Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kottel, köttel

kottel, köttel,
s.köthel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1899, Z. 40.

kutteln

kutteln, pl.
kaldaunen; letzteres ist das ostmd. (nd.) wort, jenes das oberd. und rhein., vgl. z. b. unter kaldaunen die verschiednen übers. von Wieland und Voss aus Horaz; doch ist das erstere auch dem md. nicht fremd, s. besonders kuttelhof, auch das gekuttle, gedärme findet sich in md. landen (von der mittlern Elbe); vgl.geküttel unter 1, d.
1)
Die form und nebenformen.
a)
der sing. und damit das geschlecht sind schwer zu finden, da der plur. durchaus vorherscht. der in den beiden mhd. wbb. angegebene sing. kutel als schwaches f. ist ohne beleg, nur nach kutele f. fundgr. 1, 380ᵇ, das aus dem pl. 'kutiln fartinia' eines schles. voc. von 1340 entnommen ist. Weigand setzt an 'die kuttel, nur im pl. die kutteln' 1, 655, Adelung 'die kuttel, plur. inus., oder die kutteln, sing. inus.', wonach der sing. fem. collectivisch gleich dem plur. gelten soll. Frisch enthielt sich einen sg. anzusetzen, er gibt nur 'kuttel pl.' 1, 561ᵃ (woraus Adelung seine angabe gemacht haben wird); Ludwig 1094 gibt wirklich jenen collectivischen sg., aber als m.: der kuttel, das gedärme, die kaldaunen, wie er kuttelfleck m. so collectivisch beibringt (s. dort 4, c), während Rädleins 'kutteln f. plur.' 575ᵃ nichts lehrt. Frischens angabe kann auf Maaler beruhen 'kuttel (die) intestina' 259ᵇ, das Schönsleder h 6ᶜ wiederbringt (ohne die); es mag wirklich als sg. gemeint sein, denn der alem. pl. ist schwach, kuttlen Denzler 2, 180ᵃ, kutteln Stald. 2, 148, chottla Tobler 114ᵃ, spät mhd. kutlan, kutlen (Lexer 1, 1803). ein sing. auch bei Dasypodius, ohne geschlecht: intestinum, ein darm, kutle 104ᶜ. 369ᶜ (kuttel 288ᶜ).
b)
diesz kutlen, kutle, vermutlich wirklich f., unmittelbar aus vorgängigem kutelen geworden, findet sich neben kutteln auch sonst noch im 16. jh., s.kutlen aus Keisersb., S. Frank 2, a. b, auch kuttlen Wickram 2, d, vgl. kutelbrüe, kutelfleck sp. 2897. Daher auch kudlen, durch die erweichende kraft des l: wie er (der postreiter) zugestochen, dasz dem pferd die kudlen underwegs an einer hecken hangen blieben. Philander 1644 s. 743, noch schweiz. auch kudeln Stalder 2, 148, bair. ku'ln Schm. 2, 344; vgl.kudelfleck sp. 2529.
c)
auch kuttlein oder küttlein pl.: omasum, kuttlein. Bracks voc. Lpz. 1491 12ᵇ; bei einem Nürnberger:
das sie den flegel lernen fuͤhrn,
das sich im leib die kuͦttlein ruͤhrn.
G. Mauricius com. von dem schulwesen E 1ᵃ,
es wird küttlein gemeint sein. bei Aler 1261ᵇ selbst kütteln intestina pecudum, wie küttelfleck, küttelhof, s.kuttelhof 3.
d)
ein schweiz. das küttel, das ganze eingeweide Stald. 2, 148 ist eigentlich geküttel; vgl. unter kütte herde 1, e.
e)
mit md. vocal kottil farcimen (s. 2, c) mhd. wb. 1, 920ᵇ, 15. jh., wie kottilhof u. ä.; noch in der Zips 'die kottel, kaldaune', kottelfleck, die kottlern, kuttlerin, s. Schröer 73ᵃ.
2)
Bedeutung und gebrauch.
a)
kutteln des schlachtviehs, die gedärme samt wanst und magen Schm. 2, 344, kutteln ausschreien, zum verkauf ausrufen ders.: als dann henken sie (die juden) das geschlacht bein hindern füszen auf, ehe sies gar schinden, und thun wampen, kutlen und das eingeweid herausz. S. Frank weltb. (1567) 154ᵇ; kaldaunen, kutteln oder flecke, so die schlächter oder fleischer in ihren fleischbänken oder kuttelhöfen feil haben. Colerus hausb. 498; der metzger aus dem hängenden schweine hollt de kutteln alle raus. bilder u. klänge aus Rudolstadt 1, 30, also eingeweide überhaupt.
