Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kutsche, m.

kutsche, m.
kutscher, s. das folg. 1, e.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2884, Z. 54.

kutsche, f.

kutsche, f.
bedeckter reisewagen, eig. staatswagen.
1)
Verbreitung und heimat.
a)
im romanischen gebiete ital. cocchio, span. coche m., franz. coche m., danach engl. coach, überall ganz eingewachsen, mit weiterbildung. Diez hält auch am rom. ursprung fest, wonach es vom ital. ausgegangen, da diesz aus cocca fahrzeug (d. h. eine art schiff) als demin., aus der ital. form aber franz. coche u. s. w. begreiflich sei (2. ausg. 1, 132). der geschichtliche und sachliche beweis wäre doch gut zu dem aus der bloszen lautlehre.
b)
auf germ. gebiete auszer dem hochd. nl. koets f. (s. auch u. 3, a. b), bei Kilian koetswaghen, cisium, essedum, viatorum carpentum, pensile vehiculum, bei Junius nom. 1577 196ᵃ cotsie für cisium, vehiculum duabus rotis nitens. nd. kutze Neocorus ditm. chr. 2, 167, kutzen pl. (: putzen) Lauremberg 1670 s. 51 (3, 181), bei Chytraeus nom. c. 11 aber kotsche cisium, rheda, wie hd. bei Fischart 2, c, anderseits auch hd. kutze 2, c; nnd. kutsche z. b. Dähnert 263ᵇ, ostfriesisch aber kuze, kuzwagen Stürenb. 129ᵇ. aber nord. nur schwed. kuskvagn, kutschwagen, dagegen kusk m. der kutscher, wie dänisch kudsk (kuskesäte kutschersitz, schw. kusksäte u. dgl.), auch bei uns landschaftlich der kutsche, kutscher, s. unter e.
c)
auch im slav., doch nur vereinzelt, russ. z. b. nur kučer kutscher, d. h. das deutsche wort (die kutsche kareta), poln. nur kocz m. kutsche, halbchaise; sloven. kočíja f. kutsche, kočijaž kutscher. reichlich nur im böhmischen, kutsche koč m., kočár m., und kočí vuͦz (d. h. kutschwagen) oder blosz kočí, der kutscher auch kočí oder kočiš; in Wussins dict. Prag 1700 nur koc̀j m. auriga, karcher 3, 92ᵃ und kočár m. rheda, ein kalesz (kalesche) 91ᵇ. es ist dort ohne anhalt, gewiss eingeführt.
d)
entschiednen anspruch darauf machen die Ungern. schon im 16. jahrh. bezeichnet ein Spanier wort und sache als von dort stammend, Avila im comentario de la guerra de Alemaña, Antw. 1549 bl. 36, der vom kaiser Karl aus dem feldzuge von 1546 erzählt: se puso a dormir en uno carro cubierto, alos quales en Ungria llaman Coche, porque el nombre y la invencion es de aquella terra (vgl. Hortleder bei Frisch 1, 560ᶜ), sodasz es ihm als spanisch noch unbekannt war, wol auch als franz., ital., wie denn die kutschen in Frankreich erst um 1550 langsam in gebrauch gekommen sein sollen (Krünitz 57, 259 fg.), in England um 1580, und zwar aus Deutschland (das. 261). Das ist später von ungrischer seite weiter begründet worden, wie z. b. Schröer im wb. der deutschen mundarten des ungr. berglandes 60ᵇ anführt nach einer langen abhandlung von Cornides in Windischs ungerischem magazin Preszb. 1783 ff. (ein ausführlicher auszug davon bei Krünitz 57, 264 ff.), „die benennung der kutschen scheint von Ungern auszugehen, wie diesz Franzosen und Engländer längst anerkannt haben. madjarisch heiszt die kutsche kocsi (spr. kotschi), was so viel bedeutet als 'aus Kocs', einem dorfe bei Raab, aus welchem urkundlich Kocser wagen, Kocser rosse, Kocser kutscher (schon 1495 currifer de Koch unger. magaz. 