kaffee m
Fundstelle: Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 21, Z. 47
franz. café, engl. coffee, nl. koffij, koffi, eins der letzten culturgeschenke des orients an den occident; aus Arabien stammend, wo qahuah eig. wein, dann ein aus beeren gekochter trank ist (Diez 80). gerade in Deutschland ist er besonders heimisch geworden, eine unzahl composita im häuslichen und kaufmännischen leben geben davon zeugnis; das niedere volk hat sogar für seinen lieben kaffee eine anzahl spottnamen geschaffen, mit denen sie mehr sich selbst und ihr bedürfnis verspotten; vgl. unter kaffeepansch. Da uns der kaffee zuerst von Holländern und Engländern zugeführt ward, herscht anfangs die form coffee, koffee (die noch bei alten leuten und landsch. gilt, auch botanisch lat. noch coffea); im 18. jh. drängte sich das frz. café vor, wol unter dem einflusz der sich ausbreitenden kaffeehäuser nach franz. muster, ward aber dann deutscher gemacht als káffê (Adelung wollte 'kaffeh'), landschaftlich selbst káffĕ. schweiz. ist das wort n., in gekochter gestalt, e guets kaffee; man hat da auch käffela, nach kaffee riechen, schmecken. Tobler 92ᵃ. 33ᵃ. Als n. auch anderwärts früher, vgl.coffee 2, 629:
komm, bring ein niedliches (appetitlich) coffee,
komm, geusz der sorgen panacée,
den güldnen nectar in chrystallen!
Günther 197,
vgl.caffé ... von dem frauenzimmer als eine panacé getrunken. Amaranthes frauenzimmerlex. Lpz. 1715 s. 283; das café ist nicht so nöthig vor pfarer als catholische prister so nicht heurathen darfen, den es solle keüsch machen. Elis. Charl. v. Orl. 98 (1706); viele fügen diesem (dem wein, zur beförderung der dichterkraft zu genieszen) mit bei andere liquores, als brandtwein, bier, thee und caffe. J. G. Neukirch anfangsgr. der reinen teutschen poesie Halle 1724 s. 15; vgl. unter knaster;
und hier versammeln sich, da spiel und coffee winkt,
die artigsten der stadt, und wer sich artig dünkt.
Uz (1768) 2, 164;
ganz Leipzig hub sich nun halbtaumelnd in die höh,
zur arbeit gieng der mann, die dame trank caffee.
Zachariä renommist 3, 7;
vergessen sie nicht, zu mir auf einen kaffee und auf einen kuss zu kommen. Klopstock an Gleim 16. jun. 1750 (Kl. und s. freunde 1, 16); der liebe melancholische kaffee! Lessing Minna v. B. 4, 1; dahin lasz ich mein tischchen aus dem wirthshause bringen und meinen stuhl, trinke meinen kaffee da und lese meinen Homer. Göthe 16, 17; das schwere Merseburger bier verdüsterte mein gehirn, der kaffe der mir eine ganz eigne triste stimmung gab, besonders mit milch nach tische genossen, paralysierte meine eingeweide. 25, 182;
aber das mütterchen gosz in die bräunliche kanne den kaffee
aus der papierenen tute, gemengt mit klärendem hirschhorn.
Voss Luise 1, 332.
vgl. dess. siebz. geburtstag v. 127 ff. Auch für kaffeegesellschaft, einen kaffee geben, wir waren bei ... zum kaffee. Die zahllosen zusammensetzungen alle anzuführen scheint (hier wie anderwärts) unnütz oder unmöglich, man spricht von kaffeebrennen oder rösten, kaffeekochen u. a., von kaffeehandel, kaffeepreis, kaffeeverkauf, kaffeerechnung, kaffeeverbrauch, kaffeegenusz, kaffeegeld, kaffeetrinker, kaffeeappetit, kaffeezeit, kaffeefiltrier, kaffeezoll, kaffeezollerhöhung, kaffeeverbot, kaffeesurrogat, kaffeetarif, kaffeeserviette, kaffeeservice, kaffeeernte, kaffeeeis, kaffeeextract, kaffeeessenz, kaffeeliqueur, kaffeesyrup, kaffeeaufgusz, kaffeebrühe (schlechter kaffee), kaffeewasser u. s. w., von milchkaffee, Mokkakaffee, Javakaffee, frühkaffee, morgenkaffee, nachmittagskaffee (Göthe 30, 58), gesundheitskaffee, kindtaufskaffee, beruhigungskaffee; cichorienkaffee ein surrogat (auch deutscher kaffee genannt), wie eichelkaffee, gerstenkaffee, kornkaffee u. d.; man sagt ich bin ein groszer kaffeefreund, kaffeeliebhaber; spuren des kaffeetrinkens am munde nennt man einen kaffeebart.
Zitationshilfe
„kaffee“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaffee>, abgerufen am 18.06.2019.

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