das lat. wort bedeutet im voc. inc. teut. rüdenbant k 8ᵇ. das franz. wort ist mit dem höfischen jagdwesen ins land gekommen.
a)
urspr. das doppelhalsband für zwei jagdhunde (das genauere unter koppel), aber auch für drei (s. u. 2, a):
drî (hunde) ligent an einer kupel,
si loufent suoʒ und ouch snel.
lieders. 2, 295 (bildl.),
dem reime nach noch als fremdwort betont kúpèl, wie trópèl (: hel), franz. troupeau Wolfr. Wh. 57, 9. 407, 19, eine betonung die doch von selbst zu kuppel führen muszte;
zuͦ letst kam einr mit kuppelhunden,
ie drei zam an ein kuppel bunden.
G. Wickram irr reit. bilger F 2;
d' hund an der kuppl fuͤren, numellis canes ducere. Schönsl. h 5ᶜ, der sing. also collectivisch, mit geschäftlicher kürzung (vgl. schon Konr. Parten. 2632 fg.), wie bei Aler 1257ᵇ hund an der kuppel führen mit ders. erkl., den hunden die kuppel abthun, canes numellis exsolvere. von einer kuppel: die hunde an der kuppel mit der linken hand führen, copulam canum etc. Steinbach 1, 950.
b)
dann von bändern zur fesselung und führung anderer thiere in ähnlicher weise, bes. der pferde, s. koppel 1, b und hier 2, b. nach kuppelfalk Frisch 1, 538ᵃ (der das kuppel- aber anders auslegt, nach bed. 3 und folg. wol auch zur führung von falken; von dem verschwinden der guten menschen in der welt heiszt es:
die heilegen habent sich ûf gezogen,
von der kuppel sint si geflogen
ûf zuo ir schephære.
warnung 1768 (Haupt 1, 487).
c)
auf menschliche verhältnisse übertragen wie band, fessel, kette u. a.; schon mhd.:
trût, du kuppelst alle mîne sinne:
liep, nu 'st dir doch bendic aller mîn gedanc (vergl. kuppelbändig).
tuo mir fröide bendic, triuterinne:
dar zuo hœrt niht kuppel (gen.) wan dîn ermel blanc.
der schulmeister von Eszlingen, Bartsch lied. 232, MSH. 2, 139ᵇ.
von politischen bündnissen: bündnussen sind gemeinlich kuppeln von faulen (mürben) stricken. Lehman flor. 1, 125, vgl. die faule bundsstrick 128; in der kuppel musz der schwächer des stärkern trew und untrew folgen. 127; in einer groszen versamblung .. da man geringere ständ zur kuppel wolt ziehen .. das., vgl. verkuppelt 126, verbündet. bei Henisch 615 auch cuppel der ehe, ehehaftung, copula matrimonii. s. auch koppel 1, d.
d)
degenkuppel, säbelkuppel, gewöhnlich koppel, s. d.; ähnlich schles. kupsel n., hanfener traggurt, sonst kuppel Weinh. 49ᵇ (vgl. kupse).
e)
eine art bänder werden auch folg. kuppelen sein in Aachen im 14. jh., in baukunst: umb steine, nele (nägel), schendelen, zien (zinn), kuppelen, schalen, keffer. Laurent Aach. stadtrechnungen 328, wol zur bedachung; vgl. koppelbalken. auch gewisse verbindende gesimse heiszen kurz kuppel, vgl. kuppeln 2.
2)
eine kuppel heiszen auch die durch eine kuppel zusammen 'gekuppelten' selber, schon mhd. (vgl. koppel 2).
a)
weidm. eine kuppel hunde, da zwei oder drei an einander gekuppelt sind. Ludwig 1090, 'bestehet bei der teutschen jägerei aus dreien, bei der französischen aber nur aus zweien' öcon. lex. Lpz. 1731 1342 (das. auch noch mit heimischem ausdruck strick, ein strick windhunde); man machet sie (die jungen hunde) auch zugleich kuppelbändig, d. h. gewöhnet die hunde nebeneinander gekuppelt, eine kuppel hinter der andern, zu gehen. Heppe jagdlust 1, 76. Auch erweitert, die einzelnen kuppeln, die zu einer jagd dienen, zusammen (vgl. koppel 2, a), im genauen anschlusz an den collect. gebrauch von kuppel als band u. 1, a: viele hunde in eine kuppel zusammen binden. Steinb. 1, 950;
