Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

kafeln

kafeln,
1)
nagen, knabbern (mhd. kavelen?): dann kamen meine geiszen haufenweis und kafelten das laub ab (von den gefällten bäumchen). Bräker 16 (27); es scheint nur schweiz., bei Stalder 2, 80 auch dim. käfelen, und kafel m. was man benagen kann, kafelfleisch fleisch mit knochen, knorpel (s. knorpelfleisch) u. a. Das ist der rest eines alten verbalstamms gleicher bed., von dem kaff, kabel gebildet scheinen; dazu ablautend kiefen nagen, kiefel kinnbacken, kiefe, käfe (ahd. chëvâ) hülse. grundbedeutung wäre das arbeiten mit den zähnen, die das älteste werkzeug des menschen sind, daher käfe, kiefe, kaff die mit den zähnen abgenagte fruchthülse, kiefel das nagende werkzeug selbst, kabel eig. eine rute, mit den zähnen geschält, um sie zum einschneiden oder sonst zu brauchen (noch jetzt schälen in wald und feld die kinder die ruten, rüben u. a. mit den zähnen); auch der käfer ist wol der nagende. Auch westf. kawwelen etwas kauen, ohne es zu zerbeiszen. Frommann 6, 214, mnd. kavel rostrum (maul?) Dief. gl. 500ᶜ, und es wird dergl. nd. mehr zu finden sein; beachtenswert ist auch nd. kafe f. werkzeug, den flachs von der schäbe zu reinigen, zu 'kafen' Schambach 95ᵃ, wo das nicht von kaff gebildet ist. engl. dial. chavel, chaffo kauen Halliwell 239ᵃ. 242ᵇ, altengl. chavel kinnbacken (dial. chaffbone), ags. ceafl, auch maul, rachen, schnabel. nächstverwandt ist goth. skaban, nhd. schaben mit seiner sippe, vgl. käfe hülse : schäfe dass., altn. skafi m. feilspahn, skaf n. rinde. die urverwandtschaft s. bei Diefenbach goth. wb. 2, 225, ohne das s auch finn. kaappia, esthn. kaapma radere, finn. kapi scabies; bei solchen wurzeln, die vorn ein S verloren, bleibt gern die lautverschiebung aus.
2)
das schweiz. wort heiszt auch ungeschickt schneiden, schnippeln, wie kinder, dann das metzgen als pfuscher treiben, weiter pfuschen überhaupt, deutlich vom alten oder kindischen arbeiten mit den zähnen entlehnt, denn es heiszt auch 'sudelig kauen, essen'. vgl. engl. chaffle hacken, kaff karst, haue, lit. kapóti hacken, gr. κόπτω u. s. f., ein nd. katten, kaddeln, katzen heiszt auch fleisch ungeschickt hauen, schneiden, wurzelhafter auslautwandel? vgl. schaden (eig. verwunden?) : schaben.
3)
merkwürdig aber auch keifen (kafler, kafli m. keifer, dim. käfelen), und ungeschickt plappern, ein verworrener redner z. b. kafelt, vgl. Tobler 92ᵃ; und diesz taucht auch anderwärts auf: das westf. kawweln kauen vorhin heiszt auch dumm reden Fromm. 6, 214, ganz wie schwz.; schles. kâfern, kâwern, auch kafsen, kafzen schwatzen, plaudern, gekâfere geschwätz Weinhold 39ᵃ; engl. cavil, nordengl. caffle spitzfindig, krittlig streiten, nnl. redenkavelen disputieren u. ä., kavelen reden, plaudern, diesz auch älter ostfries., jetzt kävelen, kabbeln, kaueln (aus kawelen?) schwatzen, salbadern Stürenb. 100. 104ᵇ, nd. kaueln, kauen mit zusammensetzungen brem. wb. 2, 754; vgl. auch engl. chafty talkative Halliwell, chavish a chattering, prattling or murmuring noise, gött. kæwen vom kindergeschrei, oberlaus. westf. käffen, kläffen und husten (Weinh. a. a. o.); isl. kjapta (gespr. kjafta) schwatzen, besonders im zank oder hinterm rücken, schwed. käfta, käfsa, zu kjaptr ('kjaftr'), käft maul, eig. kinnbacken. Nach alle dem scheint das kein wort für sich, sondern das zanken wie schlecht reden von der bewegung der kinnbacken benannt; s. besonders kauen 4 und kaubern. schwer zu sagen ist wie es sich zu den nah anklingenden keifen und kabbeln verhält; vgl. kifeln nagen und zanken, nd. kaffen und kiffen, keffen belfern : kiffe maul, auch ostfr. käkeln zanken : kakebeen kinnbacken, nd. käkeln plaudern : käke, käkel maul, eig. kinnbacken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 18, Z. 13.

kofel, m.

kofel, m.
berg, stein, oberbair., tirol., kärnt.
1)
in den bair. Alpen als eigenname von bergspitzen (Schm. 2, 286), tirolisch aber auch noch für berg überhaupt in gewissen formen (pl. köfel), s. Schöpf 332, in Kärnten koufl, dem. köfile (kouflrosen kleine alpenblumen) Lexer 163. daher dort der häufige name Kofler (s. dazu Fromm. 4, 200), schon mhd. bezeugt der Chofler zeitschr. f. Tir. u. V. 3, 113 u. ö., kofl berg Wolkenst. 3, 1, 22. 10, 2, 2. s. kobel fels, berg sp. 1540.
2)
tirol. aber auch einzelner stein, besonders ein groszer (köfeln mit steinen werfen), auch kärnt. nach koufln einen steinhaufen machen; das könnte die urspr. bed. sein. vgl. auch 'cimbrisch' kovel m., gofel f., felshöhle, tir. schermkofel felshöhle zum schutz gegen unwetter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1574, Z. 42.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
kammervogtei
Zitationshilfe
„kafeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kafeln>, abgerufen am 28.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)