Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kornen

kornen,
1)
körner ansetzen, wie körnen 2 (vgl. unter körnen 3):
bis dasz sie (die ähren) gekornet den ausgang gewinnen.
Schottel haubtspr. 932.
2)
korn ernden: ach du lieber gott, so wird jetzt (im juli 1866) geerntet. alte männer und verlassene frauen müssen kornen. Auerbach volkskal. 1867 s. 149, aus der Bonner gegend. dasselbe ist vielleicht 'granare kurnen' bei Dief. 268ᵇ (auch körnen) aus einem nrh. voc. des 15. jh. und der gemma, da granare auch als korn dreschen erklärt wird (ebend., voc. opt. Lpz. 1501), von der form s. unterkörnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1822, Z. 50.

körnen

körnen,
von korn, in mehrfacher bed.; eine ältere nebenform mit ungebrochnem vocal, kürnen s. unter 4, b, noch älter md. kurnen (u. 1, s. auch unter kornen 2), das aber für kürnen stehn musz, es stimmt zu ahd. alts. kurni, s.korn I, d.
1)
mit körnern locken (oder füttern), mhd. Frauenlob spr. 334, 15 nach conj. des herausg. (die hs. hat kronet); es hiesz aber kurnen md. (vgl. unter 2):
eime lewen dô gerûfen wart,
der ûf si (die märtyrer) was erzurnet.
im wart mit in gekurnet.
pass. K. 304, 48,
sie werden dem löwen statt futters, wie körner, hingeworfen. nd. kornen.
a)
auch nhd. anfangs noch mit dat., wie eben aus mhd. zeit: was er damit meine (der teufel), das er so körre wil werden und kompt so sicher, als hette man im gekörnet (wie ein wild thier). Luther 6, 331ᵃ; prallende, prechtige und betriegliche briefe, in welchen er im (var. in) körnete und das maul schmierete. tischr. 301ᵃ. werke 61, 142. so hatten locken, rufen u. ä. früher auch dat., wie noch schmeicheln.
b)
nachher aber mit acc.: man musz sie (die staare) lange körnen und hingewehnen. Colerus hausb. (1640) 479; das aufgebrüstete fleisch (der dirne) ist wie des voglers futter, damit man die vogel körnet. polit. stockf. 73;
hab ich ja weiter nichts gelernt,
als wie man dohnen stellt und wilde schweine körnt.
Gökingk 2, 148.
es ist weidmännisch, mit gestreuten körnern oder einem köder heranlocken, s. auchankörnen undkörnung. es ist oft mit kirren vermengt worden, s. sp. 840 unten. auch fische werden gekörnt, durch zugeworfne kockelskörner, krähenaugen u. dergl. betäubt gemacht zum leichteren fangen.
c)
vielfach bildlich, wie das weidmännische ködern auch: den Eurilum mit alten eingesamleten ducaten zu körnen und in das garn .. zu locken. colica 33; sie körnete den vater noch ferner mit guten worten. pol. stockf. 343. 50;
das mädchen selbst,
mit welcher er mich körnt.
Lessing 2, 312;
wenn jenen reiz und schönheit körnt.
Hagedorn 3, 41;
er denkt mit guten worten wol,
der schulfuchs! mich zu körnen?
Gökingk 3, 30;
so von allem abgetrennt,
was die sehnsucht möchte körnen (reizen).
Bürger 122ᵇ, var. v. 1789.
d)
der neue begriff des lockens, heranlockens, der da in das urspr. 'körner streuen' hineingekommen ist, tritt deutlich hervor bei zugesetzter ortsbestimmung: man kan sie (die wildschweine) auch mit erbsen oder eicheln an einen gewissen ort körnen. Colerus hausb. (1640) 451;
dein lob, das von der berge spitzen
mich sonst herab zum schreibepult gekörnt.
Gökingk 2, 136;
wenn ich den schlaf bis auf wenige schritte herangekörnt hatte. J. Paul 3, 12.
e)
für bloszes körnerstreuen, füttern selten:
du kleines dummes thier (ein vogel)!
was hilft es dich zu körnen?
kannst du denn gar nichts lernen?
Tiedge.
2)
intr. körner bilden, ansetzen, mlat. granere, granescere: dasz durch den sturmwind der weizen desto schöner körnet. polit. stockf. 280; was körnet ohne bluht? der weckholder. Spangenberg lustg. 534; die früchten fangen an zu körnen. Aler 1226ᵇ. nd. kören Schambach 109ᵇ. älter md. gekurnen bruder Hans Marienl. 3770.
3)
trans. gerste körnen, den ausgedroschnen körnern die spitzen abschlagen, nd. kornen br. wb. 2, 854. auch das erste vorläufige dreschen des getreides überhaupt, das noch an den garben geschieht, damit die besten körner vorweg herausfallen, auch knüppeln, puscheln, hess. Vilmar 220. beides eigentlich 'die körner gewinnen'.
