Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaiserfrei

kaiserfrei,
gebildet wie reichsfrei, gleich 'frei von kaisers (und reichs) wegen' und daraus gekürzt: warumb meinestu das itzt die welt so voll untrew, schande, jamer und mord ist, denn das jederman sein eigen herr und keiserfrei wil sein, auf niemand nichts geben und alles thun was in gelüstet? Luther (Jena 1556) 4, 439ᵇ; eine kaiserfreie reichstadt, civitas libera imperialis. Frisch 1, 496ᵇ. Wierstraat, nachdem er die unkosten aufgezählt, welche Neusz von der belagerung 1474 erlitten:
nu bedenkt all getruwen frund, wie sullen sy
die noit verwinnen, all weren sy keiservrij!
reimchron. der stadt Neusz 3099,
selbst wenn sie reichsfrei wären; da die pommerschen fischer von dem fischfang in der offenen see keine abgaben geben, so nennen sie — ohne zweifel nach einer aus dem mittelalter überkommenen rechtsanschauung, der zufolge der deutsche kaiser als oberlehnsherr eigenthümer der offenen see war — die Ostsee kaiserfrei, sehen aber in ermangelung eines deutschen kaisers den kaiser von Ruszland als herrn der Ostsee an. Weserzeitung 1853 nr. 3027. keiserfreie strasze weisth. 4, 689, wie königfrei, mnd. koningfrî: to jodute over einen N ... dat he ... het my geslagen unde gemordet up der koningfryen straten. gerichtsformel bei Homeyer richtsteig landr. s. 330; coninxvry, königsfrei von einem freilehn Haltaus 1112 in einer urk. von 1494.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 40, Z. 43.

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Zitationshilfe
„kaiserfrei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaiserfrei>, abgerufen am 28.10.2021.

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