2, 463), die unter Matthias Corvinus mode geworden sind, herstammen.im 16. jh. kotsi, ein gesetz vom j. 1523 gebot, die edeln sollten zum landtag kommen zu rosse, non in kotsi, prout plerique solent (Krünitz s. 252). Im 16. jh. zweiter hälfte werden sie auch bei uns ausdrücklich als ungrisch bezeichnet: ein ungerische gutsche, wie si soll geordnet und mit aller zugehor gerüst werden (Krünitz 269, mit abbildung, die gutsche ist noch ohne decke und noch nicht in riemen hangend); im j. 1560 erhielt herz. Christoph von Wirtemberg als geschenk eines fürsten Radziwil aus Wilna ungaricum currum, kotczi vulgo vocant, una cum quatuor equis ad ... magna celeritate itinera conficienda maxime idoneis (das. 271); Sigm. v. Herberstein erzählt von seiner gesandtenreise nach Moskau: Viennae continuo pannonium currum conscendi, trijugis equabus, curru volitante celerrime ferebar. comm. de reb. mosc. Bas. 1571 s. 145 (das. 270), kommt dabei durch jenen ort Kocsi, in pago Cotzy, a quo et vectores currus nomen acceperunt cotsique adhuc promiscue appellantur. das. (266), s. unter e; auch in seiner deutschen lebensbeschr. erscheint das wort, dasz man es deutsch werden sieht: graf Niclas von Salm khamb auf den cotschien wägnen zu der nacht hernach. font. rer. austr. I. 1, 331, unter dem j. 1541, von einer reise in Ungern; am fünfzehenden auf cotzien wägnen geen Sammarein khomen. 337 (vgl. das nl. kotsie unter b); ich muest da bleiben, mein cotschy mocht nit weiter. das., wo der kutscher gemeint sein kann. man sieht, die sache ist auszer zweifel.
e)
auch die formen schlieszen sich anfangs und länger an die ungrische an, bei Schmeller² 1, 966: der herzogen aus Bayrn gotschiwagen, vom j. 1562, vgl. noch 1611 in Wien '40 gutschiwägen' Krünitz 243; auf ain gotschi faren; wegen gemachter kaiser-gutschi, vom j. 1599 (kostenrechnung); auch gutschiros. Daher auch böhm. koči (slov. mit fem. endung kočíja), eig. aber koči vuͦz, wie bei uns gutschiwagen, bei Herberstein cotschy wagen, dem ungr. ganz nahe, da kocsi eigentlich adjectiv ist, der wagen eig. kocsi szeker heiszt, lat. i. j. 1499 cocius currus (neuer lit. anz. 1806 s. 48), currus kotsi i. j. 1526 (Krün. 268). Und eben darum dasselbe wort für kutscher, ungr. kocsi (nämlich fuhrmann), auch böhm. kočí, und noch in Schlesien auch kutsche m. Fromm. 5, 91, bei dem Schlesier Steinbach 1, 954 der kutsche auriga, wie noch auch dän., schwed. unter b. selbst die lautänderung im ital. cocchio wäre am ende begreiflich, um das -i für den klang zu retten.
2)
Das wort als hochdeutsches.
a)
anfangs als vornehmer wagen, im 16. jh. auch noch zweiräderig nach Junius unter 1, b, wie die ungrischen kutschen anfangs und noch im 16. jh. (Krünitz 268), daher auch als dichterwort für den homerischen streitwagen brauchbar:
zween jüngling an demselben ort,
so beid auf einer kutschen waren.
Spreng Il. 102ᵃ (wagen 104ᵇ u. ö.);
als die wort redet Nestor hell,
umbwendet er die gutschen schnell.
155ᵃ;
über die gutschen sank er ab.
161ᵃ. 160ᵃ;
wolt mich ehe auf ein kutschen setzen
und willig fahren ins elend.
Ayrer 258ᵃ (1286, 34), Hippolyt, in Athen;
wann ihr nicht weiters künd zu fusz,
man euch zu kutschen führen musz.
438ᶜ (2203, 32), d. h. fahren;
nachdem der süsze streit zu seinem ende kommen,
hat er (Bacchus) die neue braut auf seine kutsch genommen.
Opitz 1, 438;
zehn wütende menaden
gehn umb die gutschen her.
1, 436,
nach Heinsius omringden dijne koets nederd. poem. 1618 s. 118, in zijne koets genomen 121;
