Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

kippe, f.

kippe, f.
ein md. nd. wort mit mehrfacher bed., die doch auf éine grundbedeutung zurückgehn mögen.
1)
spitze.
a)
hauptsächlich in bezug auf ein ding das auf der spitze steht und dem sturze ausgesetzt ist, kippe praecipitium Steinbach, Frisch: auf die kippe kommen pervenire in praecipitium, auf der kippe stehen stare in praecipiti. Steinbach. ein glas z. b. das auf der kante des tisches steht, steht auf der kippe (auch auf der wippe, s. u. 2), wenn sein schwerpunkt der kante nahe ist, wenn es 'umzukippen' droht; stelle das glas nicht auf die kippe. bildlich: er steht auf der kippe, ist in gefahr sein amt zu verlieren. Steinbach, auch von kaufleuten denen bankerott droht; der minister steht schon lange auf der kippe, wie ist gestürzt u. ä.;
es ist nicht fein, die grosze monarchie
...... so auf der kippe zu sehen.
Klamer Schmidt.
Wir fühlen das nur als in beziehung zu kippen, wie subst. verbale dazu, und Adelung, Campe u. a. fassen es so auf, als 'zustand' u. s. w. so ist es wol auch wirklich mit dem bair. ausdruck dafür auf der spreng, zu sprengen springen machen, schweiz. auf der schwanke, auch gimpfe Tobler 222ᵃ. in Thüringen heiszt es gern kipfe, öfter kepfe; auch keppe kommt md. vor (sächs., im ungr. berglande Schröer 69ᵃ) und kapfe, kappe, und immer mit dem entsprechenden verbum dabei, s.kepfen, ↗kappen 3, kippen 1. aber auch spitze selbst wird so gebraucht.
b)
es musz aber auch ein selbständiges kippe spitze gegeben haben, das Wachter 839 ansetzt als extremitas cujusque rei. dafür bürgt Luthers kipfe der felsen, kipplein spitzchen 16. jh., nd. westf. kip (und tip) spitze Woeste in Kuhns zeitschr. 2, 87, besonders mrh. kippel (neben küppel) kleiner hügel, als masc. Kehrein 224; so schott. kip spitzer hügel und hervorragende spitze. Diesz kippe steht denn im reinsten ablautsverhältnis zu kuppe und zu kappe (8, b) spitze, zwischen den beiden letztern aber steht kaupe 2 spitze, und das alles mag sehr alt sein.
2)
kippe, schaukel Rädlein 536ᵃ. 767ᵇ; ebenso wieder keppe Schmotther 2, 384 (bei beiden nur in dieser bedeutung). s. dazu kippen 1, b. gewiss eine schaukel wie sie sich die kinder z. b. aus einem brete herstellen, das auf seinen schwerpunkt gelegt ist, auf eine 'spitze', auf die kippe gestellt. nd. heiszt das wippe (wie wippe u. 1), auch aus beiden worten verbunden kippwipp, und ablautend wippwapp Stürenburg ostfries. wb. 333ᵃ. s. auch 4.
3)
kippe, eine falle, decipula quae dejecto pondere resurgit Frisch 1, 515ᵇ; auch nl. bei Kilian kip decipula, mnl. kep pedica hor. belg. 7, 6ᵃ. auch das könnte eig. eine 'auf der kippe' stehende vorrichtung sein, die dann 'umkippt', wie die falle vom 'zufallen' benannt ist, ebenso schlag vom zuschlagen, sprenkel vom abspringen. doch vgl.kippen 7. s. auch klippe falle.
4)
kippe, goldwage. M. Kramer 1787. davon kippe und wippe, s. u. kipper 3, a. eigentlich musz diesz kippe der wagebalken sein, der mit kippe 2 sachlich übereinkommt. berührung mit 3 in der sache zeigt frz. trébuchet goldwage und vogelfalle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 782, Z. 5.

kippe, f.

kippe, f.
neben und gleich kappe bei Fischart: sprecht mir nach .. ein mönch, zwen mönch, drei mönch baten mich umb ein alte kippen kappen u. s. w. Garg. 49ᵃ (78 Sch.), wie es scheint aus einem sprechspiel. es erscheint zunächst wie ein rhythmisches spiel mit dem ablaut, willkürlich nach art der kindersprüche, wie schon mhd. ganz unzweifelhaft in einem unechten Neidhart bei Haupt s. xlv gippen gappen für geben, hippen happen für haben, in einem bair. schnaderhüpfel gniglt gnaglt genagelt Schm. 2, 686. die formel bei Fischart lebt noch jetzt in kinderreimen, ostfriesische reime der art fangen an kippe kappe kögel oder kippe kappe kente, s. Frommanns mundarten 5, 272. Aber es gibt ostfries. auch wirklich 'kippe leichte mütze, mannsmütze' (auch kipse, vgl.käpsel) Stürenburg 107ᵇ (kipp-kappkögel eine hutähnliche papierlaterne, s. 117ᵇ), nl. kip (kips) f., pl. kippen kindermütze, und schon spät mhd., wol mrh., bei Engelhusen 'leripendium, kipp' Mone anz. 7, 301ᵇ (s. kappenzipfel): danach und nach dem unter kiffen beigebrachten liegt da wirklich ein altes wort vor für mütze u. ä. zu kappe und kippe stellt sich nun den dreiklang des ablauts vollendend ahd. kuppa, kuppha mitra, mütze Graff 4, 355 (vgl. gapfa mitra 176), das auch tief in die rom. sprachen eindrang (Diez 119). Da ist nun entweder der seltene fall, dasz ein fremdwort, kappe, fortbildung mit ablaut erfuhr (s. Wackernagel umdeutschung 50, vgl. kiste), oder dem fremden capa kam bei seinem hereinkommen ein heimisches wort entgegen (vgl. sp. 139, auch 706. 639. 512, sicher bei kappe selbst sp. 196), oder das eigentlich noch heimatlose capa ist selbst von den wandernden Germanen hergekommen. vgl. weiter kopf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 782, Z. 55.