4)
trans., zu körnern machen, in körnern darstellen, granulieren, engl. corn, dän. korne; auch körneln.
a)
so wird metall gekörnt, silber, eisen, kupfer, blei, zink, d. i. geschmolzen und in 'körner' zertheilt, s.korn 4, c a. e.: und (soll) die (eingegangnen zinspfennige) darnach durch den münzmeister zu Erfurt brennen und kornen laszen und (das silber) in einen leddern sack thun, wol verbinden und versigeln u. s. w. Michelsen Mainzer hof 21 (die masse, granalia genannt, soll dann zur Frankfurter messe geschickt werden zu tucheinkäufen); kopper, silver, bli körnen. Chytraeus nomencl. lat.-sax. c. 15, hd. bei Golius c. 15; nachdem die .. eisenerde zu gekörntem eisen ausgeschmolzen. Kant 9, 74, gleich drauf gleichbed. gediegenes eisen, weil dadurch die letzte ausscheidung fremder theile geschieht.
b)
früher auch kürnen (s. oben): das silber kürnen geschicht mehrentheils wann böse zerbrochen pagament (cassierte münzen) oder sonst verbotne münz vorhanden. L. Erker beschr. aller erz 22ᵃ, zur probe und reinigung; es heiszt das. sollen nun die körnlin rund gefallen (ausfallen), so geusz solch silber durch einen nassen besen; noch bei Schottel 568 granaliren (s. granalia vorhin) und kürnen der münz. Daher gekürntes, silber u. dgl. in körnerform: das hinfur alles u. iedes gekürnts, so das in diser stat gekauft oder verkauft wirdet, durch der stat geschworen probirer ... probirt werden soll. Baaders Nürnb. polizeiordn. 150, nachher das. kurnts, wie bratens neben gebratens (fleisch) für braten. Darin könnte doch auch das korn (feingehalt) in 'schrot und korn' seinen ursprung haben (s. korn II, 9 sp. 1819), wenn für dieses gekürnts auch kurz collect. korn nachgewiesen würde; eine mitwirkung dieses körnens ist auf alle fälle wahrscheinlich.
c)
auch salz, pulver, sago u. ä. werden gekörnt oder körnen sich: (salz) schneeweisz gekörnt. Göthe 47, 124; man geuszet als bald Hällisch bier drein 11⁄2 nösel, dasz sichs körne (das salz), sonst bleibt es ein mehl. Mathes. Sar. 127ᵃ; schieszpulver .. zum theil gekörnt, zum theil ungekörnt als mehlpulver. Karmarsch 1, 775;
eine handvoll grobgekörnten sandes.
H. v. Kleist 1859 2, 63,
hier ganz gleich körnig; schön - gekörneter marmor, granate marble Ludwig 1058 (s.korn II, 5); feingekörntes pulver. das ausgelassene schmalz, das gefrierende baumöl körnt sich (Ludwig oder auch intrans. körnt, was dann in 2 übergeht.
5)
trans., mit körnern versehen: vollgekörnter weizen. Kosegarten rhaps. 1, 44. 3, 121; wie ein werkstück geadert, gekörnt. Zelter an Göthe 2, 458; die gaumenfalten sind gekörnt Brehm illustr. thierl. 2, 119. leder wird bei der chagrinfabrication gekörnt, gekörnelt, körnig gemacht, s.korn 5, c.
6)
bildlich, gehaltvoll machen, nach dem korn der münzen:
mein Behrmann, den geschmack und witz und redlichkeit
von niederträchtgem wahn entfernet,
den auch ein innrer reichthum körnet.
Hagedorn 2, 72 (142)
denn die bed. 1 kann kaum gemeint sein.
7)
bei schlossern u. ä., das korn (11) vorzeichnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1822, Z. 61.

kürn, kürne, n.

kürn, kürne, n.
getreide, kornfrucht, s.korn I, d, schweiz. kürren n. Stalder 2, 65. Anders von einem geschwür am pferdefusze: das pferd gewinnet zu zeiten dicke knie, dasz es das knie krümbt und nit wol biegen mag an dem gehen, das heiszt man sonst das kürne. Seuter 429; das beruht aber blosz auf einem lesefehler für kurue, d. i. kurve (s. u.kurfes 3), begreiflich und veranlaszt durch korn 10 als auswuchs.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2814, Z. 61.

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„kürne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrne>, abgerufen am 10.05.2021.

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