Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kamel, n.

kamel, n.
camelus, gr. κάμηλος, ein asiatisches, wol semitisches wort. ursprünglich hiesz das thier mit anderm namen goth. ulbandus, ahd. olpentâ, mhd. olbente u. s. w. (ähnlich slav.), s. gesch. der d. spr. 42 und dazu oben 3, 403 u. elefant; der neue name kam ihm durch die frische bekanntschaft mit dem morgenlande in den kreuzzügen: der olbenten, daʒ Walhe heiʒent camelum. Diut. 3, 37. mhd. kémel, kemmel und kembel m., auch kembelîn, kemelîn n. (Haupt 1, 92, pass. K. 511, 86, Bertholds Crane 2447), letzteres, so wenig es passend scheint, weil die endung -el deminutivisch klang, vgl. das ähnliche u. kerl, kabelein. das e, noch im 16. jh., deutet auf eine anfängliche form kamil, griech. aussprache von κάμηλος die man im morgenlande hörte. aus dem lat. erst ward dann kamél hergestellt, wenn das nicht, zumal Luther es braucht, von jeher im md. heimisch war (vgl. kasteien), denn in der md. evangelienübers. Haupt 9, 280 steht camel, in Ludwigs kreuzfahrt 6074 kamele pl., bei Herm. v. Fritzlar kammel (kammêl der herausg., oder die hs.?), in der erlösung 3190 cámelîn. das nhd. neutrum, md. schon im 14. jh. (s. unten), mag veranlaszt sein durch kamelthier. nl. kemel und kameel m., schwed. kamel m. engl. camel, franz. chameau m., it. cammello m. und cammella f.
1)
eig.; die nhd. form und schreibung schwankt, bei Keisersberg post. 16ᵇ noch chémel und oberd. noch länger, s. u. kamelthier und vgl. kämel; in Zürich heiszt noch ein haus 'zum kämbel', wie mhd. kembel (dies b auch in ital. ciambellotto kamelot). bei Luther die heutige form: er hatte schafe, rinder .. eselin und kameel (pl.). 1 Mos. 12, 16; ire kamel waren nicht zu zelen. richt. 7, 12 (in späteren ausg. hier kameelen); das kamel 3 Mos. 11, 4. dagegen der cameel Olearius pers. rosenth. 8, 118; mancher würget sich an einer mükke, wann ein ander einen kamel hinunterschlukket. Butschky Patmos 893, gewissenhaft nach dem lat. Schottel, Rädlein schreiben camel, Frisch cameel, Stieler, Steinbach, Adelung kamehl, es genügt aber kamel:
da kommen die kameele meines vaters.
Lessing 2, 194;
zäumet das ross, das rennthier, das kamel.
Schiller 672ᵃ;
nun ist der Araber mit kamel und pferd so innig verwandt als leib und seele. Göthe 6, 103. Zu vielfacher sprichwörtlicher verwendung gaben zwei stellen des N. T. anlasz: ir verblente leiter, die ir mucken seiget und kamel verschluckt. Matth. 23, 24, 14. jh. slukende daʒ camel. Haupt 9, 280, schon n.; es ist leichter das ein kamel durch ein nadelöhre gehe denn das ein reicher ins reich gottes kome. 19, 24. die erste redensart braucht man von denen, die in kleinen dingen peinlich, in groszen fahrlässig sind.
2)
in studentischer sprache bezeichnet kamel einen studenten der keiner verbindung angehört, oder sich überhaupt vom studentischen treiben fern hält, philister, auch büffler:
weje ere (wegen einer) baukerei geschickt zu wern,
des kann dem solidste kameel bassirn.
Streff des burschen heimkehr 79.
es ist auch allgemeiner gebraucht als scheltwort, etwa wie kalmäuser sonst, oder gleich dummkopf.
3)
eine vorrichtung zum heben von schiffen, nach Hübners handlungslex. Lpz. 1727 in Amsterdam erfunden; man erinnert sich der kamele auf dem Bodensee zur hebung des Ludwig i. j. 1863.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 95, Z. 44.

kämel, m.

kämel, m.
ein zeug: die söldner bekamen einen guten kämel zu einem (sommer-)rock. Gemeiner Regensb. chr. 4, 96. 155. 171, 16. jh., bei Schm. 2, 294; man kaufte Münchner oder Nördlinger kämmel. ohne zweifel zeug von kamelhaaren, kämel, kämmel sind die alten formen von kamel, vgl. kamelot.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 96, Z. 21.

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Zitationshilfe
„kamel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kamel>, abgerufen am 28.10.2021.

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