Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

küster, m.

küster, m.
custos templi, aedituus.
1)
formen und ursprung.
a)
ahd. custor, kuster aedituus, sacrista, plur. custra, auch gustra (wegen des g- s.G 5, b), gen. plur. gustro, gustoro, s. Graff 4, 534, chuster mansionarius ('messner') Mones anz. 7, 587ᵇ. auch mhd. guster wb. 1, 594ᵃ, Schm. 2, 79, Dief. nov. gl. 125ᵇ und kuster wb. 1, 920ᵃ, Lexer 1, 1802, küster Renner 2705, Closener 139 fg. (kuster 138, 15), custer Höfer ausw. ält. urk. 13, custere 73, auch koster (: paternoster) Neidh. 211, rhein. 15. jh. Dief. 164ᶜ, und kustor (: prior) lieders. 2, 226. 243, kustor custos Wack. voc. opt. 36ᵃ (noch im 16. jahrh., s. 2, b), custorleut weisth. 2, 528, s. auch custorin, kosterin unter küsterin. auszerdem mnl. coster, nnl. koster, bei Kil. auch kuster, jenes wie nrh. coster Teuth. 58ᵃ, vergl. unter a; nd. köster custos Chytraeus c. 3. eine schwache bildung, gen. custoren, s. 2, a zuletzt.
b)
nebenformen. eigen bair. gusterer, 18. jh.: ein gusterer mit einer tatze voll meszgelder, s. Schmeller 2, 79, schon in Öglins voc. quat. lingu. Augs. 1516 custrer custos Dief. n. gl. 125ᵇ; es erinnert an kellerer gleich keller cellerarius, kellermeister, und wie mlat. eben cellerarius, so auch costurarius Schm. 2, 79, eigentlich gewiss custorarius. Aus küstrer kann sich küstner erklären, das Stieler 934 angibt, auch kistner (wie kister das.), dazu 'küstneren, küster sein'; es ist wie kellner aus kellerer, kellrer (s. dort), nrh. woechener für wucherer Harf pilg. 31, 43.
c)
wenn die entstehung aus custos einem zweifel nicht unterliegen kann, ist doch die art der entstehung keineswegs klar, nicht blosz in dem umlaute. das wort ist im lebendigen gebrauch der kirche aufgekommen, wahrscheinlich mit dem ältesten römischen kirchenwesen (vgl. kirche I, 4); da ist aber eine übernahme der nominativform für alle casus so gut wie undenkbar, die stammform in den weit mehr gebrauchten cas. obl. (custodem u. s. w.) klingt da so stark vor, dasz sie in solchen fällen das wort gestaltet, wie man denn noch jetzt von custoden spricht an bibliotheken, museen, wozu auch der sg. custode neben custos nicht fehlt. man möchte aus ahd. custor fast entnehmen, dasz schon in der ersten zeit custos vielmehr in custoris, custorem weitergebildet ward nach honos honoris, mos moris, wie Frisch 1, 560ᵇ wirklich that ('für custodes hat man gesagt custores'), wenn nicht selbst ein nom. custor auftrat, wofür das älter franz. coûtre küster spricht (vgl. Diez gramm. 1¹, 193). stützen dafür geben vielleicht auch das costurarius unter b, das fem. custrix (s. küsterin), custoria küsterei, obwol diese älter belegt sein müszten.
2)
bedeutung.
a)
der custor war zuerst der hüter des kirchenschatzes, der kirchengeräte u. dgl., daher wie sein amt auch die sacristei selbst custodia (gerbehus) Dief. 164ᶜ, vgl. bei Ducange custos ecclesiae, basilicae, sacrarii, altaris (auch crucis, martyrum), ein amt das sich wol unmittelbar anschlosz an das amt des röm. custos templi, fani u. ä. (vgl. unter c). zur nachherigen entwickelung der würde s. Krünitz 57, 220 fg., im späteren mittelalter sind es bei domen chorherren (domcustos, stiftscustos), die doch später ihre amtsgeschäfte durch laien versehen lieszen, die denn auch küster hieszen. auch in mönchsklöstern gab es einen kuster, wie in nonnenklöstern eine küsterin. beispiele:
