Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kürein, kürin

kürein, kürin
u. ä., der name des heil. Quirinus.
1)
in betheuerungen, flüchen u. ä. (s. bes. Vilmar hess. id. 219): das dich S. Kürin ankomme! Agricola spr. nr. 502, mit der erkl., man glaube 'im Niderlande' (d. h. am Niederrhein), wie sanct Quirinus macht habe die leute vor vil plagen, seuchen und krankheiten zu bewarn, während er hier umgekehrt als einer erscheint dem die seuchen zu gebote stehn als strafmittel:
das dich sant Kürin und der ritt (fieber)
als richen keiben luren schütt!
Ruff Ad. u. Heva 5025;
sant Küris plag dich gang drumb an!
3945;
es ist darin sant Küris ritt!
Etter Heini 2318.
2)
gewisse krankheiten führten wirklich diese namen: von beinfresser (knochenfrasz), genant s. Johannes busz, s. Küris busz, auf latein gangraena. Paracelsus chir. schr. 361ᵃ; was underhalb der gürtel ist (von krebsschäden), das heiszt nach dem gemeinen landdeutsch s. Küris oder s. Johanns busz oder rauch. 90ᵃ; von den krankheiten, so offen schäden geben, die geheiszen sind worden sant Küris busz, sant Johannis rauch. ders. op. 1, 33ᵇ. daher wird auch s. Kürins rauch angewünscht:
ir mägd habt euch sant Kürins rauch!
Scheit grob. F 4ᵃ;
das dich potz küres rauch, wolt dir
dein maul weidlich zerblewen schier.
Mauricius Haman H iij.
3)
der heiligenname gieng darin dem bewutztsein verloren, wie folgende verbindung z. b. deutlich zeigt:
botz küre leiden, was sol ich sagen!
H. Sachs 3, 1, 147ᵇ;
pox küre, Gred, wie traust du mir
so wenig ...
Scharpfenecker Acolast. B 7ᵃ.
Dieselbe wendung aber auch noch mit vollster namensform:
potz kürein, Gred, wie traustu mir
so wenig ...
Ackermann vom verl. sohn B viij,
Kǘrein aus Quirîn deutsch gemacht, s. auch aus H. Sachs bei Schm.² 1, 1284, Körein sp. 1810.
4)
noch jetzt heiszt der heilige bair. Kirein, Kireinl, auch Kreinl (also mit bewahrter lat. betonung), wie luxemb. zent Grein, s. Gangler 188; die blattern heiszen da greinsblôderen, weil der heilige hilfe dagegen hat, was sich offenbar mischte mit der vorstellung, dasz er auch damit strafen könne. s. auch u. kirinsbisz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2801, Z. 61.

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Zitationshilfe
„kürein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrein>, abgerufen am 09.05.2021.

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