Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kampf

kampf
gleich kamp sp. 135; gleich kamm 102.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 138, Z. 42.

kampf, m.

kampf, m.
'wurden von einigen die fischohren genennet'. Frisch 1, 499ᵇ aus Peucer vocab., das m. bei Adelung. s. kieme.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 138, Z. 43.

kampf, m.

kampf, m.
pugna, certamen, ahd. champh, mhd. kampf; altfries. kamp, komp (auch n.), ags. camp, comp, engl. erloschen; alts. nd. nl. kamp; dän. schw. kamp, wie es scheint unter deutschem einflusz, denn altn. isl. norw. heiszt es kapp n. (wie kappi gleich kämpe, kämpfer), weicht auch in der bed. etwas ab, es ist haupts. eifer, wetteifer, daher noch schw. norw. i kapp, dän. omkap um die wette, schw. aber auch i kamp Rietz 305ᵇ (vgl. 2, a). merkwürdig auch finn. kamppi pugna, kamppaan luctor, kamppaus luctatio, und kimppu aggressus ad colluctandum, kimpustelen colluctor; und auch im kelt. zeigt es sich, welsch camp f. kampfspiel, kampfpreis, ceimmyn wettkämpfer, wettspieler, u. a., diesz vielleicht ags. einflusz. Die alte ableitung von lat. campus (so noch Weigand, Wackernagel) knüpft sich an dessen mittelalterlichen gebrauch für zweikampf, haupts. den gerichtlichen, campus judiciarius, judicatorius, auch blosz campus (RA. 798), das kampfgericht judicium campi in altgerm. gesetzen (vgl. RA. 929, kämpfe, kampfrasen), franz. noch im 16. jh. champ de bataille weisth. 4, 452. 453. 464; in der lex Bajuv. heiszt der gerichtliche zweikampf deutsch chamfwîc, ebenso ags. compvîg, altengl. campfight (vgl. kampfstreit), mit freilich auffallender doppelung, denn schon wîc, fight ist kampf, und die zusammensetzung mit einem fremden wort scheint eher denkbar als die zweier heimischer (doch vgl. z. b. zigengeiʒ Dief. 93ᵇ). das alte campus gibt für diese bed. keinen andern anhalt als den campus Martius in Rom, den tummelplatz für leibesübungen und wettspiele, wie für soldatische exercitien, vgl. bes. campidoctor exerciermeister (Fischart nennt darnach den tummelplatz Grandgoschiers mit den seinen kampfmartische walstatt Garg. 83ᵃ, 142 Sch.); und auch andre städte des röm. reichs legten sich gern nach Roms vorbild einen solchen campus Martius oder campus zu, im Rheinland z. b. Mainz, Trier. wie nun die Deutschen das wort für ihr unentwickeltes schreiben, ahd. rîʒan, alts. wrîtan, ags. vrîtan, dem lat. scribere gegenüber meist aufgaben, weil diesz ihnen die neue kunstform des schreibens entgegenbrachte, so wäre es wol denkbar, dasz sie auch trotz ihres eignen wortreichthums für kampf, hadu, wîc, strît, gund, vehta, ernest u. a., noch ein röm. wort aufgenommen hätten das ihnen etwas neues brachte. sie sahen aber wol bei den Römern, wie etwas neues, die verfeinerte fechtkunst, geübt von gladiatoren und kunstfechtern auf dem campus Martius; der kunstkämpfer hiesz mlat. campio, s. kämpfe. auch ist kampf nicht streit schlechthin, sondern ursprünglich und noch lange der kunstmäszige einzelkampf (s. 1). dabei scheint bemerkenswert dasz kampf oder eine seiner ableitungen im Nibelungenlied nicht vorkommt, es fehlt noch im lied vom hürnen Seifried, so viel da von streiten, fechten und einzelkampf die rede ist; auch in der Gudrun erscheint nur kempfe m. Trotz alledem aber ist die sache unsicher; es fehlt das