Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

kürsen, kürse, kursche, f.

kürsen, kürse, kursche, f.
pelzkleid.
1,
a)
die mhd. geläufige form ist kürsen oder kursen; völliger chursene pelles (l. pellis, daneben belliz, pellicium) sumerl. 31, 55, Graff 4, 617 (12. jahrh.); auch im pl. nicht anders, z. b. vêhe chursen oder belze. Augsb. stadtb. 76, 1 s. 151. ins ahd. übergehend chursenne unde bellice plur. Haupt 8, 152, 262. ahd. chursinna, kursenna mastruga, manstruga (schafpelz), kursna gl. Blas. 45ᵇ, aber auch crusina in einer Virgilglosse, s. Graff 4, 617, bei Schm. 2, 332 chrusina und chursina; das -nn noch im 15. jh. in kursinner, kirsenner Dief. 421ᶜ (s. kürschner).
b)
auszerdem nur ags. in einer gl. Älfrics mastruga, crusene ođđe deórfellen roc Ettm. 401, crusne Wright vocc. 40ᵇ, mit der stellung des r wie ahd. crusina. ebenso mlat., bis ins 10. jh. zurück bezeugt, crusina, crosina, dann crusna, crosna pelzkleid, s. Ducange, rechtsalt. 448; im Rudlieb mit der doppelten endbildung, wie ahd., crŭsĭna, chrusina und crusenna, chrusenna, s. J. Grimm lat. ged. des 10. 11. jh. s. 231.
c)
auswärtig bei den Slaven, altsl. krŭzno n. vestis pellicea, auch korzno, korozno Miklosich 315ᵃ (mit doppelform wie bei uns), noch slovak. krzno pelzkleid, oberpelz, auch waffenrock, sloven. kerzno (der kürschner dort krznář, hier kerznár); aber Miklosich bezeichnet es auch da als fremdwort. trotzdem könnte es uns von dort gekommen sein, wie man noch im 13. jahrh. schæfîn kürsen aus Böhmen bezog (s. 4, b). Diefenbach celt. 1, 57 suchte keltischen anhalt.
2)
nhd. bis ins 16. jh., zum theil noch später.
a)
in voller form kürsen oder kursen f.: kursen andromada, endromada, endromis, manstruga, matexta. voc. inc. teut. o ijᵃ, s. bei Dief. kürsen, kirsen 351ᵃ, chursen, kursen 351ᵇ, surcotus kursen, var. kyrsen 564ᵇ; etlich mädrein kursen Schm. 2, 332, von marderpelz (vgl. kitzmädern);
ich (der kürsner) mach kürsen von vech
und pelz von eim rech.
fastn. 618, 20;
siht er eines pfaffen kutzhut oder ein kürssen einer frauen, so spricht er, wer mein banzer und harnisch also leicht gsin. Keisersberg narrensch. 30ᵃ; sie trugen gewonlich mentel und kürsen von belz darunder. Pauli sch. u. e. 53; ain kürsen küniglrückin (s. königlein kaninchen). tirol. landesordn. v. 1603 bei Schöpf 353; man hat dem ochsen ein kürsen in rachen geschoben, er kan nit brüllen. Agricola sprichw. 48ᵃ. es musz im 17. jh. auszer gebrauch gekommen sein, denn am ende des jh. weisz z. b. Stieler 606 nichts mehr von dem zusammenhange des wortes mit kürschner (wol aber später Steinbach, s. c, γ).
b)
kürschen, dessen sch in kürschner dann fest wurde, erscheint daneben schon früh (die meisten kürsen unter a werden schon so gesprochen sein), schon in mhd. zeit: ein vehe kürschen. Schm. 2, 332, aus Amberg v. j. 1382; ain aichhorneine kürschen. das., mon. bo. 18, 547, vom jahre 1468; mit einir kursschin. Wattenb. cod. dipl. Siles. 3, 122, vom jahre 1387 (gleich darauf dy korssche); kurschen vel korschen Dief. 351ᵃ, rheinisch;
etliche gar ein grosze summ
köstlicher wahren bei sich hätten ...
von eisen, stahel, kürschen zart.
