Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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korb, m.

korb, m.
corbis, pl. körbe.
I.
Formen und herkunft.
a)
mhd. korp, gen. korbes, ahd. auszer chorp, chorb auch u. a. zerdehnt chórop (wie puruc burg, perac berg), mit ungebrochnem vocal churp, pl. churipi, wie im dem. churbili neben chorbili, s. Graff 4, 486 fg. ebenso altnrh., köln. kurf Fromm. 2, 443ᵃ, aber corf Teuth. 57ᵃ, wie nd. nl. korf. auch schottisch, engl., doch in beschränkterm gebrauche, corf (für kohlen, fische) Halliw. 270ᵇ, früher aber allgemeiner, s. Jamieson. endlich dän. kurv, norw. korv f., isl. körf f., altn. korfr m. Fritzner, schwed. dial. korv m. Rietz 311ᵃ, gemeinschwed. aber korg (m. und f. Rydqv. 3, 103ᵇ), wie norw. korg, korj f.
b)
daneben mit a in vocc. des 15. jh.: karb, karp sporta Dief. 548ᶜ (auch korp mit p noch gewöhnlich im 15. jh., wie in der aussprache noch jetzt), schosselkarp cartallum (schüsselkorb) 103ᵇ, dragkarp carcillum (tragkorb) 100ᵃ, aus meist rhein. quellen; auch nd. kaerf corbis 150ᵇ, scotelkarf 103ᵇ, vgl.karbler korbmacher unter körbler. und das wiederholt sich auswärts, ohne dasz entlehnung leicht denkbar wäre: isl. karfa f. corbis, cophinus, sporta Biörn 1, 442ᵇ, schwed. dial. karv f., altschw. karfva Rietz 311ᵃ; nordengl. carvel korb, auch hühnerkorb Halliw. 233ᵇ. nach dieser ausdehnung erscheint es als echte nebenform von vorgeschichtlichem alter, nicht nur als landschaftliche ausartung (vgl.kochen I, b). s. auch unter d.
c)
wenn aber wirklich diesz karb, nd. karf, nord. karfa an bestand des wortes schon vor der trennung der german. stämme denken läszt, so wird auch für korb die herkömmliche ableitung vom lat. corbis fraglich oder unmöglich, und man darf an urverwandtschaft denken. auch sachlich ist zudem eine entlehnung nicht leicht vorstellbar. denn mit dem lat. namen müszte von dort die entsprechende sache, also die kunst des korbflechtens, als neu ins land gekommen sein. dasz die aber längst bei den Germanen in der blüte stand, zeigt u. a. die fülle unserer korbnamen: kiepe, kober, krebe, kratte, krätze, kieze, kötze, kütze, klauder, sumber, benne, brente, hutte, zecker, zeine, mahne, flechte, schwinge u. s. w., für die man freilich auch möglichst nach lat ursprung gesucht hat. über sie alle sollte dann in korb ein fremder gesamtname gesetzt worden sein? auch in der bed. geht es über das lat. weit hinaus mit sehr alt aussehender entwickelung, s. II, 3.
d)
das wort greift übrigens weiter nach osten: litt. kurbas (gurbas) und karbas, lett. kurwis, liv. kurv, kurb, ehstn. korw und karp (demin. korwikenne), finn. karpaa (auch tragbarer kahn, vgl. II, 3, b), karwas, lapp. karba; man sieht die deutsche und nord. doppelform mit o (u) und a, und an entlehnung ist wol danach nicht zu zweifeln. ebenso bei wend. korb (bei Megiser thes. polygl. karb), russ. dial. korob'' (korobka schachtel), böhm. korba, älter poln. korb, sloven. korp, südsl. korpa, ungr. garabó. aber urverwandt klingt altsl. krabij fiscella e vimine plexa, arcula Mikl. 307ᵇ, litt. karbija, vgl. sloven. kripa korb, korbwagen?
e)
einen versuch zu heimischer erklärung machte Dietrich in Haupts zeitschr. 7, 184 auf grund von lapp. karba korb und karb rute, welches letztere gleichfalls nach entlehnung aus dem nord. aussehe und auf kerben abschneiden deute (vgl. altn. isl. kurfr trunculus, kurfl virgarum frustula); so kommt hd. zeine korb von zein rute. Kuhn zeitschr. 4, 23 verglich skr. çûrpa korb mit korb und corbis und erklärte das ausbleiben der verschiebung des anlauts durch zuziehung von scirpus binse.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
eigentlich.
a)
körbe flechten; ein korb mit obs. Amos 8, 1. 2;
ir hern, die alten korb ich pletz (flicke).
fastn. 789, 15
und es behaget so wol, wenn mit dem gewünscheten weibchen
auch in körben und kasten die nützliche gabe hereinkommt.
Göthe 40, 252.
was für ein korb ist folg.? der gütige gott ... segne euch wann ihr aus und eingehet, er segne eure frau und kinder, eure knecht und mägde, er segne die arbeit eurer hände, er segne euren korb und euer übriges. Schuppius 220 (sendschr.); verflucht seid ihr, wann ihr solches diebstahls halben unter der predigt in die häuser gehet, verflucht sei euer korb und euer übriges. 201 (gedenk dran).
b)
in andern redensarten: ist ihr ehwirt frölich, so frolockt sie 'gott sei gelobt, der korb ist gemacht!' Garg. 71ᵇ (Sch. 121), mit einer aufzuhellenden anspielung, vgl. 5; da von einem jungfrawenmägdlein, das ein eisen abgeworfen hatt, geredet ward, und einem andern vertrauwet (angetraut) ward der sie für eine jungfraw nam, sagte dr. M. L. 'das heiszt die kirschen ausgefressen und einem den korb an hals gehangen!' Luthers tischr. 313ᵇ; die herren von W. wolten einen strafen, dasz sein fraw zu früh in das kindbett kommen were. weil er aber unschuldig an der that, sondern andere die kirschen gessen und ihm den korb an den hals gehenkt ... Weidners Zinkgref 3, 319;
die karteuser sind uns ungemäsz,
wir essen kein korb und sie kein käs.