bindende glied zwischen altlat. campus und kampf; jenes hätte den Deutschen zukommen müssen als fertiges kunstwort für den kunstkampf (nicht für kampfstätte), sie haben aber dem anschein nach diesen begriff erst selbst in campus hineingetragen, von ihren gerichtskämpfen aus, die den Romanen fremd waren, so dasz wie oft zwei sich fremde, aber ähnliche worte im gebrauch verflossen. kampf findet aber ausreichenden und unabweisbaren anhalt in wörtern, die einheimisch aussehen, s. kampeln 4, kampel sp. 137. wie die ältesten werkzeuge (sp. 18), so sind die ältesten waffen des menschen gewiss faust, nägel, zähne, und wie pugnare kämpfen deutlich auf pugnus faust zurückgeht (3, 1378), so schlieszt sich kampf trefflich an an kafeln nagen, dann schneiden sp. 18 und seine verwandten, auch kappen hauen, abhauen; für die form bildet die brücke engl. champ, isl. kampa kauen = kafeln, oder kampeln = kabbeln sich zanken. beide bedeutungen aber sind wieder vereinigt in keifen und zubehör: keif, keib streit, zank, mnd. kîf kampf, vgl. kibbeln gleich kabbeln, und andrerseits kifen, kifeln nagen, kauen, kifel kinnbacken, kauwerkzeug u. a., die sich nah an kafeln anschlieszen. auch Kuhn zeitschr. 1, 135 wollte schon kampf lieber mit jenen wörtern zusammenstellen, s. sp. 102; die da fragweis angenommene doppelwurzel k-mp und kr-mp (vgl. z. b. strumpf gleich stumpf, schwäb. strempfel gleich stempfel, vgl. sp. 107 unten) liesze sich für kampf leicht wiederfinden in Stielers krämpeln = kämpeln sich zanken, vgl. krämpel kralle. erwähnenswert scheint auch isl. kantaz sich zanken, zusammengehalten mit nd. katten hauen, schneiden (s. kafeln 2) und schott. chattle kauen, s. dazu sp. 6. merkwürdig endlich md. kempt duellum Dief. 192ᵇ, vgl.kampt sp. 102, kaft sp. 20. nord. kapp verhält sich zu kampf wie svöppr zu ahd. swamp schwamm, Frakki zu Franke.
1)
Einzelkampf, zweikampf, mit duellum glossiert alts. Graff 4, 406, mhd. Mones anz. 7, 298, im 15. jh. Diefenb. 192ᵇ, im 16.: monomachia, singularis pugna, ein kampf. voc. opt. Lpz. 1501, gemma gemm. Straszb. 1518 u. a.; auffallend ist übrigens wie selten das wort ahd. scheint (bei Graff gar nicht bezeugt), während chempho kämpfer häufig erscheint, auch chemfan 'militare', wie chempho 'miles', kann das den lat. ursprung unterstützen? mhd. steht es dem allgemeinen lantstrît gegenüber:
an swederʒ ir iuch wellet lân:
an kamph od aber an lantstrît.
Trist. 161, 27,
gleichbedeutend vorher einwîc, lanther:
od aber si sazten sich ze wer
mit einwîge oder mit lanther.
161, 18.
nhd.: von einem der in einem kampf mit dem andren streit, wie dick der falt oder geschlagen würt, so ist er doch nit geschetzt überwunden, es sei denn das er sich ergeb und sprech 'ich sicher, ich gib mich gefangen'. Keisersberg irrig schaf B 3ᵇ;
ich habe manchen kampf (duell) mit allem glück gewagt.
Zachariä renommist 5, 49.
a)
kunstkampf (vgl. kämpfe). in dem amtseide eines fechtmeisters, kempfers, Lienhart Sollinger im 16. jh., gelobt dieser, die kunst zu halten zu eren und underweisung ... nach auserweisung des kampfes. Serapeum 5, 57, also nach den regeln der kunst. weitere zeugnisse wünschenswert. vgl. kampfstück.
b)
gerichtskampf (vgl. krieg, kampfgericht, kampfschild u. a.):
alle die herren habens gehört! ich hoffe sie werden
zeugen sein des rechtlichen kampfs.
