Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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kuren, küren

kuren, küren,
zu kiesen und kür, kur, in verschiedner bedeutung, in den meisten fällen wahrscheinlich erst vom subst. abgezweigt.
1)
der urspr. bed. des stammwortes am nächsten ist kuren kosten, kostend prüfen, hessisch noch im 16. jh. anzunehmen nach kurer bierkieser (s. d. 1); doch mischt sich schon der begriff gutheiszen, wert bestimmen ein, s. unterkür II, 4, a und kürer 2. nd., westf. 'kuaͦren kosten' Woeste in Kuhns zeitschr. 4, 299 hatfür o, s. koren.
2)
küren prüfen überhaupt ist zwar nicht bezeugt, ergibt sich aber ebenso aus kürer, s. d. und koren 2. dasz schon mhd. kürn bestanden haben musz, bezeugt auch verkürn reprobare (verchüren) Schm. 2, 325, eig. bei der prüfung verwerfen, gleich dem sonstigen verkiesen. auch küren, einen schiedsspruch thun, kann nicht gefehlt haben, s.kür sp. 2786 (γ) und kürer 3.
3)
wie kiesen sehen, blicken (s. dort 2, c), ebenso auch küren, kuren.
a)
ostfries. küren, scharf hinsehen, zielen, mit halb zugekniffenen augen Stürenb. 127ᵇ; daher nl. kuren (mit ü gespr.) blinzelnd blicken, mnl. curen wartend blicken u. ä.; nrh., in Aachen z. b., 'küre, nach etwas, sich umsehen, suchen' Müller u. Weitz 136. s. dazu unter kür II, 1, b ff.
b)
daher weidm. nach hasen küren (vgl. das nach bei dem küre in Aachen), ihnen nachstellen, auflauern:
geht einer von jungen gesellen
nach hasen küren, vogelstellen ...
Froschmeus. H 6ᵇ (I, 2, 3).
c)
gewöhnlich kuren, nach hasen Frisch 1, 169ᶜ, norddeutsch (oberd. lauszen): kuren weidm., 'achtung geben' Strodtmann 117, jagen, dem wilde nachstellen Dähnert 263ᵃ, kuhren 247ᵃ, also nicht auf hasen beschränkt: ob sie (die bauermeister) auch jemand mehr in diesem gerichte Lauwenstein, dann dem inhaber zum Lauwenstein, die jagt .. zuthuen, garne zustellen oder zu kuhren zuerkennen? weisth. 4, 649. in landesordnungen wird es verboten, z. b. in der meklenb. von 1562 das kuren, lappen und lauschen (mhd. lûʒen), ebenso in der braunschw. v. 1645, s. Frisch 1, 169ᶜ; auch trans. hasen zu kuren Curtze 480ᵇ aus der Waldecker landordn. von 1581. bei demselben auch die kur, der ansitz auf der jagd, vgl.hasenlausze. s. auch kurzeit.
4)
küren wählen, wie sonst kiesen.
a)
die zeugnisse treten erst gegen das ende des 18. jahrh. auf, lebhafter sogar erst im 19., ohne not gern kühren geschrieben ( Adelung): die schöne Bertha kührte und wählte lange (unter ihren freiern). Musäus 1, 9, im anschlusz an die formel kur und wahl sp. 2791 (c);
so rennet nun alles in vollem galopp
und kührt sich im saale sein plätzchen.
Göthe 1, 197, hochzeitlied, v. j. 1802;
ach die sehnsucht wird so laut!
wollt ihr keinen kaiser küren?
kommt kein ritter, heimzuführen
Deutschland, die verlaszne braut?
Schenkendorf ged. 1815 s. 184;
denn niemand wagt es, diesen oder den
zu küren mit dem hellen ruf der wahl.
Uhland Ernst von Schw. 67;
thun musz jeder was ihm obliegt,
wahl hat keiner, selbst zu kühren.
Rückert 331 (ges. ged. 2, 431);
und was du minnst im busen herzensinnig,
das magst du auch zum stoff der lieder kühren.
Strachwitz lieder eines erwachenden (1850) 134.
