Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kalt, m.

kalt, m.
d. i. ghalt, behältnis, behälter, schweiz. Tobler 93ᵇ, Stalder 2, 15, pl. kält, kälter, schwäb. Schmid 256; kalt schon bei Mone altd. schausp. 500; vgl. kalter. dazu kalten aufbewahren Tobler, mhd. gehalten. vgl. kaltmaut.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 74, Z. 27.

kalt

kalt,
frigidus, gelidus, algidus. goth. kalds, ahd. chalt, mhd. kalt; alts. altfries. cald, mnd. kalt kaldes, nnd. kolt koldes, götting. kôld und kâld; mnl. cout coudes, nnl. koud; ags. ceald, engl. cold; altn. kaldr, schwed. kall, dän. kold. der stamm zeigt sich noch in verbalform, ganz alterthümlich nach form und sinn, im altn. kala frieren, das stark ist nach 5. conj. (praet. kôl, s.kühl): mik kell mich friert, part. kalinn durchkältet, erfroren; auch ags. ein schwaches caljan, âcaljan frigescere. Urverwandt entsprechen lat. gelare gefrieren machen, litt. szála es friert, inf. szálti, lett. sallu, salt, und dem adj. litt. száltas, lett. salts, vgl. lat. gelidus; skr. ǵala kalt, kälte Bopp gl. 136ᵇ. verwandt klingen auch altsl. chlad'', poln. chłod, russ. cholod'', sloven. hlád, böhm. chlad kälte, kühle, böhm. chladný kühl, frisch, chladnouti erkalten u. s. w. (s. gesch. d. d. spr. 326), doch nicht so unmittelbar, vgl. Diefenbach goth. wb. 2, 438; das. weitere vergleichungen 'in labyrinthischer mannigfaltigkeit', merkw. auch finn. kalsia und kalpia kühl, kalt Renvall 1, 155, kalpistun frigesco u. a., vgl. kylmä kalt 243ᵃ, esthn. külm, lapp. kalma, dazu kaͦlot frieren u. a. Die bildung von kalt im verhältnis zu kala sieht einer uralten participialbildung gleich und erinnert an alt im verhältnis zu goth. alan wachsen (s. 1, 262), wert zu mhd. wëren (vgl.'währung'), kund zu mhd. kunnen wissen, nur dasz diese goth. þ statt des d in kalds haben, alþeis, vaírþs, kunþs, mhd. d, entsprechend dem t, τ im lat. part. und gr. adject. verbale, das auch in litt. száltas sich zeigt. von weit jüngerer particip. bildung sind, doch ähnlich todt, traut; s. auch dicht, wund, laut. Kalt ist gegensatz von warm wie von heisz, die noch zwei verschiedne abstufungen darstellen, während kalt die beiden entsprechenden stufen auf seiner seite in sich vereinigt; doch hilft oft kühl aus als mildere stufe von kalt, wie lau von warm, kühl ist von gleichem stamme mit kalt.
1)
Sinnlich, von luft, wetter, darnach von den äuszern dingen überhaupt, die selbst erkältet auch kältend auf uns wirken.
a)
unpers. es wird kalt, der winter meldet sich; es ist schon recht kalt drauszen, im freien; schüre das feuer, es wird kalt in der stube; mach die thüre zu, es geht mich kalt an; es ist mir, wird mir kalt;
ich weisz nicht was ich wil, ich will nicht was ich weisz,
im sommer ist mir kalt, im winter ist mir heisz.
Opitz 2, 223 aus Petrarca,
vgl. unter 2 und kalt n. verstärkt: es ist schneidend kalt, durchdringend, eisig, grimmig kalt (Garg. 216ᵇ ein herr von Bitterkalt), alte und neue volksmäszige verstärkungen der art s. gramm. 2, 564. Fromm. 5, 191. 1, 232ᵇ; hier ist es so strenge kalt, dasz ich nicht einmal gern an das fenster trete. Lessing 12, 284; es ist so kalt dasz die elster auf dem zaun flötet (Simrock spr. 5386), dasz die wagenräder singen, dasz es klingt (vgl. kälte 1), dasz die rinde an den bäumen knackt (Schambach u. Müller nieders. sagen s. 193); in diesem grimmkalten wetter. Schiller bei der Wolzogen 185; wir konnten aber kaum einige minuten dauern (auf dem St. Gotthard), so durchdringend und angreifend kalt ist es. Göthe 16, 301; kalt und licht ists in meinen feldern. an frau v. Stein 1, 159;
im kalt gefrornen feld.
Soltau 2, 380.
b)
kalte luft, jahreszeit, witterung, kalte nächte:
und kalt her bläst es aus dem Wetterloch.
Schiller 517ᵃ;
da sitz ich armes armes kind
im kalten abendhauche.
Hölty 203;
wenn von nordes kaltem hauch
blatt und blume sich entfärben.
Schiller 54ᵇ;
im winter ist ein kalte zeit,
dasz man nit vil zuͦ velde leit.
Uhland volksl. 565;
der kefern die sich an die zeune lagern in den kalten tagen. Nahum 3, 17. der kalte jahrmarkt heiszt daher an manchen orten der vor oder in dem winter abgehaltene, wie die kalte kirchweih (michaelismarkt) zu Amberg Schm. 2, 329, der kalte jahrmarkt zu gleicher zeit in Arnstadt, es gibt ortsnamen Kaltenmarkt, Kaltemarkt; das ander new (neumond) wird am kalten montag, als die fraw den belz verprent zuͦ mitternacht am sonnenschein. lasztafel des dr. Grillen Aij, im febr., entlehnt von Fischart groszm. 627 Sch. (wie der ganze inhalt der lasztafel).
der reif und auch der kalte schne
der tut uns armen reutern we.
Uhland volksl. 383;
ach aus dieses thales gründen,
die der kalte nebel drückt ...
Schiller 47ᵇ.
c)
von dingen die die kälte halten: das kind sasz zitternd auf den kalten marmorstufen; die wohnung hat einen kalten fuszboden; eine kalte stube, die sich schwer heizen läszt. kaltes eisen u. dgl., ein Heinrîch Kaltîsen schon im habsb. urbarb. 266. 267; in Ostfriesland heiszt ein eiserner handgriff der am herde hängt, zum abheben heiszer töpfe, die kolle hand, kolle fûst. Stürenburg 119ᵇ. mit besonderm nachdruck aber, wo es gebraucht wird einen 'kalt zu machen', im gegensatz zum warmen leben: die im ... den kopf hetten uber ein kalte klingen lassen hüpfen. Luther 3, 46ᵇ; ehe er sich aber versahe, wurde ihm ein kaltes eisen durchs herz gestoszen. Schupp. 131;
es reisz ein kalter stahl den heiszen fürsatz ein.
Hoffmannswaldau;
der mirs nachtrüge und mir wohl gar einen fang mit dem kalten eisen gäbe. Chr. Weise erzn. 207;
d)
vom wasser:
und der kalten tief' entschlüpfend
spielt der fisch im sonnenschein.
Hölty 156;
ins kalte bett des meeres.
Schiller 59ᵇ.
kaltes bad Göthe an fr. v. Stein 1, 135, mit adv. kalt baden, adj. das kalte baden, auch kaltbaden; das bad ist zu warm, giesz etwas kaltes zu. ein glas kaltes wasser. daher kalte umschläge, auf wunden u. dgl.
e)
daher auch von erfrischender kälte, wie kühl:
ob einem brunnen kalt
erstach in der grimmig Hagen
dort auf dem Ottenwald.
hürnen Seifrid (Nürnb., Kunig. Hergotin) str. 177,
wie in den Nib. 910, 2. 860, 3 zuo eime kalten brunnen;
grün ist der walt,
das brünnlein das ist kalt.
