Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaiserthum, n.

kaiserthum, n.
mhd. keisertuom. 1) kaiserwürde: in dem funfzehenden jar des keiserthums keisers Tyberii. Luc. 3, 1; durch den abgang des deutschen kaiserthums von der spanischen monarchie. Schiller 799ᵇ. 2) kaiserreich: Frankreich ist nun wieder ein kaiserthum; Deutschland war ein wahlkaiserthum. 3) kaiserstaat:
on das man in Europa syt
verloren hat in kurzer zyt
zwei keyserthuͦm, vil künigrich.
S. Brant narr. 99, 33;
aus landen (wird) ein königreich und keiserthumb, aus keiserthumen die welt. Garg. 65ᵃ (108); in dem griechischen kaiserthume hatten sich ... verschiedene secten erhoben. Schiller 821ᵇ. 4) die verschiedenen bedeutungen oft verflieszend: das hiesze warlich Christum unsern herrn, die ganze christenheit sampt dem ganzen keiserthum ... wolfeil verkauft. Luther 8, 94ᵇ, 'religion, kirche und staat' würde man jetzt sagen, das letzte zugleich als 'Deutschland' gemeint; wolt papst Leo der zehende i. j. 1515 könig Francisco in Frankreich ... das keyserthum Constantinopel schenken. Fischart bien. (1588) 143ᵃ;
ich musz auf éinen zug die schönste frau
der erde und ein kaiserthum mit ihr
gewinnen.
Schiller 585ᵇ.
In königthum gilt eignerweise nur die erste bed., in fürstenthum fast nur die zweite und dritte; hier sagt man für 2. 3 lieber kaiserreich, kaiserstaat, für 1 kaiserherrschaft, kaiserwürde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 46, Z. 33.

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Zitationshilfe
„kaiserthum“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaiserthum>, abgerufen am 19.10.2021.

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