b)
im sinne etwas abweichend: Latiner .. da sie, wenn auch unter beschränkungen .. das römische bürgerrecht kühren konnten. Niebuhr röm. gesch. 2, 85; jetzt hätte er ohne schimpf das bürgerrecht eines municipiums kühren können. 2, 683; eine grosze erhöhung der macht des kührenden. 1, 586. wahrscheinlich ist dabei zugleich an das alte kür im gemeindeleben gedacht (sp. 2786), das Niebuhr aus dem rechtsleben seiner heimat kannte und auf das römische gemeindeleben übertrug.
c)
das aufkommen des wortes hat man bei grammatikern und lexicographen zu suchen, z. b. im anfang des 17. jh.: churfürst kommet vom alten wort kühren, kühre, das ist erwehlen, dieweil die 7 churfürsten des reichs die macht haben einen (d. h. den) keiser zu kühren oder zu wehlen. Scheraeus sprachenschule 116; chur, wahl, kompt her von dem teutschen kören, erwehlen .. von dannen das wort küren und auszerkoren entsprungen. Henisch 603, 62. vergl. sp. 697 (g) aus Stieler, Adelung, Voss.
d)
doch sind auch spuren eines echten küren da.
α)
Schmeller 2, 325 bringt aus einer würzb. verordn. v. 1785 bei personen zu hebammen kühren, aus einer v. 1792 kührung der gewerbsleute zu schultheiszen, es sei bei jeder sich ereignenden schultheiszen-kührung der kührenden gemeinde bekannt zu machen, dasz kein wirt, bäcker u. dergl. zum schultheiszenamte gekührt werden dürfe; in der bischöfl. canzlei ist bewuszt alterthümelnder stil kaum denkbar.
β)
auch das erkühren aus dem anfang des 18. jh. 3, 886 könnte doch echt sein, wie es hess. im 16. jh. erscheint (vgl. im 15. jh. auserkürer unter kürer 3):
Lipp, Rittperg, Waldeck, darzu Bürn
ihn (den landgrafen) auch zu einem lehnherrn erkhürn.
Adrians mitth. 209.
Anders folg. küren im 16. jh.:
(die tauben) gedachten ein schutzherrn zu kiesen,
der ir ordnung im krieg solt führen.
den habicht zum schutzherrn sie küren.
Waldis Es. 1, 18, 10;
das musz, zumal neben kiesen, vielmehr praet. sein, in dem die ganze erzählung gehalten ist, also gleich mhd. kuren, kurn, nur mit umlaut (oder furen : kuren?), und ein nicht unwichtiger nachtrag zu spalte 696 4, b.
γ)
eigen ein bair. abküren, z. b. einen pfarrer, aus der pfründe setzen Schm.² 1, 1285, wie ähnlich nl. afkeuren nach einer prüfung verwerfen, gegensatz von goedkeuren, s. Halma 28ᵃ, de Vries 1, 1056. In entstellung und umdeutung heiszt es ab-kehren, absetzen (17. jh.), s. Schm.² 1, 1282, wie verkehren gleich dem alten verküren (s. 2) Schm. 2, 324, und schon im 15. jahrh. willencher arbiter das. (s. unter kürer 3), willekerer Dief. 44ᶜ, vermittelt durch kören, kör; ebenso 'kehr und bann' für kür rechtlich Haltaus 1118.
e)
merkwürdig schwäb. noch heute kuren, votieren, wählen, bei Schmid 334 vom Schwarzwalde; es wurde ein neuer schultheisz gewählt ... der Buchmaier .. wurde fast einstimmig 'gekurt'. Auerbach dorfgesch. 1846 432 (1843 389). ebenda kur wahlstimme sp. 2790 (c), von dem diesz kuren neugebildet ist. Das schweiz. kuren, abkuren Stalder 2, 145 bezieht sich nur auf kur f. pfarrhaus, gleich franz. cure das. und ist fremd, auch nl. kure, cure, charge de curé Kil.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2803, Z. 7.