Uhland volksl. 99;
die aue hier, durchnäszt mit so viel kalter brünnen (quellen),
sie bringt gesundes gras und feisten klee herfür.
Fleming 656.
daher die häufigen ortsnamen dativischer bildung Kaltenbrunn, Kaltenborn, engl. Colburn; vgl. auch Kaltenstein, Kalthofen, Kaltenthal, Kaltenkirchen, Kaltennordheim, Kaltensundheim (zum unterschied von anderen Nordheim u. dgl., im gebirge), Kalthausen, mehr zu b gehörend. so auch kalter wein:
die bürger uns müssen schaffen
gut bier, kalten wein und waffen.
Soltau 2, 354 (a. 1628);
sogar der mai hiesz in diesem sinne 'kalt':
er wart erküelet unde kalt
alsam ein süeʒer meien tou.
Pantaleon 1342 (Haupt 6, 231);
kolt ist der mei,
ich hoer die froe nachtegal singen.
Uhland volksl. 87,
in der niederländ. fassung das. 88 coel is den mei.
f)
von der erde, besonders in bezug auf das grab:
keime die dem auge starben
in der erde kaltem schosz,
in das heitre reich der farben
ringen sie sich freudig los.
Schiller 55ᵃ;
todt, Lotte! eingescharrt der kalten erde, so eng, so finster! Göthe 16, 179;
kalt wehn des grabes schrecken.
Matthisson (1797) 73;
ich dachte nun erst warm im alter dich zu pflegen,
und musz statt aller pfleg ins kalte grab dich legen.
Rückert lehrged. 11, 7.
g)
im besondern gegensatz zu feuer, hitze, wärme, z. b. ein kalter schlag, donnerschlag der nicht zündet; leg nach, der ofen wird schon wieder kalt; er läszt den ganzen tag die pfeife nicht kalt werden, raucht ohne aufhören; isz doch und lasz die suppe nicht kalt werden, ein fall wo im frauenmunde oft ein noch ziemlicher wärmegrad 'kalt' heiszt;
der leim wird kalt, die farbe flieszt nicht mehr.
Göthe 13, 136.
α)
so besonders kalte speisen, getränke, kalte küche, kalter braten, 'kalt gebratenes' reliquiae Stieler 919:
dô brâht man spîse manicvalt,
beide warm unde kalt.
Haupt 5, 436;
die speis ist kalt, der wein ist warm,
er ist ein wirt das gott erbarm.
Ambras. liederb. 130, 18.
kalte schale (s. kalteschale), kalter punsch.
β)
im hüttenwesen den ofen kalt thun, das feuer mäszigen. das eisen kalt schmieden, hämmern, vgl. kaltschmidt; beim schmidt, die bälge blasen kalt, fachen nicht gehörig an; kalt vergolden, kalte vergoldung, ohne feuer; bergm. kalt keilen, ohne sprengung mit pulver; kalte seifen, ohne sieden bereitet, u. dgl. mehr. kaltes lager, kaltes silber, s. kaltlager, kaltsilber.
γ)
kalte fährte bei den jägern (auch alte, vornächtige oder spatfährte), die über einen tag alt ist, keine witterung mehr hat, die witterung als ein theil lebenswärme vom wild gedacht.
δ)
scherzhaft 'kaltes holz', nicht gebranntes, wie ähnlich ungebrannte asche (1, 581):
fehlt dirs im magen oder därmen?
wil dirs bei kaltem holz wol wärmen.
Wolgemut 2, 228,
d. h. mit dem prügel. ein witzwort sogar bei kaltem feuer kochen, sich in lächerlicher weise umsonst bemühen, in einem liede von Jörg Graff weist ein mädchen den buler ab:
zeuch ab, dein buͦlen ist verlorn,
du kochst bei kaltem feure.
Weimar. jahrb. 4, 441.
2)
Vom menschen, körperlich,
a)
im gegensatz zur lebenswärme:
bin ich gleich ziemlich alt,
doch ist mir weder herz noch hand noch finger kalt.
Rachel 8, 304;
weil du schwach wirst, alter greis,
weil dein kaltes haupt beschneiet.
Tscherning frühl. 238;
ja manches jahr verschwand,
wir werden täglich älter,
bald liebt man warm gewand,
an haupt und fusze kälter.
Voss (1825) 3, 221.
sprichwörtlich 'kalte hände warme liebe', daher in einem hochzeitgedichte als schrauberei:
bald fraget der und die, was sie im bette machen?
da sind die hände kalt, da sind die lippen blasz.
Picander ged. 1, 301.
vom ganzen menschen mir ist kalt: alter, wie gehts? ist euch kalt? Claudius 4, 57, so schon mhd., s. nachher aus den fundgr.; auch ich habe kalt, s. das subst. kalt n.
plötzlich fühlt ich mich
von hinten angefaszt mit kalter (gespenstischer) hand.
Schiller 400ᵃ;
eine gestalt wie diese ziehe den vorhang von deinem bette wenn du schläfst, und gebe dir ihre eiskalte hand. 213ᵇ.
b)
schrecken, angst zeigen sich mit plötzlicher kälte:
nâch dem (ähnlich wie) diu erde und ouch der snê
des nahtes kelter wirt dan ê,
alsô wirt sîn herze des nahtes kalt
von swinden sorgen manicvalt.
Hugo v. Trimberg 7662;
da packte mich ein kalter schauer;
si verstund irs herren wesen (erfuhr ihres gemals zustand),
ir herz ward ir gar kalt.
Uhland volksl. 786;
da ward dein (Marien) herz in trauren kalt.
Hätzl. 305ᵃ;
'und Robert?' fällt der graf ihm ein,
es überläuft ihn kalt —
Schiller 69ᵃ;
da sitzt meine mutter auf einem stein,
es faszt mich kalt beim schopfe!
Göthe 12, 245.
Daher heiszen schrecken, angst u. dgl. selbst kalt:
wer gott zum freunde weisz,
dem macht kein schrecken kalt, kein trübsalsfeuer heisz.
Fleming 130,
zu der wendung mir ist kalt, wird kalt gehörig, s. das kalt. kaltes grausen Schiller 427ᵇ;
welch kalter schauer
befällt mich! Daja! meine stirne, sonst
so warm, fühl! ist auf einmal eis.
Lessing 2, 204;
da packt die andern kalter graus,
sie fliehn in alle welt hinaus.
Uhland ged. 399.
Angst äuszert sich in kaltem schweisz: Kain stand in betäubendem schrecken todtblasz, kalter schweisz umflosz die bebenden glieder. S. Geszner 1, 158;
im ohr ihm donnerts wie krachend eis,
wie die well umrieselt ihn kalter schweisz.
G. Schwab, reiter und Bodensee.
durch senen (liebessehnen) komt mir kalter schwaisz,
ir gebt mir frost und macht mir haisz.
