Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kürmeln, kirmeln

kürmeln, kirmeln,
von lallendem reden u. ä.
1)
kürmeln, bei den schles. dichtern beliebt:
was das liebe kindelein
wird mit halbem munde machen,
was es kürmeln wird und lachen,
werden lauter verse sein.
Opitz 2, 93 (poet. w., 2. buch a. e.);
gut, gut! was kan uns sonst aus wermut zucker machen,
als wann das liebe kind mit kürmeln und mit lachen
an unser haupt sich drückt, uns lieber vater nennt ...
Logau 1, 8, 98;
vom süszen namen sohne
ein kürmelnd exemplar.
1, 10, 8;
soll ein ergetzlich kusz
sein besser angewehrt, als auf des pabstes fusz,
so musz ein lieblich wort, so musz ein freundlich kürmeln
bei süszen schmätzerlein dem lächeln und dem mürmeln
sich artig mischen ein ...
2, 1, 38 s. 14;
kan die deutsche sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen?
kan sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, gütteln, kürmeln, lachen.
3, 5, 67;
als er etwas kürmeln kunnt
und den vater wollte grüszen ...
Dan. v. Czepko Coridon u. Phyllis (hs.).
2)
kirmeln
a)
ebenso: ob er die löwen allzeit brüllen, niemahls kirmeln, die turteltauben stets girren oder wehklagen gehöret hätte? Lohenstein Arm. 1, 92 ('von dem freundlichen, verliebten murren der löwen' Lessing 5, 328). so noch schles. kirmeln, kermeln, lallen der kleinen kinder, überh. schmeichelnd stammeln Weinh. 43ᵃ, auch oberlaus. kermeln Anton 2, 4.
b)
schles. auch lärmen, schreien, gekermel n. lärm, besonders von kindern Weinh. (vgl. in Kuhns zeitschr. 1, 251).
3)
zur weiteren verfolgung dient
a)
schweiz. kürmen bei Stalder 1, 145 fg., gleich dem schles. kürmeln, lallen, aber auch es kürmt, von schleichenden gerüchten, man raunt sich ins ohr (altn. kurr m. gerücht), vgl.'susurrus ein leis gekürmel' Dief. 570ᵇ (16. jh.) und westf. kurmel m. ein durcheinander von sprechenden menschen Woeste volksüb. 101, durcheinander laufende und sprechende menge Kuhns zeitschrift 2, 90. also ein stamm kurm, auch alem. und nd. erkennbar, und nur zufällig im östl. md. besonders entwickelt.
b)
aber vorgeschichtlicher bestand wächst ihm zu durch schott. churm summen, summend singen u. ä., subst. churm leises murmelndes gespräch, s. Jamieson suppl. 1, 211ᵃ. ebenda auch chirme und cherme, zwitschern, murren u. ä. 208ᵃ, altengl. to chyrme, chirme wie schott., endlich schon ags. cirm und cyrm m. clangor, fragor, cirman und cyrman schreien u. ä. Grein 1, 161. mit engl. charm murmeln, bei uns karmen (kärmen) wehklagen sp. 218 erfüllt sich die ablautung i a u, wie sie in kërren sp. 613 vorliegt, s. dort.
c)
nahe liegt auch kürbeln (kirbeln), s. d., dann kurreln 1, zu dem wieder stimmt schott. churle, auch chirle girren, murmeln Jamieson suppl. 1, 211ᵃ, wie das gleichbed. churr zu unserm kurren (s. d.), auch schwed. kurla girren wie tauben, norweg. kurla schnarrend sprechen u. ä.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2813, Z. 73.

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Zitationshilfe
„kürmeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrmeln>, abgerufen am 09.05.2021.

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