kuren, küren

kuren, küren
u. ä., plur. possen u. ä., ein volkswort, das sich doch weit verzweigt.
1,
a)
schwäbisch kuren plur., lustige einfälle, späsze, streiche Schmid 334; ebenso in Posen, auch in der bed. unnütze umstände (kuren machen) Bernd 152. niederd. in Waldeck tolle streiche, flausen, sonderbare vorfälle Curtze 480ᵇ. auch nrh. kuren possen, schwänke, in Aachen Müller u. Weitz 136, kuremächer possenreiszer. Auch nl. kuren, z. b. zotte kuren aanregten, dumme streiche oder possen machen; dazu hier sg. kuur f., bouffonnerie, pièce pour rire, kuuremaker bouffon Halma 355ᵇ. im 16. jahrh. im begriffe allgemeiner kure, gestus, modus agendi, facon de faire, grimace Kil., doch nur tadelnd nach den beispielen die er gibt, wic vremde kuren bedrijven, mira machinari, miris modis ludere, enormia patrare. übrigens gehört diesz nl. der aussprache nach (u als ü) zum folg.
b)
nd. küren grillen, z. b. he hett dulle küren Richey 144 (wo auch kürig seltsam, wunderlich), einfälle, caprices Brem. wb. 2, 899, ostfries. launen, späsze, fratzen Stürenb. 127ᵇ (mit kürig sonderbar, spaszig); auch hessisch an der mittlern Werra küren narrenspossen Vilmar 220. Dazu nordfries. als sing. kü̂r, 'gewöhnlich im plur. küren', wunderliche anschläge, albernheiten Johansen 105ᵃ. in Holstein aber mehr dem nl. gleich kür lust, fröhlichkeit, z. b. is't en kür? wird es dabei spasz geben? kürenmaker spaszmacher, kürig spaszhaft Schütze 2, 326.
c)
auch kiren, so bei Hupel 113 aus Livland, grimassen, seltsame geberden; es ist in form und bed. gestützt durch das folg.
2)
dazu gehört aber auch folg.
a)
kiremire plur., von gewandten fechterstreichen: ich behielte einen diser degen, er aber nahm den andern und machte mir so viel kiremire daher, dasz ich wol gewünschet hätte all meine zähn im stich zu lassen, gleichfals (sobald) ich nur allein mit dem gesicht davon kommen möchte. Sixt Boldrian, seltzame würme 34. nl. im 16. jh. kirimirien plur., Marnix biencorf 163ᵇ (2, 19) spricht von den katholischen ceremonien met alle de grillen ende kirimirien die daer op loopen, im sinne gleich kuren unter 1, a (Fischart übersetzt krämereien, s. d.). s. auch unter kurle das 'curle murle puff'.
b)
anders in Osnabrück kirremirre, gar zu subtile arbeit Strodtmann 103ᵇ, mit dem vorigen etwa durch den begriff spielerei, gaukelei verbunden. merkwürdig anklingend ein pflanzenname gerremerre ellebodus Dief. nov. gl. 147ᵇ, vgl.germer elleborus Dief. 199ᵃ, germær gerbo 260ᶜ, ahd. germarrun elleboros Haupt 5, 326ᵇ. s. auch schott. kirrywery gleich franz. charivari unter krawall 2, c. bei letzterm ist ja auch spasz und närrisches treiben, die nieswurz aber heilt von närrischem wesen.
c)
in meiner heimat heiszt ein wunderlicher mensch ein närscher kuri (nur in dieser verbindung), auch osterländisch, thüring., mit curios sich berührend; vgl. schwäb. gore m. unkluger, seltsamer mensch Schmid 238 und kuroisch wunderlich (oi als diphthong) das. 334, das wol auch nicht blosz aus curios zu begreifen ist. vgl. nd. kurrisch albern Schamb. 117ᵃ, kürig wunderlich u. 1, b, schweiz. kurlig sonderbar, komisch Rütte 51: drauszen sagte sie zu den mägden, drinnen gehe es kurlig, sie könne sich nicht darauf verstehen. Gotth. 7, 86. In der form ist dem kuri ganz nahe, im sinne nicht zu entfernt fläm. kurrie und kirie f., ein nichtsnutz, s. Schuermans 309ᵇ. In dem allen musz sich etwas altes bergen, wie z. b. in kunkelfusen, kinkerlitzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2802, Z. 22.

