Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kachern

kachern,
laut lachen, s. vor.: ein kichern und ein kachern bis zum platzen. Baggesen 5, 53. das wort ist z. b. anhaltisch (Dessau).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 14, Z. 31.

kocher, m.

kocher, m.
1)
gefäsz zum kochen, in kaffeekocher (s. d.), zuerst bei Campe, obersächs. auch kochert; ostfries. kaker, koffjekaker Stürenburg 100ᵇ.
2)
persönlich für kochender, wie leimkocher, kaffeekocher Campe, für leimsieder; vgl. kocherin. nl. koker ist koch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1559, Z. 51.

köcher, m.

köcher, m.
gefäsz, behälter.
1)
am bekanntesten und ältesten bezeugt als pfeilköcher, doch wird das von jeher nur eine einzelne anwendung sein.
a)
die formen.
α)
ahd. chochar, mhd. kocher, daneben aber chochari, kochære (s.γ); ags. cocur, cocer, mnd. koker und kaker Dief. 225ᵇ, nnl. koker, nnd. köker, dän. schwed. koger n.; entlehnt nach Diez wb. 621 (2, 256, vgl. dess. altrom. gloss. 44), altfranz. couire, cuivre, daher engl. quiver.
β)
nebenformen im 15. jh. bei Dief. 225ᵇ kucher und merkw. koger, keger; zu ersterm vgl. mlat. (fränk.) cucurus im cap. de villis, auch das g könnte echt sein, vgl. knügel für knöchel.
γ)
mhd. kochære, ahd. chochari sieht aus wie die persönl. subst. von verbis, man wird es auch als solches empfunden haben, obwol ein verbum der art nicht vorliegt. das nächstverwandte wort könnte kocke sein, da schiffe und gefäsze oft éinen namen haben (sp. 204), ein mhd. voc. gibt auch coce als ein gefäsz, sistarcium (Dief. 538ᶜ).
b)
die umlautlose form galt noch lange nhd.: pfilkocher. gemma Dief. 225ᵇ, kocher, pharetra Dasypodius 365ᶜ (vgl. 2, b);
es (das alter) machet plosz manchen rawen kocher.
priamel in Pf. Germ. 3, 374,
beraubt die felldecke der haare; wir hätten ihnen den bischoffen und pfaffen den kocher wol herausgestrichen und wäre wol die wahrheit. Kress bei Melanchthon 2, 279, die wahrheit gegeigt; einen mündlichen vortrag thun lassen, darin man uns den kocher auf unser seiten wol ermiszt und herausgestrichen hat. 278, ebenso, woher das?
die reine sonn
schmuckt ihre cron,
den kocher füllt mit pfeilen.
Spee trutzn. 36.
c)
die umgelautete form (auf mhd. kochære zurückgehend) erscheint zuerst neben der vorigen:
uf ieder sit ein kocher grosz ....
im andern köcher vogelbolz.
Brant narr. 13, 26. 32;
köcher und bogen. 1 Mos. 27, 3; so führen sie (die pfaffen, statt zum himmel) jederman, der irem leben und exempel folget, dem teufel in seinen köcher. Reinicke fuchs Frankf. 1583 122ᵃ, er trägt sie im köcher auf dem rücken;
der köcher ist entleert.
A. Gryphius 1, 249;
mein köcher aber mit der armbrust lag
am hintern gransen bei dem steuerruder.
Schiller 540ᵇ.
d)
bildlich: zum letzten würden sie aus irem köcher einen so starken bolz oder argument langen. Fischart bien. 63ᵃ (65ᵇ);
dessen köchern gottes gnad
mit solchen pfeilen wol versehen.
Weckherlin 284,
in eigenthümlich schwacher form; ich sehe dasz die pfeil, welche ihr wider mich schieszet, nicht ausz eurem köcher kommen. Schuppius 790, noch im brem. wb. nd. dat kumt nig ût dinen köker, das ist nicht deine erfindung. 2, 837, merkwürdig genug so lange nach dem wirklichen gebrauch von pfeil und köcher, vgl. nnl. veele pijlen op zijn koker hebben, viel gründe, noch vieles in petto haben. aber koker auch geradezu dort für kopf, s. Schuermans 274ᵃ.
in des wahren dichters köcher
ruhn der goldnen pfeile viel.
Gökingk 3, 96;
ausgeleert hab ich
der worte köcher und erschöpft der bitten kraft.
Schiller 493ᵃ;
wann verfolgung ihren köcher
endlich auf dich ausgeleert.
Bürger 12ᵃ.
2)
ähnlicher behälter für andre dinge, wie nd. köker futteral überhaupt im brem. wb.
a)
messerköcher Garg. 271ᵃ, messerfutteral, nd. messerköker Chytraeus cap. 91, blosz köker Uhlands volksl. 448, nl. koker, messekoker; nd. scherköker für die schermesser, s. Frisch 1, 531ᵃ. ags. auch für schwertscheide.
b)
federköcher: calamarium, schribkocher gemma, mnl. coker hor. belg. 7, 17ᵃ, köcher, pennal Rädlein 552ᵇ; köcher, schreibzeug, calamarium Dasypodius 365ᶜ.
c)
nrh. tintefasz, in Cleve dentekoker (auch sandkoker streusandbüchse), in Aachen kaucher, enkkaucher, nl. inktkoker.
d)
auf Rheinschiffen köcher, das gehäuse für den fusz der masten (Kehrein nachtr. 30), nd. koker, auch als gehäuse für pumpen u. ä.; bei alle dem bleibt doch eine blosze übertragung der bedeutung 1 denkbar.
3)
aber auch dem pfeilköcher fernstehend
a)
kocher zum fischtransport: wilch auswirdischer (auswärtiger, fehlt oben) einen wagen oder kocher mit vischen zw markte prechte und auswurfe, der sol von einer itzlichen thonnen oder kocher dem rathe sechs pfenninge geben. stadtr. von Arnstadt § 69, Michelsen thür. rechtsd. s. 56; von einem kocher planhecht dem rathe sechs pfenninge. § 68.
b)
kocher im schwäb. Schwarzwald, enger tiefer korb bei der obsternte. Schmid 321; ebenda kucher, kücher m. aus baumrinde gemachte düten für gesammelte erdbeeren. 330, s. kieze.
c)
als kugelmodell: das man die khugeln von stain oder eisen durch ain gerechten (genauen) coecher und lhäre umbtreibe, ob sie an allen orten gleich rund im zürkhel seind. handschr. feuerbuch von 1591 Schmeller 2, 278; lehre ist hier masz, modell (mhd. lêre kindh. Jesu 1365 Feif.) und es steht wol nicht zufällig auch in einer glosse im voc. theut. 1482 mit jenem zusammen: 'kocher, pharetra vel doctrina lere'. r 1ᵇ.
d)
merkwürdig ebenda 'kocher, textus, tectura telorum vel liber quidam, oder kopert oder puchdeck', und bei Dief. 483ᵇ ramex, riet oder kocher. zu letzterm stimmt aber fläm. koker rute des hengstes Schuerm. 274ᵃ, deutlicher ostfries. kaker der schlauch dieser rute Stürenburg 100ᵇ. vgl. übrigens kogbenglin.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1559, Z. 56.

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Zitationshilfe
„kachern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kachern>, abgerufen am 24.10.2021.

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