Uhlands volksl. 575,
es musz ein volksscherz gewesen sein, die karthäuser äszen statt des käses den käsekorb (vgl. sp. 253 mitte); die bärte der beschnittenen (der krieg gegen die Türken) liegen oben auf, was im korb ist weisz der teufel. Schiller 159ᵃ (Fiesco 2, 15), was dahinter eigentlich steckt.
c)
es gibt weidenkorb, binsenkorb, spankorb, strohkorb, rohrkorb, drahtkorb u. a., ferner tragkorb, handkorb, armkorb, rückenkorb, deckelkorb, marktkorb, brotkorb, eszkorb, speisekorb, obstkorb, gemüsekorb u. s. w., arbeitskorb, saatkorb, käsekorb, kohlenkorb, wäschkorb, papierkorb, deckkorb, tischkorb, flaschenkorb, weinkorb, wagenkorb, siechenkorb u. a.
d)
im geschäftsleben gilt der korb für gewisse dinge zugleich als ungefähres masz, z. b. vier körbe (mit) kirschen, feigen, drei körbe rotwein. als handelsmasz für fische schon im 15. jh.: ein korb Rinfisches, ein worfkorp bolches. Kriegk deutsches bürgerthum im mitt. 384, aus Frankfurt a. M., der sing. des fischnamens ist da geschäftsstil, s. kabliau am ende.
e)
korb als vogelbauer: aviarium, vogelkorb. Dief. 61ᵃ (s. auch körblein, krätze so); der will geht für gold, sprach der papegey im korb. Frank spr. 2, 124ᵃ; wie ein atzl im korb aller anderer thier stimm ändert (d. i. nachäfft). Albertinus narrenhatz 340;
es het ein bürger etlich han
zusamen in ein korb gethan.
dazu kauft er im noch ein spren (staar)
und thet sie zu denselben zwen.
Waldis Es. 3, 28.
bekannt ist noch uns der hühnerkorb für die ganze huhnfamilie. daher die redensart hahn im korbe sein, nd. z. b. bei Schütze 2, 329 du büst de beste hân im korv, du bist unter mehrern kindern oder freunden der liebling.
f)
vom bienenkorb (s. dazu kar):
und wie der bienen dunkelnde geschwader
den korb umschwärmen in des sommers tagen.
Schiller 450ᵇ.
g)
fischkorb auch zum fischfange, gleich reuse: fiscella, ruse vel korp, fisczkuͦrp Dief. 236ᵇ: (für einen kranken soll einer) macht haben den korb zu schütten und selbst einige (fische) daraus zu nehmen, jedoch soll er den korb befundener maszen wieder niederlegen. weisth. 2, 613, von der Eifel; vergl. korbstall. so noch ostfries. körf fischreuse Stürenburg 118ᵇ, nl. korf, z. b. aalkorf, im ungr. berglande kärbel (für körbel) reuse, netz Schröer 67ᵇ, mhd. körbelîn, s. unter körblein.
h)
eigen von latten, im garten: aus groszen körben von latten ein wald von blumengewächsen. Jacobi Woldemar (1794) 1, 80, in der schilderung eines parkes, aus latten hergestellte kübel? vgl. 2, b.
i)
schanzkorb, im zusammenhange auch blosz korb:
lanbenk und korb brachten si zu.
Behaim Wiener 380, 21;
daʒ wart in nun ain tail erwert
und mit den korben da verspert.
381, 3,
bei der belagerung der burg in Wien 1464, der pl. ohne umlaut wie mhd. korbe neben körbe, ahd. chorba neben chorbi;
die körbe schütt man an voll kots,
darhinter thet mans geschütze.
Soltau 2, 43;
sturmet der könig die statt mit schütten (erdschanzen), körben und anderm gezeug. Rihels Liv. 407. eigen ist nd. korfhûs:
des nachtes brochten se de korfhuse vor Peine.
Lüntzel stiftsfehde 178. 179 anm.,
wol die aus schanzkörben hergestellte bewegliche schanze.
2)
Von ähnlichen vorrichtungen, die flechtwerk zeigen.
a)
am gefäsze groszer säbel, rappiere u. dgl. zum schutze der hand: der frembde suchte seinen degen auch hervor, dasselbe war nun eine grosze breite musquetierplempe mit einem abscheulichen korbe. Schelmufsky 2, 65; haurapiere von haselstöcken, mit körben von weiden sauber geflochten. Göthe 24, 231.
b)
auch von lattenwerk das geflochten aussieht. so im bergbau ein gitterwerk am kunstzeuge, das geröll abzuhalten, senkkorb, s. auch göpelkorb, seilkorb. ähnlich wol eine einfassung aus latten, beim ablassen des teichs die fische zurückzuhalten, s. Schmeller 3, 326. selbst von eisen, eisenkörbe von fenstergittern in Augsb., s. Birl. Augsb. wb. 288ᵇ, vgl. u. körben 1.
c)
beim riemer das hintergeschirr der zugthiere. beim müller der rumpf der mühle (vgl. kiepe 6). s. auch mastkorb, maulkorb, beiszkorb.
3)
Besonders beachtenswert ist korb von haus und schiff, denn beides musz auf unsere eigene vorzeit zurückgehn und hat im lat. corbis keinen anhalt.
a)
in Baiern findet sich korb von kleinen wohnungen, welche die bauern neben ihren übrigen gutsgebäuden im besitze haben und worin sie gewöhnlich ihre tagwerker beherbergen, s. Schmeller 2, 326, der es schon ahd. aufweist in 'korbe, magalia, aedificia pauperum'. auch in Schottland corf und corfehouss, hütte, 'a temporary building, a shed', bes. fischerhütte, s. Jamieson, wo aus Verel. ind. auch isl. 'korbae tuguriolum' angeführt ist. studentisch findet sich korb für wohnung (dazu korben, zu hause hocken, büffeln). jene korbe magalia mögen aus flechtwerk bestanden haben, s. weiter c, β.
b)
merkwürdig mnd. korf als schiff:
tuschen Hiddensee unt Mone
dar se ik wol twe,
de vleten an der wilden see
an eineme korve, des dunket my.