kuren, küren

kuren, küren
u. ä., plur. possen u. ä., ein volkswort, das sich doch weit verzweigt.
1,
a)
schwäbisch kuren plur., lustige einfälle, späsze, streiche Schmid 334; ebenso in Posen, auch in der bed. unnütze umstände (kuren machen) Bernd 152. niederd. in Waldeck tolle streiche, flausen, sonderbare vorfälle Curtze 480ᵇ. auch nrh. kuren possen, schwänke, in Aachen Müller u. Weitz 136, kuremächer possenreiszer. Auch nl. kuren, z. b. zotte kuren aanregten, dumme streiche oder possen machen; dazu hier sg. kuur f., bouffonnerie, pièce pour rire, kuuremaker bouffon Halma 355ᵇ. im 16. jahrh. im begriffe allgemeiner kure, gestus, modus agendi, facon de faire, grimace Kil., doch nur tadelnd nach den beispielen die er gibt, wic vremde kuren bedrijven, mira machinari, miris modis ludere, enormia patrare. übrigens gehört diesz nl. der aussprache nach (u als ü) zum folg.
b)
nd. küren grillen, z. b. he hett dulle küren Richey 144 (wo auch kürig seltsam, wunderlich), einfälle, caprices Brem. wb. 2, 899, ostfries. launen, späsze, fratzen Stürenb. 127ᵇ (mit kürig sonderbar, spaszig); auch hessisch an der mittlern Werra küren narrenspossen Vilmar 220. Dazu nordfries. als sing. kü̂r, 'gewöhnlich im plur. küren', wunderliche anschläge, albernheiten Johansen 105ᵃ. in Holstein aber mehr dem nl. gleich kür lust, fröhlichkeit, z. b. is't en kür? wird es dabei spasz geben? kürenmaker spaszmacher, kürig spaszhaft Schütze 2, 326.
c)
auch kiren, so bei Hupel 113 aus Livland, grimassen, seltsame geberden; es ist in form und bed. gestützt durch das folg.
2)
dazu gehört aber auch folg.
a)
kiremire plur., von gewandten fechterstreichen: ich behielte einen diser degen, er aber nahm den andern und machte mir so viel kiremire daher, dasz ich wol gewünschet hätte all meine zähn im stich zu lassen, gleichfals (sobald) ich nur allein mit dem gesicht davon kommen möchte. Sixt Boldrian, seltzame würme 34. nl. im 16. jh. kirimirien plur., Marnix biencorf 163ᵇ (2, 19) spricht von den katholischen ceremonien met alle de grillen ende kirimirien die daer op loopen, im sinne gleich kuren unter 1, a (Fischart übersetzt krämereien, s. d.). s. auch unter kurle das 'curle murle puff'.
b)
anders in Osnabrück kirremirre, gar zu subtile arbeit Strodtmann 103ᵇ, mit dem vorigen etwa durch den begriff spielerei, gaukelei verbunden. merkwürdig anklingend ein pflanzenname gerremerre ellebodus Dief. nov. gl. 147ᵇ, vgl.germer elleborus Dief. 199ᵃ, germær gerbo 260ᶜ, ahd. germarrun elleboros Haupt 5, 326ᵇ. s. auch schott. kirrywery gleich franz. charivari unter krawall 2, c. bei letzterm ist ja auch spasz und närrisches treiben, die nieswurz aber heilt von närrischem wesen.
c)
in meiner heimat heiszt ein wunderlicher mensch ein närscher kuri (nur in dieser verbindung), auch osterländisch, thüring., mit curios sich berührend; vgl. schwäb. gore m. unkluger, seltsamer mensch Schmid 238 und kuroisch wunderlich (oi als diphthong) das. 334, das wol auch nicht blosz aus curios zu begreifen ist. vgl. nd. kurrisch albern Schamb. 117ᵃ, kürig wunderlich u. 1, b, schweiz. kurlig sonderbar, komisch Rütte 51: drauszen sagte sie zu den mägden, drinnen gehe es kurlig, sie könne sich nicht darauf verstehen. Gotth. 7, 86. In der form ist dem kuri ganz nahe, im sinne nicht zu entfernt fläm. kurrie und kirie f., ein nichtsnutz, s. Schuermans 309ᵇ. In dem allen musz sich etwas altes bergen, wie z. b. in kunkelfusen, kinkerlitzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2802, Z. 22.

