Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kachel, m.

kachel, m.
eiszapfen, s. kegel 9.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 10, Z. 78.

kachel

kachel,
baumwanze, s. gachel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 11, Z. 1.

kachel, f.

kachel, f.
irdenes gefäsz, geschirr, kachlen pl. vasa figulina Maaler 239ᵇ; ahd. chachala testula, cacabus, mhd. kachele, kachel; im voc. th. 1482 kachel piropus (s. 6), cacubus p 8ᵃ, auch kachel pantrum das. (s. 7). nl. kacchel und kaeckel Kilian, vas figulinum, later, testa, cacabus, jetzt kagchel, kaggel f.
1)
in der küche u. ä., bei Alberus im dict. gleich dopf: in einen irdenen hafen oder in die kacheln (vulg. cacabum). hs. bibelübers. 1 Sam. 2, 14 bei Frisch, ebenso in der Nürnb. bibel 1483 2 chron. 35, 13, bei Luther töpfe; so dein herz nit vor vor gott stat, so stat es in den häfen, kuchen und kachlen, in den krausen, kennlin und fleschen. Keisersb. irrig schaf H 2ᵃ; sie solte irem man ein kachel aus dem ofen in der stubn schicken. Kirchhof wendunm. 341ᵃ. backkachel zum kastanienbraten bei Melander jocos. (s. u. entgänzen). sprichw. von einer anmaszung: hie leret das ei das hun und kachel den töpfer. Luther 6, 90ᵇ; wenn die kachel den töpfer leeren wolte, tischr. 17ᵃ, nach Röm. 9, 20, wie bei Brant:
ein hafner usz eim erdklotz macht
ein erlich gschirr, sunst vil veracht,
als kachlen, häfen, wasserkruͤg,
do man in bösz und guͦtes tuͤg.
die kachel spricht nit wider in:
ich solt ein kruͦg, ein hafen sin.
narr. 57, 35,
wo freilich schon die brunzkachel gemeint sein möchte, entsprechend dem vas in contumeliam der vulgata. Vom pflanzentopf, blumenasch: nimm (um es zu pflanzen) körb oder gartenkachlen und thu gerädne (gesiebte) erden mit mist vermischt darein. Mich. Herr feldbau Straszb. 1545 104; wann es dann im tag warm ist ... so setz die kachlen oder körb an die sonnen. 104ᵇ; man solt die rauten in irdine kachlen pflanzen und soll kein weib darzu lassen kummen dieweil sie in irer krankheit ist. 107ᵇ. Eigen 'ein kachel einsetzen' emereri favorem Schönsleder, Denzler, sich bei einem in gunst setzen; dagegen einem eine böse kachel einsetzen ihn anschwärzen, verleumden: (die höflinge) setzten aus böswilligem gemüt Senece dem theuren man bös kacheln ein (beim Nero), das er geizig (habgierig) were ... und gern selbs könig were. S. Frank Germ. chron. (1538) 19ᵇ, vgl.'es einem kochen' so. Noch schweiz. kachel, kachle, becken, schüssel von thon, bes. dim. kacheli, z. b. von der kaffeetasse, genauer der obertasse; auch bair. a kachl bier, kaffee, kachl voll suppen, und jedes geschirr, doch 'im scherz oder spott' (wegen bed. 2) Schmeller 2, 277; kärnt. z. b. schmalzkachel (masc.); schwäb. stollkachel kochtopf mit füszen. s. auch kächelein, kachelmus, kacheln.
2)
brunzkachel, kammerkachel u. ä., schon im 15. jh. unter kachel allein verstanden (wie heute topf):
das ir die kacheln (sg.) vor beleckt.
fastn. sp. 1059, 17,
von einem arzte; ein herr musz in seinem hause auch schmeisz-(s. 1, 1584) und brinkkacheln haben. Luther tischr. 28ᵃ; die kachel unter dem bette. Wickram rollw. 103;
so du ein kachel oder kübel
under die taffel setzt so frei,
dasz welchem da von nöten sei,
der mag die blas drinn leren ausz.
Scheit grob. Q 4ᵃ;
folgends (nach dem studieren) seicht er ein grosze kachel voll und setzt sich zu tisch. Garg. 162ᵇ (302); einen ganzen kober voll gläser aussaufen oder in mangelung der gefäszer aus kacheln, töpfen, pissbötten, aus hüten und schuhen saufen. hasenjagt 1629 s. 60. kachel nur als brunzkachel bei Rädlein; noch in der Wetterau, Baiern und anderwärts.
3)
obscön vom weibe, bes. von alten weibern, brunzkachel (vgl. d.) anus putida et sordida Steinbach 1, 820, eine alte kachel Stieler 913; meine alte kachel starb in kindesnöten. Weise erzn. 83, so noch als kraftwort in Posen (Bernd 108) u. a. schon im 16. jh., doch keineswegs von alten: Fischart, von Gargantuas kleidung redend, über seinen latz, dann so lang, weit und breit er war, so wol war er von innen proviandiert ... oho, er dorft nicht wie jener baurenhebel ein gänskrag drein stecken, gleich wie die Baslerkacheln lumpen für dütten (brüste). Garg. 115ᵃ (206 Sch.), vgl. 123ᵃ (222) ein kachel für ein Baslerische köchin (ansehen); das ist wol vielmehr wie büchse, schachtel (quintipse), die man, z. b. in Thüringen, Sachsen, als schimpf-, neck- oder liebkosendes kraftwort hören kann, selbst harmlos gebraucht und ahnungslos für kinder und in frauenmund, während sie ursprünglich die weibliche scham bezeichnen; so sehr vergessen sich und schwächen sich dergleichen kraftwörter. obscön scheint auch: da doch der lumpenhund das (töpfer-) handwerk selbst in geheim practicirte, wann er denen jungen weibern kacheln anbot. Riemer pol. maulaffe (1679) 326, vgl. kacheln 2. schwäb. kächele m., wunderlicher mensch Schmid 303.