Mones schausp. d. m. 2, 40,
es musz sich mehr finden. hier erklärt sich vielleicht auch das siebenbürg. kurb von einem salzschiffe in einer urk. v. j. 1236 (s. Müller d. sprachdenkm. aus Sieb. 3), das Schröer Germ. 9, 479 mit slovak. koráb schiff zusammenstellt. auch poln., böhm., südsl. ist korab schiff, südsl. korablja, russ. korabl, altsl. korablĭ, litt. karoblis, karablus, und diese mit den litt. sl. worten für korb u. I, d zusammen könnten für unsere östlichen nachbarn den urverwandten wortstamm als gleich alt für korb und schiff gebraucht erweisen. wenn dort für beide bedd. in der form sich abweichung zeigt, so läszt sich diese germ. wiederfinden in altn. isl. karfi m. schiff neben karfa f. korb (I, b), und diesz mag auch bei andern Germanen vorhanden gewesen sein (wie karb korb), denn darauf, nicht auf gr. κάραβος krebs geht mlat. carabus zurück, bei Isid. 19, 1, 26 'parva scapha' (vgl. u. c, α), daher span. caraba ein groszes fahrzeug, dem. carabela langes schmales schiff, ital. caravella, franz. caravelle u. s. w. (s.krafeel). das span. carabela bedeutet dial. geradezu auch noch groszer korb für eszwaaren, den die weiber auf dem kopfe tragen, wie engl. carvel fahrzeug mit dem carvel korb u. I, b zusammentrifft und wie nl. Kilian das schiff kareveel auch korveel nennt. ein rest dieses korb schiff ist es vielleicht auch, wenn die Rheinschiffer das gerippe des schiffes korb nennen (Kehrein nachtr. 30), korben pl. die balken die das gerippe bilden (1, 40).
c)
also häuser und schiffe von flechtwerk hergestellt.
α)
die letztern sind für unsere vorfahren ausdrücklich bezeugt, Isidorus orig. 19, 1 führt an carabus, parva scapha ex vimine facta, quae contexta crudo corio genus navigii praebet, quales utuntur Germanorum piratae; Caesar fand sie bei den Britannen vor (bell. civ. 1, 54), Lucan 4, 133 kannte sie bei den Venetern auf dem Po, und auch das lat. corbita lastschiff (daher frz. corvette) erklärt sich vielleicht so, nicht von corbis mastkorb.
β)
aber auch zur herstellung von wänden musz die kunst des flechtens, eine der allerältesten, in der vorzeit gedient haben. wie griech. angegeben wird γέῤῥον, aus ruten geflochtene wand, bude, hütte, so bezeugt es für unsere vorfahren diesz korb; s. auch u. kötze korb 4, wo sich noch klarere blicke in die vorzeit aufthun. flechtwerk zu thüren, z. b. von ställen, kennt man noch jetzt (vgl. J. Grimm Germ. 3, 3), und auch beim hausbau kommt es noch vor, zur ausfüllung des fachwerks der wände und um dem lehm (s. kleiben sp. 1076) halt zu geben.
γ)
hier ist denn auch das weitere licht über die wurzel zu suchen. man sollte ihr die bed. flechten zutrauen (vgl.kötze korb a. e.). vielleicht liegt die wurzel in einfacherer form in kar vor, das auszer gefäsz eben auch zugleich hütte und schiff bedeutet (sp. 204) und in der bed. fischreuse auch auf flechten weist (sp. 203, s. auch karr reuse weisth. 2, 569, Lacomblet arch. 1, 390) und äuszerlich zu jenem γέῤῥον stimmt.
4)
Auf die sittengeschichte führen redensarten mit korb.
a)
einem einen korb geben, einen liebes- oder heiratsantrag zurückweisen. es wird hie und da einem unwillkommnen freier zur verblümten antwort ein korb in den weg gesetzt, im 18. 17. jahrhundert gab das mädchen statt der antwort einen wirklichen korb ohne boden (s. nachher unter δ). ursprünglich aber ist diesz der korb durch den ein liebender des nachts zum fenster aufgezogen werden sollte (eine bildliche darstellung eines solchen aufzugs in der Pariser liederhs., s. Hagens gesamtab. 3, cxliv, vgl. Lichtenstein 345, 21 ff.) und der im fall der abweisung von der höhe fallen gelassen oder zum durchbrechen des bodens eingerichtet wurde, dasz der liebende durchfallen muszte; diese erklärung wird sich aus dem folgenden ergeben, den vielen andern gegenüber die man früher versuchte (s. Adelung). anmerkenswert ist, dasz man doch schon im 17. jahrh. den rechten ursprung nicht mehr wuszte: warum man sagt, dasz der einen korb bekommen, welcher abschlägliche antwort von seiner liebsten erlangt, ist fast (sehr) schwer zu besinnen. vielleicht ist es so viel: nimm einen korb und kauf am markt ein andre. Harsdörfer lust. u. lehrr. gesch. 1, 82 (83).
α)
deutlich ist die sache im 16. jh. und rückwärts:
Firgilius seiner kunst vergasz,
da er in ainen korb sasz (sich setzte).
Hätzl. 91ᵇ,
eben zu einem solchen liebesabenteuer, vgl. dazu Hagens gesamtab. 3, cxxxix, Pf. Germ. 1, 267, s. auch krebe (korb) so Hätzl. 85ᵇ. in einem liede des 16. jh. 'der schreiber im korb' wird dem werbenden liebesgenusz versprochen unter der bedingung dasz er sich in das körbelein setze. er geht mit mistrauen darauf ein:
der schreiber wolt gen himmel faren,
da het er weder ross noch wagen.
si zug in auf pisz an das tach,
(in) des teufels nam fiel er wider rab.
