Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kahmicht, kahmig, kahnig

kahmicht, kahmig, kahnig,
mit kahm überzogen, durch abstehn verdorben, schal.
1)
die wechselnden formen wie beim subst.
a)
mhd. kâmig fundgr. 1, 378ᵃ, so noch östr., tir.; camecht glutinosus, cerusio Mones anz. 7, 298, oberrh.; kamicht Stieler, Steinb., kahmig Adelung, deutschungr. kämisch:
(die welt) ist rostrig, schimlich, seiger, kamig (: ramig).
Waldis Es. 4, 100, 167;
schimlig oder kamig werden. Paracelsus 1, 888ᵇ; dasz wir umschlagen und aus gutem weine ein kamiges getränk werden. Tieck 9, 29. auch nnl. kaamig, mnd. camich, also dat alde ber wert, glutinosus Diefenb. 266ᶜ. altn. isl. kâmugr (s. u. kahm).
b)
kanicht Stieler, kahnig Frisch:
darnach der pfarrherr kundte denken
wie er sein wein wolt ausz schenken,
die waren all kanig und zäch.
pfarrer vom Kalenb. (Frkf. 1550), Wackern. leseb. 1, 947;
(war) der wein auf dem reisbrei nüchtern und kahnig.
Voss Luise 1, 79 (73).
känicht: so bleibt der wein perfect, ... wird nicht känicht. Hohberg 1, 348ᵇ. kanecht:
so du in gibst den aller schlechtsten,
der khanecht ist und auf den truͦsen,
so schütten sie in halb in buͦsen.
Scheit grob. H 2ᵇ;
Christus hat diesen creuzkelch schon credenzet, und das oberst, so sehr unrein und kanecht gewesen, nemlich den zorn gottes, abgetrunken. Creidius 1, 285. konecht Dasyp. 366ᵇ, könicht wein Alberus.
c)
nach alemann. art mit doppelter adjectivendung konächtig Maaler 249ᵃ, konechtig Dasyp. 143ᵈ. nl. kaamägtig.
d)
kaumicht Wachter 820, kaumig schwäb. Schmid 307: wann der wein im gefäsz lang ruhig stehet, so wird er kaumig. Abele 4, 128. auch kaunicht: wann die feuchte und böse keller das bier müchzend und kaunicht gemachet. Hohberg 3, 43ᵃ. engl. dial. keamy.
e)
keimig bair. östr., kaimicht: stinkenden, zähen, kaimicht, schimmelicht und abgestandenen wein wieder zu recht zu bringen. Hohberg 3, 292. schwed. kajmut, s. vorhin.
f)
fränk. kunig, nd. nl. (Kil.) kiemig, s. kahm 1, g. h.
2)
bildlich.
a)
dunstig, nebelig: bair. heunt san dberg wider so kanig; östr. kawig, steir. karwig, s. kahm 2, b.
b)
geistig (s. schon Creidius, Tieck vorhin): ich eile von diesen trüben kanigen gegenständen zur hellen, lustigen, perlenden jugend zurück. J. Paul herbstbl. 3, 44; kanige narrheiten. Fixl. 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 32, Z. 50.

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Zitationshilfe
„kahmicht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kahmicht>, abgerufen am 20.10.2021.

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