Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kampeln, kämpeln

kampeln, kämpeln,
pectere, kempeln Stieler 924.
1)
vom haar: erstlich waren meine haare in dritthalb jahren weder auf griechisch, teutsch noch französisch abgeschnitten, gekampelt noch gekräuselt oder gebüfft worden. Simpl. 1, 68; der junker aber kampelte seine paruque. 2, 232; (so muszt du) deine haar und bart weder kämpeln noch selbige wie auch die nägel nicht abschneiden. 3, 898; schauete jemand, welcher gleich (eben) sich kämplet, von dem fenster herab. Abele unordnung 3, 68. es gilt in den mundarten die kampel, kämpel kamm brauchen.
2)
von wolle Stieler 924, bei Steinbach 1, 825 als mundartlich. tirol. hâr kampeln flachs hecheln. vgl. kämmen 2.
3)
wie kämmen 3: mein herr vetter, der auch bei Bregenz (im j. 1703) die Franzosn hat kampeln helfn. Schwabe tintenfäszl i 6, tirol., wie sp. 109 mit swerten kemmen u. a.; ein andere die höbt aus dem ehstandsglückshafen (lottotopf) nr. 16, bekombt ain helfenbainenen kampel, ertappt einen solchen der sie alle tag grob abkämplet. Abr. a S. Clara, kampel doppelsinnig kamm und kerl. dann milder, wie kämmen 3 auch, bair. kämpeln, kampeln ausschelten, 'auch wol prügeln' Schm. 2, 301, ebenso tirol. Fromm. 6, 289, östr. auskampeln Höfer 2, 111, schwäb. abkampeln Schmid 304.
4)
Ein mitteldeutsches kampeln schlieszt sich zwar an das vor. an, wird aber andern ausgangspunkt haben: 'kampeln, sich kampeln, sich zanken, herum kampeln, streiten' Rädlein 524ᵃ, bei Stieler 925 kampelen und kämpelen rixari, jurgare, contendere, altercari (ebenso krämpelen das.), bei Steinbach 1, 826 'ich kampele' velitor', 'er kampelt sich mit der frau, levius contendit cum uxore'; dies 'levius', das auch Frisch 1, 498ᵇ zufügt, musz aus dem jetzigen gebrauch in Thüringen und Sachsen bestätigt werden, nur kleine zänkereien oder mehr komische, ungefährliche raufhändel werden damit bezeichnet, doch nur sich kampeln, wie auch Heynatz im antib. angibt, während Adelung auch er kampelt den ganzen tag hat. mit sich ebenso in Schlesien Weinhold 40ᵃ, Posen Bernd 111. als mittelrheinisch gibt Kehrein kämpeln ausschelten (wie unter 3), aber sein beleg aus Lennigs ged. 'fang ar net met mer ze kemple an' enthält offenbar die bed. streiten, wie er in den nachträgen 'unterrheinisch' kampern streiten beibringt. ältere zeugnisse selten: nachdem sie sich nun so eine gute weile im leibe herum gekampelt hatten. Schelmufsky 2, 14. in Schochs comoedia vom studentenleben Leipz. 1657 A 6ᵇ von schuldisputationen: ich habe zuweilen mit groszer verwunderung mit angehöret, wie ofters ihrer zween oder mehr nur umb ein einzig wort sich wol 3 oder 4 stunden, nicht ohne sonder gelächter oder verdrusz der anwesenden andern, dermaszen herumb gekampelt, als wenn alle leibesmacht daran gelegen were (nachher 'geschrei und gewäsche'). es ist gewiss ein altes volkswort, vor alters von edlerem werte. Behaims kempel vorhin bezeugt es wol für Österreich im 15. jh., schon als volksmäsziges kraftwort. zeigt etwa das campelher Parz. 520, 29 in G einen mhd. anklang? vgl. kampelmarket Tit. 4518, 4. Für weit höheres, ja vorgeschichtliches alter zeugt sein auftauchen in England: northumbr. cample to contend or argue Halliwell 229ᵃ, er gibt auch camble und campo, vgl. bei Jamieson suppl. 1, 174ᵇ aus Ray collect. 12 'callet (zanken, schimpfen'), to cample or scold'. es gibt keinen natürlichern anhalt dafür als kampf, kämpfen. Doch Halliwell gibt auch die bed. to talk, und aus Yorkshire camble to prate saucily, was sich zu kafeln 3 stellt, vgl. sp. 102; aber beide stämme können leicht wurzelverwandt sein, denn nd. kabbeln (mrh. kappeln) ist gleich kampeln (vgl. z. b. strabeln = strampeln, krappe = krampe haken, kralle) und ebenso keifen, das ebenfalls beide bedeutungen vereinigt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 137, Z. 58.

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Zitationshilfe
„kampeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kampeln>, abgerufen am 25.10.2021.

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