Hätzl. 190ᵃ.
c)
im fieber wirds einem kalt und warm, kalt und heisz, auch in aufregung des gemüts:
im was haiʒ unde chalt.
fundgr. 1, 172, 17;
die mutter mochte sagen was sie wollte, es machte ihr weder kalt noch warm. J. Gotthelf ges. schr. 3, 270, 'rührte' sie nicht. daher kaltes fieber, auch schlechthin das kalte, s. d. krankheiten sind auch die kalte pisse, s. kaltseich, kalter brand gangraena, sideratio Stieler 228.
d)
kalt, leer von liebesglut:
die (damen) tügen nicht hieher
und ihres bettes halb (hälfte) bleibt billich kalt und leer.
Logau 2, s. 13;
und wenn dein kalter leib sich schwer und einsam welzet.
Günther ...;
jetzt musz mein junger gerader leib
erwermen das alte kalte weib.
Ambr. lb. 206, 38;
die kammer war öde, das bette war kalt.
Bürger lied von treue;
kalt und einzig (einsam) ligen.
Murner geuchmatt n 4ᵇ;
küsse mich, sonst küss ich dich!
o weh! deine lippen sind kalt!
Göthe 12, 241.
e)
als zeichen des todes:
des gebeine sach man starren
als einer kalten lîche.
Servat. 3183;
manec heidensch herze, diu noch warm
sint, diu werdent drumbe kalt.
Wolfram Wh. 150, 17;
hu! wie das eiskalt durch meine adern schauert (vom nahen tode). Schiller 212ᵇ;
den tod hab ich im spiegel gsehen,
mich hat erschreckt sein grewlich gstalt,
dasz mir das herz im leib ist kalt.
Basler todtentanz Haupt 9, 344;
die kalten glieder des unglücklichen geschöpfs verkälteten ihren busen bis ins innerste herz. Göthe 17, 361; er faszt ihre hand an und läszt sie schnell wieder fallen: 'kalt, kalt und feucht, ihre seele ist dahin'. Schiller 213ᵃ; die wohlthat die man mit kalter hand (im abscheiden aus der welt durch ein testament) beweist. Kant 5, 291. so vom ganzen menschen, vgl. todtkalt: mein man war kaum kalt und begraben. Simpl. 2, 138;
Achilles selbst wurd zeitlich kalt.
Drollinger 175 (Hor. carm. 2, 16, 29);
einen kalt machen, kalt legen, würzb. jagdverordn. v. 1770 bei Schm. 2, 293; vom tode kurfürst Moritzens von Sachsen,
ists nicht elend das er so balt
durch diesen krieg solt werden kalt.
Wolff hist. volksl. 402;
in höchstens drei tagen musz er kalt sein (Fiesco ermordet). Schiller 146ᵃ; Francisco ist kalt und Caesar lebt. Klinger 3, 232;
mein kind, du wagest dich so kühnlich in den wald,
als ob kein tieger um uns wohne:
ersieht er dich, so bist du kalt,
so sagt ein reh zu seinem sohne.
Lichtwer fab. 3, 17;
er nahm sie gleich in seinen arm,
da war sie kalt und nicht mehr warm.
Hoffmanns schles. volksl. 281;
ihr herz war kalt und nicht mehr warm.
283.
f)
so heiszt denn auch der tod kalt, wie das grab, und hat eine kalte hand (vgl. myth. 808): sprichwort warm ist das leben, kalt der tod. Simrock 11185:
der tod nimpt weder gift noch gabe,
das er vor dem reichen uberdrabe.
könig, keiser, arm, reich, jung, alt,
weib, man, grosz, klein frist der tod kalt.
Agricola sprichw. Wittenb. 1582 267ᵃ;
freudig eil ich in dem kalten tode
auszulöschen meinen flammenschmerz.
Schiller 5ᵇ;
ihr wart an mich geknüpft durch ein natürlich band,
das aber hat gelöst des todes kalte hand.
Rückert lehrged. 6, 13.
g)
dem gegensatz der natürlichen lebenswärme verdankt wol auch der ausdruck kalter bauer seinen ursprung, worüber s. 1, 1175 fg. kalte bulschaft sollte der teufel mit den hexen treiben: dasz sie mit ihm die kalte bulschaft getrieben. P. Wigands denkwürd. aus d. archiv des reichskammergerichts s. 308.
h)
dasselbe bildlich scheint bergm. kaltes gestein, das vor dem fäustel und der brechstange keinen klang giebt, wie 'todtes'.
3)
In anderm, einer art mystischem sinne nannte man im mittelalter und nahe bis an die neuerer zeit heran menschen und dinge kalt (und heisz, trocken oder dürr, feucht oder nasz), in der alten natur- und gesundheitslehre, die das natürliche leben auf einwirkungen geheimer kräfte in den elementen oder sternen zurückführte (vgl. Megenberg unter f). diesz wunderliche, in seiner geschlossenheit selbst bewundernswürdige system der geheimen wissenschaft durchzog aber auch die gedanken des volkes so tief, dasz in der sprache allenthalben die wirkungen und spuren davon auftauchen, schon mhd. und noch im 18. jh.
a)
die elemente. nach der Meinauer naturlehre z. b. (14. jh.): diu erde ist von ir natûre durre unde kalt, das wasser ist kalt unde fiuhte, die luft warm unde fiuhte, das feuer durre unde warm, s. Wackernagels leseb. 1, 769 (907) ff., und diese vier grundeigenschaften in verschiedener verbindung durchziehn nun den ganzen makrokosmus und mikrokosmus, als gründe aller erscheinungen:
diu erde ist trucken unde kalt.
welsch. gast 2287;
der luft ie warm und viuhte sî,
daʒ waʒʒer kalt und viuht, hân ich gelesen.
Frauenlob spr. 240, 5;
es ist keine werme in dem wasser, sonder es ist von natur kalt und feucht. Pantaleon beschr. von Baden 1578 s. 61. 62.
b)
die gestirne, namentlich die damaligen 'planeten':
Saturnus ain stern bin ich genant,
der höchst planet gar wol bekant,
naturlich (gleich 'von natur' vorhin) bin ich truken und kalt
mit minem würken manigvalt.
planetenbüchl. des 15. jh., Bechsteins deutsch. mus. 1, 246 (vgl. Serap. 3, 185);
feucht und kalt dagegen sind Venus, der mond:
fucht und kalt bin ich (Venus) mit kraft (wirkung).
250;
kalt und fucht min (des mondes) würken ist.
251
auch Thomasin führt das aus:
geheiʒen ist Venus der vumft (planet),
kalt und naʒ ist sîn kumft.
welsch. gast 2372,
Jupiter, Mercur sind heiʒ und naʒ, Mars und die sonne heiʒ und trucken; doch streitet er schon wider mystische, unverständliche auffassung der sache:
ein sterne heiʒet dâ von kalt,
daʒ er hât den gewalt,
daʒ von im kelte geschiht,
dehein sterne ist (an sich) kalt niht.
2381 ff.
auch Wolfram legt sich die lehre verständig aus:
si (die planeten) warment unde kaldent,
etswenne 'ʒ îs si schaffent,
dar nâch si boume saffent.
Willeh. 309, 24,
bringen winter und sommer. auf diesen geheimen einflusz der gestirne beziehen sich dann auch äuszerungen wie diese:
swem die sterren werdent gram,
dem wirt der mâne lîhte alsam:
ich vürhte niht des mânen schîn,
wil mir diu sunne gnædic sîn.
