Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kachelofen, m.

kachelofen, m.
nd. kacheloven, nl. kagcheloven, bei Kil. kaeckeloven, schw. kakelugn, dän. kakkelovn, ofen aus kacheln zusammengesetzt, früher allgemeiner, jetzt meist nur auf dörfern oder in alten gebäuden; schon das brem. wb. 2, 713 bemerkt dazu: 'dergleichen aber jetzt (bei den bauern nämlich) von den eisernen ofen beinahe ganz verdrenget sind'; zwischen dem geräumigen ofengebäude und der wand ein genügender raum mit einer bank, sich von kälte und beschwerde, von des tages not zu erholen; obenauf raum genug für einen oder zwei zu einem warmen nachtlager; auszen am ofen gestelle bleibend angebracht, um kleider und zeug zu trocknen, kurz der kachelofen einst der wesentlichste theil des häuslichen behagens. bei ausbrechenden händeln der dorfhelden ward er wol zertrümmert, was leichter war als bei einem anderen, dafür war er auch leichter wieder aufgebaut:
das mir (d. i. wir) die schnöden dorfmann
als die kachelöfen nider slan.
fastn. sp. 415, 26,
so dasz es prasselt; fürsten bleiben fürsten, wann ihr schon die kachelöfen einschlegt. Garg. 191ᵃ (353 Sch.), d. i. ihr mögt toben wie ihr wollt. daher 'plauz kachelofen!' bei einem unvermuteten plumpen falle. Bernd Posen 108; auf der stuben vor dem kachelofen, die füsz wermend sitzen. Kirchhof wendunm. 154ᵃ; im winter rauchend kachelöfen. 225ᵃ;
gleichwie ein narr am kachelofen.
H. Sachs 1, 542ᶜ;
sihet ein kachelofen vor ein kalb an. Th. Platter 33, das erklärt sich aus einer erzählung desselben Platter 15: als wier über den berg Grimslen nachts in ein wirtshus kamen, hatt ich nie kein kachelofen gsächen, und schein der mon in (d') kachlen, do wônd ich es weri so ein grosz kalb, dan ich gsach nur zwo kachlen schinen, das meint ich die ougen sin. sprichw.: schwerzer denn der kachelofen Agricola nr. 606, daher in einem travestierenden buhlerliede:
lichter dann ein kachelofen
hat sie ein klaren schein.
Garg. 49ᵇ (78 Sch.);
weil man sagt und erfehrt, das man vor der kinder nötlichkeit (dringenden bedürfnissen) vergiszt eins manns allezeit, so doch billich der kachelofen mehr gelten soll dann ein kachel. das. 195ᵇ (362); auf, auf! ruft Picrochol, ... wer mich lieb hat, folg mir, ... der teufel hol den letzten, den nächsten beim kachelofen, den hindersten fauln ars. 227ᵃ (425); wann einer nackend im kachelofen stuͤnd, das man in in der stub nicht sah. 119ᵇ (215); habe nicht allezeit hinter dem kacheloffen gesessen, sondern bin unter leuten gewesen. Schupp. 611, achtern kachelaven liggen faulenzen Dähnert. Der kachelofen heiszt übrigens auch kurz kachel, so lausitz., in Aachen (als m.); ebenso wend. kachla, slovak. kachel ofen überhaupt, auch litt. kakalys (kakalpuͦdys ofenkachel, puͦdas ist topf).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 13, Z. 20.

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Zitationshilfe
„kachelofen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kachelofen>, abgerufen am 25.10.2021.

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