Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kamesierer, m.

kamesierer, m.
rotwelsch, 'ein glerter betler' im liber vagat., 'verlaufener schuler' Philander (1650) 1, 635, ein vagabundierender student, vagant, Schottel führt sein rotwelsches wörterverzeichnis ein als von den hochgelehrten cammesiern in der wanderschaft beschrieben (aufgeschr.): kamesierer, die das ihr verjonen, versenken, verschöchern, lehren darnach die hutzen (bauern) beseflen und kamesieren. Fischart groszm. 50 (583 Sch.) in einem langen schurkenkatalog, es ist fast wörtlich entnommen aus dem liber vagatorum, s. weimar. jahrb. 4, 82: kammesierer ... jung scholares, jung studenten die vater und muͦter nit volgen und iren meistern nit gehorsam wöllen sein und apostatieren und kommen hinder bös gesellschaft, die auch gelert sind in der wanderschaft, die helfen in das ir verjonen u. s. w. bei Panzer annal. 2, 188 no. 1908 ein buch von 1523: disz biechlin sagt von den falschen kamesierern. verwandt klingt ein nd. kabbesêren, in einem politischen fastnachtspiel, der scheveklôt genannt:
wi wilt on (den herzog) kabbeseren ût dem lande.
Lüntzel stiftsfehde 224,
eine andere hs. hat knabestern (s. klabastern).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 99, Z. 17.

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Zitationshilfe
„kamesierer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kamesierer>, abgerufen am 25.10.2021.

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