wie auf dem rauhen Harz, wenn durch den hohen wald
die wilde kuppel bellt.
Zachariä renomm. 4, 288;
auf einmahl hörte ich ein geklaffe wie von einer ganzen kuppel hunde. Münchhausen (1788) 41; und dann immer eine kuppel hunde zu füttern (als geschäft)! Göthe 36, 91, hier nicht jagdhunde, sondern haushunde.
b)
übertragen auf andere thiere, schon mhd. z. b. diu cupel der schâf Mone schausp. d. m. 1, 63; von schweinen: ich dachte heute ans andere leben, als ich eine frau auf dem markte mit fünf schweinchen sah, die sie jedes mit einem strick am bein vor sich her treiben wollte, die ihr aber wie elektrische strahlenbüschel auseinander fuhren. jetzt schon sagt ich, mit unsern wenigen kräften und wünschen .. geht es uns so erbärmlich wie der frau mit ihrer kuppel .. J. Paul Tit. 2, 134 (1800 2, 25). Besonders von pferden, die 'in der koppel' gehen (s. koppel 2, b): eine kuppel pferde. Steinbach; dasz er dises dritte register mit seim wapen beschliesze, wie der best schellhengst die kuppel. Fischart bien. 1588 238ᵇ; auf eim gaul, den er die tag darvor von einem teutschen kaufman aus der kuppel gekauft. Kirchhof wend. 424ᵇ, bei Öst. 1, 525 aber aus dem kuppel, als m. oder n., wie koppel, s. dort 1, d und 2.
c)
auf todte dinge übertragen, z. b. von schlüsseln: dasz da unser herr Christus der römischen kirchen die schlüssel des himmelreichs gelifert, irn noch dazu ein ander kuppel von 6 schlüsseln geschenkt habe, damit alle känsterlin und laden der schrift .. auf zu schlieszen. Fischart bien. 68ᵇ (72ᵇ), bei Marnix 61ᵇ een ander coppel met ses sluetelen, am schlüsselbunde angereiht, angelegt wie die koppelhunde. eine kuppil vygen, pondus ficuum bei Fahne forschungen II, 2, 90. 92, feigen angereiht am faden, dem schlüsselbunde ähnlich. fränk. hopfenkuppel, zusammengestellte hopfenstangen Schm.² 1, 1272.
d)
auf menschen (vergl. koppel 2, c), gleichfalls schon mhd., z. b. in einer schlachtschilderung:
sich flâhten, sunder stricke,
die rotten in ein kuppel.
Reinfried v. Br. 1759.
nhd. besonders verächtlich: mit disen muͤszten auch an der kuppel anhenken und zu markt ziehen (wie kuppelpferde) alle die tiefsinnige schullehrer und sententienschreiber. Fischart bien. 1588 68ᵇ; hat man doch .. zu Bruck (Brügge) .. viel kuppeln mönchischer hurer und eheschänder mit ruten ausgestrichen. 168ᵇ; nach diesem ersahe ich (in der hölle) eine kuppel schnapphanen, freibeuter, straszenräuber, welche .. flohen. aber wie bald waren sie von den teufeln zusammen getrieben und zu den schneidern gekuppelt. Philander (1644) 241; ein koppel (n.) oder eine rotte losen gesindleins. Ludwig 1090. oft sind sie eben gekuppelt, gefesselt gedacht.
3)
revier an dem mehrere gleiches recht haben, wahrscheinlich vom Rhein ausgegangen, wo es schon früh im 13. jh. erscheint (s. koppel 3): daʒ dorfgericht, die hirtschaft .. und diu reht, diu zuͦ der kuppel gehoͤrent. monum. Zoller. 231, vom j. 1351. vgl. kuppeljagd, kuppelfischerei, kuppeltrift.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2773, Z. 48.