Göthe 40, 205,
s. Reineke vos 4, 5. in dem hd. Reinicke fuchs Frankf. a. M. 1583:
nempt diesen händschuch hin von mir (sagt der wolf),
was er bedeut das wiszt wol ir,
zu kampf wöllen wir beide gehn.
178ᵇ;
so wil ich (der fuchs) dennoch nicht verzagen
und diesen kampf frei mit euch wagen.
das.,
vgl. noch Steinbach 1, 826 sie wagen einen kampf, est inter illos certatio, und vorhin Zachariä:
so setzet beide bürgen do (sagt der könig),
dasz ir wolt diesen kampf bestehn.
Rein. fuchs 179ᵃ;
darmit giengen sie nach dem plan,
da der kampf war geschlagen an.
180ᵇ,
vgl. turnier anschlagen 1, 442 (im nd. kamp slân, d. i. halten Rein. vos 681. 6102. 6246. 5610, vgl. u. e Frisch);
des wolten sie umb leib und leben
mit einander sich zu kampfe geben.
181ᵇ;
aufzunehmen den kampf, wenn es ihm also beliebte.
Göthe 40, 221. 222,
nd. dat he den kamp upneme 6526, d. i. aufhöbe (danach ist 1, 696 zu bessern). sonst heiszt den kampf aufnehmen, wie es aufnehmen mit einem den kampf annehmen: die leichten truppen unter Pletz und York in steter bereitschaft, den kampf aufzunehmen. Droysen Yorks leben 1, 131. es hiesz vom kläger, einen kampfes, zu kampfe oder kämpflich ansprechen (ansprecher kläger weisth. 4, 592), vom beklagten kampfes antworten u. a. vgl. kampfacht, kampfbar.
c)
im turnier, vgl. kampfspiel, kampfstück; dasselbe meint wol camp palestra Diefenb. 406ᵇ:
darnach über ein kleine zeit
kam her aus ferren landen weit
ein kürriser gar hoch berümbt,
desselben lob was weit geplümbt,
wie er het manchen kampf gethan,
darinn im niemand het gsiget an.
Theuerd. 77, 5;
der ritter viel auf sein knie hindan,
damit der Tewrdank den kampf gewan
demselben alten ritter ab.
106, 38,
den kampf gewinnen, verlieren (Ssp. 1, 63, 1. Reinaert 3796) kampf tuon schon mhd., vgl. nachher Maaler.
d)
im 16. jh. brauchte man dafür nach dem lat. certamen singulare: besunderer kampf, monomachia, streit den zween allein mit einanderen thuͦnd, das mann an mann ist. Maaler 240ᶜ; in solchem (indem) ist Alibrand, welcher in dem ersten glied gestanden, etlich schritt für den haufen herausz getretten und dem Mola einem französischen hauptmann ein besonderen kampf angebotten (in der schlacht vor Pavia 1525). Fronsperger kriegsb. (1596) 3, 108ᵃ;
eh jungfer mocht und junggeselle sich weiland bei den Sacis paaren,
must eines vor (zuvor) des andern stärke durch einen sondren kampf erfahren.
Logau 3, 123, 23;
und will, auf beiden seiten blut zu sparen,
mein glück im einzeln kampf mit ihm versuchen.
(try fortune with him in a single fight).
Heinrich 4., 1. th. 5, 1.
ebenso absonderlicher kampf, duell. Albertinus narrenhatz 366. jetzt meist zweikampf, gewählt und nur selten einzelkampf: jener starke graf hatte bei einem zweikampf das unglück gehabt seinem gegner den kopf vom rumpf zu hauen, wie in diesem jahr 1813 in Rostock ein kosackenofficier in einem ähnlichen kampf dem ältesten sohn der frau von Stael that. Arndt erinn. 170.
e)
es heiszt einen zum kampf herausfordern, einem kampf anbieten, mhd. kampf bieten Parz. 324, 3, vom gegner kampf nemen 717, 16. 625, 29, und dem entsprechend kampf geben 418, 14. so noch in dem liede von herzog Ernst:
er sprach 'ich gib dir kampfs genuͦg'.
