Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaiserisch

kaiserisch,
früher neben kaiserlich gebräuchlich: keyserisch, dem keyser günstig und zugehörend. Maaler 243ᵇ; vorzugsweise
1)
wie königisch, kurfürstisch, landgräfisch, von personen, dem hofe, heere, der partei des kaisers gehörig: ubergaben sie Paulum und etliche ander gefangene dem unterheubtman, mit namen Julio, von der keiserischen schar. apost. gesch. 27, 1; die keiserischen, die streiter kaiser Karls. Aimon e; vermochten die keyserischen iren anlauf nit erleiden. Z 1; ein keiserischer speher. p iiij; ein schöne rot keyserischen (mit der kaiserl. parteifarbe). b; die andern Jüden sind des keisers Jüden, nicht Moses Jüden ... als nu (aber) der keyser schüldigen gehorsam fodderte, streubeten sie sich und setzten sich wider in, wolten nu nicht keiserisch sein. Luther 8, 94ᵃ, vgl. kammerknecht 3; also kan man sagen, der ist keyserisch, der ist königisch, französisch. Paracelsus 1, 909ᵃ; zu dieser zeit war ganz Italia gespalten, ein teil hieng dem keyser, der ander dem bapst an. die bäpstler waren Guelfi, die keyserischen Gibelini genent ... da hett des bapsts ... heer das losz (loszung) hie Guelf! da sagten die keyserischen hie Gibelin! S. Frank Germ. chron. 194; da haben die keyserischen reuter der feinden linken flügel angriffen. Fronsperger 3, 136ᵇ; per idem tempus (um 1550) circumferebantur per Germaniam hi rythmi:
der bapst ist keiserisch gewordn,
das hat gmacht Augustiner ordn.
hett Martin Luther nicht geschriebn,
so wer der bapst französisch bliebn.
Melandri jocoseria (1625) 2, 218 nr. 144;
in demselben (kampf) thut die kayserische reuterei das beste. Micrälius 2, 176. noch Stieler 958 er ist nicht gut keyserisch, Imperatori haud favet (auszerdem hat er nur kaiserlich), und noch bair., die kaiserischen Schm. 2, 336. ebenso nl. goed keizers zijn, pl. de keizerschen. vgl. kaiserer.
2)
auch wo es dem gewöhnlichen kaiserlich gleich klingt, gilt es, wie es scheint, nur persönlich und nicht ohne anklang an jene bedeutung: von den keyserischen gesandten. Aimon a; es ist ein grosz geschlecht am keyserischen hof. D iiij; das keiserisch hofgesinde. Aventin chr. 202ᵇ;
zu Longino dem stathalter,
dem keysrischen ambtverwalter.
H. Sachs 3, 2, 112ᵈ;
die Römer hetten gern das keiserisch geschlecht auszgetilget. Reiszner Jerus. 2, 82ᵃ. aber auch keysersche cron, goldmünze. Chytraeus nomencl. sax. (1592) 553.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 42, Z. 33.

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Zitationshilfe
„kaiserisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaiserisch>, abgerufen am 23.10.2021.

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