Spreng Ilias 1625 148ᵇ (7, 474), verfaszt noch im 16. jahrh.
s. auch kursche unter c, β, korschen unter d.
c)
aber auch kürse, kürs u. ä., weil das -n dem scheine einer endung nicht entgehn konnte (vgl.küche, küsse gleich kissen).
α)
auch diesz schon mhd., z. b. kurse Herbort 8476 ff.: kursze, manstruga. voc. 1482 r 6ᵇ, kurse Dief. 351ᵃ. 421ᶜ, cürse 34ᵇ; schenkt ihm der kürszner ein schöne kürse gut. Eyring 3, 188; md. korse, um 1400:
éin farwe nicht alleine vorhengit,
daʒ ein korse geheiʒin sî bunt,
sundirn grau in daʒ wîʒe gemengit.
Rothe rittersp. 1798.
β)
natürlich auch kursche u. ä.: auch sol fortan keine frau noch jungfrau eine grotschene kursche teurer denn um zwölf gulden kaufen. script. rer. Siles. 3, 201, vom jahre 1509. mrh. korsche Dief. 351ᵃ aus dem Eltviller voc. von 1477.
γ)
endlich kürs u. ä.: der kürszner (gab) ein schön kürsz. Frank spr. 2, 33ᵃ. korsch mastruga Dief. 351ᵃ aus d. Eltviller voc. von 1472; korsch matexta 351ᵇ, gleichfalls rheinisch. noch bei Steinbach 1, 951 kürsch m. als veraltet. auch nl. bei Kil. kuers, koers, kiers, cyclas, cotte de femme (Dief. 117ᶜ), wol hd. einflusz.
d)
mitteldeutsch gern mit o, s. schon korse, korsche, korsch unter c, rhein. 'kurschen vel korschen' u. b, beides wechselnd, wie ostmd.: vor uns .. ist komen N. G. .. und hot geclagit zu Kunzen Körschner .. fumf wammelen korschen, nachher die kurschen, pelze und kurschen, selbst pelze und kürschen, auch mit den selben pelzen und körschen. Behrend Magdeb. fragen s. 243. daher körschner, und korswerk, z. b. schles. 16. jahrh.: wo sie ihre gefutterte kleider um die ermel mit lassat, harenbalg, sponwerg (?) oder andern korswerg wolten vorbremet tragen. scr. rer. Sil. 3, 209, aber ebenda korschwerg, pelzwerk (vgl. u. b), vgl.kürsenwerk. Übrigens auch in Nürnberg 15. jh. mit o: so kann ich korssen neen. Rosenblut fastn. sp. 1136 (Schm.² 1, 1295), und anderseits nd., s. 3, a.
e)
bemerkenswert mit -in, hauptsächlich alem.: pellicinia, kürsin gaden. Dief. nov. gl. 285ᵃ, daher noch bei Maaler kürsiner kürschner. auch mrh. einmal kursin Diefenb. 351ᵃ, wie früher elsäss. in Twingers vocab. kürsin Scherz 846, mhd. Martina 231, 34. die form schlieszt sich an ahd. chursinna an, s. kursinner 15. jh. unter 1, a, in demselben mrh. voc. das kursin hat.
3)
noch andere formen, besonders nd., rheinisch.
a)
nd. einmal korsene Dief. 351ᵃ. 421ᶜ, wie auch mnl. corsene pellicea hor. belg. 7, 6ᵃ (vgl. aus Kil. unter 2, b, γ). daher nd. korsenwerchte gleich kürschner, s. d. 5.
b)
aber auch mit eigner steigerung des auslauts kortze pellicium Dief. 421ᶜ, mastruga 351ᵃ in einem theilweis nrh. gefärbten voc., wie im Teuthonista curtze (s. 4, c), vergl.kortzenmeker unter kürschner 5, kortzenworte kürschner Braunschw. chron. 1, 125 anm. 2. selbst in Diefenbachs md. voc. von 1470 andromeda ein kurze sp. 27.
c)
nd. auch corsel, mantel von rûvellen, matexta Dief. 351ᵇ. westf. in der Mark körsing pelzrock Kuhns zeitschr. 4, 134, wie schon im 15. jh. mrh. kirsink neben cürse Dief. 34ᵇ. endlich auch kursan Dief. 421ᶜ, und kirsach 351ᵃ, beides rhein., beide formen nähern sich den kursat, kirsat, s. zuletzt unter d.