Uhlands volksl. 746.
ähnlich musz das spottlied 'Johannes im korbe' gewesen sein, wegen dessen in Freiberg 1510 ein aufruhr ausbrach unter bergleuten und geistlichen, s. Moller Freib. chron. 2, 156 (in Schwaben sagt man noch 'so goathas, wenna will Hans im korb sai' Sailer 111, sich gewarnt in gefahr begibt). Ein andres lied erzählt von einer übermütigen jungfrau, die einen korb in ihrer hand trug und die der zu foppende selber 'durchfallen' läszt (vergl. korbfällig), wonach die redensart schon im 16. jh. auch von mädchen gebraucht war (bei H. Sachs 5, 397ᵇ ff. dient vielmehr ein sieb so zur züchtigung einer stolzen jungfrau):
als sie vermeint in ihrem sinn,
sie hätt nun einen bulen drin,
den sie herdurch wolt fallen lan,
wich ihr der fusz auf freiem plan.
da wischt ein jung gesell herfür
und thät den korb bald nehmen ihr.
Die jungfrau selbst steckt er hinein ...
darnach risz er den boden aus,
da fiel sie gar mit spott heraus,
sie muszt herdurch widr ihren dank.
Hoffmann gesellschaftsl. s. 108.
Recht deutlich tritt das bild eines solchen abenteuers aus einer nl. redensart heraus: eene blaauwe scheen loopen, van een vrijster afgeslagen worden, être rebuté en amour. Halma 681ᶜ. bei Harsdörfer a. a. o.: durch den korb läszt man fallen was man verleurt, und pflegen die Niederländer von solchen zu sagen, er habe ein blaues schienbein erloffen, d. i. er habe zwar groszen schmerzen darob, es werde aber so bald vergehen als wann man sich an ein schienbein stoszet; s. auch die ditmars. wendung u. θ sp. 1803. man musz sich dabei vorstellen, dasz ja die so mit spott strafende frau die höhe des falls in ihrer gewalt hatte, und dasz der böse wille als ursache des fallenlassens nicht zu erweisen war, wenn sie ihn verbergen wollte.
β)
merkwürdig verändert scheint diesz durchfallen lassen im 17. jh. in einem liede bei Hoffmann a. a. o. s. 45 flicht eine 'dama' (gedr. 1611, vgl. 2, 702) ihrem 'galan' selbst einen korb aus schabab, liebstöckel u. a. kräutern und flicht ihren namen ein, den boden von goldfaden, läszt ihm den korb, schön gemalt, 'praesentieren', aber nicht als blosze gabe, sondern dasz er sich hinein setze, wie zur probe, zur entscheidung (ähnlich noch jetzt landsch., s. ε am ende):
da risz entzwei der boden neu,
dasz er muszt hindurch springen,
also das hineinsetzen war aus der nacht in den hellen tag, aus der gefährlichen höhe auf ebene erde versetzt, aus ernst zu übermütigem spiel geworden, aus dem alten gebrauch hatte sich ein symbot entwickelt, wie das minneleben im 15. 16. jh. ihrer so viele hatte als reste älterer sitte. doch schon H. Sachs 5, 396ᶜ hat einen schwank 'der jung gesell fellet durch den korb' nach einem bilde, auf dem ein solcher vorgang gemalt war, in der moral aber braucht ers selbst schon als redensart:
wann so solchs merken die jungfrawen,
thund sie keins guten im vertrawen,
sonder (er) wird schabab bei in allen,
das heiszt denn 'durch den korb gefallen'.
397ᵃ.
γ)
diesz ist bei uns die redensart die sich daraus entwickelte:
die liebe wend sich vaken (oft) schrecklich,
lest viel durch den korb fallen.
Ambr. lb. 252, 8;
allein das bringt herzleid und klag,
wenn ihm einer ein lieb bestelt,
und er darnach durch den korb felt.
Ayrer 417ᵇ (2095, 27);
ich weisz wol, was ihr also lacht:
das man mich also nasz hat gmacht
und ich durch den korb gefallen bin.
413ᵈ (2078, 17),
schon als blosze redensart, nur mit dem nasz machen ist es ernst durch herabgegossenes wasser (2071, 15);
rhümbt, wie er hab für andern alln
ein jungfrau hübsch und reich,
und thut doch durch den korb oft falln,
wenns ist ein viehmagd gleich.
hasenjacht A 4ᵃ (1621 B 2ᵇ);
der unbeständige liebhaber muste wolverdienter weise nunmehro den beiden schwestern durch den korb zu fallen sich belieben lassen. Felsenb. 1, 313;
so fällt der wol gespickte hase (bewerber)
mit einer groszen langen nase
durch den geflochtnen korb heraus.
Picander ged. 3, 482,
dem also die alte sitte im 18. jh. noch deutlich war.
δ)
weiter abgeschwächt in der heute gäng und gäben wendung einen korb geben. auch diese stammt von einer sitte, die nur eine abkürzung des verfahrens u. β war. man schickte dem abzuweisenden bewerber einen korb ohne boden, womit ihm denn die probe des durchspringens von vornherein erlassen war: Philargus. sihe hie schicket Thamar dir eine verehrung ... Joh. Clant. wel düfel, wat sal dat sin? ein leddich (leerer) korf ohne boden! Ph. ja sie schicket dir einen korb. J. Cl. wie sal ick dat verstan? Ph. sie wil dich nicht haben, sie wil einen andern haben. H. J. v. Braunschw. 165, nachher aber drückt er sein unglück so aus: ah ick bin dorch den korf gefallen. 166 (er hatte ihn nicht angenommen);
ich (ein wählerisch mädchen) liesz den stockfisch in das wasser, das ist, ich zwang ihm thränen ab,
so bald ich ihm recht à la mode den korb mit keinem boden gab.