Haupt 8, 494.
gewähren, wie mhd. gewern:
köng Fasolt und Dietrich von Bern
theten einander kampf gewern.
H. Sachs 1 (1590), 307ᵈ.
ferner den kampf annehmen, sich zum kampfe stellen, mhd. ze kampfe stân Parz. 323, 9, in einen kampf treten Frisch 1, 499ᵇ, einen kampf beston Maaler, dies bestehn noch heute das gebräuchliche (kampf führen, wie bei krieg, braucht man nicht, doch s. u. 3, b), früher treiben: die treiben auch gar ernstlich kampf mit einander. Frank weltb. 204ᵇ; halten Steinbach: der vermeinte Quello beschreibet seinen mit Raquander gehaltenen kampf. Happel kriegsroman 1, 48; halte einen tapferen kampf mit ihnen. Simpl. 1, 258, s. auch 3, a Phil. 1, 30 und Brockes. sich in kampf legen, wie noch im kampfe liegen (2, b):
und wil sich drumb in kampf mit diesen riesen legen.
Werder Ariost 9, 19, 6.
Frisch 1, 499ᵇ citiert einen kampf schlagen, pugnare publice, duellieren, aus script. brunsvic. 3, 417 (s. nd. kamp slân u. a). den kampf beilegen, certamen sedare Steinbach 1, 826, mhd. scheiden (vgl. 3, 1124 und kampfscheider):
des thieres sein ist kampf, des menschen geist ist frieden:
sind wir erst menschen ganz, so ist der kampf geschieden.
Rückert weish. des brahm. 8, 5.
f)
kampf mit einem, gegen, wider einen; blutiger kampf (Stieler 923), verzweifelter kampf (verzweiflungsvoller Schiller 471ᵇ), kampf auf tod und leben, bis zum messer, kampf um etwas. ungleicher kampf (Schiller 778ᵇ), der kampf blieb unentschieden, ward nicht ausgefochten;
ich habe
mich dargestellt zum ritterlichen kampf
um meine krone.
Schiller 456ᵃ,
zum zweikampf nach ritterlichem gebrauch;
wie wetter erhebt sich der grimmigste kampf.
Bürger lied von treue;
doch müst auch dann des friedens sanfte ruh
die wunden heilen, die der kampf ihr schlug.
ders. (1789) 2, 266.
g)
übertragen auf das bettespil, minnekampf, der auch krieg hiesz, mhd. ringen; in einem gerichtsspiel, das davon handelt ob eine mutter oder die tochter heiraten solle, entscheidet ein richter:
ich hab die tochter wol gemerkt (ins auge gefaszt),
si maint ir leib sei also gesterkt,
das sie eim jungen kampfs genug wil geben,
si hungert und dürst noch elichem leben.
fastn. sp. 748, 20.
vgl. unter kampfkreis, kämpfen 3. liebeskampf, veneris colluctatio Steinbach 1, 826. milder:
süsz behagt es, edlen wein kosten im gelage,
süszer wenn mir liebchen lacht und den kampf ich wage.
Haug 2, 62 nach:
dulce cum sodalibus sapit vinum bonum,
osculari virgines dulcius est donum.
h)
jetzt ist zwar dieser genaue begriff von kampf als zweikampf verwischt, doch spricht man noch von faustkampf, ringkampf, hahnenkampf (dagegen stiergefecht) u. ä., wo zwei gegen einander streiten, und braucht da nie ein andres wort:
sie reinigten von ungeheuern
die welt in kühnen abenteuern,
begegneten im kampf dem leun.