kippe, f.

kippe, f.
mutterschaf, ein mehrfach merkwürdiges wort.
1)
kippe, auch kibbe gibt Nemnich 4, 819 an, ohne bezeichnung der landschaft. das erste wird md. sein, in der Leipziger gegend gibt es kippe kippe! oder kippchen! als lockruf für schafe (und ziegen, wie hippe!).
a)
Schottel 1344 nennt kibbe, dazu kibbenlamm, letzteres wie aulamm; Schambach kiwwe f. und kibben n., zuchtschaf nach dem ersten jahre (wie kalbe vom kalb), aber auch allgemeiner weibchen einiger thiere, besonders der schweine, ziegen und schafe, kimlam (für kibbenlamm) mutterlamm.
b)
es findet sich im norden wieder. besonders schottisch, auch mit einer zuthat zum eig. begriffe: keb ein mutterschaf das sein lamm verloren hat oder todt geboren, keb-lamb ein lamm das die mutter verlor, s. mehr bei Jamieson. englisch kebber ein schaf das ausgeschossen wird, s. das. und Halliwell.
c)
dän. dial. kippe dagegen ist ein junges kalb, schwed. dial. kibb m., auch kubbe u. a. kalb Rietz 361ᵃ, nur als schmeichelname, in welcher form alte thiernamen am längsten nachleben nebst dem verächtlichen gebrauch. ähnlich götting. kiwweken n. schweinchen, namentlich als lockruf, auch kim! Schambach 99ᵇ. in dieser bed. entspricht, mit ablaut (wie kubbe) nl. kabbe, aber auch kebbe, bei Kilian, porcellus, dazu kabbeln junge werfen, von schweinen, katzen u. a. (schott. to keb von schafen, abortieren). es ist deutlich dasz darin ein germ. wort von hohem alter vorliegt.
2)
für weitere ergründung einige winke. der wechsel der anwendung auf schaf und kalb ist ähnlich bei kilber, s. dort 2, c. d. und wie dort in schilbe eine nebenform mit S voran (vgl. 406), so hier in schippe, schibbe (auch zibbe) mutterschaf Nemnich, z. b. in der Lausitz, sodasz man an verwandtschaft beider denken darf. aber schibbe wird auch von schaf nicht zu trennen sein. zu dem götting. kim ist aber auch dän. gimmerlam mutterlamm zu vergleichen, nordengl. gimmerlamb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 783, Z. 4.

kippe, f.

kippe, f.
hagebutte, in der Zips, kippen pl., dazu kippenstrauch Schröer 69ᵃ, diesz auch in östr. Schlesien Peters volksthümliches u. s. w. aus östr. Schlesien 1, 278, in Siebenbürgen kippendorn aus d. 14. jh. F. Müller deutsche sprachd. aus Siebenb. 27, jetzt käppendüren Schröer 69ᵃ. aber auch noch am Rheine, in der alten heimat der meisten jener östlichen Deutschen, in Nassau kipe f. hagebutte, kipedorn wilde rose Kehrein 224. dasselbe ist aber auch, mit anderm vocal, nordengl. choup hagebutte Halliwell 248ᵇ, schott. choup, choop, ags. cûpe? aber auch der gewöhnliche name hiefe, ahd. hiufâ, zeigt denselben lautstoff, ein weiterer beleg für den stufenwechsel im anlaut, s. sp. 661 mitte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 783, Z. 36.

kuppen

kuppen,
cacuminare, truncare Stieler 1012, die bäume kuppen, die nägel an den fingern kuppen Campe, die kuppe abschneiden; vgl.koppen 1. auch abkuppen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2779, Z. 57.

küppen

küppen
gleich kippen (s. d. 1, d), umkippend stürzen, bei Lessing, Herder, wird nach kuppe 2 gleich kippe doch echt sein; auch trans., küpte praet.: die dames trugen mich mit samt dem stuhle in den tanzkreisz hinein und küpten mich mit dem stuhle um, dasz ich der länge lang hinfiel. Schelmufsky 1, 49.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2779, Z. 60.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
körperreich
Zitationshilfe
„küppen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCppen>, abgerufen am 08.05.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)