Günther 431,
in gleichem sinne s. 390 den korb voll spitzen schenken, von einer gestorbnen braut heiszt es s. 620, dasz ihre kalte hand den korb gezwungen giebt. So war auch das dann zur bloszen redensart geworden, während z. b. noch in den englischen komödien unangenehmen freiern ein korb wirklich überreicht wird (II, Ff 6. Qq 8): dem einen hat sie einen schnippischen korb gegeben. Göthe 11, 14; Niclas. du magst mich nicht. Dortchen. hab ich dir einen korb gegeben? 11, 116; sie gab dir einen korb. Schiller 113ᵇ;
ein dutzend körbe gab sie mir,
und dennoch sang und klagt ich ihr
in hundertfachen weisen.
J. M. Miller ged. 72.
ε)
natürlich dann auch in allerlei anderen wendungen: wilt du heiraten und hast kein geld, so bleib nur daheim, dann du wirst ausgelacht, ein gespött der leute sein und an statt der braut einen korb bekommen. Simpl. 3, 22; warum müssen etliche den toback verreden und verschweren, wollen sie anderst bei der liebsten keinen korb kriegen? Weise erzn. s. 317, c. 32;
da (beim freien) fangt auch die sorg früh an:
sorg ehe man bekompt die braut,
sorg wann eim fürm korbe graut.
Creidius 1, 503 (1652);
sonst mögte manche gar zu viel körbe austheilen, und darüber zuletzt mit federleisen handeln müssen. Hazards leb. 213 (vgl. unter flederwisch Gryphius);
lehnte den antrag man ab, so war auch ein korb nicht verdrieszlich ....
nehme denn jeder auch den korb mit eigenen händen,
der ihm etwa beschert ist, und stehe beschämt vor dem mädchen.
Göthe 40, 302;
schüttelt sie (die tochter) den kopf ... so stecken sie den korb ein. Schiller 183ᵃ;
dann, schwestern, fertigt flink ihn ab
mit nettgeflochtnen körben!
Voss (1825) 3, 151;
weil er bei mehr ehr- als weiberliebe über kein flechtwerk röther wurde als über das eines korbes. J. Paul Tit. 2, 170; er hat sich bei ihr einen korb geholt, ist mit seinem antrag 'durchgefallen'. Man sieht, wie in den redensarten das bild der zu grunde liegenden sitte geflissentlich festgehalten oder neu gewendet, auch aufgefrischt worden ist (s. auch unter körbchen). selten tritt man ganz aus dem bilde heraus, z. b.: sie werden ohne zweifel das 15. stücke des hamb. patrioten gelesen haben .. sonderlich die letzten zeilen, darinnen ein artiger korb vor einen jungen freier enthalten war. Gottsched tadlerinnen 1, 176. es gieng aber auch lange noch den redensarten ein gebahren mit wirklichen körben zur seite, und in der Oberpfalz z. b. wird noch jetzt dem verlassenen theile (auch dem mädchen, s. ζ) ein korb gesteckt, d. i. aufgesteckt, mit einem strohmanne drin, s. Schönwerth 1, 58; auf der Eifel aber lebt sogar die merkwürdige sitte unter β noch, nur mit sinniger umdeutung in ein volksmäsziges strafgericht, da musz nämlich ein ungetreuer, der ein mädchen sitzen läszt (oder umgekehrt), durch einen alten korb kriechen, s. Schmitz 1, 52 (Germ. 1, 65) und körben 2.
ζ)
auch auf den weiblichen theil als leidenden wird die redensart angewandt (wie einzeln auch die alte sitte, s. unter ε zuletzt und sp. 1800 unten): Theophan. mit was für einem gesichte soll ich es ihnen (Juliane) sagen, das ich der ehre ihrer hand unwerth bin? Lisette. das ist wol gar ein korb? es ist nicht erlaubt, dasz auch mannspersonen welche austheilen wollen. Lessing 1, 462, Lisette hat geschichtlich ganz recht, denn auch das körben eines mädchens unter α war ein männlicher übergriff;
hätte nun ein artig kind
einmal erst den korb bekommen:
ach! das würde fein geschwind
in der ganzen stadt vernommen.
Gottsched ged. 2, 189;
ich erstaune! er? meiner tochter den korb (gegeben)? ... aber er soll und musz dich nehmen. Weisze lustsp. 2, 325.
η)
endlich auch erstreckt auf abweisungen andrer art und zwar schon im 17. jh.: 'durch den korb fallen' ist abschlag seiner bitt erlangen, meistlich in heiratssachen. haubtschlüssel der teutsch. u. it. sprache Augsb. 1648 s. 386; solten sie manchem auf seine fragstück red und antwort geben ... o wie mancher würde durch den korb fallen nur in dem was die wunden betrifft. Würtz wundarzn. (1612) 50; als er oftermals um den gradum baccalaureatus sollicitiret und angehalten hatte und doch jederzeit durch den korb gefallen ware ... wisbadisch wisenbr. 2, 112, jetzt weiter gekürzt durchfallen, wobei der korb denn vergessen ist, daher dann sogar durchs examen fallen; auch abfallen von dem, der mit einer bitte 'durchfällt', erklärt sich vielleicht hier. Ebenso mit bekommen, geben u. a.: aber die schmähler wurden abgewiesen ... ersuchten ihre nachbauren wiederum dienstfr., weilen sie einen korb bekommen, sie möchten ... Abele unordn. 2, 161; nachdem ich so viel körb, wie die Teutschen reden, wider tragen hatte (davongetragen), habe ich letzlich schier verzweiflend ein weib genommen. Schuppius 760, von vergeblicher bewerbung um ein amt; Koch in Gieszen hat uns einen korb gegeben (den ruf an die universität abgelehnt). Göthe in Mercks briefs. 1, 337; nur Raphael flocht den lobwerbern körbe statt der lorberkränze. J. Paul komet 3, 194. s. auch korbbruder. besonders frauen lieben die redensart, wenn man z. b. bei tische von einer angebotnen schüssel zu nehmen zögert, 'sie werden mir doch keinen korb geben?'