kuppel, f.

kuppel, f.
gewölbtes dach einer halbkugel gleichend, das ital. cupola, woher auch frz. coupole, eig. demin. von lat. cupa fasz (Diez 1, 139). nl. koepel m.
1)
eigentlich: cupel, kirchkoppel, oberste decke eines kirchthurms, it. cuppola, franz. dome d'église. Rädlein 181ᵇ; kuppe oder kuppel, rundes dach, engl. a cupola Ludwig 1090 (franz. auch coupe); die kuppel an sant Peters kirche zu Rom. das.;
schau hin! dort hebt sich Reims mit seinen thürmen,
das ziel und ende deiner fahrt — die kuppel
der hohen kathedrale siehst du leuchten.
Schiller jungfr. 3, 9;
was dort am fernen himmel glänzt, das sind
die kuppeln von Sewerisch Novogrod.
der falsche Demetr. 2, 2.
Auch von innen betrachtet: auf einem teppich, gerade unter der mitte der kuppel, saszen drei frauenzimmer. Göthe 24, 89, im mittelsaal eines gartengebäudes von domartiger höhe.
2)
übertragen: weil ich erst auf dem Schneeberg, der kuppel des Fichtelgebirgs, mich umsehen will. J. Paul uns. loge (1793) 1, xiv;
drauf umschlosz er das haupt mit des helms viergipflichter kuppel.
Voss Il. 11, 41. 5, 743,
ein kuppeldach heiszt auch helmdach, die kuppel helm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2775, Z. 17.

küppel, m.

küppel, m.
berg, hügel, s. unter kuppe 1, a, β.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2775, Z. 40.

kuppeln

kuppeln,
rollend abwärts fallen, hessisch Vilm. 233 ('gleichsam kopfüber'), z. b. kinder kuppeln den berg herab, auch ein groszer stein, ein baumstamm. auch sich überkuppeln, sich überstürzen, 'häuptlings dahinrollen', wie katzen, hasen, nordfränkisch Schm.² 1, 1272. es musz frequentative form zu kuppen gleich kippen sein, s. kuppe 2. ebenso köppeln zu koppe, käupeln zu kaupe spitze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2776, Z. 55.