b)
als gericht (vgl.kuttelfleck 4, a). omasus, sulz vel kutlen. voc. ex quo bei Tobler 114ᵃ, omasum kuttlen Dief. 395ᶜ; an dem morgen fruͤh, ee das du dich hast errüspert und der koder (schleim) noch in dir ligt, so mustu kutlen und kotfleisch zu morgen essen. Keisersb. brös. 1, 42ᵇ, also als leckere speise, sülze, zur herstellung des appetits; gleichwol sie (die schwangre) ... asze der kutteln und pfutteln sechzehen seifkessel .. voll. Fischart Garg. 82ᵃ (Sch. 140); das in Hispanien .. so einer ein bull umb ein regal bekommen kan, die ganze fasten durch allerlei kutteln und därme, sampt allem was darinn stecket, wol ohn all beschwerd seines gewissens mag essen. bien. 147ᵇ (1588 161ᵃ), bei Marnix 152ᵃ pensen ende dermen.
c)
auch begrifflich erweitert kutteln blutwürste Schmid schwäb. wb. 331 aus dem Breisgau, die därme samt ihrer neuen füllung, s. schon aus dem 15. jh. kottil farcimen unter 1, e (vgl. farcimen wenst Dief. nov. gl. 166ᵇ) und kuttler fartor, kuttelhof fartorium, auch worsthof Dief. 226ᵇ. ebenso ist mlat. stripa, eig. kuttelfleck (s. d. 1), nd. koldûn Dief. 556ᶜ, zugleich auch wurst voc. 1482 pp ijᵇ. vgl.kuttelkraut 1, kuttelwurst.
d)
aber auch im lebenden leibe des thieres, nicht nur des schlachtviehs:
auch sach man ligen manchen hund,
der von hawenden schweinen geschlagen,
das sein kuttlen neben im lagen.
G. Wickram irr reit. bilg. F 3,
vgl. unter 1, b kudlen des pferdes bei Philander.
e)
und selbst vom menschen, noch im 16. jh. auch durchaus nicht verächtlich oder derb: ettlich kamen, hatten nur ein hand, ettlich trugen den kopf in beden henden .. einer bekam uns ouch (kam uns entgegen), dem hangeten kuttlen usz, das ers ouch in henden trug. Th. Platter 78, vom schlachtfelde von Kappel 1531 (in kutteln steckt übrigens nach alem. art dkutteln); ir (Uznacher) und die kutlen, die ir im buch tragend, sind unser. Tschudi chron. 2, 217ᵃ, feindliche drohung;
wann ausz eim todten, so wirt faul,
kan etwas anders werden ...
so wird, wa etwas werden soll,
gwiss ausz des Rabelais magen,
sein kutteln und sein (eig. seim) eierstoll
ein schön reb fürher ragen.
Garg. vorr. 9;
trat inen dermaszen auf den tribsack und seelsack (bauch), dasz inen kutteln, krösz und därm herausz wie dem verräter Judas lapten. 206ᵃ (382); Schweizer. ha! ich will ihnen mit meinen fangern den bauch schlitzen, dasz ihnen die kutteln schuhlang herausplatzen! Schiller 121ᵇ. Aus Keisersbergs narrensch. 220 führt Frisch 1, 561ᵃ an viel auf seine kutteln halten, sibi ipsi placere, bei Denzler 1, 21ᵃ immodicus sui aestimator, der viel auf seinen (so) kutteln haltet, 588ᵃ er haltet mehr auf seinen kutteln als alle vier lid (glieder) werth sind, magis sibi placet quam Peleus in machaera (bei Aler 1261ᵇ misverstanden auf seinen küttler), die eingeweide als sitz des lebens. bei Stalder 2, 148 einem die kutteln wäschen, derbe vorwürfe machen (vgl.kuttelwäscher), auch erkutteln tüchtig durchprügeln; chuttle, uschuttle derb auszanken Fromm. 2, 484ᵃ. Diese kutteln des menschen werden nicht erst von denen des thieres übertragen, sondern neben diesen ein rest des ursprünglichen bestandes sein, wie bei kaldaunen, s. d. 2.
3)
Die verwandtschaft.
