Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kammerkätzchen, n.

kammerkätzchen, n.
scherzname für kammerjungfer, bald liebkosend bald neckend (vgl. kätzchen 1) seit dem 17. jh. im gebrauch (Frisch 1, 506ᵃ), über den ursprung s. das folg. wort: wurde ich eines holdseligen cammerkätzgens gewar, deren schenkte ich gleich mein herz. Simpl. 1685 2, 5; kein uneben kammerkätzchen. Jan Perus 153;
ich weisz ein liebes schätzgen,
ein artig kammerkätzgen.
Chr. Weise überfl. ged. 132;
die thüre geht auf. wie gewünscht! das kammerkätzchen (Franciska in Minna von Barnhelm). Lessing 1, 543; Göthe, im neuen Alcinous, nennt scherzend die hofdamen so:
kammerkätzchen, kammermäuschen
stifteten die schönsten nelken.
47, 265.
Sie werden oft als leichte beute für liebesabenteuer behandelt, worin sie im dienst ihrer herren und frauen wol erfahren werden muszten; ja der ganze name scheint nach kammerkatze von haus aus blosz zweideutig gemeint, so ruft in einem spiel des 17. jh. Hans Wurst unter die zuschauer: ist nun irgend unter dem haufen ein verliebt kammerkätzchen, die man wol mit eim halb schock lichtern unter den bauermägdlein suchen musz, und einen diener bedarf, die lasz mir es kund thun. Devrient gesch. der d. schauspielkunst 1, 183; in den engl. comödien II, Hh 7ᵇ: der junker wird mit seinem kammerkätzichen nach Federsburg mäuse zu suchen spazieren gangen sein (s. Köhler kunst über alle künste 230, vgl. kammermäuslein); daselbst D 1ᵇ auch ein adj. ihr kammerkätzichten bettschelmichen (s. 1, 1738). mhd. gab es einen sehr ähnlichen ausdruck, kamerbelle (belle hund), s. mhd. wb. 1, 125ᵇ. 126ᵃ. Umgekehrt ward früher katze, hofkatze von männern gebraucht, ein 'lied von der Schoderin zu Wirzburg' v. j. 1550 beginnt:
wais mir ein maidlein stolz und glat,
das dünkt sich hübsch und reich:
sie meint, zu Wirzburg in der stadt
fünd man nit ires gleich:
'kein hofkatz will ich nemen,
denn sie sich gar nit schemen,
sein vol und thun kein gut'.
Jacobs u. Ukert beiträge 2, 199,
das meint wol einen durch das hofleben gebildeten schmeichler und völler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 122, Z. 65.

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kammervogtei
Zitationshilfe
„kammerkätzchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kammerk%C3%A4tzchen>, abgerufen am 20.10.2021.

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