Freidank 108, 5, vgl. d. anm.
noch im 17. jh. und wol länger, z. b.: Saturnus der erste und höchste (planet) ist herbe, kalt, tunkel, und machet das begehren und anziehen, dan er ist die schärfe. J. Böhme dreif. leben des menschen (1682) s. 153, cap. 9, 55, vgl. Logau sp. 80. Fischart erwähnt auch kalte cometen groszm. 563 Sch. Auch die vier jahreszeiten haben ihre art daher: nach den vier elementen ist auch daʒ jar in viere (mhd. in vieriu) geteilet. daʒ erst tail ist der sumer, der ist trockner und haiʒer natur und geleichet sich dem feur. daʒ ander ist der lenz, der ist haiʒer und fäuchter natur und geleichet sich dem luft. daʒ dritte ist der winter, der ist kalter und fäuchter natur, als daʒ waʒʒer. daʒ vierd ist der herbst, der ist kalter und trukner natur, als die erde. kräuterbüchlein des 14. jh., anz. des germ. mus. 1854 sp. 185.
c)
die wirkung dieser kräfte oder 'naturen' wie sie das. 184 auch heiszen, spricht dasselbe kräuterbuch klar aus: von den vieren habent ir natur alle geschepht gots, und der mensch hat aller der natur iegleichs (gen.) ain teil an ime, etliches mer, etleichs minner; wan er aller vier an im hat, so haiʒet er microcosmus. das. 185, und dann, auf die temperamente übergehend: die erst (natur) haiʒet colera, die ist haiʒ und truken, die ander sangwis, die ist haiʒ und fäucht, die dritt flegma, die ist fäucht und kalt, die vierd melancolia, die ist kalt und truken, und das gilt nicht vom menschen blosz, denn von disen vier naturen ist geschaffen alleʒ daʒ in der welt ist u. s. w. das erwähnte planetenbüchlein führt das auf die wirkung der planeten zurück, Saturn z. b. spricht:
min kinde (die unter mir gebornen) sind siech, blaich, türr und kalt,
grob, träg, bös, nidig, trurig und alt.
Bechsteins mus. 1, 247.
Die mischung der 'naturen' heiszt lat. complexio, deutsch complex (s. d.), vgl. schon mhd. die vier complexen Frauenlob minneleich 10 s. 26 (s. auch temperament, eig. mittlere, gesunde mischung der elemente). der flegmaticus, homo illius complexionis, ist kalt und feucht gemma voc. Lpz. 1501 L 3ᵇ, in andern vocc. chaltfewchtiger, nd. koltvüchtich Diefenb. 239ᵇ, der melancolicus chalttruckner, kalde und drocken 354ᵃ (colericus truckenhitzig 131ᵇ, sanguineus warmfeuchtig 511ᵃ); ein arzneibuch des 14. jh. widerrät liebesgenusz denen, di kalt unde truken sin, unde ir nirn alsam sin unde mager, di haben luzel samen ... di aber da calt unde vuchte sin, den ist si (die minne) ein teil naturlich (auch denen die heiʒ unde vuchte sind, und 'den heiʒen unde den trucken' wird rat ertheilt). fundgr. 1, 321. aber auch, nach dem vorwiegen einer natur (s. Megenberg 378, 19), kalt, kalte complex: und ist grœʒer bart an den haiʒen mannen dann an den kalten, darumb daʒ mêr dunsts und rauchs in den haiʒen ist wan in den kalten. Megenberg 12, 17 (vgl. gähzornig); also ist auch zuͦ erkennen am tisch der hand (chiromantisch), wann kalte complex mangelt der natürlichen hitz, das macht ein engen mensam, der da bedeüt ein kargen menschen und ein kleinmuͤtigen. planetenbuch Straszb. 1575, Haupt 3, 272; die kalter complexion sind und übel däuen. Hohberg 3, 1, 142ᵇ. auch kalte 'natur', 'constitutio corporis frigida' Stieler 38: die frawen die swarz sint von grôʒer hitz (brünetten) habent peʒʒer milch wan die frawen die weiʒ sint von kalter natûr. Megenberg 25, 12;
von kalter natûre kumt diu erge (kargheit, geiz).
dâ von (deshalb) erwehset ouch ir sterke
swenn der man (mensch) eraltet ist,
wan (denn) er ist kelter zuo der vrist.
daʒ alter grôʒe erge bringet,
der kelt natûre ist daʒ (was) si dwinget.
welsch. gast 13789,
hier zugleich das 'kalte' element selbst, wie vorhin natur;
nun hab ich doch gesehen dick (oft)
suͤsz und gar liepliche (liebevolle) plick,
auch friuntliches treüten
zwischen zwaien leüten,
da ains was haisz, das ander kalt
und an natur ungleich gestalt.
Hätzl. 268ᵃ,
nicht von kälte der empfindung wie man sieht, sondern der complexion, 'natur'; weibervölklein, welches kalter natur ist und hierumb gern den zwilling sucht. Fischart groszm. 571 Sch., vgl. bei Megenberg: darumb auch werdent die haiʒen man kal wenne si unkäusch (subst. fem.) pflegent, aber die frawen kalwent niht, dâ von daʒ si kelterr natûr sint wan die man. 7, 31. noch bei Adelung von kalter natur sein, doch verflüchtigt 'weniger natürliche wärme haben als andere'.
d)
wie das alles weiter auf die beurteilung des gemütslebens wirkte, deuten schon mehrere beispiele vorhin an, es wäre gerade das wert genauer verfolgt zu werden, denn noch unser gebrauch von hitzig, trocken, feucht u. a. auf dem gebiete des gemütes knüpft sich vielfach unmerklich an jene vergessene lehre an: die andren, die ich hab genant verlaszne menschen, sind die da dürr sind und kalt, hert und unandechtig, und deshalb so meinend sie, gott hab sie verlassen in zorn. Keisersberg irrig schaf B 1ᵇ, man bemerke 'dürr und kalt'; bist du faul, treg, traurig im gotsdienst, kalt, unandechtig oder kleinmuͤtig, plug, zuͦ vil forchtsam, so huͤt dich vor zuͦ vil forcht (ängstlichkeit). C 2ᵇ, hier von der stimmung, in der ersten stelle mehr von der complexion. dem kalten in der complexion entspricht schärfe in der gemütsart (s. vorhin J. Böhme u. b, und Thomasins erge u. c), dem warmen güte:
das warm ist menschen mehr als kaltes angeboren:
dem fürsten sei die güt als schärfe mehr erkoren.
Logau 2, 3, 68.
e)
die ärzte machten einen wichtigen gebrauch davon, Brant z. b. spottet einmal der pfuscher in der arzenei, die nichts weiter wissen,
dann was das krüterbuͤchlin lert
oder von alten wibern (haben) hört.
die hant ein kunst, die ist so guͦt
das sie all presten heilen duͦt,
und darf (braucht) kein underscheit me han
under jung, alt, kind, frowen, man,
oder füht, trucken, heisz und kalt.
narrenschiff 55, 15,
d. h. diese unterscheidung ist pflicht des gelehrten arztes (vgl. u. kex). sie erklärten die erscheinungen im körper daher, es gab kalte krankheiten, wie hitzige, dürre, trockne, feuchte (und 'kalt feuchte' u. s. w.), kalte schäden und gebrechen, kalte flüsse, auch in der thierarzenei:
kalter krankheit hilft es bei zeit (das genannte bad).