θ)
diesz korb kam übrigens auch zu nachbarvölkern (ob mit der entsprechenden sitte?), es heiszt auch dänisch faae kurven, schwed. faͦ korgen, einen korb bekommen, böhm. košem odbyti mit einem korbe abweisen, auch skrze koš propadnouti 'durch den korb fallen'; auch hinter ital. corbellare zum narren haben, einem einen possen spielen scheint jene sitte zu stecken. nd. mit kîpe für korb, z. b. 'Matz heft de kipe kregen', gedicht im anhang zu Lauremberg; ditmars. bei Schütze 4, 76 fg. mit schüffel, de schüffel geven, bekamen, und von dem abgewiesenen freier fragt man noch sünd em de scheenen (schienbeine) ôk blau? eig. vom falle aus dem korbe, s. sp. 1801. eigner weise wird aber auch ein sieb genannt: durch d'reuter (d. i. sieb) fallen repulsam ferre, werfen afferre Schönsleder t 8ᵇ (s. Schm. 3, 162), s. das sieb bei H. Sachs sp. 1800 unten.
b)
ähnlich ist korb als ehrenstrafe für leichtere vergehen, eine vorrichtung zum prellen, wodurch der bestrafte mehr spott als schaden hatte. das verfahren dabei war ein verschiedenes, in Leutenberg in Thüringen z. b. nach dem stadtbuche v. j. 1508: dasz zu bestrafung etlicher geringen ding ein korb oder brot (bret?) .. über einen stadtgraben bei der mühle aufgerichtet worden. der korb soll an eine stange gehängt werden, und so jemand ichts geringes verschuldet, den soll man in den korb setzen, so lange darin zu sitzen, bis sich eines selbst abschneidet oder die schling mit einem strick aufzwingt, dasz der korb ins wasser fällt. Michelsen rechtsd. aus Thür. 424; es was aber eine schnellen .. bi dem wasser mit einem korb, in den man einen setzt, dem man gnad bewisen und dennoch strafen wolt. denselben liesz man wie an den galtbrunnen (ziehbrunnen) aufschnellen in einem korb ... dann muͦszt einer in das wasser abhin springen, wolt er anders aus dem korb kommen. Bullinger Züricher chron. 7, 2 bei Osenbrüggen d. rechtsalt. aus d. Schw. 2, 97. anderwärts war der korb mit durchfallendem boden oder bodenlos eingerichtet: an etlichen orten nimmet man die huren, hängt sie in einen korb über den teich und läszt sie hernach durchfallen. theatr. humanae vitae p. 3404 (hist. blumengarten Oldenb. 1687 s. 352); a. 1593 ward ein gartendieb mit dem korbe gestraft, welcher korb 3 gr. gekostet. es war also der gezimmerte baum wol über 12 ellen hoch, oben mit einem langen arm, woran der korb ohne boden hieng. Kamprad chron. von Leisnig 1753, aus einem ratserlasz von 1539 ebenda 'nachdem wir der rath zu abscheu der muthwilligen leute, die in gärten und sonsten mit nehmen schaden thun, einen korb an dem Oberthor hengen lassen. nach dem stadtrechte von Gera v. j. 1658 soll ein gartenfrevler entweder mit durchfallung des korbs oder mit der verweisung belegt (werden). Schott land- und stadtrechte 1, 172. daher bei Frisch 1, 538ᵃ durch den korb springen müssen, stehlens halber. in Diefenbachs Friedberg 208 heiszt er i. j. 1582 schnellkorb (s. Bullinger vorhin), ein gartendieb wird hinein gesetzt, aufgezogen, in den pfuhl geschneppt und durch den nachrichter wieder herausgezogen; ebenso schnellgalgen Herzog chron. von Zwickau 2, 345. 348. auch schandkorb, lasterkorb, und kak, schupfe, schüppe, wippe, vergl. unter kak 2.
5)
merkwürdig korb für hauptsache bei Keisersberg: luͦg das gott der korb und das wort sei, und nitt die lieby disser welt. post. 3, 34ᵃ; und nitt was das die ursach (des hasses der Juden gegen Christum), das sie fürwanten, er wer ein übertretter des sabbats ... aber das was der korp (s. u. I, b), das er sie also fry stroft umb ire bosheit. 2, 105ᵃ. vergl. Garg. 71ᵇ unter 1, b?
6)
fraglich in einer alten redensart, das wasser geht über die körbe, von höchster gefahr.
a)
so im 16. 17. jh.: dieweil das wasser wil über die körbe gehen und untugend mit untüchtigen untergehen. Luther 1, 363ᵇ; war der mehrer theil (der aufr. bauern) entsetzt, weren gern davon gewesen und sahen wol, das das wasser über die körbe gehen wolt. 3, 129ᵇ (vergl. damit Mones anz. 8, 144), beidemal von einer heranrückenden gefahr die dem ganzen droht; wenn einem das wasser uber die körb gehet, so sihet er was der glaube vermag. tischr. 134ᵃ; wann ein rad über ein bein gat oder das wasser über die körb, so wird man witzig (durch schaden klug). Keisersb. post. 52ᵇ bei Frisch 1, 510ᵇ; er merkte wol, dasz es ausreiszen und das wasser über die körbe gehen wolte. Hamelmann oldenb. chr. 73 (ebenda);
ja da er (der schwimmende) kein land kont mehr sehen
unds wasser ubr die körb wolt gehen.
froschm. Ll 8ᵇ (Mm 4ᵇ 2, 6, 5) u. ö.;
noch im brem. wb. 2, 853 nd.: het geit em aver de korve, er leidet not, es gehet über ihn her, eigentlich er ist in gefahr zu ersaufen (diesz nach Frischs auslegung als kerbe für mund). Die wenigen züge, die die redensart bietet, führen am ehesten das bild einer eintretenden überschwemmung vor. wären die körbe eigentlich flechtwerk am fluszdeiche?
b)
es kommen aber auch andere formen vor, körble, kürbe, kurm (zu kürbe s. unter körbe sp. 1805):
wenn unser nechster in nöten steht,
das wasser über dkörble geht.