kuren, küren

kuren, küren,
zu kiesen und kür, kur, in verschiedner bedeutung, in den meisten fällen wahrscheinlich erst vom subst. abgezweigt.
1)
der urspr. bed. des stammwortes am nächsten ist kuren kosten, kostend prüfen, hessisch noch im 16. jh. anzunehmen nach kurer bierkieser (s. d. 1); doch mischt sich schon der begriff gutheiszen, wert bestimmen ein, s. unterkür II, 4, a und kürer 2. nd., westf. 'kuaͦren kosten' Woeste in Kuhns zeitschr. 4, 299 hatfür o, s. koren.
2)
küren prüfen überhaupt ist zwar nicht bezeugt, ergibt sich aber ebenso aus kürer, s. d. und koren 2. dasz schon mhd. kürn bestanden haben musz, bezeugt auch verkürn reprobare (verchüren) Schm. 2, 325, eig. bei der prüfung verwerfen, gleich dem sonstigen verkiesen. auch küren, einen schiedsspruch thun, kann nicht gefehlt haben, s.kür sp. 2786 (γ) und kürer 3.
3)
wie kiesen sehen, blicken (s. dort 2, c), ebenso auch küren, kuren.
a)
ostfries. küren, scharf hinsehen, zielen, mit halb zugekniffenen augen Stürenb. 127ᵇ; daher nl. kuren (mit ü gespr.) blinzelnd blicken, mnl. curen wartend blicken u. ä.; nrh., in Aachen z. b., 'küre, nach etwas, sich umsehen, suchen' Müller u. Weitz 136. s. dazu unter kür II, 1, b ff.
b)
daher weidm. nach hasen küren (vgl. das nach bei dem küre in Aachen), ihnen nachstellen, auflauern:
geht einer von jungen gesellen
nach hasen küren, vogelstellen ...
Froschmeus. H 6ᵇ (I, 2, 3).
c)
gewöhnlich kuren, nach hasen Frisch 1, 169ᶜ, norddeutsch (oberd. lauszen): kuren weidm., 'achtung geben' Strodtmann 117, jagen, dem wilde nachstellen Dähnert 263ᵃ, kuhren 247ᵃ, also nicht auf hasen beschränkt: ob sie (die bauermeister) auch jemand mehr in diesem gerichte Lauwenstein, dann dem inhaber zum Lauwenstein, die jagt .. zuthuen, garne zustellen oder zu kuhren zuerkennen? weisth. 4, 649. in landesordnungen wird es verboten, z. b. in der meklenb. von 1562 das kuren, lappen und lauschen (mhd. lûʒen), ebenso in der braunschw. v. 1645, s. Frisch 1, 169ᶜ; auch trans. hasen zu kuren Curtze 480ᵇ aus der Waldecker landordn. von 1581. bei demselben auch die kur, der ansitz auf der jagd, vgl.hasenlausze. s. auch kurzeit.
4)
küren wählen, wie sonst kiesen.
a)
die zeugnisse treten erst gegen das ende des 18. jahrh. auf, lebhafter sogar erst im 19., ohne not gern kühren geschrieben ( Adelung): die schöne Bertha kührte und wählte lange (unter ihren freiern). Musäus 1, 9, im anschlusz an die formel kur und wahl sp. 2791 (c);
so rennet nun alles in vollem galopp
und kührt sich im saale sein plätzchen.
Göthe 1, 197, hochzeitlied, v. j. 1802;
ach die sehnsucht wird so laut!
wollt ihr keinen kaiser küren?
kommt kein ritter, heimzuführen
Deutschland, die verlaszne braut?
Schenkendorf ged. 1815 s. 184;
denn niemand wagt es, diesen oder den
zu küren mit dem hellen ruf der wahl.
Uhland Ernst von Schw. 67;
thun musz jeder was ihm obliegt,
wahl hat keiner, selbst zu kühren.
Rückert 331 (ges. ged. 2, 431);
und was du minnst im busen herzensinnig,
das magst du auch zum stoff der lieder kühren.
Strachwitz lieder eines erwachenden (1850) 134.
b)
im sinne etwas abweichend: Latiner .. da sie, wenn auch unter beschränkungen .. das römische bürgerrecht kühren konnten. Niebuhr röm. gesch. 2, 85; jetzt hätte er ohne schimpf das bürgerrecht eines municipiums kühren können. 2, 683; eine grosze erhöhung der macht des kührenden. 1, 586. wahrscheinlich ist dabei zugleich an das alte kür im gemeindeleben gedacht (sp. 2786), das Niebuhr aus dem rechtsleben seiner heimat kannte und auf das römische gemeindeleben übertrug.
