Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kalk, kalch, m.

kalk, kalch, m.
calx, aus dem lat. wort nach den casus obliqui, mit der sache von den Römern gelernt; ahd. chalch, chalh, mhd. kalc kalkes, nd. nl. (f.) dän. schwed. kalk, ags. cealc (engl. chalk ist aber kreide); auch kelt., ir. cailc f. (wie nl.), korn. calc, welsch calch m., und litt. kalkes pl., lett. kalkis, wend. kalk. Die form kalch, die jetzt in der schrift nicht mehr geduldet wird, ist doch völlig berechtigt, so gut wie kelch (s. K 2, e), es haben sie noch Klinger 6, 188, mahler Müller 3, 211, Göthe brieflich 1784 (an Carl August, 28. oct.), J. v. Müller 24, 111. 181, Pestalozzi 1, 65, Lichtenberg (1800) 2, 357 verkalcht. von den wbb. haben nur kalch voc. inc. teut., Dasyp., Maaler, Schönsleder, Denzler, kalk und kalch Stieler, Steinbach, Frisch. die mundarten, ober- und mitteldeutsche, halten fast durchaus an kalch fest. doch geben vocabb. des 15. 16. jh auch kalk, so bei Diefenb. 111ᵇ. 92ᵃ, auch die Leipz. gemma 1501.
1)
gebrannter kalkstein, wie er im gewerbsleben gebraucht ist, bes. bei maurern, tünchern, gerbern.
a)
maurerkalk u. dgl.: soltu grosze steine aufrichten und sie mit kalk tünchen. 5 Mos. 27, 2;
die Türken fewr worfen,
desgleichen stein und kalk.
Körners hist. volksl. 272;
denn wenn der nicht käme mit sand
und nicht jener mit kalke,
so stünde nicht diese wand.
Rückert 149.
(steine zu) kalk brennen; den kalk löschen, gelöschter, ungelöschter kalk calx viva, letzterer auch lebendiger (Megenberg 443, 21): nimb lebendigen kalk, der ausz kisselstein gebrant sei. Fronsp. kriegsb. 1596 2, 149ᵃ. den kalk anmachen, z. b. mit sand mengen zur darstellung des mörtels; aber der mörtel wird nach seinem hauptbestandtheil auch kalk genannt (15. jh. 'cementum' Dief. 111ᵇ); ebenso die tünche, kalkbewurf: der kalk fällt ab. vom gips weiszer kalch, gypsus. Dasyp. 360ᶜ. 90ᵈ. dazu steinkalk, muschelkalk, marmorkalk, gipskalk (auch trockner kalk, bindekalk, sparkalk), ferner streichkalk, sandkalk, mehlkalk, lederkalk u. a.
b)
sprichwörtlich, vom tüncherkalk:
pfeffer, kapp und kalk
decken manchen schalk.
Schottel 1136ᵃ, vgl. Lessing 11, 669;
der argwon ist ein böser schalk,
drumb tünche nicht mit solchem kalg.
Birck ehespiegel 131,
diese form kalg auch in vocc. Diefenb. 92ᵃ. 111ᵇ, bei H. Sachs (s. 1, 584); wer nicht kalk hat, der musz mit kot mauren. Luther 6, 141ᵇ; wer nicht kalk hat, der mauret mit dreck. 3, 356ᵇ, musz mit leimen maurn Schottel 1146ᵃ, mit gift Simr. 5384.
c)
als gift:
auf dasz nit mer das brot so guͦt
nach ungerischen siten
mit kalk werde vergiftet gar.
Soltau 322;
sint dat nicht böse stücken,
dat ungelöschet kalk
mankt brot dar wurt gebacken,
darmit umbrocht vel volk?
Uhland 942;
se leten eme ber brouwen
van kalk un ok van melle.
970,
vgl. Falstaffs beschwerde: du schurke, in dem glase sekt ist auch kalk (engl. lime). Heinrich IV. 1. th. 2, 4.
d)
tünche bildlich:
si solten geben ê dem lobe dër kalc wære abe getragen.
Walther 28, 30;
der kalk ist ihr ziemlich abgefallen, ihre schönheit verblüht. Stieler 917. er gibt es auch für schminke:
und schätzt man noch den kalk der weiszgeschmünkten wangen?
Gryphius (1663) 502.
2)
im weiteren sinne in der chemie und mineralogie, als wissenschaftlicher begriff oder gattungsname. Jurakalk, urkalk, flötzkalk, körniger, metallischer kalk; hier so wie schon drüben über der Donau sieht man viele abgerundete geschiebe, aber alles kalk wie die felsen selbst. Göthe 43, 146; wahrscheinlich sind auch die felsen in der mitte des sturzes kalk. 43, 155. medicinisch:
kalk der schwiert ihm aus der haut.
Logau 3, 9, 90, s. kalkbeule.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 64, Z. 42.

kalken

kalken,
mhd. kelken wb. 1, 780ᵇ, kelchen cementare Mones anz. 7, 301; kalk brennen Stieler 918, gewöhnlich tünchen. das., Frisch 1, 497ᵃ (kalchen), nl. kalken, dän. kalke, schw. kalka: sie (die zimmer) haben gekalkte wände. Freytag soll u. h. 2, 271. bei den gerbern gekalktes leder, im kalkbad liegend von den haaren befreit, vgl. kalkbrühe. nd. kelken, z. b. den roggen, mit kalk bestreuen. Schambach 98ᵇ. vgl. auskalken, bekalken, bekelken, einkalken, auch kölchen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 65, Z. 80.

kolken

kolken,
1)
ingurgitare, torqueri Stieler 684. 942, vom strudeln im wasserstrudel, vgl. kolk 3, strudel.
2)
allgemeiner bei Campe, von dem klange der z. b. beim schlucken von wasser, beim laufen der pferde in deren bauche hörbar wird. daher auch kolken rülpsen Hennig preusz. wb. 130, nd. verstärkt kolksen, kölksen sich brechen Danneil 112ᵇ.
3)
das seltne wort (öfter kolkern, s. d.) erscheint wie klangmalend, gleich klucken, kluckern in gleicher bed. (Frisch 1, 357ᵇ braucht selbst ein lat. culcus schluck, finnisch heiszt kulkutan sich gurgeln, vgl. unter klucken 2, d). mit andrem wurzelauslaut heiszt es aber auch kolpern (s. d.), sodasz kolk- und kolp- auf älteres kol- zurückweisen mögen, und wirklich heiszt es auch kollern (sp. 1619). bezeugt ist die erste form schon im 15. jh., gut hd., in golkatzen gurgulare Dief. 271ᵃ, wie gulken Stieler, Frisch. s. auch kölkern, kulken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1613, Z. 51.

kulken

kulken,
seihen, md. 14. jh.: ir kuͦlkit uʒ eine muͦckin. Beheims evang. Matth. 23, 24, vulg. excolantes culicem. vielleicht zu kolken, das auch gulken heiszt (s. dort 3), zugleich mit anlehnung an das lat. wort; das durchseihen gibt unter umständen einen 'kolkenden' klang. vgl. gasterium vitreum, ein kulchgles Trochus S 3ᵇ ? unter vasa potoria, glasflasche mit engem halse? vgl. kutrolf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2585, Z. 74.

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„kalk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kalk>.

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