Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaff, n.

kaff, n.
fruchthülse, bes. die hülse des ausgedroschenen getraides, hauptsächlich md. und nd.; mhd. kaf, mnd. kaff, gen. kaves, mnl. caf, nnl. kaf; ags. ceaf, engl. chaff, dial. kaff (auch caving); vom ursprung s. kafeln, es ist denkbar, dasz man auch das getraidekorn zuerst mit den zähnen aus der hülse gewann, die bildung sieht in ihrer einfachheit alt genug aus. vgl. ablautend kiff gemahlene gerberlohe (und nachher kifze). es ist ohne pl. ( Adelung): komen (die papisten) darnach her mit iren ledigen hülsen, kaff und sprewen. Luther 8, 57ᵇ, collectiv wie spreu. doch wie davon früher und landsch. auch spreuwer, so auch kafen pl.: tu die kafen (von den mandelkernen) wider in den mörser. buch von guter speise 15, freilich mit andrer form, wie von einem schwachen kafe. so hat ein md. voc. 15. jh. kabe quisquiliae Dief. 480ᶜ, was freilich pl. sein könnte; aber götting. heiszt es kâwe f., collect. Schamb. 98ᵃ, knuddenkâwe f. der abgang von den gedroschenen flachsknoten, oberd. leinkaben pl. leinspreu (Sanders 1, 850ᵇ). auch westerw. kaw, kav fem., nrh. kâf, kaf Aach. mundart 97, kaff Hagens köln. reimchr. 2558. Bei Stieler 910, Steinbach 1, 821 auch eine form kaft n., schon bei Serranus 16. jh. Diefenb. 406ᵃ, und es musz auch noch älter hd. kafz gegeben haben, s. kafzen wannen; noch jetzt schwäb. gafzen pl. spreu Schmid 214, vgl. das. käpfzen und kifze obstbutzen. mhd. auch kafs Frauenlob spr. 304, 20 in der Jenaer hs., vgl. ahd. gávissa quisquiliae. deutschungr. kab Schröer 67ᵃ.
1)
eigentlich. Frisch tadelt eine vermengung von kaff und spreu, jenes sei allgemein (vgl. vorhin von lein, mandeln), spreu gelte nur von dinkel und spelt; das brem. wb. weist das für seine landschaft ab, und Steinbach z. b. gibt auch gersten-, weizen-, bohnenspreu. Voss zu Virg. georg. 179: 'die spreu ist hier zermalmtes stroh oder häckerling der kurz abgeschnittenen ähre, nicht blosz die hülse samt den acheln, die wir kaff nennen'. das ist landschaftliche mannichfaltigkeit, die genauer zu verfolgen der mühe wert ist. noch andre namen sind agen, egel, enne, am (Diefenb. gloss. 406ᵃ, goth. wb. 1, 8), fese, schäbe.
2)
bildl. ein nichts, wertlosestes ding, so bei Frauenlob, Hagen a. a. o.; eine nd. beliebte verneinung ist nicht ein kaf, s. gramm. 3, 729. nd. auch leeres geschwätz brem. wb. 2, 714 (nl. kaf dorschen, 'leeres stroh dreschen'), wie oben Luther, auch schlechte waare u. dgl. davon wallon. cafu wertloses ding, champ. cafut, vielleicht auch oder von ahd. këva (nhd. käfe) frz. chiffon u. a. rom. wörter, s. Diez 594.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 20, Z. 38.

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Zitationshilfe
„kaff“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaff>, abgerufen am 18.10.2021.

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