manic münch vil gerne wære
abt, kelner, küster und portnære.
Renner 2705;
dem apt und ouch dem prior,
dem lesemeister und dem kustor.
lieders. 2, 226. 243;
her Kuͦnrat von Kirkel der kuster (am Straszb. dom). Closener 138, 15; der küster von Kirkel. 139, 18; mit raede des profstes Henrichis ... inde des custers Philipps van deme duͦme. Höfer urk. 13, in Cöln 1261; mester Jan Felix de custere von deme dome. 73, in Halberstadt 1307, s. mehr bei Lexer 1, 1802. im begriff wie heute: underdes santen unser herren von Trier u. s. w. zu dem dechan, zu dem pferrer und in des custoren zu sant Bartholomei (in Frankfurt) hus, suchende und begerende, daʒ sie in die kirchen zu s. Barth. kommen möchten (zur königswahl 1410). Frankf. reichscorr. 1, 173.
b)
nhd.: kuster einer kirchen, thesaurarius. voc. 1482 r 8ᵃ, edituus, phanaticus (s. c). voc. inc. teut. o ijᵃ, vergl.coster die die cleinoden verwart, sacrista, sacristarius u. a. Teuth. 58ᵃ; im 16. jahrh. auch noch custor, in lat. form: also nun der pfaff bereit (versehen) was mit einem kustor ... sich, her custor ... Eulensp. s. 15. 16 Lapp. Es ist haupts. im protest. norden noch in geltung, küster ein kirchendiener, dessen eigentliches amt es ist, für das kirchenhaus zu sorgen wie etwa der castellan für ein schlosz oder weltliches gröszeres gebäude sorgt, doch den mittelpunkt seines thuns bildet noch die hut der kirchengeräte, der sacristei (weiteres über sein thun und leiden im 18. jh. bei Krünitz 57, 222 ff.): dem kirchner oder küster, welchem .. das gottshaus zuverschlieszen und die zimlichen dienste dabei zuthun befolhen ... Luther 2, 254ᵃ; auf eine igliche pfarre gehören zum wenigsten zwo person, nemlich ein pfarrherr und küster. 5, 178ᵇ;
der küster wallt
der bahre vor und singt.
Hölty 19;
dein bruder ist küster, und zieht dreimal in der woche an die glocke. Möser phant. 1, 173, daher auch glöckner hie und da genannt, vergl. im Teuth. 52ᵃ clockener, coster, offerman, custos, campanarius, schon die ältesten custodes hatten auch die glockenzeichen zum beten zu geben (s. Ducange, vgl. aus Keisersberg unter küsterin 1); die führung dieses buchs würde dem zeitigen küster oder schulmeister .. anvertraut. 2, 109;
Tamm, seit vierzig jahren in Stolp, dem gesegneten freidorf,
organist, schulmeister zugleich, und ehrsamer küster.
Voss der siebz. geburtst. 5;
die schule, dumpf und düster,
umrankt von wintergrün,
wo uns der ernste küster
ein weltgebieter schien.
Matthisson kinderjahre.
dorfküster, stadtküster Stieler 934. des kukuks küster, der wiedehopf, s. sp. 2525. andere namen sind glöckner, sigrist, mesner (mansionarius), die alle drei in der angezogenen stelle aus dem Eulensp. (cap. 11. 12) mit custor gleichbedeutend wechseln, auch kirchner, opfermann.
c)
vom altröm. custos templi: der küster in dem tempel des friedens zu Rom. Winkelmann 1, 89, wie im 15. jahrh. coster in der afgode tempel, phanaticus (custos fani). Teuth. 58ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2880, Z. 17.

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Zitationshilfe
„küster“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCster>, abgerufen am 09.05.2021.

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