Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kalender, m.

kalender, m.
s. calender 2, 602; man sprach auch collender: ein vasznachtliet, der collender zu Nürnberg genant. Rosenblüt fastn. sp. 1103 ff., colender Kolm. meist. 96, 30; auch kalander, wie nachher Waldis. weiteres über den gebrauch: wir wöllen hernach euch solcher tugendt ein kalender stellen, das ihrs greifen sollet, das wir euwern misbrauch hierin verstanden haben. Luther 5, 85ᵃ, register zum nachschlagen, was gut und böse sei; wenn er zurück gienge und lese sein eigen kalender und register, wie er gelebt habe von jugend auf, da würde er ein legend hören, das im grawen möchte. 5, 431ᵃ, man trug sich allerhand in den kalender ein zum gedächtnis; denn seiner (landgr. Philipps) sünden sind viel am tage ... wie er mit Goslar, dr. Embeck etc. hat handeln lassen, solchen calender er am besten weisz. 8, 251ᵇ. daher einem den kalender lesen, wie den text, die epistel u. ä., sein sündenregister vorhalten:
führt sie (der geier die geladenen vögel) mit im ins haus hinein,
hin in die kammer nach einander,
da las er inen den kalander,
das ire keine wider kam,
in alle sampt das leben nam.
Waldis Es. 1, 79, 14.
furnemlich asz er gern die weinziehende fisch, auch on ein Zürchischen kalender (gesundheitskalender), es wer im wolf- oder schafmonat. Garg. 43ᵇ (67); auch meim hern dem pfarrher (bei der messe) sein hemb hinden aufheben, als ob man ime seinen allmanach oder kalender begucken solt, ime ein cliestier von hinden einzugeben. bienenk. 158ᵃ (1588 173ᵇ), bei Marnix 163ᵇ synen almanack bekijken, das scheint der gesundheitskalender an den leib versetzt. bei allen heiligen im calender! Garg. 149ᵃ (274). schuszwunden die dir ein paar knochen zersplitterten, und nachdem sie kuriert waren, einen ewigen kalender in den wieder verwachsenen knochen zurück lieszen. Lessing 2, 533, natürlichen witterungskalender.
ist ihr (der dichter) kalender voll von freuden oder klagen,
so pflegen sie ihr lied dem eichbaum vorzusagen.
Zachariä verwandl. 2, 81.
in den kalender kommen, zur unterhaltung, als beispiel, als anecdote in den volkskalender: thue das geld weg, es könnte sonst noch jemand dazu kommen und lachen über euren streit und ihr kämet noch in den (nächsten) kalender. Gotthelf 2, 116; da würden die leute ja erst recht zu reden haben und wir kämen das andere jahr in den kalender. 2, 373;
so schwatzt vernunft, die allzeit blind gewesen
(die todten kämen nicht wieder),
ich glaub indes, was mein balbier bezeugt,
was wir im Faust und im kalender lesen,
und kein kalender leugt.
Uz 1, 199.
Der alte und neue kalender, der julianische und gregorianische, dieser hiesz lange der verbesserte:
im kalender auch ein streit ist,
der neu kalender als ich sag
gfällt allweg eh um zehen tag,
Luther und Calvin die zween man
wöllens zehen tag später han.
spruch von 1619, Scheible flieg. bl. 208.
der hundertjährige, der immerwährende kalender. witterungskalender: die wassergruben zu St. Stephan gegen Sanenland in der eidgenoszschaft, welche die leute vor einen calender brauchen, weil das wasser trüb wird wann es regnen will. Simpl. 1, 607. volkskalender, wandkalender, taschenkalender (Göthe 24, 263), bauernkalender, reichstagskalender (Göthe 26, 137), staatskalender, adresskalender, naturcalender Hagedorn 3, 113, gartenkalender, geschäftskalender, schreibkalender u. a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 62, Z. 38.

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Zitationshilfe
„kalender“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kalender>, abgerufen am 16.10.2021.

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