c)
das aufkommen des wortes hat man bei grammatikern und lexicographen zu suchen, z. b. im anfang des 17. jh.: churfürst kommet vom alten wort kühren, kühre, das ist erwehlen, dieweil die 7 churfürsten des reichs die macht haben einen (d. h. den) keiser zu kühren oder zu wehlen. Scheraeus sprachenschule 116; chur, wahl, kompt her von dem teutschen kören, erwehlen .. von dannen das wort küren und auszerkoren entsprungen. Henisch 603, 62. vergl. sp. 697 (g) aus Stieler, Adelung, Voss.
d)
doch sind auch spuren eines echten küren da.
α)
Schmeller 2, 325 bringt aus einer würzb. verordn. v. 1785 bei personen zu hebammen kühren, aus einer v. 1792 kührung der gewerbsleute zu schultheiszen, es sei bei jeder sich ereignenden schultheiszen-kührung der kührenden gemeinde bekannt zu machen, dasz kein wirt, bäcker u. dergl. zum schultheiszenamte gekührt werden dürfe; in der bischöfl. canzlei ist bewuszt alterthümelnder stil kaum denkbar.
β)
auch das erkühren aus dem anfang des 18. jh. 3, 886 könnte doch echt sein, wie es hess. im 16. jh. erscheint (vgl. im 15. jh. auserkürer unter kürer 3):
Lipp, Rittperg, Waldeck, darzu Bürn
ihn (den landgrafen) auch zu einem lehnherrn erkhürn.
Adrians mitth. 209.
Anders folg. küren im 16. jh.:
(die tauben) gedachten ein schutzherrn zu kiesen,
der ir ordnung im krieg solt führen.
den habicht zum schutzherrn sie küren.
Waldis Es. 1, 18, 10;
das musz, zumal neben kiesen, vielmehr praet. sein, in dem die ganze erzählung gehalten ist, also gleich mhd. kuren, kurn, nur mit umlaut (oder furen : kuren?), und ein nicht unwichtiger nachtrag zu spalte 696 4, b.
γ)
eigen ein bair. abküren, z. b. einen pfarrer, aus der pfründe setzen Schm.² 1, 1285, wie ähnlich nl. afkeuren nach einer prüfung verwerfen, gegensatz von goedkeuren, s. Halma 28ᵃ, de Vries 1, 1056. In entstellung und umdeutung heiszt es ab-kehren, absetzen (17. jh.), s. Schm.² 1, 1282, wie verkehren gleich dem alten verküren (s. 2) Schm. 2, 324, und schon im 15. jahrh. willencher arbiter das. (s. unter kürer 3), willekerer Dief. 44ᶜ, vermittelt durch kören, kör; ebenso 'kehr und bann' für kür rechtlich Haltaus 1118.
e)
merkwürdig schwäb. noch heute kuren, votieren, wählen, bei Schmid 334 vom Schwarzwalde; es wurde ein neuer schultheisz gewählt ... der Buchmaier .. wurde fast einstimmig 'gekurt'. Auerbach dorfgesch. 1846 432 (1843 389). ebenda kur wahlstimme sp. 2790 (c), von dem diesz kuren neugebildet ist. Das schweiz. kuren, abkuren Stalder 2, 145 bezieht sich nur auf kur f. pfarrhaus, gleich franz. cure das. und ist fremd, auch nl. kure, cure, charge de curé Kil.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2803, Z. 7.

kuren

kuren,
eine kur brauchen, wenig gebräuchlich:
der arme mann war krank gewesen ...
er kurte, konnte nicht genesen.
alm. d. d. musen 1780 s. 218.
auch Campe verzeichnet es, zugleich kuren curieren, heilen, wie wirklich mnl. curen Oudemans 3, 580.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2803, Z. 1.

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Zitationshilfe
„küren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCren>, abgerufen am 09.08.2020.

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