Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaffate, cavate, f.

kaffate, cavate, f.
am dom in Mainz, Erfurt: dasz unser gerichtshus unter die kaffaten der kirchen in einen schwiegebogen gelegt. Serarius bei Frisch 1, 496ᵃ, aus Mainz, vgl. auch Oberlin 749 aus Guden cod. dipl. 4, 398. die Erfurter 'kaffata' schon im 13. jh. in dem von C. Höfler herausg. carmen histor. occulti autoris Wien 1861 s. 54 (vgl. den herausg. s. 10!). K. Stolle, thür.-erf. chr. s. 136 erzählt von dort, wie ein chorschüler 1476 einen andern auf dem chor des doms mit dem messer verwundet, der organista er Johan Starke kommt und sieht das blut auf dem kirchhofe und sporte is (gieng der spur nach) in die kirchen von der kaffaten bisz in den kor. der dom ward neu geweiht, der weihbischof kam von Mainz und reconcilierte den kor, kirchen und kirchhof, kaffaten und die kluft und sacristien u. s. w. auch vom Erfurter dom wird erzählt: um diese zeit (1579) risse auch eine böse gewohnheit ein, indem einige leichtfertige buben meistentheils gegen abend auf der cavate (welches der steinerne auf gewölber gesetzte gang ist, der das chor der stiftskirche B. M. V. umgiebt) zusammen kamen, entsetzlich turnierten, zusammen rungen, schrien und mit steinen von oben herab auf den mark, auch wol in der unten gelegenen canonicorum häuser warfen u. s. w. Falkenstein, hist. von Erfurt 652; im j. 1664 bei der huldigung auf dem domplatz ward auf der cavate mit etlichen trompeten und zwei kesselpauken gespielet. 991. die kaffate diente als ort für amtliche handlungen, in der Erfurter wasserordnung aus dem 15. jh.: uf den sunnobent nach sente Walpurgen tag sal das ammecht (amt) der wassermeistere halben loszen heischen iren knecht die drizen molhern und mollere (müller) uf die kaffaten ... ein nuwe ammecht zu kiesene. Michelsen rechtsdenkm. aus Thür. 110. der mönch, der 1472 die grosze feuersbrunst in Erfurt angelegt hatte, ward auf öffentlichem markte unter der cavaten lebendig verbrannt. J. Chr. Olearius, thür. historien 2, 52; steinerne canzel an der cavaten. 2, 53. In Thüringen heiszt noch kaffáte f. (z. b. in Arnstadt) ein sich wölbender laubgang, der auf säulen ruht, offenbar nach dem vorbild der kirchenkaffate, auch ein freier ausbau auf dem dach eines wohnhauses, altanartig. Wort und sache sind aus der römischen baukunst in die des mittelalters übergegangen, cavum aedium, cavaedium, urspr. der freie hofraum im innern des röm. hauses, dann insbesondere die bogengänge in diesem raum, s. Beckers Gallus, 2. ausg. 2, 183 ff.; ein das hauptgebäude umgebender bogengang, von unten und oben zu mancherlei nebenzwecken dienlich, ist auch noch die kaffate am altdeutschen kirchenbau. vgl. auch kavete, käfter und keffet, die vielleicht damit zusammenhängen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 21, Z. 2.

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Zitationshilfe
„kaffate“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaffate>, abgerufen am 17.10.2021.

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