Schiller 65ᵇ.
auch kampfplatz gilt allein, nicht streitplatz oder ein andres, und auch wenn man vom kampf zweier heere spricht oder von andern kämpfen, wie parteienkampf, liegt meist noch das bild zweier einzelkämpfer im hintergrunde. das wort ist übrigens ein gewähltes, dem höheren stil angehörig, dem volke nicht geläufig.
2)
Der urbedeutung am nächsten steht
a)
wettkampf:
der olimpische kampf mit nam
in dem lande Arcadiam.
H. Sachs 1, 307ᵇ;
zum kampf der wagen und gesänge,
der auf Korinthus landesenge
der Griechen stämme froh vereint.
Schiller 57ᵇ.
vgl. sp. 138 nord. kapp, kamp wettstreit, es heiszt daher sehr hübsch kappspringa, kappsigla, kappro, kappdrikka u. a. (norw.), um die wette laufen, segeln, rudern, trinken. man möchte ähnliche wörter in unserm alterthum vermuten; vgl. kampfgesang, kampfjagen.
b)
unter mehreren, selbst kampf zweier heere: teten si imande mee schaden in orem (ihrem) lande, so hetten si den kampf an der hant, drohen die Erfurter i. j. 1447 vorüberziehenden söldnern. K. Stolle, thür.-erf. chron. s. 27, vgl. Trist. 219, 35; Julius Caesar der ... mit Teutschen im kampf lag. Mathesius 86ᵃ, vergl. 1, e sich in kampf legen. noch jetzt: die parteien liegen mit einander im kampfe. aber selbst hier blickt oft das bild vom zweikampf noch durch, so wenn Schiller von der Breitenfelder schlacht sagt: die zwei gröszten heerführer ihrer zeit, beide bisher unüberwunden, sollen jetzt in einem lange vermiedenen kampfe mit einander ihre letzte probe bestehen, einer von beiden musz seinen ruhm auf dem schlachtfelde zurücklassen. 934ᵃ, vgl. dazu u. kämpfen 2; Philipp der zweite mit wenigen schwachen nationen im kampfe, den er nicht endigen kann. 775ᵇ, denn man sagt im kampfe sein, vollständiger begriffen sein mit einem;
wir wagten es, ein schwaches volk der hirten,
in kampf zu gehen mit dem herrn der welt?
Schiller 520ᵃ;
auf tod und leben in den kampf mit mir
zu gehn.
428ᵃ;
der blutige kampf der entscheidung.
Voss Il. 13, 271. 314,
jetzt meist entscheidungskampf; ein mörderischer kampf erhebt sich. Schiller 963ᵇ, auch entspinnt sich, entbrennt ('heiszer' kampf), wütet, tobt u. a.;
was ist unschuldig, heilig, menschlich gut,
wenn es der kampf nicht ist ums vaterland?
466ᵃ,
der einzelne als vorkämpfer (kämpfe, kämpe) gedacht;
denn adlichem gemüthe
und froher ritterbrust
ist kampf die höchste lust.
Schenkendorf 95.
c)
leichten kampfes, wie leichten kaufs, trocknen fuszes u. ä.:
viel öfter war der held
besiegt und leichtern kampfes überwunden.
Schiller 613ᵇ;
nicht leichten kampfes siegt der glaube,
solch gut will schwer errungen sein.
Th. Körner leier u. schwert 72.
d)
kampf der elemente, mit elementen, persönlich gedacht:
da kommt ein sturm, aus heitrer luft gesandt,
und reiszt mich wieder in den kampf der wellen.
Schiller 504ᵃ;
die bewohner der marschen sind im ewigen kampfe mit dem meere, zugleich zu 3.
e)
einen kampf kämpfen, wenn zu kampf noch eine bestimmung tritt (von Adelung als undeutsch getadelt):
getrost,
Alcides, kämpfe muthig deinen kampf.
Herder 6, 163;
vertheidigt als ein ritter die geliebte,
kämpft einen edlen kampf um sie!
Schiller 423ᵇ;
mit dem menschen muszte er (der mensch) um sein dasein kämpfen, einen langen, lasterreichen, noch jetzt nicht geendigten kampf. 1009ᵃ;
rastlos fort zu kämpfen den kampf mit feindlichen männern.