Folz von bädern, fastn. sp. 1258;
ausz disem (schwefelgehalt) muͦsz jetz ervolgen, das dises bad zu allen kalten und feuchten krankheiten des haupts, der brust ... gut und nutz ist. Pantaleon Baden 64; mit dem kalten feuchten husten ... beladen. Bock kräuterb. 362; dieses öl ist auch dienstlich zu allen kalten gebrechen. Tabernaem. 1251; schlier und kalte schaden. Schmeller 3, 457; das kölblin ist eine kalte phlegmatische und harte beule (am pferdeschenkel). Uffenbach 2, 267; 'kalt flümig' gepluͦt oben 3, 1851, flümig wol phlegmatisch, von fleuma = phlegma. und im menschen selbst als mikrokosmus sind jene kräfte von haus aus niedergelegt: daʒ hirn ist kalter natûr, als Aristotiles spricht, und daʒ herz ist haiʒer natûr, und darumb ist daʒ hirn gesetzt über daʒ herz, daʒ des herzen hitz (acc.) des hirns kelten senftig. alsô sint auch andreu glider an dem menschen widerwärtig (einander entgegenwirkend), wan ainʒ ist veucht, daʒ ander trucken, ainʒ kalt, daʒ ander warm u. s. w. Megenberg 6, 5 ff.; daʒ hâr grâwet von der kelten des hirns. 7, 23; des gesihtes natûr ist kalt und fäuht. 9, 15, u. s. w. auch kalter magen u. dgl.: ein übelbestellter und kalter magen allerlei speise isset, dauet aber nichts. Schuppius 411, vgl. Hohberg vorhin unter c. noch bei Göthe, brieflich 1769: die tage waren kurz, mein gehirn wegen der einstrahlung des Steinbocks und Wassermanns etwas feucht und kalt (schnupfen). briefe an Leipziger freunde 146.
f)
aber auf den ganzen bereich der natur ward diese anschauung erstreckt. Konrad von Megenberg z. b. von den kräutern handelnd: seit ain kraut an der kraft (wesen und wirkung) kalt ist, daʒ ander warm. 379, 10, er berührt das. die frage, ob die eigene art der dinge von den elementen oder den sternen herrühre und behauptet das letztere, wan ain iegleich form in disen zergäncleichen dingen (hienieden) hât ir aigen (jedes seine entsprechende) sterneskraft in dem himel ... die sich in ir form drückent. 379, 17. 35, s. auch 428, 5 ff.; bei den einzelnen kräutern nachher gibt er meist gleich zuerst ihre complexion an, z. b. knoblauch ist haiʒ und trucken mit seiner kraft, und daher guot wider die kalten vergift 384, die hauswurz ist gar kalt und ist guot der überhitzten lebern 387, und so überhaupt immer mit bezug auf ärztliche wirkung, s. 429, 5. daher gewiss rührt es, wenn auch weine kalt genannt werden, z. b. der Markgräfler am Oberrhein gilt dort für kalt; schon mhd.:
lûter wîn, reine unde guot
der junget alter liute muot.
kranker (schlechter) wîn, trüebe unde kalt
der machet schiere jungen alt.
Freidank 132, 16,
denn es ist von keinem gegensatz gewärmten weins die rede (vgl. 1, e). Nicht anders in der todten natur (von einer solchen wuszte ja das mittelalter nichts, es war ihm alles lebendig): der stain hât die kraft (sein wesen) von kelten oder von hitz. Megenberg 429, 8; das elfenbein ist 'von natûre kalt' Konrad gold. schm. 1749;
so ist das golt von natur kalt.
Murner geuchmat, kloster 8, 925,
bei Megenberg ist es warmer natûr 474, 11, silber, eisen kalt 476. 479. Noch im 18. jh. findet sich: ihrem temperament nach sind die krebse kalt und feucht. Hübners handlungslex Lpz. 1727 1019. dasz die maler die blauen farben kalte farben nennen, engl. cold, die gelben warme (vgl. Göthe u. 4, e a. e.), hat das auch hier seine erste quelle? wenn bergmännisch sogar von kaltem witterungsfeuer die rede ist, s. Erker u. eisenschüssig, so wird wol auch das von hier aus sich erklären.
g)
es erinnert daran auch die bezeichnung eines menschen als weder kalt noch warm, sittlich oder in gesinnung unentschieden, unzuverlässig: leute welche weder kalt noch warm sind. Weise kl. leute 70; diejenigen welche man politicos nennet, so da in der religion und sonsten law und weder kalt noch warm seind, sondern underm hütlein spilen, auf beiden achseln tragen ... immerdar den mantel nach dem wind hängen. Albertinus narrenhatz 393. das findet allerdings zunächst in einer bibelstelle seinen anhalt: ich weisz deine werke das du weder kalt noch warm bist. ach dasz du kalt oder warm wärest! weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem munde. offenb. Joh. 3, 15. 16 (gr. ψυχρός und ζεστός, lau χλιαρός), wobei offenbar an speise gedacht ist (ζεστός ist gekocht), vgl. eine mhd. glosse tepiditas, sweler weder sûr noch süeʒe ist Mones anz. 8, 102; aber man mochte wol später dabei an jene lehre denken, als wäre es neutrius complexionis. in N. Manuels dialog von der kranken messe z. b. lautet ein ärztliches gutachten über die verzweifelte patientin, sie sei in einem bösen zeichen, im scorpion geboren und werde von dem wankelmütigen Mars regiert, daher die behandlung schwierig: dann sie ist von mancherlei naturen, specien und qualiteten zusamen gepletzet, jetzt warm denn kalt, (wechselnd) feucht und drucken, und wamit man eim hilft, verderpt man das ander. Strobel neue beitr. Nürnb. 1790 2, 1, 46. 47. Scheibles kloster 10, 367. das heiszt auch warmkalt Fischart groszm. 548 Sch., oder halb warm, und lau:
nur die halb warmen glauben gschwind
was ihn vorleugt das spannisch gsind.
Wellers lieder d. 30 j. kr. 20.
h)
im sinne ziemlich gleich ist: er bläst warm und kalt aus éinem munde:
zwô zungen habent kalt und warm, die ligent in sîme rachen.
Walther 29, 11;
eins ungevierten mannes muot (vorher sinewel, rund)
der kûchet kalt, der blâset warm
ûʒ éines mannes munde.
Reinmar v. Zweter MS. 2, 148ᵃ;
wer tuͦn will das eim jeden gfalt,
der muͦsz han otem warm und kalt.
Brant 18, 18.
das stammt aus der äsopischen fabel von dem satyr und dem verirrten wanderer, die mhd. vom Stricker (Wackern. leseb. 566, 1859 626), auch von Boner nr. 91 nacherzählt ist, später von Eyering 2, 381 (Gödeke eilf bücher d. d. 1, 128) u. a.