bisz eine traur-carosz' berg auf sich muste dringen,
der ieder hier und dar mit ehrerbietung wich.
man zweifelt an der kutsch', ein ieder rieth vor sich ...
Gryphius 1, 600 (Gibeon. 5);
kutsche, kammerwagen, kobelwagen M. Krämer teutsch-it. wb. 1678 709ᵇ, die beiden zugesetzten namen sind die vorher und länger noch nebenher geltenden heimischen; hohe staatsleute mit ihren vergüldten ... reputationskleidern, pagen, laqueien, kutschen. Simpl. 1713 3, 570; meine grosze kutsch ist als vor 6, aber wen alle damen (meine hofdamen) nicht vorhanden, habe ich eine kleinere vor 4 personen. Elis. Charlotte v. Orl. briefe (1871) 597; ich bin 10 jahr älter als ihr, kan mich noch woll einen ganzen tag in caleschen und kutschen schüttlen lassen. 47; sie (die schwangere frau) soll nicht in caleschen, kutschen oder kammerwägen fahren. Mauriceau 129; du kannst ihm ganz demüthig die kutsche halten, wenn er zur trauung fährt. Schiller 113ᵇ, den kutschenschlag, wie der bediente. in der kutsche fahren, früher gleichbedeutend auch zu kutsche gehen M. Krämer, vergl. zu kutschen führen bei Ayrer vorhin. (sich) kutsch und pferde halten Ludwig, er hat kutsch und pferde, nl. koets en paarden. sonst brautkutsche (Steinb. 1, 954), hochzeitskutsche, kindtaufskutsche, auch trauerkutsche (Comenius orb. p. 2, 167ᶜ), leichenkutsche u. ähnl.; eine herrenkutsche, hangender wagen Rädlein 574ᵇ, in riemen oder federn hängend, das zweite ist der alte ausdruck, hangender wagen carpentum, currus nobilium, 15. jh. Schm.² 1, 966, Dief. u. lecticus, essedum, bei Henisch 1800, 51 hangende gutschen, hin und her wankend, gall. coche braslant; auch staatskutsche, halbkutsche chariot Ludwig 1093. es ist übrigens nun über seine glanzzeit hinaus und equipage an seiner stelle.
b)
als reisewagen, wie von haus aus, reisekutsche, feldkutsche, landkutsche, mietkutsche (Stieler), retourkutsche, rollekutsche Göthe 41, 256: von der ganzen gast-gesellschaft, welche durch eine kutsche voll studenten von Antwerpen in selbiger stunde war verstärket worden. Riemer pol. maulaffe cap. 34;
(der Harz) wo bald im rauschenden bach die kutsche des reisenden wallet,
bald durch die engsten felsen sich zwingt.
Zachariä ged. (1761) 438.
Auch postkutsche, schon im 17. jahrh. (Stieler): begabe mich derowegen mit der ordinari kutsche von Nancy hinein naher Frankreich. Philander (1644) 40, die ordinari kutsche, die regelmäszig gehende, bei Frisch 1, 560ᶜ landkutsche, rheda publica sive ordinaria (die ordinäre im gegensatz zur extrapost Göthe 23, 71); am ersten ostertage 1730 früh, wie die kutsche von Leipzig ankam, und keine tragödien brachte, die versprochen waren, so ist ein brief von Neuber aus Merseburg datiert an Gottsched, s. Danzel Gottsched 131; die gelbe kutsche, die zwischen Leipzig und Dresden gieng und dort noch sprichwörtlich ist (gelb war die sächs. postfarbe): und ich fuhr, meine matrikel in der tasche, mit der gelben kutsche sehnsuchtsvoll nach Dresden. Göthe 25, 166 (aus m. leben 1812 2, 255).
c)
in der form übrigens ist anfangs schwanken.
α)
einmal auch kotsche, wie nd. unter 1, b und gotschi unter 1, e: macht man ihm durch künstliche invention des m. Joh. Demalts ausz Westerich (der etwann auch die kuchin auf die kotschen ... angeben hatte) ein kolwagen-kärchlin, daran vier ochsen hetten mögen ziehen. Garg. 111ᵃ (Sch. 198), also ein reisewagen mit küche.