kuppeln

kuppeln,
copulare, s. dazu koppeln.
1)
im eigentlichen sinne: aneinanderen kupplen, adjugare. Maaler 258ᶜ.
a)
jagdhunde kuppeln, schon mhd. (vergl. koppeln), franz. coupler: wann sie (die jungen hunde) des jägerhaus gewohnet, sol man ihnen knüttel an hals legen und ie par und par zusammen kuppeln, damit sie gewohnen fein bei einander zu bleiben. Feierabends jag- und weidwerkbuch 12ᵃ; nebeneinander gekuppelt, s. Heppe unter kuppel 2, a.
b)
ebenso pferde kuppeln Ludwig, gekuppelte pferde Aler 1257ᵇ, kuppelpferde, franz. chevaux couplés. auch rinder, s. koppeln 1, c, und anders, z. b. erlegte vögel: nachdem ich dieselbe mit einem durch den schnabel gezogenen drath aneinander gekuppelt ... Pierot 2, 193.
c)
menschen, verbrecher oder gefangene o. ä.: (die plünderer) knipften und kuppelten mägd und knecht, jungfrawen und junge knaben zusamen und tribens vor ihnen her. Garg. 201ᵇ (Sch. 374), wie vieh, zugleich aber mit höhnender anspielung auf die bed. 3; dasz wir ... als (wie) gefangene übelthater in grosze gebund zusammen gekuppelt worden. Simpl. 2, 177 Kz., der hanf erzählt es.
d)
von den pferden übertragen auf wagen, eisenbahnwagen, s. koppeln 1, e und kuppelstange.
e)
auch von unsinnlichem, doch sinnlich gedacht, z. b.:
tiefe verblendung seh ich gekuppelt an tiefe gemeinheit.
Platen 144.
schon mhd., z. b. du kuppelst mîne sinne unter kuppel 1, c, fesselst sie wie ein jagdhund gefesselt ist.
2)
auch sonst in mancherlei weise übertragen, z. b. gekuppelte säulen, zwei dicht stehende säulen, deren füsze und knäufe sich berühren ( Adelung), gekuppelte bildsäulen, die éine basis haben o. ä. (ders.), gekuppelte fenster, an eisenbahnwagen gekuppelte räder, franz. roues couplées. vergl. koppeln 3, auch kuppel 1, e. mehrfach auch im gewerbs- und maschinenwesen von verbindung zweier glieder, theile, kräfte zu gemeinsamer wirkung, auch verkuppeln.
3)
besonders aber von mann und weib in bezug auf liebe. auch dafür galt ursprünglich die doppelform koppeln (s. d. 4) und kuppeln, aber letzteres ist schon länger dafür ausschlieszlich in gebrauch (wie denn Adelung kuppeln nur in dieser und der vorigen bed. anführt), während koppeln in der bed. 1 den vorzug erhielt, sodasz beide nun wie verschiedene worte erscheinen.
a)
ausgegangen ist wol auch das von dem kuppeln der jagdhunde. ein geläufiges bild war mhd. der minnen seil, stric, bant u. ä., die höfische welt aber sah kaum ein seil öfter als das der jagdhunde, so lag ihr die vergleichung eines solchen an einander gefesselten paares mit liebespaar und liebesbanden nahe genug. von solchen paaren in einer gesellschaft wird noch im 15. jahrh. gesagt:
ie zwei und aber zwei
sint gekupelt an der minnen seil.
Kellers erzähl. 647, 21.
Das franz. wort hat übrigens diese bed. nicht entwickelt, obwol der ansatz dazu da ist z. b. in couple m. von einem liebes- oder ehepaar, auch couple charnel, fleischliche vereinigung (s. Littré 1, 849ᶜ). aber nl. koppelen, auch dän. koble, schwed. koppla. bei uns kam ihm ein anklingendes heimisches wort entgegen, s. b am ende.
b)
die bed. ist von haus aus keine schlimme, auch eheleute werden gekuppelt oder zusammengekuppelt, zusammengebracht durch einen vermittler, werber, freier, wie ja auch die ehe als band vorgestellt wird: kuppeln, freien, pulen, sponsiern, biten, procari. voc. 1482 r 7ᵃ (procus freier, im 15. jahrh. bitel Dief. 462ᵃ, schon mhd., ahd.); lustige hochzeitgäste z. b. singen:
so kuppeln wir bei dieser breut (hochzeit, s. bräute)
zusamen noch zwei junge leut,
so kommen wir wider auf die hochzeit.
Garg. 50ᵇ (Sch. 80),
vergl. 'beilag und ehkoppel' (beilager) Garg. 64ᵇ, Sch. 107 und copula, verbintenis zur ee Dief. 149ᶜ, copulare, zu der ee binden 150ᵃ, beides allerdings schon in den röm. rechtsbüchern, vgl. copulieren. Und so bis heute kuppeln ('theils nur in der niedrigen sprechart theils nur im verächtlichen verstande' Adelung): ich will freiersmann sein. was krieg ich, wenn ich sie dir kupple? Göthe 11, 14, in Jery und Bätely, wie ebenda dasz ich immer nur für mich gekuppelt habe 22, für mein kuppeln 36, in bauernmunde; auf ehre, mein schatz, das war ein schelm .. der sie dem Fiesco kuppelte. Schiller 155ᵃ, Julia sagt es zu Leonoren, als verächtliches kraftwort. ebenso nl. koppelen, neben folg. bed.; s. auch kuppelpelz, und kuppelig. Wahrscheinlich ist gerade daran das dritte, heimische kuppeln stark betheiligt, zumal die eheschlieszung vor alters ausdrücktich als ein kaufen galt (sp. 328); eine solche betheiligung ist aber auch beim folg. möglich, vgl. kaufen 4, b (engl. cope futuere bei Shaksp.).
c)