a)
von dem unverkleinerten worte, das zunächst zu suchen ist, sind spuren da, wenig sicher in dem kutibank fundgr. 1, 380ᵇ (s.kuttelhof 1), wo kutilbank das rechte sein wird, sicherer in folg. nürnb. kuten dat., 15. jahrh.: waʒ man ausz dem kuten oder ingeraid löset (bei der stadtküche). Nürnb. chron. 2, 311, var. für aus intum, alles die eingeweide; also wol ein m. kute in collect. sinne. auch folg. wird hierher gehören, fränk. 15. jh., in einem recepte: nim ein ןטֵוקטופ, zupulver (so l.) oder schneit sie clein, und den tuttern von eym ey ... mittelalt. hausb. 14, 23, d. i. futkuten (s. 48ᵃ), schamhaft so in der schrift versteckt, denn fut f. ist vulva, mit dem zusatz kute als zum eingeweide gehörig bezeichnet, vermutlich metzgerausdruck; denn es wird eine kuhfut gemeint sein, wie mit braun fut auf eim weiszen teller als gericht Garg. 56ᵇ, s. 4¹, 1061, wo auch eine wolfsfutt, die man erst trocknen soll, zu einem recepte gehörig erscheint; die besondere bezeichnung der kuh oder kalbe war nicht nötig wie bei kutteln, das schlechtweg eben rindskutteln meint.
b)
mit gebrochnem vocal in kottfleisch, kotfleisch wellfleisch sp. 1900, gleich 'kutelfleisch, cuta' sp. 2898, s. auch kotter fartor gleich kuttler; beides ist els., oberrh. und weist auf ein kote, kot gleich kute kutteln, vgl. auchkottler gleich kuttler. Dann mit andrer auslautstufe im nrh. gebiete kotz in aachenisch kotzmart kuttelmarkt, kotzmänger kuttelverkäufer (s.kotzenmenger, das in kotzmenger zu berichtigen), auch oberd. kütz, s. d.
c)
in der lautstufe dem kotz entsprechend, aber im vocal wieder anders nd. küt, mit langem ü, eingeweide, gedärme, besonders von kleinen thieren, fischen, vögeln, insecten, s. Brem. wb. 2, 901, genauer küte Richey 145, Dähnert 260ᵇ, bei Danneil 121ᵇ küt, das gedärme, nicht das ganze eingeweide (überall ohne das geschlecht); mnd. z. b. cute van vische polygranum Dief. 444ᶜ, auch vom menschlichen gedärm noch nd. in dems. voc. kuutovel lienteria (ruhr, darmsucht) 329ᵃ. Dazu küten ausweiden, metzgen, küter schlächter, mnd. kuthen, kuther Brem. wb. 2, 902, auch kütelbank fleischbank das., das sich dem kuttelbank nähert, wie kütterhaus bei Ludwig dem kuttelhaus (s. d.), hamb. küterhûs Richey 145, auch nl. bei Kil. kuyterhuys schlachthaus; vgl. das nrh.-nd. kuter fartor Dief. 226ᵃ. Dem nd. küt entspricht sonst z. b. schott. kite, kyte bauch, magen Jamieson 1, 643ᵃ, nl. kuit f. fischrogen, s. dazukeut, ↗ketzin.
d)
mit demselben lautstoff, doch wieder anders gestaltet, goth. qviþus m. bauch, magen, mutterleib, ags. cviđ m. Ettm. 407, altn. kviđr, noch schwed. qved gebärmutter, mundartlich kwiđ bauch, magen Rietz 371ᵇ; auch ahd. quiti vulva (vgl.futkute u. a), s. dazu unter kunte 4, b. noch anders engl. gut darm, ags. guttas viscera, wo dann auch hess. günter m. mastdarm, wurstdarm, magen (s. Vilmar 140) sein unterkommen finden könnte, wenn man kunte gleich kutte vulva daneben stellt. weiteres bei Diefenbach goth. wb. 2, 479 fg.
e)
eine vermittelung zwischen hd. kuttel und nd. kü̂t zeigt das md. keutel m. (2), schweinsdarm zum wurstmachen, mit dem vocal des nd., der sonstigen gestaltung des oberd. wortes, s. auchküttel gleich keutel; auch keutel 3 als wamme stellt sich nahe, da wamme gleich kutteln (selbst als vulva, s. kunte 5, b) vorkommt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2899, Z. 52.