4)
der bedeutung wegen bleibt noch manches zu fragen und zu beobachten übrig.
a)
so wegen des verhältnisses zu pelz. schon ahd. werden beide neben einander genannt (1, a), wie im 15. jahrh. unter 2, a im munde des kürsners, wie Burk. Zink seiner frau nach wunsche kaufte röck und mentel, kürsen und pelz Augsb. chr. 2, 139, also verschiedene dinge. so deutlich im folg.: ainer schwester (die das selhaus wieder verläszt) sol nichtz volgen dan ain mantel, ain kursen, ain pelz, zwen rökch ... Schm. 2, 332, mon. bo. 19, 248. s. dagegen unter 2, d kurschen gleich 'pelze und kurschen' und zwar in geschäftlicher rede, 'mastruga belz oder kursen' Brack Leipz. 1491 16ᵇ, wie ja in kürschner die pelze eingeschlossen sind. s. auchkürsenpelz.
b)
wie noch unser pelz, erscheint die kürsen an stoff und wert sehr verschieden. von schaffellen, schâfkürsen Erec 283, blosz als schutz gegen kälte, als wintertracht mhd., selbst ritterlich:
schæfîn kürsen vür den vrost
koment uns von Tsechen.
Helbling 3, 234;
ein rîter nimt (jetzt) gar vür guot
zem winter einen vêhen huot
und ein kürsen schæfîn.
15, 67;
vergl. von der ochsenkürsen, von ochsenhaut, Schm.² 1, 1296. Aber früh auch (s. Ducange) von kostbarem, buntem pelzwerke, s. die beispiele oben, vgl. besonders kürsenwerk; wie verschieden der wert war, zeigt z. b. das inventar Elsen von Holzhusen im Frankf. arch. vom j. 1410: it. ix gulden umb ein bunte grawe kürsen, it. iij guld. vür ein alde bunte kürsen, it. aber iij guld. umb ein kürsen. bemerkenswert ist auch, dasz sie bis zu ende besonders als frauenkleid erscheint (vergl. kuppelpelz), und zwar als kleid ehrbarer frauen, wie denn im Meraner stadtrechte Haupt 6, 425 den 'gemeinen frauen' frowenmentel und kursen zu tragen verboten wird.
c)
aber nicht blosz pelzkleider hieszen so. ein rheinisches voc. erklärt culcitra (s.kolter) mit kuerse Dief. 161ᶜ, und dasselbe ist im Teuth. 'curtze, pelsdecken, supellex' 63ᵃ, denn supellex (auf super und lectus umgedeutet) war auch deck, decklachen Dief. 568ᵃ, also bettdecke von pelz, was recht alterthümlich aussieht, vergl. in der ärmlichen mitgift von B. Zinks frau ain füchsin deck Augsb. chron. 2, 139, 7.
d)
auch ein wollenzeug scheint so geheiszen zu haben, in einem briefe der Passauer loderer bei Schm. 2, 333. 464 wird kursenwolle erwähnt: zu dem lembrein tuch mag man nemen (zum weben eines stückes) einen vierdung kursen wolle und nicht mer, offenbar als zusatz. vgl. 'sucortus, kursen' Dief. 564ᵇ aus Brack und damit kursat surcortus sp. 2818 und 'kirsat surcotus, species panni' unter kirsei 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2820, Z. 38.

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Zitationshilfe
„kürse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCrse>, abgerufen am 12.08.2020.

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