Voss Il. 9, 317;
ringsher kämpften sie kampf um die meerschiff'.
15, 414;
ach ich hab einen sauern kampf gekämpfet und mit blutendem herzen die harten worte gesagt. Zschokke Abällino 133. so schon Luther, nach dem griech.: kämpfe den guten kampf des glaubens. 1 Tim. 6, 12; ich habe einen guten kampf gekämpfet, ich habe den lauf (wettlauf) vollendet, ich habe glauben gehalten. 2 Tim. 4, 7, danach oft bei geistlichen dichtern.
3)
Kampf ohne waffen oder vielmehr mit den 'waffen des geistes', oder mit und zwischen unpersönlichen 'feinden', z. b.
a)
wortkampf (Dasyp. 360ᵈ), glaubenskampf, kampf mit verhältnissen, schwierigkeiten, widerwärtigkeiten, feindlicher gesinnung u. dgl., gern im pl. kämpfe: dasz ihr nicht allein an ihn (Christum) gläubet, sondern auch um seinet willen leidet und habet denselbigen kampf (mit der welt) welchen ir an mir gesehen habt. Philipp. 1, 30; ich lasse euch aber wissen, welch einen kampf ich habe um euch und um die zu Laodicea. Coloss. 2, 1; gedenket aber an die vorigen tage, in welchen ihr erleuchtet erduldet habt einen groszen kampf des leidens. Hebr. 10, 32; den kampf der widerwertigkeit gedültiglich ausstehen. Albertinus schauplatz 224; in dem fortwährenden kampfe mit seiner lage nützen sich seine kräfte ab. Schiller 762ᵇ; er hat sich aufgerieben im kampfe mit widrigen verhältnissen; sein leben ist ein kampf um sein dasein (daseinskampf Rückert weish. des br. 10, 87); der mensch im kampfe mit der natur; die natur ruft alle kräfte des menschen zum frischen kampfe auf;
sieh da entbrennen in feurigem kampf die eifernden kräfte,
groszes wirket ihr streit, gröszeres wirket ihr bund.
Schiller 75ᵇ;
sein gemüt hatte sich verhärtet in den langen kämpfen mit seiner umgebung; die beiden eheleute leben in fortwährendem kampfe mit einander; in der Schweiz sagt man einem kampf geben, grund zum streit, ihn zum zank reizen. Stalder 2, 84;
licht und nacht hält hier zusammen (am Vesuv)
einen recht ergrimmten kampf.
Brockes 1, 355;
der frühling liegt mit dem winter im kampfe.
b)
kampf der meinungen, grundsätze, principien, zeitrichtungen, interessen: denn genau besehen, so ist der kampf (der geister in der sturm- und drangperiode) in diesen funfzig jahren noch nicht ausgekämpft, er setzt sich noch immer fort, nur in einer höhern region. Göthe 48, 86; wie der nun schon dreiszig jahre dauernde conflict zwischen classikern und romantikern sich immer in neuen kämpfen wieder hervorthut. 46, 125; der kampf des alten, bestehenden, beharrenden mit entwickelung, aus- und umbildung ist immer derselbe. 49, 80; Kotzebue ... führte mit ihnen den berüchtigten kampf gegen alle Göthianer, Nibelunger, mystiker und romantiker. Gervinus lit. gesch. 5, 556; sein literarisches wochenblatt und der darin geführte kampf gegen constitutionen, pressfreiheit, turnkunst. 557. federkampf (schon Abele gerichtsh. 1, cas. 60, Schottel 449ᵇ), schriftkampf, zeitungskampf u. a., bei Zwingli vom touf M 2ᵃ gschriftkampf, d. h. mit der bibel als waffe;
wenn sich im kampfe tobender parteien
die stimme der gerechtigkeit verliert.