β)
dann kutze, wie nd. 1, b: edessa ist meines erachtens eine kutze oder ein klein wäglein mit vier kleinen raden, da man nur ein pferd vorspannet und flugs mit davon jaget. in Polen nennt mans ein kolesse. Colerus hausb. 195. Und, tz und tsch vereinigend, mit tzsch (wie klatzschen u. a.):
zween kutzschen kamen her gefahrn,
gleich obs ehrliche kaufleut warn.
Soltau 2, 300;
so hatt sie die königin .. in eine kutzsch gesetzt .. umb sie wider in Frankreich zu führen. Elis. Charl. v. Orl. briefe (1871) 499; s. auch unter kutschen 1.
γ)
besonders auch gutsche, bis ins 18. jahrh. vorkommend, z. b. Schubart unter kutschenschlag, auch md. und norddeutsch (s. schon 1, e): wagen schier wie jetzund die, so man gutschen nennet. Kirchhof mil. disc. 128; cisium, gutschen. Golius on. 1588 sp. 57; carreten, gutschen, rollwagen, levis et expediti vehiculi genus. Henisch 589; gutschen, pilentum, carpentum, der euszer sitz an der gutschen, staticulum. Schönsl. Y 6ᶜ; wo seind seine stattliche diener und hofgesind, gutschen, karotzen? Albertinus narr. 25; in vergulten gutschen fahren. 146; mit ihren köstlichen pferden, wägen, gutschen. 150;
zu fusz geh, wer ohn pferd und gutsch.
Weckherlin 534;
die göttin (Venus), deren sohn das herz mit lieb verlötzet,
hat sich auch hurtiglich auf ihre gutsch gesötzet.
725,
vgl. aus Spreng und Opitz unter a; herzogen Julii (von Braunschweig) offen ausscreiben an alle leenleute und ritterschaft, dasz sy nicht meer auf gutschen, sondern mit ihrem reisigen zeuge gen hof kommen und iren rossdynst verrichten sollen, vom j. 1588, bei Krünitz 245 abgedruckt nach einem druck von 1663; packte ich eine gutsche mit sechs schönen präunen (braunen) an. Simpl. 3, 42 Kz.; die bettler laufen hinter reicher leute currethen und gutschen her. Scriver Gotth. 1, 43 (Wack. les. 3¹, 824); gutschen, currus cameratus, der deckel der gutschen camera Aler 1001ᵃ (er hat auch kutsch); kutsche oder gutsche Rädlein 574ᵇ; das cammermädgen haben wir in ihrem gröszten staat, in unsrer besten gutsche, nach der stadt zurückgeschickt. Möser phant. 1, 5. s. auch gautsche u. 3, c.
d)
auch als masc., schlesisch, also mit dem poln. masc. kocz stimmend, und wie franz., ital.: seind ihro f. g. mit einem kutschen wieder nach Hanau gefahren. Schweinichen 1, 131; ifg. waren stracks auf dem kutschen und davon. 2, 86;
dasz der Elias ward vom kutschen voller flammen
von hier hinauf geführt.
Opitz 4, 375 (Grot. wahrh. der christl. rel. 5).
an unserm fem. mag das folg. unter 3 den hauptantheil haben
e)
übertragen auf in der form ähnliche geräte, wie kohlenkutsche, ein kohlenkasten im hausgebrauch in einer bestimmten form, die einer kutsche ähnelt. auf dem billard heiszt kutsche ein stab mit vorrichtung, um einen ball durch schieben zu bewegen, der mit dem stosze nicht zu erreichen ist.
3)
Dem fremden worte kam auf dem deutschen boden eins entgegen, und beide verwuchsen theilweis, wie so oft.
a)
