Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

kaiserlich

kaiserlich,
caesareus, imperatorius, imperialis, ahd. cheisarlîh, mhd. keiserlîch, ags. câserlîc.
1)
jetzt auch gleich kaiserisch: gut kaiserlich (gesinnt) Frisch; die kaiserlichen, bes. die österreichischen soldaten, auch von den Franzosen früher les kaiserlics genannt. Schm. 2, 336; der abzug der kaiserlichen zog die böhmische armee zum zweiten male vor Wien. Schiller 902ᵃ; die bürger des orts thaten auf dem rückzuge, in verbindung mit den kaiserlichen, den Franzosen abbruch. Göthe 43, 147. reichsunmittelbare städte nannten sich kaiserliche stat, z. b. Straszburg.
2)
kaiserliche majestät, seit dem 16. jh. amtlicher stil, meist abgekürzt K. M.;
die römisch kaiserlich maiestat (Max I. 1512)
hern Pauls von Liechtenstain gsendet hat.
Uhlands volksl. 471,
meist ohne art., 'kaiserliche majestät und reich'. Göthe 8, 80, wie 'kaiser und reich'; nachdem wir als erwelter röm. keiser und rechter herr in unserm keiserlichen gemüt betracht und zu herzen genommen ... reichsordnungen Worms 1539 70ᵃ, v. j. 1512; kaiserliches recht (s. kaiserrecht); die kaiserlichen staaten; im adv. kaiserlich königlich österreichischer beamter u. dgl. Noch jetzt gilt im gewöhnlichen sprachgebrauch statt der wuchernden zusammensetz. mit kaiser- lieber, wie früher, das adj.: kaiserliche gruft, kaiserliches geld, kaiserliche braut, kaiserliche gesinnung, kaiserliche gnade, wofür der gewähltere ausdruck vorzieht kaiserbraut, das ist eine echte kaisergesinnung, eines kaisers würdig. in letzterm sinn, mit besonderm ton gesprochen: ein wahrhaft kaiserliches geschenk, kaiserliche pracht;
dasz dir held, nichts kaiserliches mehr
ermanglet, dan der nam.
Weckherlin 656;
wir (der kaiser), ehrenvoll, geschützt von eigenen trabanten,
erwarten kaiserlich der völker abgesandten.
Göthe 41, 288.
gegensatz unkaiserlich (Zimmermann eins. 2, 143).
3)
darnach allgemeiner für herrlich, prächtig, vollkommen, wie adelich; so schon mhd. bei dichtern, obwol nicht höfisch (s. Haupt zu Engelhard s. 242. 243), aber gewiss um so gewöhnlicher unter dem volke, noch im volkslied des 16. jh. sehr beliebt wie eben auch adelich:
diu keiserlîche meit (Kriemhilt).
roseng. 1946;
der kaiserlichen magt.
hürnen Seifrid str. 37;
das kaiserlich weib.
Hätzl. 175ᵃ, das herrliche;
das mügen ja treffliche und billich keiserliche tichter und schreiber heiszen. Luther 5, 290ᵃ;
denn länder schenken wird er (Wallenstein) seinen freunden
und treue dienste kaiserlich belohnen.
Schiller 391ᵇ;
hier in Königsberg wurden von mir und vielen andern ... wahrhaft königliche und kaiserliche tage verlebt (anfang 1813). Arndt erinn. 180, er liebte diese wörter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 43, Z. 22.

kaiserling, m.

kaiserling, m.
1)
geringschätzig verkleinernd, wie dichterling von dichter: die letzten römischen kaiserlinge. C. Fr. Cramer menschliches leben, 16. stück s. 193, aus dem dän. des Baggesen (labyrinth); wie uns die münzen dieser so sehr erniedrigten (spätrömischen) zeiten den deutlichsten beweis geben (vom verfall der kunst), wo eine unzahl kaiser und kaiserlinge sich nicht entehrt fanden, in der fratzenhaftesten gestalt auf den schlechtesten kupferpfennigen zu erscheinen Göthe 43, 398.
2)
eine art guter pilze. Hohberg 1, 518ᵃ. Frisch 1, 496ᵃ aus Alberus, auch herrenpilz genannt (vgl. gramm. 3, 782). auch die primula farinosa, s. kaiserlein. Der personenname Keiserling ist wol nd. keiserlink kiesel, hochd. Kiesling.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 43, Z. 71.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
kammervogtei
Zitationshilfe
„kaiserlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaiserlich>, abgerufen am 19.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)