4)
übertragen auf gemüt, seele, geist und alles, worin sie sich äuszern. mhd. noch selten, wie es scheint, Konrad nennt z. b. Mariens herz kalt von kiuscheite gold. schm. 1775; in dem lobgesang Haupt 4, 520 manic vinster herze kalt, das erst von Christo mit liebe erleuchtet und entbrannt ward, und oft so bei den mystikern. wesentlichen einflusz darauf übte ohne zweifel die bedeutung unter 3.
a)
von leuten dürrer kalter complexion sagt Keisersberg irrig schaf E 3ᵇ, sie hielten ihre andacht mit kaltem herzen und läwen (lauem) geist, schon bei Merswin neun felsen 68 lewe trege kalte menschen, mit mischung der complexionslehre und der bibl. stelle vorhin; sie werden eben als träg, bös, grob u. s. w. bezeichnet, sie gehören dem phlegmatischen und melancholischen temperament an: gelu et humor phlegma faciunt, frigiditas et siccitas melancholiam. Joh. Indagine chiromantia, apud Petr. Drouart 1546 f. 103ᵃ. Keisersberg nennt einen bösewicht kalt: einer der ganz kalt ist, der sich selber in groszen sünden weiszt, an dem soll man nit verzweiflen. seelenpar. vorr. 3ᵃ, und so kirchlich oft, wie schon mhd. vorhin; ich halte darfür, dasz gott in der alten kalten welt (der die glaubenswärme fehlt), vor dem jüngsten tag, in den kalten nordländern werde seine kirche und gemein grosz machen. Schuppius 81. daher 'ein kalter ungeschmacker gesell, homo frigidus, kalte bossen frigidi joci' Schönsleder; vil davon (von der moral) lesen und hören und die hend nit in teig stoszen (selbst zugreifen), das ist blaw, kalt ding (unnützes zeug). Keisersberg sünd. d. m. 41ᵇ; weil ir gewissen selbs wol fület, das es faul, lose, kalt ding ist. Luther 5, 277ᵇ; und haben doch die lieben väter, als Ambrosius, Basilius und Gregorius oft kalt ding genug geschrieben. tischr. 1, 6; was aber kalte und unnütze fragen sind (über glaubensartikel), die soll man fliehen und sich dafür hüten. 1, 25. kalt ding reden, dicere languidius, jejune, frigide Stieler 919, Steinbach 1, 822, die den eigentlichen sinn schon halb verwischen; aber kalt als schelte von menschen noch bei Gottsched: dasz ich ein register von den figuren hierher setze, so sehr sich auch einige kalte schwätzer darüber ärgern. redekunst (1759) 312, das ist noch ganz Schönsleders 'kalter ungeschmacker gesell'. hierher gehört es wol noch, wenn Haller niedrige leidenschaft kalt nennt:
die kalte lust unausgelesner triebe,
wo nur der leib und nicht die seele fühlt.
ged. (1777) 268.
auch der seltsame kalte vater Selhamers bei Schmeller 1, 637 mag irgendwie hierher gehören. kalte antwort, entschuldigung, 'responsio, excusatio calva, frigida' bei Stieler erinnert an kahle ausrede u. dgl., kahle possen sp. 29 sind ziemlich was vorhin kalte possen, und wie es heiszt kahl bestehn, so auch kalt: also stehet auch Oecolampad kalt in diesem heubtstück. Luther 3, 481ᵇ; o das war eine faule, kalte, lame entschüldigung. 8, 177ᵇ, vgl. kühl, das ganz ähnlich gebraucht wird. Logau setzt beides nebeneinander:
(damen) die nicht sind kahl und kalt
an worten wie ums maul.
2, s. 13.
so ist auch engl. cold fade, platt, 'frostig', kaltsinnig, ebenso nl. koud, een koude praat läppisches geschwätz.
b)
vom mangel der empfindung, leidenschaft oder blosz wärme, in allerlei abstufungen: also auch das (obschon) ir einander die hend bietend, so geet es doch gar kalt zuͦ. Keisersberg sünden d. m. 37ᵇ;
wan dan ... got euch ausz barmherzigkeit,
die niemahls kalt in ihm, mit raht und hilf stets segnet.
Weckherlin 240;
an gott hat er wol die tage seines lebens nicht oder gar wenig und mit kalter andacht gedacht. Simpl. 1, 602;
lasz deines geistes morgenröthe
in unsern tunkeln herzen sein,
dasz sie mit ihren stralen tödte
der eiteln werke kalten schein.
Opitz 3, 180;
macht dasz auch kalte sinnen
zu kühnheit werden warm.
Logau 2, 1, 38 s. 14.
kaltes blut im gegensatz zu aufgeregtem, heiszem, kochendem u. dgl.: was er bei kaltem blute selbst nicht billiget. Lessing 2, 80; sein major hat weit kälteres blut. 12, 126; wer von euch wird nun auftreten und jetzt noch von kaltem blut (d. i. kaltblütigkeit) und aufschub schwatzen? Schiller 152ᵃ. kaltes herz:
dein herz ist kalt, du fühlst nicht unsre freuden.
Schiller 475ᵃ;
aber es ist nichts dahinter als ein kaltes, selbstisches herz das sich alles aufzuopfern weisz. Göthe 25, 285;
ihr fürstenräth und hofmarschälle
mit trübem stern auf kalter brust.
Uhland ged. 123.
kalte liebe, amor remissus Stieler 919, schon mhd.
wand an im ist die liebe kalt.
Pass. K. 390, 37;
wo aber noch die lieb (zu gott) ist kalt,
do hat der zweifel sein gewalt.
fastn. sp. 32, 23;
glaub mir, ich liebe kälter nicht wie du.
Th. Körner;
wenn dein erweichtes herz dem andern sich ergiebt
und bürgerlich nur ihn mit kalter treue liebt.
Uz (1768) 2, 175, mehr noch zu a.
ein kalter kuss, kalte umarmung:
und ward einmahl, allein ganz kalt, geküsst.
Gellert (1784) 1, 220;
traurig wird in dieser stunde (des abschieds)
selbst der liebe süszstes pfand,
kalt der kuss von deinem munde,
matt der druck von deiner hand.
Göthe 1, 45.
daher heiszen auch das auge, der blick kalt, die keine empfindung ausdrücken, auch thränen: mit kaltem auge. J. Paul Hesp. 3, 45; das kalte auge heiszer machte. lit. nachl. 4, 175; ein geschöpf ... das nicht kalt zu meinen schmerzen drein blickt. Göthe 10, 146;
sein blut ist heisz, warum sein blick so kalt?
Schiller 252ᵇ;
an ihren (der fürsten) urnen weinen marmorgeister,
doch kalte thränen nur, von stein,
und lachend grub vielleicht ein welscher meister
sie einst dem marmor ein.
Schubart 2, 67;
sein aug, von kalten (verzweifelten) thränen schwer,
sieht kaum das allernächste mehr.
Ann. v. Droste-Hülshof ged. 408.
kalte worte: wenn kalte worte wie schneeflocken auf diese blumen fallen. J. Paul Hesp. 2, 115; er hat etwas kaltes in seiner stimme, es klingt alles so kalt von ihm; aber es giebt eine gewisse kalte, nachlässige art von seiner tapferkeit und von seinem unglücke zu sprechen. Lessing 1, 541. kalt, wirkungslos: eben derselbe reiz, zu oft hinter einander wiederholt, wird kalt und endlich eckel. Lessing 7, 19. kalter einpfang, kalte aufnahme, kalte behandlung; das neue trauerspiel ist sehr kalt aufgenommen worden. Überhaupt ist das adv. so besonders viel im gebrauch: einen kalt behandeln; er hat die mordthat ganz kalt vollbracht; kaltabgeredeter wechselmord (duell). F. L. Stolberg 3, 233;
und jetzt sprach Hafi doch so ungewiss,
so kalt von ihm.
Lessing 2, 242;
da kommt das schicksal, roh und kalt
faszt es des freundes zärtliche gestalt
und wirft ihn untern hufschlag seiner pferde.
Schiller 395ᵇ;
wenn alle welt dich herzlos kalt verhöhnt,
so flüchte du dich hin zu unserm grabe.
514ᵇ;
so kalt verlaszt ihr die gemeine sache?
521ᵇ;
kalt hinstarrend mit verworrnem sinn.