4)
allgemein erhalten als ofenkachel beim kachelofen, dessen aufsatz aus einzelnen gevierten besteht, die irden, meist glasiert und vertieft sind gleich kleinen schüsseln, auch schwed. kakel:
die kachel (vom zersprengten ofen) hin und wider
hinein die stuben flugen.
meisterl. Berl. hs. fol. 23 no. 221;
grün ofen macht man selten ganz new von kachelen, allein (sondern) das man sie von newen setzt mit newen und alten kachelen. Tucher baumeist. 103, 31 ff. 105, 1. dazu einkacheln stark einheizen, nd. inkacheln J. H. Voss de winterabend 70, wie diesz kachel auch nd. ist. es gibt glanzkacheln, auszen glasiert, matte, innen glasiert, tafelkacheln, tafelförmig, eckkacheln, die ecke zu bilden, gesimskacheln, leistenkacheln u. a.
5)
irdene ofenröhre oder blase, worin gekocht oder gewärmt wird. Reinwald 2, 64. 1, 74. lausitz. kacheltopf, kachling, eingemauerte ofenblase, auch wendisch kachlink: stubenheinz, ker die öpfel umm in der kachlen. Scheit grob. F 2ᵃ am rande, im text ist von äpfelbraten die rede;
der lieb herr sand Bartholmes
der pringt uns öpfel und biern,
die smecken (riechen) in der kachel wol
und sterken uns das hirn.
Rosenblüt fastn. sp. 1105;
ja wol hast du ein solchen sinn (scheu gegen reisen),
wilt auf dem bolster sitzen bleiben,
die birn (pl.) in der kachl umbreiben (vgl. äpfelbrater).
H. Sachs 3 (1588), 2, 41ᵇ;
etlich sie zu Sant Lorenz machten
und in der glüend kacheln bachten (buken).
Fischart flöhhatz 821 Scheible;
weil der fund (der flöhfalle) meh zu rümen ist,
als der die kachel fand zum tisch.
das. 866, zum warmhalten der speisen?;
insonderheit da sie so fest in der schrift bestehet wie schneeballen in der heiszen ofenkachel. bienenk. (1588) 176ᵇ; ist guͦt lassen hinder dem ofen, in der glüenden kachel, da man die fuͤsz verprent. lasztafel u. practica des dr. Grillen (1540) A ijᵃ, daher entlehnt bei Fischart groszm. 99 (625 Scheible).
6)
damit wol zusammenhängend, im bergwesen: 'das werkstück über dem vorherd, vorn an dem hohen ofen- (hochofen) gestelle; der hohe ofen-meister hauet gemeiniglich beim zustellen einen zierrat darein'. J. Hübners handlungslex. Lpz. 1727. dasselbe meint wol schon das pyropus im voc. 1482, denn diesz wird in vocc. des 15. jh. auch mit schornstein, herd glossiert, in andern mit chachel, kachel, nd. kachele und katel (vgl. d.) Diefenb. 437ᶜ.
7)
an der rüstung: die schultern wurden durch achselklappen geschützt, die von der übrigen rüstung getrennt, aber stark befestigt waren, ebenso die ellenbogen und kniescheiben durch ähnliche stücke, auch kacheln genannt. A. v. Eye kunst u. leben der vorzeit, Nürnb. 1855, 'rüstung vom 14. 15. jh.', kniekachel 'rüstung vom 16. jh.'; entweder nach der ofenkachel, oder nach 'topfstürze', das mit 'pantrum' oben gemeint scheint, s. Diefenb. gl. s. v.
8)
kachel gleich kachelofen, s. d. am ende.
9)
im wasserbau, eiserne röhre zur verbindung von holzröhren in wasserleitungen. Die ableitung von cacabus (gr. κάκκαβος) kochtopf ist nicht zweifelfrei, weder diesz noch das dim. cacabulus konnten unmittelbar chachala ergeben. zu bedenken wäre ein portug. caco scherbe, das Diez 473 vergleicht, mlat. cachus gefäsz, schale Ducange, vielleicht ags. ceác (oder ceac?) Ettm. 387 (doch vgl. lat. caucus becher, caucula schüsselchen), kieke feuerkieke (Kilian nennt sie kaeckelstove, 'kachelstube'); vgl. weiter kochen, das auch kachen heiszt. von uns entlehnt sind böhm. kachel kachel, scherbe (auch kachek weibl. scham), poln. kachel und kafel, sloven. kahla.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 11, Z. 2.

kachel

kachel,
eine krähenart, schweiz., pl. kachlen Diefenb. gl. 366ᵇ s. v. monedula; alpkachel alpkrähe: lammertzig zu Lucern, alpkacheln in Wallis, weisz ambslen in Norvegen. Fischart groszm. 134 (Scheible 654); bei Stalder 2, 80 kächli und käfi m. corvus pyrrhocorax. es ist das dim. zu ahd. alem. câha (oder caha?) cornicula Graff 4, 359, 14. jh. cach monedula Mones anz. 6, 345, gerade wie ahd. tâha krähe, 15. jh. dach, auch zu tahel, dachl ward, und selbst däfi, täffi schweiz., wie käfi (s. 2, 695 dahle). mlat. caccula monedula Ducange. s. kacke dohle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 12, Z. 67.

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Zitationshilfe
„kachel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kachel>, abgerufen am 17.10.2021.

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