kutsche, gutsche pflanzenbeet Frisch 1, 560ᶜ: koets, plantkoets in eenen hof, kutsch, i. e. pflanzkutsch oder bett in einem garten. M. Kramer holl. wb. 1719 1, 154ᶜ (auch in d. ausg. 1787, pflanzkutsche oder bette); tobakskutschen, erhabene treibbeete, worauf tobakpflanzen gezogen werden. Krünitz 57, 267, mit beleg, gutsche, vom j. 1631; die offenen kutschen musz man unter dem schutze einer gebäudewand ... anzubringen suchen. es sind dies hölzerne kasten, die wie die mistbeete mit dung und erde angefüllt, statt der fenster aber mit brettern und strohmatten bedeckt werden. Metzger landwirthsch. pflanzenkunde 1, 500. in Luxemburg kautsch f., die kutsche, das mit brettern eingefaszte mistbeet u. s. w. Gangler 230 (kautschegrond düngerde), franz. la couche. es ist aber eig. nichts als bette, bett, das ja selbst mit beet éin wort ist, der same, das pflänzchen wird wie ein kind eingebettet.
b)
auf der Eifel die kutsch, das bettchen der kinder Schmitz 227ᵇ, ostfries. kuze bettstelle im hinterhause Stürenb. 129ᵇ, nl. koets f. bettstelle, bette (z. b. echtkoets ehebett), bei Kil. koetse, sponda, fulcrum, cubile, lectus, lectica, couche, chalict, koetsken, lodderbeddeken, lectulus (fläm. vogelnest Schuerm. 273ᵃ). und darin steckt nicht blosz das franz. couche, sondern ein heimisches wort, das im grenzbereiche mit dem franz. verflieszt. s. weiter gautsche, zunächst kutscheln, auch kauzen.
c)
oberdeutsch mit g-, unterschieden vom bette, eine art sofa; Gallus Oheim erzählt lobend von einem abte: er stuͦnd all nacht uf zuͦ der metti .. darnach let (legte) er sich nit wider zuͦ bett, sunder ruͦwt er uf siner gutschen bis zuͦ primzit (um zum messelesen gleich bereit zu sein). chron. von Reichenau 163, 11. das 'faulbett, lotterbett', die 'lotterbank', noch jetzt dort in bauernhäusern, heiszt oberbair. die gutschen Schmeller 2, 88, schwäbisch gutsche und gautsche (auch schaukel) Schmid 222, schweizerisch mit langem vocal, also dem gautsche entsprechend, gütsche Stalder 1, 504, bei Maaler 200ᵈ gutschen, gulterbett (gestell mit polstern). Schon hier sieht man die annäherung an kutsche, gutsche als bequemen wagen. bei Aler 1001ᵃ heiszt geradezu der kutschersitz 'der auszersitz (an der gutschen), gutschenbeth', während sonst letzteres das lotterbett ist, im 15. jh. grabatum, gutzbette, gautschbette, gautsche, gutsche, s. Dief. 267ᵇ. auch die gemüseverkäuferinnen auf dem Münchner marktplatz heiszen gutschen 'ihre kutschenähnlichen sitze' Schm.² 1, 966, dem kutschersitze ähnlich; vgl. luxemb. kutsch, stuhl der waschweiber Gangler 258.
d)
noch gröszer wird die ähnlichkeit in gutsche als tragbares bett, sänfte u. ä.; wie Kil. für nl. koetse auch lectica angibt (noch nl. koets, s. Weiland), sind wol folg. gutschen tragbetten: als nun herr Tilli ihn (den verwundeten) kurz zuvor, ehe er verschieden, in der gutschen, darauf er lage, besuchte. Zinkgref 1653 1, 150; nur er wisse nicht, ob er zu pferd, zu gutsch oder zu wagen die reis fürnehmen solte. 230.
e)
dasz aber kutsche, gutsche wagen auch völlig in dieses ältere gutsche, gautsche eingieng, zeigt gautsche kutsche: Perchaim Zausch sambt seinen dienern hetten kein ross (ritten nicht), ist auf einer gautschen kommen mit 2 personen. kloster 6, 341, aus B. Herzog els. chron. 2, 197, unter dem 'verzeichnis der personen und ross, so mit der türkischen botschaft zu Frankfurt a. 1562 d. 23. nov. ankommen seind', schwerlich ein tragbett. noch tirol. gûtsch, gûtschen kutsche Schöpf 226, auch schweiz., d. i. hd. gautsche:
denn ab em chillethurn (kirchthurm) abe
düütet 's sigriste bueb, er gsech i der ferni ä guutsche ....
aber wo-n-jetzt dguutsche bym pfarrhus haltet ....
Usteri 1, 125.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2884, Z. 55.