vorherschend ist doch 'kuppeln, lenocinari' voc. 1482 r 6ᵇ: bruͦder Cuͤnzelin der kuppeler het dise stat .. versworn (ist verbannt worden) .. umbe daʒ er kuppelte zuͦ den frowencloͤstern und ouch mengelichen kuppelte. Straszb. chron. 1021, sowol für nonnen wie im allgemeinen das geschäft trieb;
Eva mein magd ist recht darzu,
die kupelt und nimpt drumb ihr gelt.
Ayrer fastn. 1ᵈ (2341, 17);
Görge. da sagt er zu Rösen im vorbeigehen: guten abend, Röse! wie ihr doch allen leuten in die augen stecht! .... der fremde .. hat euch recht gelobt. wollt ihr ihn .. besuchen? ... er wohnt in der langen strasze numero 636. Märten. das heiszt man ja kuppeln. Göthe 14, 274; Serlo konnte ohne eine kleine liebschaft nicht leben. Elmire .. hatte schon lange seine aufmerksamkeit erregt, und Philine war klug genug, diese leidenschaft .. zu begünstigen. man musz sich, pflegte sie zu sagen, bei zeiten aufs kuppeln legen, es bleibt uns doch nichts weiter übrig wenn wir alt werden. 19, 242;
doch denke dir nur die töchter im hause,
die mir der kuppelnde dichter mit allem bösen bekannt macht.
1, 341 (epist. 2).
d)
bei genauerer bezeichnung tritt auszer dem acc. auch ein dat. der person hinzu (s. schon unter b aus Göthe, Schiller), im acc. steht regelrecht das weib, im dat. der mann: einem kupplen, copiam afficere alicui ad aliquam amicam. Maaler 258ᶜ; gab ihr ein paar gulden auf die sach, das sie ihm die junge fraw solt kuppeln. Pauli sch. u. ernst 48ᵇ; bestalt ein alt weib und verhiesz ir vil geld, sie solt sie im kuplen. ders. Augsb. 1546 cap. 76; meine tochter, mein armes kind! fluch über den verführer! fluch über das weib, das sie ihm kuppelte! Schiller 193ᵃ.
e)
die bed. weicht auch nach andern, nahe liegenden seiten aus. für werben: Cupido kuppelt dem Hymen. Fr. Müller 2, 114. ähnlich für gewinnen durch kuppelei: willkommen mit dieser schwägerschaft. du bist ein guter soldat. das soll mir deinen arm zu Dorias untergang kuppeln! Schiller 159ᵇ (Fiesco 2, 16). im folg. scheint es gleich reizen, sinnlich anspornen: unkuscheit .. die hund kuppelt si zu scharpfen bissen. Cyrill. 82ᵇ.
4)
nur dem lat. copulare nachgebildet:
weiland war das hände dupeln
also viel als herzen einen:
nunmehr, wann sich hände kupeln,
bleibt es auch bei duplem meinen.
Logau 3, 5, 51,
mit der überschr. die rechte hand. so lat. copulare dextras. es kann haupts. an das copulieren unter 3, b gedacht sein.
5)
aber auch von kämpfern an einander kuppeln; zwei ritter kämpfen auf leben und tod um eine jungfrau, die sie an einander gehetzt und zusamenen gefügt hatte, ein dritter fragt dieselbe nach der ursache des kampfes: gewisslich, antwort sie, kan ich es billich wol wissen, dieweil ich sie (wie ihr sehet) eben so fein an einander gekuppelt, dasz jetzt ich vergnüget (zufrieden gestellt) werden musz, also dasz unmüglich, dasz nicht der eine todt bleibe. Amadis 250 (1, 23). wie das an einander hetzen vorher auch an hunde erinnert, könnte diesz kuppeln gleichfalls aus der weidmännischen sprache stammen. ähnlich ist der doppelsinn von ein paar, das sowol liebes- oder eheleute bezeichnet, als auch zwei die 'an einander geraten' in zank und streit.
6)
was ist folg. sich kuplen? S. Frank schildert die Franken u. a.: es ist ein hochtragend volk, welches über andere nationen sich erhebt, jha sich auch hönet und kuplet. weltb. 1534 50ᵃ (Wack. les. 3¹, 336).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2776, Z. 62.

kuppeln

kuppeln,
heimlich tauschen, markten u. ä., ein mundartliches, heimisches wort, auch koppeln, verwandt mit kaufen (s. u. kaupeln und koppelei), aber es schlieszt sich an das fremde kuppeln nahe an, wie bei Schiller dort u. 3, e daran gedacht sein könnte. ältere bezeugung s. unter kuppeltheil, koppelei, besonders auch kuppler 2, b.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 50.

kuppeln

kuppeln
zu kuppel als kuppeldach, nur in gekuppelt, hochgekuppelt u. ähnl.; doch von dem strahle eines springbrunnens: steigt ein mächtiger wasserstrahl sich höher und höher kuppelnd .. empor. H. König, könig Jerômes carneval 1, 353, aber der Hesse scheint da zugleich an sein heimisches kuppeln, sich wälzend überstürzen (sp. 2776) gedacht zu haben, vielleicht auch an kuppe, das auch mit kuppel sich mischt (sp. 2775), denn eine eigentliche kuppel bildet der wasserstrahl nicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 56.

küppeln

küppeln,
s. kippeln 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 64.

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„küppeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCppeln>, abgerufen am 26.09.2021.

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