Waldis Es. 2, 74, 20;
doch seint sie unser fro (hoffen für ihre notfälle auf uns), dann sie wissen auch nit, wenn in das wasser über die kürb steigt (die reformation den garaus machen wird). Schade sat. u. pasqu. 3, 110, ein edelmann sagts von der hohen geistlichkeit;
den hewschrecken und erbeiswurm
giengs wasser gar über die kurm.
Fuchs mückenkrieg 3, 372,
von ihrer niederlage in der schlacht. kurm ist wol nur entstel lung der nicht mehr verstandenen wendung.
c)
nordd. auch verallgemeinert: das geht über alle körbe, ist zu toll, geht übers bohnenlied, über die hutschnur u. dgl., s. Fromm. 5, 171. thüring. aber sagt man in gleichem sinne das mählt oder mihlt mir über die körbe (zu mahlen molere), also in die mühle übertragen; vgl.kahr in der mühle sp. 203 gegen unten (es ist auch fem.) und die vermischung mit korb dort?
7)
als scheltwort (vgl.schüsselkorb in Zarnckes Brant, s. 308ᵇ, ital. corbellone ein einfaltspinsel):
da war ein hauptman, hiesz der Schorb,
ein junger gsell, ein wüster korb.
Waldis Es. 3, 87, 10.
wetterauisch geringschätzig von einer liebsten: er kommt daher mit seinem körbchen am arm; sein schatz (auch seine frau) das ist ein rechtes körbchen.
8)
korb heiszt eine art des spates (pferdekrankheit) Nemnich. ital. corba. auch eine muschel, arca granosa, ital. corbellina.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1797, Z. 44.

kurbe, f.

kurbe, f.
gleich kurbel, griff zum drehen u. ä.
1)
nhd.
a)
kurbe find ich zuerst in der von Moerbeek besorgten 3. ausg. von M. Kramers nl. wb. (Lpz. 1768) im deutschen theile, als krumme handhabe um etwas zu drehen (nl. anders benannt), so lange entgieng es der aufzeichnung. dann bei Adelung die kurbe z. b. an einer kaffeemühle, einem bratenwender, einer sägemühle (vgl. u. c, Campe fügt schleifstein, kaffeemühle hinzu); die erste heiszt im öcon. lex. Leipz. 1731 sp. 417 vielmehr leyer, wie noch sächs. z. b. am schleifstein.
b)
einen beleg fürs 15. jh. gibt folg. kurm dat., d. i. kurbn (wie alm aus albn, alben, vgl.kürm unter kürbe 2), schwäb. wie es scheint:
die krankheit (der nachthunger) kan ir nit entpfliehen,
sie werd denn wider an der kurm ziehen,
daran man mansdegen schol schleifen.
fastn. 748, 14,
also am schleifstein (obsc. verwandt).
c)
auch korbe.
α)
so im 15. jh. korbe gerale Dief. 263ᵇ aus zwei rhein. voc., lat. eig. girale (von girare drehen), auch mit wenderat, roddel erklärt. so noch hess. korbe, drehkorbe. auch bei Frisch 1, 538ᵃ „korbe oder gorbe (s. 3), zapfen, ziehet die säg in der mühl mit dem lenke, drehet wie ein lenker, gall. courbe“, s.lenker in der sägemühle, zu zapfen s.krummzapfen als kurbel, bei Mathesius krumbe zapfen oder körbel (s. d.) am schleifstein der getreten wird.
β)
zu diesem körbel gleich kurbel nachträglich auch helmkörbel oder körbel am steuerruder (der krumme griff zum drehen), das sich aus Fischarts gehelmkörbelet Garg. 79ᵃ ergibt, s. 4², 979.
γ)
bei Frisch folgt eine mir dunkle angabe, die zu korbe gehören wird: 'korben-röllgen, rädergen mit einer kuppen'.
d)
auch kürbe, fränk.: éin wasserrad kan zween oder vier blasbälge mit einer gekröpften (gekrümmten) kürbe und eisernen ziehstangen auf und niederlassen. Hohberg 1, 72ᵃ, gleich dem krummzapfen im bergbau.
e)
mit umlaut auch luxemb., kîrp f. gebogene handhabe, kurbe, kurbel Gangler 236 (î für ü oder ö), auf der Eifel aber curv f. Schmitz 223ᵇ. das wort erscheint überhaupt im rhein. gebiete heimisch. aber entlehnt auch poln. korba, kurba.
2)
auch mhd. ist es glücklich einmal bezeugt, kurbe schw. fem., am ziehbrunnen, die kurben trîben, umbe ziehen im Reinhart 961. 983, im alten texte nur ziehen (J. Grimm sendschr. s. 22), wie an der k. ziehen unter 1, b, es gleicht ja dem ziehen an den rudern, das umbe ziehen und trîben (gleich umbe trîben) zeigt deutlich die winde am ziehbrunnen, für die das wort vermutlich zuerst gebraucht war. Nicht ganz sicher ist es ahd. in der gl. churba, curba anthlia Graff 4, 487, Dief. 38ᶜ, s. unter körbel, aber doch wahrscheinlich nach anthlia als galgaruota Graff 2, 491, vgl. 383 (wo curba deutsch ist), Schm. 2, 39, die stange am ziehbrunnen (s.galgen II, 5).
