Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kamille, f.

kamille, f.
matricaria chamomilla, mhd. camille, gamille, noch bair. gamillen (s. K 1, f), aus gr. χαμαίμηλον, lat. chamaemelon, mlat. dann chamomilla, camamilla u. a.; it. camomilla, franz. camomille, engl. camomile, dial. auch camil; nichts ist natürlicher als die vereinfachung des doppelten m im volksmunde. Die feldblume ist die gemeine kamille, feldkamille, kornkamille, chamomilla vulgaris; die römische kamille, als officinelles kraut in gärten gezogen, chamomilla nobilis, Romana; die stinkende kamille, auch hundskamille, anthemis cotula, hundsdille, krötendille, kuhdille; die rothe kamille, adonis aestivalis. Unterm volke bestehen umdeutungen des fremden worts, wie wetterauisch koimelle, d. i. kühmelde, henneb. kühmelle; Diefenbachs wb. von 1470 sp. 57 'camomilla kömmel', vgl. kochmel anthemis Dief. 37ᵇ; auch kamelheublume, kamelblume, kammerblume; appenz. gramilla. Ein aberglaube: wiewol die kamille, jemehr sie getreten wird, um so schneller wächst. Shakespeare Heinrich IV., 1. th. 2, 4. sprichw. in Norddeutschland alte kamillen (die durch liegen geruch und kraft verloren), alte geschichten, abgethane dinge Schütze 2, 217; daher Fritz Reuters 'olle kamellen'. Auszer den folgenden mancherlei zusammensetzungen, veranlaszt durch den vielfachen ärztlichen und hausgebrauch des beliebten krautes, wie kamillenaufgusz, kamillenumschläge pl., kamillensyrup Frisch 1, 163ᵃ, kamillenwasser (schon Megenberg 388, 19) das., kamillensäckchen zum auflegen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 99, Z. 76.

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Zitationshilfe
„kamille“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kamille>, abgerufen am 17.10.2021.

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