Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kalbsauge, n.

kalbsauge, n.
1)
oculus vitulinus, auch von menschlichen augen mit stierem, dummem blick, oder von solchen, die weit vorstehen, nl. kalfsoogen: mit kalbsaugen anschauen oder ansehen wie eine kuh ein neues thor ansiht. Luthers tischr. 155ᵃ. 298ᵇ;
du aber lasz stets auf und nider
beide kalbsaugen umbher schieszen,
acht nit wen solches möcht verdrieszen.
Scheit grob. A 4ᵃ;
mach deine kalbsaugen auf! Gotter 3, 494; nach der probe entschuldigte er sein schlechtes lesen gegen mich, worauf er ein compliment erwartete. ich sagte, das lesen würde nicht gefehlt haben und ich fürchtete, dasz es am buchstabieren gelegen hätte, worauf er ein paar kalbsaugen machte. Zelter an Göthe 241.
2)
ebenso heiszen das gänseblümchen, chrysanthemum leucanthemum, eine schnecke, helix glauca, ein edelstein, molochites.
3)
ausgeschlagene 'eier auf butter', ovum oculatum, kalbesaugen Trochus prompt. Leipz. 1517 Q ijᵃ, noch wetterauisch, s. Dief. 404ᵃ, wie anderwärts ochsenaugen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 59, Z. 23.

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Zitationshilfe
„kalbsauge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kalbsauge>, abgerufen am 28.10.2021.

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