Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaiserin, f.

kaiserin, f.
imperatrix, mhd. keiserinne, keiserîn. übertragen,
1)
wie gott und Christus mhd. keiser aller künige, aller keiser keiser g. Gerh. 2241, des himels keiser, himelischer keiser hiesz und bis um 1500 von der bildenden kunst mit kaiserkrone und purpurmantel dargestellt wurde, so hiesz die jungfrau Maria himelkeiserîn, der engel keiserîn, und das setzte sich fort im religiösen volksliede:
o Maria, du himelische kaiserinne.
Uhland volksl. 836;
Maria du edle konigin,
des hohen himmels ein kaiserin.
Soltau 2, 101. 105 (1522);
maid kaiserein.
Muscatblüt, Hätzl. 107ᵇ;
das ist Maria die kaiserein,
die mir tuͦt wol gefallen.
Uhl. 844, Wackernagel kirchenl. nr. 151, Hoffmann kirchenl. nr. 232;
etwas anders gewendet:
du biste des hemels een coninghinne
ende der werelde keiserinne,
in dinen handen statet (d. i. staet het) al.
hor. belg. 10, 78;
Maria coninghinne ...
nu troost mi keiserinne.
10, 73. 74.
noch im neueren kath. kirchlichen volksliede:
dieser gewaltigen kaiserin.
gesangb. Würzb. 1721, Ditfurth fränk. volkslieder 1, 111;
ave Maria, du edle kaiserin.
flieg. bl. ebend. 118;
du bist ein kaiserin,
edelste königin,
gekrönt mit gottes hand.
125, von 1740.
2)
aber auch die weltliche geliebte hiesz mhd. mînes herzen keiserinne, wie küneginne, und auch das pflanzte sich fort: mein keiserin Ambr. lb. 43, 7. 52;
du solt on zweifel wesen
der eren (an ehren) ain kaiserin.
Hätzl. 21ᵃ;
halt vest, meins herzen kaiserin.
Muscatblüt das. 200ᵃ.
der jüngling Jemmy Dawson war
der schönste weit und breit,
und seines herzens kaiserin
die allerschönste maid.
Haug (Wien 1807) 2, 11;
gott bhüt mir die schönste keiserin!
Uhland volksl. 133;
mich dünkt in all mein sinnen
und wann ich bei ihr bin,
sie sei ein kaiserinne.
Forsters frischeliedl. (wunderh. 1, 191);
ich weisz mir ein edle keiserin ....
die keiserin hett ein alten man,
daran wolt sie kein genügen han.
Ambr. lb. 117, 1. 6;
ach du schöne junkfrau fein,
du pfalzgrävin, du kaiserin!
Uhland 148;
schläfst oder wachst, mein kaiserin?
248;
du auszerwelte keiserin!
280, ein graf zu seiner braut;
dagegen: wat ghenade soude ic u doen,
ghi en zijt gheen keyserinne.
225. hor. belg. 11, 65.
noch Luther von seiner gattin: du bist eine kaiserin! tischr. 431 Eisl. 1566. kaiserin der schönen, die vor allen 'die krone trägt':
aber reizend her und hin,
bist ja doch nicht kaiserinn,
nicht die kaiserinn der schönen,
wer wird dich vor allen krönen?
Bürger 51ᵃ.
3)
für herscherin u. ä., wie königin: lieber, die natürliche sprache ist 'fraw keiserin', die gehet uber alle subtile, spitzige, sophistische dichtunge (in auslegung des textes). Luther 3, 77ᵃ (1560). Lohenstein von der rose:
wer in den dorn sich sticht,
mit dem die käyserin der blumen sich umflicht.
Hoffmannswald. u. and. ged. 1, 241.
sprichwort: die schreibfeder will kaiserin bleiben. Simrock 9202, bei Luther 4, 400ᵃ (1556) die schreibfedder musz keiserin bleiben, oder gott wird uns ein anders sehen lassen, das sprichwort wird im schreiberorden aufgekommen sein, Luther aber meint die humanistische schulbildung gegenüber dem materialismus;
und musz (wie etlich davon schreiben)
die schreibfeder keiserin bleiben.
Waldis Esop 3, 92, 186.
die sonne ... ernährerin und käyserin der gewächse. Simpl. (1713) 3, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 41, Z. 41.

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Zitationshilfe
„kaiserin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaiserin>, abgerufen am 27.10.2021.

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