5ᵇ.
c)
daher auch vom menschen selbst, theilnahmlos, unerregbar, leidenschaftslos, gefühllos, aber auch besonnen, σώφρων, ähnlich kühl:
eʒ wart aber nie kein man sô kalter
von vil jâren daʒ gîtekeit
von im schiede.
Renner 7871,
das schlieszt sich an den gedanken aus dem welschen gast u. 3, c sp. 79 an; er ist alt und kalt, nd. ôld un kôld brem. wb. 2, 838.
sei nüchtern und kalt,
willst du werden alt.
Simrock spr. 7598;
Cherusker unsre heere sind,
Cherusker kalt und kühn!
Klopstock, ode 'wir und sie';
die männer sollen, jung und alt!
gut vaterländsch und tüchtig
und bieder sein und kühn und kalt,
die weiber keusch und züchtig.
Claudius 1, 3.
unempfindlich, unbeweglich: wenn ich füle das ich durch frembde gescheft oder gedanken bin kalt und unlüstig zu beten worden. Luther 6, 308ᵃ; werden dadurch zu letzt lasz und faul, kalt und uberdrüssig zum gebet. das.; ein kalt unandechtig herz. 310ᵃ; ob nun Fonesca (der vater) sich gleich bemühte diesesmahl Floramenen mit guten willen unter die haube zu bringen, so war dennoch Floramene so kalt hierzu als sie noch niemals gewesen. polit. stockf. 337. jetzt kalt für, kalt gegen: er war kalt gegen mich, sie blieb kalt gegen alle verlockungen; das beleidigte mich und ich hielt mich kalt gegen sie. Göthe 19, 275;
heisz ist er gegen kleinigkeiten
und gegen grosze dinge kalt.
Lichtwer fab. 1, 22;
ich liebte Sylvien, es liebte mich Ismene,
da jene kalt für mich und ich für diese war.
v. Nicolai;
auch du, mein freund, klagst unsre groszen an,
dasz sie so kalt für Deutschlands künste bleiben?
Gökingk 2, 121;
wie gleichgültig, wie kalt ist dagegen unser volk für das theater! Lessing 7, 358; ich bin eben so kalt (besonnen) als mein gegner wütend scheint. Gotter 3, 112; wir überlassen es der entscheidung kälterer sittenlehrer, ob die tugend das konnte oder nicht. Wieland 2, 157;
du bist von kalter art, die gern vernünftig denkt,
und ihrem zweifel mehr als ihrem witze schenkt.
Lessing 1, 173;
auch ihm hatte der kalte guckuck seine eier untergeschoben. 1, 140, herzlos gegen seine brut;
was kält'? ich bin nicht kalt, ich sehe wahrlich
nicht minder gern, was ich mit ruhe sehe.
2, 268;
kalt und ungerührt
vom jauchzen unsers danks.
2, 195;
so kalt? nein, junger mann! wenn gott
was gutes durch uns thut, musz man so kalt
nicht sein! selbst aus bescheidenheit so kalt
nicht scheinen wollen!
2, 309;
beseht die gönner in der nähe!
halb sind sie kalt, halb sind sie roh.
Göthe 12, 12;
jener Egmont ist ein verdrieszlicher, steifer, kalter Egmont, der an sich halten, bald dieses bald jenes gesicht machen musz. 8, 238; Mephistopheles heiszt kalt und frech. 12, 171; mit einem ganzen herzen voll seligkeit werde ich den andern nicht beglücken der kalt und kraftlos vor mir steht. 16, 128; Werner war einer von den geprüften, in ihrem dasein bestimmten leuten, die man gewöhnlich kalte leute zu nennen pflegt, weil sie bei anlässen weder schnell noch sichtlich auflodern. 18, 90; was soll aus Ottilien werden, die unser haus verlassen, in der gesellschaft unserer vorsorge entbehren und sich in der verruchten kalten welt jämmerlich herumdrücken müszte! 17, 351; dasz hr. Hermes eine art von kalten guten freunden von mir ist. Wieland in Merks briefs. 1, 90; den kalten spielen gegen die geliebte. J. Paul jubelsen. 36; der kalte staatsbeamte. leb. Fibels 29; die kleine gräfin von Romeiro war sehr schön, kalte hieszen sie einen engel und warme eine göttin. Titan 1, 111; gewiss ist es dasz männer von natur blosz heisz oder kalt sind, zur wärme müssen sie erst gebildet werden. F. Schlegel Lucinde s. 64. ein kalter bösewicht.
d)
übertragen auf dinge, in denen die persönlichkeit, geist, gemüt, gesinnung, gedanke sich darstellen: die kalte gleichgültige gestalt. J. Paul Hesp. 2, 121; kurze kalte briefe. Bettine 1, 220; mit kaltem federzug. Schubart 2, 67; wer kann wiederholen was sie sagte! wie kann der kalte, todte buchstabe diese himmlische blüthe des geistes darstellen! Göthe 16, 84;
so setzest du der ewig regen,
der heilsam schaffenden gewalt
die kalte teufelsfaust entgegen.
Göthe 12, 72;
jenes böse, kalte zucken (der lippen)
das erschreckt mich jedesmal.
Heine buch der lieder 284;
die kalte buchgelehrsamkeit, die sich
mit kalten zeichen ins gehirn nur drückt.
Lessing 2, 346.
kalte ruhe, verstellung, kalte keuschheit:
das herz in kalter stolzer ruh
schlieszt endlich sich der liebe zu.
Schiller 89ᵃ;
die verstellung bleibt immer kalt und eine so zärtliche sprache ist in ihrem vermögen nicht. Lessing 2, 48; die verwandelung der gesichtsfarbe wird man (auf der bühne) ... sicher nie durch kalten vorsatz bewirken. Engel mimik 1, 197;
hier noch, wo ihr haupt in dichten schleier
kalte keuschheit birgt.
Bürger 98ᵃ;
leute von einigem stande werden sich immer in kalter entfernung vom gemeinen volke halten. Göthe 16, 10; kalte staatskunst. Schiller 777ᵇ. kalte überlegung, kalte berechnung: bei aller wärme meines herzens blieb doch mein kopf kalt genug, alles in betrachtung zu ziehen. Wieland; es war der geist der kalten betrachtung, aber ein warmer geist, und so viel schätzbarer. Lessing 10, 1. und so auch kalte vernunft, die sich von aller einmischung der empfindung fernhält:
vor Sittah gilt kein winseln, kein
verzweifeln. kalte, ruhige vernunft
will alles über sie allein vermögen.
Lessing 2, 348;
mit kalter vernunft prüfen. Kant 1, 229; beurtheilung durch kalte vernunft. 7, 366, vgl. kaltvernünftig. die gefühle des herzens an dem kalten lichte des verstandes versengen. Klinger 3, 128, streng genommen ebenso unmöglich ('versengen') als kalte leidenschaft: kalte leidenschaften, welche nicht mit dem ungestüm eines affectes, sondern mit der beharrlichkeit einer auf gewisse zwecke angelegten maxime verbunden sind. Kant 10, 297. kalte pflicht, die die regungen des gemüts niederdrückt: kalte pflicht gegen feurige liebe! Schiller 198ᵇ.
e)
endlich auch übertragen auf dinge der äuszern welt, die auf uns einen kältenden oder gar keinen eindruck machen, uns kein gemüt entgegenbringen, das wir doch auch in ihnen suchen oder in sie legen:
biszher hab ich die alte kalte welt,
biszher hab ich die eitelkeit gelibet,
biszher hat mich der harte sturm betrübet.
