Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kürbäumen

kürbäumen
in dem schon 3, 1372 angeführten sprichw. bei S. Frank 2, 110ᵇ wer kürbäumen wil, der faulbäumet gern, dort von gesuchtem wolleben verstanden nach der beigegebenen erläuterung: zuͦ vil lust bringt unlust, suͦch nit zu vil honig dʒ dir nit gall draus werd u. s. w.; ähnlich verstand es noch Stieler 115 von selbstüberhebung die erniedrigung nach sich zieht, und entnahm daraus ein kürbaumen adolescere, succrescere, metaph. superbire, und faulbaumen incurvari, haut inolescere, seine quelle scheint nach der beigesetzten lat. erklärung Frank oder seine ausschreiber gewesen zu sein. Aber das sprichwort war wirklich so im gange: denn beide schrift und tegliche erfarung zeugen, wie vierzehn handwerk das fünfzehende auch haben und gemeiniglich betlen musz. also wer kürbaumbt der faulbaumbt gerne, und wer über seiner eltern willen und wider sein beruf thut, der bleibt ein hümpler. Mathesius hist. Christi 2, 79ᵇ, wem bei der berufswahl das handwerk seiner eltern zu schlecht ist (da doch alle, einander unentbehrlich, ein ganzes bilden). doch ist das nur einzelne anwendung des bestimmteren grundgedankens, der bei demselben im folg. heraustritt: was so kürbaumbt, das faulbaumbt gerne, wehle bringt quele und der erste kauf und das erste glück das beste. hochzeitpred. 30ᵃ (1564 L 1ᵃ), wer lange wählt, greift endlich etwas schlechtes. Mit diesem sinne lebt der spruch noch im nd. gebiete, wo er denn auch seine heimat haben wird, zumal hier noch das subst. auftritt, das ja dem zeitworte vorausgehn muszte: ostfries. 'de kœrbôm söcht, de fûlbôm findt, der gar zu wählerisch ist, bekommt am ende das allerschlechtste' Stürenburg 117ᵇ (unter fûlbôm faulbaum, rhamnus frangula gestellt, an den auch J. Grimm oben dachte). im brem. wb. 2, 851 körbôm geit to vûlbôm, oder deutlicher he geit so lange to körbôm, bet he to vûlbôm geit, er wählet so lange, bis er endlich das schlechteste trifft (besonders von freiern gesagt); auch im zeitwort körbomen, und körbomen gân, sich in der wahl nicht entschlieszen können,wie einer, der, um den besten baum auszus uchen, im walde von einem zum andern gehet ..“ Und das ist ohne zweifel noch das ursprüngliche, entsprungen aus dem alten rechte, dasz einer zu bau und besserung des hauses aus dem gemeindewalde einen theil des holzes nach 'willkür' holte (vgl.gabholz, weisth. 1, 825, J. Grimm RA. 508 ff.). der körbôm ist 'der beste', den ein solcher sucht, wie körgôd auserlesen gut (s. unter kür II, 5, c), der vûlbôm ein fauler (s.faul 2) den er wählt. dazu stimmt auch die pomm. fassung bei Dähnert 247ᵃ körbôm föllt ôk wol up fallbôm ût, wer lange wählet trifft es nicht immer am besten, fallbôm wie fallholz (vergl. RA. 513), zugleich in einklang gesetzt mit föllt, fällt. s. auch holst. körbômsch sehr eigen Schütze 2, 326.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2794, Z. 33.

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Zitationshilfe
„kürbäumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrb%C3%A4umen>, abgerufen am 09.05.2021.

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