3)
daneben aber formen mit G, wie schon unter 1, c gorbe bei Frisch.
a)
gürben, krumbe hölzer, so die seitenladen der schiffen zuͦsamen habend (d. i. halten), costae navium. Maaler 198ᵃ, aus Frisius 340ᵃ, vgl. krummholz 2; noch bei Stalder 1, 499 'gürben (pl.?), gürbi n.' schiffrippe, 'im gegensatz der nadel, d. i. der kleinen wagerechten hölzer womit der schiffboden befestiget wird'. auch gurben plur. nach Fischarts bezeichnung eines seetüchtigen schiffes als gebodemet, vergurbet Garg. 79ᵃ (Sch. 135), gegenwärtig auf dem Rheine korben pl. (s. sp. 1800), frz. courbe f. Die bildung ist sonst wie kürbe unter 1, d, das n. gürbi sieht aus wie ein demin., was ja kurbel auch eigentlich sein musz; im begriffe bleibt nur die krümmung, mit wegfall des drehens.
b)
schweiz. auch der krumme handgriff an der sense, die mittlere handhabe für die rechte hand (Stalder), mit oder ohne drehen, wie man will; anderwärts knebel. vgl. kurbelspiesz.
c)
scheinbar abweichend auch spinnrad, in Schmidts id. bern. gürbe n. (Frommann 3, 86ᵃ), dazu gürbireiser, gürbenmacher, drechsler, besonders der spinnräder macht Stalder. es musz eig. die vorrichtung sein, die beim treten das rad in bewegung setzt, gleich der körbel am schleifstein unter 1, c, der kurbe 1, b, wo auch der ganze 'schleifstein' damit bezeichnet scheint; es ist wie in schleifstein, wo auch die ganze vorrichtung nach dem hauptstücke benannt ist. Merkwürdig anklingend übrigens nd. kurre f. spinnrad, in Fallersleben Fromm. 5, 154, vgl. rhein. kar n. spinnrad (sp. 203 unten), nd. spinnekâre (sp. 223 unten).
4)
den ursprung setzt man seit Frisch (s. 1, c) in frz. courbe f.; aber das trifft nur in der bed. 3, a mit unserm worte zusammen (wie span. curva), die kurbel heiszt vielmehr manivelle f., auch am steuerruder, wie körbel vorhin 1, c; und dabei ist nicht zu übersehen, dasz auch die gurben, korben des schiffes zugleich heimischen anhalt haben an korb schiffsgerippe unter a (sp. 1800), sodasz das franz. schifferwort, bei aller anlehnung an lat. curvus, umgekehrt zugleich unter dem einflusse des rheinischen wortes stehn könnte (hat doch z. b. der griff des steuers einen deutschen namen, heaume, d. i. helm). Denn dem Rheingebiete wesentlich gehört unser wort an, während es in den andern germ. sprachen fehlt (selbst nl.); zur sichern beurtheilung wären genauere aufnahmen dort nötig, auch in dem frz. grenzgebiete. möglich dasz da ein lat. curva, franz. courbe krummholz auch fürs drehen, winden bestand; aber auch für heimische herkunft liegt eine möglichkeit vor in kerben, das einst starkformig war (mnd. gecorven gekappt im alten Hamburger schiffrechte bei Lappenb. 83), wenn etwa die kurbe urspr. nichts als ein vom baume geschnittener krummer ast war, vgl. altn. isl. kurfr m. abgebrochnes stück holz, kurfla holz klein hauen Biörn 1, 483ᵃ. Der wechsel von k- und g- ist sowol bei einer entlehnung begreiflich (s.K 2, f und G 5, b) als ohne sie, wie er denn deutlich vorliegt in schweiz. gerte hippe neben nl. kerten kerben Kil. (s. kerben a. e). Sollte aber das krumme der keimpunkt des begriffes sein (das doch dem aste auch von selbst so nahe liegt), so käme wol gar urverwandtschaft in frage mit altsl. grŭbatŭ gekrümmt (grŭbĭ rückgrat, u. a.), s. Mikl. 145ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2795, Z. 1.

kürbe

kürbe
gleich kirchweih, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2796, Z. 23.

kürbe, f.

kürbe, f.
nebenform zu korb m.
1)
schon ahd. churpa sporta, eig. churpia oder churbia, als weibliche nebenform zu dem männlichen chorp, chorb (s. unter körbe), mit dem vocal des dem. churbili, der doch auch im einfachen churp noch erscheint (s.korb I, a), wie in mhd. kürbe pl. Lexer 1, 1684. mhd. kürbe f. entbehrt noch des beleges, auszer eier in der kürben Schm. 2, 327 v. j. 1384; aber im 15. jh.: pinkürb aperium (für apiarium, bienenkorb) Schm. 2, 327, ebend. pinkürben machen, alveare; camura, kürb (vor mappa, korb) Dief. n. gl. 70ᵃ, schwäb.; mit unbezeichnetem umlaut: kurben, cumura, carillum, quasi canistrum, quia contextum ex virgultis. voc. inc. teut. o 1ᵇ (zu carillum s. Dief. 100ᵃ, tragkorb); zeine vel kreunzen (s. kreinze), canistrum .. kurben oder flechte. pp 4ᵇ.
2)
jetzt noch bairisch die kürben (auch körben), gesprochen kirbm, kirm, korbförmiges geflecht aus spänen, gewöhnlich an armbändern auf dem rücken getragen, s. Schmeller 2, 327, dessen vater selbst ein kürbenzäuner war (besser -zeiner, s. unter 1), 'der aus holz- und wurzelschienen kürben flicht'. er nennt graskürben, heukürben, spitzkürben (spitz zugehend); kürben aus eichenholz zu machen wird 1762 verboten (vgl. in der 2. ausg.). Im bergbau, zugleich als masz (man vergl. u. körbe 1): wenn man wirkt, soll man den heiligen geben alle tag 2 kürben (mit erz). Lori bergr. 358, der auch die volksm. form schreibt: allemal zehn kürm für ein bergfueder; die münz kürmweis verkaufen; vgl.kurm unter kurbe 1, b.
3)
weiter verbreitet war es in der nachher verdunkelten redensart das wasser geht über die kürb, auch über die kurm (s. sp. 1804), d. h. über das schützende geflecht am ufer, wofür der nachweis sp. 2322 nachgebracht wurde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2796, Z. 24.

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„kürbe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrbe>, abgerufen am 16.05.2021.

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