A. Gryphius sonn. 1, 2;
denn auch die eindrücke, welche die französische tragödie macht, sind so flach, so kalt! Lessing 7, 359; wenn sie das übermasz von wonne fühlen werden in ihren unterthanen glücklich zu sein ... und gegen diesen anblick alle schauspiele, alle bildersäle ihnen kalt (gleichgültig) werden. Göthe 42, 145; so kalt, so krass liegt alles vor mir, als wär die welt nichts. 10, 184;
doch fühl ichs wol, was ich an ihm (Max) verlor.
die blume ist hinweg aus meinem leben
und kalt und farblos seh ichs vor mir liegen.
Schiller 399ᵇ;
einziger augenblick, in welchem ich lebte! du wiegest
alle tage, die sonst kalt mir verschwindenden, auf.
Göthe 1, 295;
in einer kalten nüchternen stunde. Lessing 12, 372; kalte bilder des zweifels. J. Paul leben Fibels 70; und die sterne kalt und freundlich über meine qual herabblinken. Göthe 10, 150;
kalt wie des mondes stralen
blickt es ins land hinein.
J. Kerner, St. Alban (deutscher dichterw. 160).
und die sonne kalt und blutig
leuchtet unsrer blutgen bahn.
Körner leier u. schw. 51;
das kalte mondlicht am dach. Freytag soll u. haben 2, 141. so besonders in der kunstwelt, wie man sagt das kunstwerk läszt mich kalt, so werden die werke selbst kalt genannt: das zusammenwerfen der regeln gibt keine ungebundenheit, und wenn ja das beispiel gefährlich sein sollte, so ists doch im grunde besser ein verworrenes stück machen als ein kaltes. Göthe 44, 2, wol Götz meinend; geistreiche, gefühlte kunstwerke sind es, die mich entzücken, das kalte wesen ... ist mir ganz unerträglich. 16, 210; es sind die biblischen stücke alle durch kalte veredlung ... dem theilnehmenden herzen entrissen worden. 44, 8; er (der maler) bezeichnete gewisse eigenschaften derselben durch annähernde empfindungen, er hatte warme und kalte farben. 38, 14, vgl. dazu u. 3, f a. e. sp. 80); der gegensatz von warmen und kalten farben der maler zeigte sich hier in abgesonderten blauen und gelben rändern. 54, 296; verlohnt es denn auch der mühe, auf französische verse so viel fleisz zu wenden, bis in unserer sprache eben so wäszrig korrecte, eben so grammatisch kalte verse daraus werden? Lessing 7, 87;
in der natur getreuen armen
von kalten regeln zu erwarmen.
Schiller 80ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 74, Z. 31.

kalt, m.

kalt, m.
das euch das ubel zur pfeifen schlag, ey das euch der kalt das loch verbrenn! Garg. 131ᵃ (238). wol aus kaltseich gekürzt, vgl. das kalte 3. in der Heanzenmundart heiszt aber die kälte der kald Fromm. 6, 332, wie isl. kaldi m. Biörn, norw. kalde m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 85, Z. 25.

kalt, n.

kalt, n.
frigidum, als subst., schon goth. kald n., wie das blau, neu (neumond) u. a.:
nu wirt aber kalt,
nu der winter lanc.
G. v. Neifen 32, 18;
der luft gebrach ihr licht und alle dinge schliefen,
es stritten wider sich nasz, trucken, warm und kalt.
Opitz 3, 211,
von den elementen, s. das kalte und kalt 3.
ach guter narr, was zeichstu gott
dasz er deim kopf nach wittern sott (solt),
lasz in kalt machen, schneien, regen.
S. Brant bei Zarncke s. 155ᵇ;
es haben unsre alten
die kleider darumb gmacht,
dasz sie sich für dem kalten
beschirmten tag und nacht:
so geben dise kleider
doch weder kalt noch warm.
Uhland volksl. 529;
und dasz er sicher sei von hunger, durst und kalt.
Weckherlin 27;
wan mir schon
das kalt nicht wie das warm beliebet und behaget.
783.
kalt haben, avoir froid, frigere (Parz. 449, 4); sie sollten sich nur (im wagen) gut zusammenlassen, so hätten sie nicht kalt. Gotthelf 2, 250;
bald sich ein ander zuher stalt,
der wil erfrieren, hat zukalt.
Grobs ausreden (Haupt 3, 253).
wo freilich kalt durch das zu in das adj. zurückgesetzt wird, wie überhaupt das gefühl dabei zwischen subst. und adj. schwankt; ebenso von warm n., warm geben ein comparativ: meint, ein wolfshaut geb wärmer. Garg. 194ᵇ (359); die versinnlichung der kräfte giebt warm und kalt, freude und leid. Claudius 6, 152 (aus dem engl.). das kalt heiszt auch das kalte fieber Schm. 2, 293, s. das kalte. engl. ist a cold eine erkältung, catch cold, sich erkälten, gleichsam 'kalt fangen'. rechtlich: kalt und warm, eine clausul, welche die eltern, wenn sie denen kindern ihre güter übergeben, mit einflieszen lassen, dadurch sie sich ihre alimenta auf lebenszeit vorbehalten, angesehen diese worte sowol speis und trank als kleidung und bette und was zur alimentation gehörig, in sich fassen. Zedlers universallex. 15, 133.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 85, Z. 30.

kalter, kälter, f.

kalter, kälter, f.
s. kelter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 89, Z. 61.

kalter, m.

kalter, m.
armarium Junius, Schönsleder, bei jenem auch promptuarium, speisgaden 141ᵇ, oberd. für gehalter, ghalter, wie kalt aus gehalt (s. K 3, b), behältnis, 'behälter', von gehalten aufbewahren, namentlich ein kasten in der wand (s. känsterlein) Schmeller 2, 189. Stalder 2, 15; schuppen, zimmer, etwas aufzubewahren, waarenmagazin. Tobler 93ᵇ. bei Frisch 1, 404ᶜ: 'gehalter, ein schrank, wird meistens in kalter verändert im pöbelreden', im 16. 17. jh. aber durchaus nicht pöbelhaft, noch von Stieler 741 aufgeführt, obwol es nicht thüringisch ist:
nun hettens weder truhen noch kalter.
H. Sachs 2, 4, 90ᵇ;
in der abtei in meinem kalter.
3, 3, 60ᵈ,
in dem Nürnb. wb. mit bildern 1713 s. 60 kalter risca, das bild stellt einen groszen doppelthürigen kleiderschrank dar; darumb etlich ihre heüser und kalter offen lassen stehen. Frank weltb. 147ᵃ. im pl. auch kälter:
(zur fastnacht) wo man wurt suchen
in truhen, casten, schrein und keltern,
was ie verwurfen unser eltern.
fastn. sp. 382, 36;
die kelter unbeschlossen warn.
H. Sachs 1, 331ᵈ.
fischkasten: wann die fische etwan aus dem kalter heraus springen. Hohberg 2, 482ᵇ u. ö., wechselnd mit behalter; in weihern und andern fischkältern. 2, 485ᵇ; östr. kaͦlta fischkasten Castelli 179, auch roman. in Graubünden ghalter. kornkalter, milchkalter, gewandkalter Schm., holzkalter Tobler, bei diesem auch ghälter pl. stockwerke (Entlibuch), wie kar 5, s. auch kasten haus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 89, Z. 62.

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Zitationshilfe
„kalter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kalter>, abgerufen am 28.10.2021.

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