kutteln

kutteln,
als verb. zum vorigen kommt in der Schweiz vor,
1)
ausweiden, die kaldaunen säubern, kudeln Stalder 2, 148; vergl.entkutteln undkuttler, das doch auch unmittelbar vom subst. genommen sein kann.
2)
kutteln, auszanken u. ä., s. unter dem vorigen 2, e.
3)
kutteln, sudeln? s. unterkudeln, diesz könnte das erste kutteln in anwendung sein, da auch der kuttler, kuttelwäscher sudler heiszt, s.kuttelnsudler. das unter kudeln genannte nd. koddeln sudelwäsche halten kommt auch sächs. als kutteln vor, vgl. übrigens koddern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2901, Z. 66.

kutteln

kutteln
zu kutte, von kleidern die bauschig sitzen, falten werfen, wo sie nicht sollen (vgl. kitteln), md., z. b. in Thüringen, Sachsen, auch ein kleid sitzt kuttelig; bair. kutten, s. d.; vgl. das schwäb. kuttel f. Auch kutteln pl. von solchen falten kommt vor, doch auch für fetzen an alten kleidern, das zu kutteln kaldaunen gehören könnte als übertragen, zumal H. Sachs kudelfleck für fetzen braucht (sp. 2529), vgl. übrigens kodder lappen, kodderig lumpig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2901, Z. 76.

kutteln

kutteln,
kollern, rollen, in Hessen, auch in Waldeck kuttelen purzeln Curtze 480ᵇ, also nd.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2902, Z. 6.

kütteln

kütteln,
rauschen wie rebhühner oder leicht bewegte see, schweiz. 16. jh. (vergl.küttelecht): chüttelen wie ein räbhuͦn, cacabare. Maaler 84ᶜ (Frisius 167ᵃ); der wind chüttelet im meer, gadt grad dar über, das ers blosz ein wenig berürt und bewegt, aequor stringitur aura. das. (Frisius 1247ᵇ). Nebenform das. küttern (s. d.), jenes schon ahd., alem. in chutilôn dicturio Haupt 5, 329ᵇ, plaudern, schnattern. dasselbe aber kann sein (vgl.küttel, ↗kütle aus ahd. quiti sp. 2896) quitilôn mussitare Graff 4, 648, mhd. quiteln schnattern, zwitschern u. ähnl. (vgl. unter kuttern), norw. und schwed. dial. kvidla (kvilla), mit gedämpfter stimme wehklagen Aasen, Rietz 371ᵇ. vgl. kittern 3, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2902, Z. 8.

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„kütteln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/k%C3%BCtteln>, abgerufen am 09.05.2021.

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