kutschen

kutschen,
zu kutscheln stimmend, auf der Eifel sich kutschen, sich zusammenkauern Schmitz 227ᵇ (kutsch f., kinderbett), aber auch dem franz. bereiche entrückt ostpreusz. kutschen tief im bette liegen, sich einkutschen, sich ins bett einwickeln Hennig 140, Bock 29 (Fromm. 3, 213), vgl. das tirol. gutschen vorhin und zips. zukotschen zudecken, siebenb. kotschen Schröer 72ᵇ, kütschen, einkötschen einhüllen nachtr. 37ᵃ. Mit leichter wandelung des auslauts schlesisch sich einkuschen ins bett, auch kuschern, einkuschern, einschläfern, überhaupt zart und sorgsam behandeln Weinhold 49ᵇ, und mit andrer anlautstufe hûschern, einhûschern, einhüllen, zusammenkauern 38ᵇ, auch sonst md., z. b. sächs. kuschern und huschern, huscheln (vgl. bair. hutschen schaukeln), wo denn deutlich alter heimischer grund sichtbar wird, vgl. gautsche, und kauzen sp. 371.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2888, Z. 43.

kutschen

kutschen,
zu kutsche,
1)
in der kutsche fahren, schon im 16. jahrh.: so oft eilends verreisen und davon kutschen müssen. M. Neander vom seligen absterben derer, so jung in der jugend sterben (Erfurt) 1588 C ij; sie kutzscheten fünf viertel stunden auf ziemlichen ebenen wege fort. Darbennime 131; sie kutzscheten den berg hinauf. 308, 742 (zur schreibung s. kutsche 2, c, β); unser wagen fuhr voraus. da wir aber kaum eine stunde gekutscht hatten. irrgarten 251;
sonntag kommt es gekutscht und getrabt aus städten und dörfern.
Voss idyll. 1801 s. 86 (die freigel. v. 117);
flieht arbeit, wie die helle pest,
und kutschet nur von fest zu fest.
Langbein ged. (1788) 324.
2)
vom kutscher, die kutsche führen: kutschen oder kutschiren können, kutsche und pferde zu regieren wissen. Ludwig 1093; du fährst, fuhr sie zum kutschenden fort, den schlechten weg hin, wir nehmen den fuszpfad durchs thal. Göthe 21, 166 (wanderj. 1, 9), es ist der postillon s. 165. schwed. kuska.
3)
es ist doch im leben nicht eigentlich gebräuchlich, lieber kutschieren. Stieler 1050 kannte es nur in zusammensetzungen, ankutschen, fortkutschen, hin- und herkutschen, wegkutschen u. a.; s. auch einkutschen, in die kutsche setzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2888, Z. 57.

kütschen

kütschen,
gleich hutschen: attae, die da kütschen, die füsz (beim gehen) nit aufheben. dict. lat.-germ. Frkf. 1610 s. 340.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2889, Z. 1.

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„kütschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCtschen>, abgerufen am 30.07.2021.

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