Schiller 101ᵃ,
parteikämpfe, parlamentarische kämpfe, wahlkampf; heftigere kämpfe erregte der dritte und vornehmste punkt der berathschlagungen. Schiller 970ᵇ; so entspann sich (im oberhause) ein heftiger siebzehntägiger kampf. Dahlmann engl. rev. 305. gelehrter kampf, kampf der wahrheit gegen die lüge, des lichts und der finsternis: der zeitpunkt wo er (Don Carlos) sich bildet, ist allgemeine gährung der köpfe, kampf der vorurtheile mit der vernunft, anarchie der meinungen, morgendämmerung der wahrheit. Schiller 761ᵃ;
und jetzt, an des jahrhunderts ernstem ende,
wo wir den kampf gewaltiger naturen
um ein bedeutend ziel vor augen sehn
und um der menschheit grosze gegenstände,
um herrschaft und um freiheit wird gerungen.
318ᵇ.
so heiszt das leben selbst ein kampf:
zu traurigkeit
sei stets bereit,
denn kampf und streit
ists leben allezeit.
Fr. Petri sprichw., bei Hoffmann spenden 1, 13;
die einzige
ausbeute die wir aus dem kampf des lebens
wegtragen, ist die einsicht in das nichts.
Schiller 472ᵃ.
c)
unter umständen gewinnt es den nebenbegriff streben nach etwas, mit höchster anstrengung, wie fechten (nach, zu, um 3, 1389), ringen u. a., streben selbst heiszt eigentlich sich leiblich anstrengen, ja kämpfen selbst: jedes verlangen nach ruhm ist ehrbar, aller kampf um das tüchtige lobenswürdig. Göthe 48, 76. unsere freiheitskriege waren innerlich genommen ein freiheitskampf in gleichem sinne.
4)
Kampf im mikrokosmus.
a)
körperlich, jede krankheit ist ein kampf der natur mit einem feinde; seine natur ist dem kampfe mit dem wurm des todes unterlegen. kampf der gebärenden, wie arbeit 1, 541:
wär ich im kampfe der gebährerinn verschmachtet!
Gotter 2, 496.
kampf mit dem tode, agonisma. voc. inc. teut., todeskampf, der letzte kampf, die bezeichnung ist zu treffend, vgl. mit dem tode ringen, mhd. auch vehten (s. myth. 806), mlat. agonia, agon, agonizare (mit dem tot striten Dief. 19ᵃ, der tod als person), daher in allen roman. sprachen, auch engl.: den letzten kampf kämpfen, agonizare Stieler 923;
stark kämpftest du den kampf des lebens,
stark wirst du kämpfen den kampf des todes.
Schubart;
denke dieser bleichen todesmiene ...
ihres kampfes denk und ihres röchelns,
erdgedanken zu zerstreun.
Hölty 138;
schlummerte wieder ein und verschied ohne kampf. Niebuhr kleine schriften 1, 78.
b)
kämpfe in geist und gemüt: es hat mich manchen kampf gekostet ehe ich den entschlusz faszte; er entschlosz sich nur nach schwerem kampfe; sein trotz war im kampf mit seiner angebornen güte; der peinliche kampf entgegengesetzter neigungen oder pflichten. Schiller 1138ᵇ; der kampf mit dem unglück und der leidenschaft. 1139ᵃ;
fühlst du dir stärke genug der kämpfe schwersten zu kämpfen,
wenn sich verstand und herz, sinn und gedanken entzwein?
99ᵃ;
seelenkämpfe haben ihn früh reif gemacht; kein charakter wird fest ohne innere kämpfe; kampf der leidenschaften, der empfindungen, der wünsche; kampf der (mit den) anfechtungen. Keisersberg irrig schaf B 4ᵃ; pranget in ewigem kranz und behelt (behauptet) den sieg des keuschen kampfs. weish. Salom. 4, 2; kampf, qualis est peccantium, geistes und fleischeskampf (zwischen g. und fl.) Stieler 923; kampf wider die sünde, kampf des geistes. Adelung;
im kampf der lieb und pflicht mit ehren zu bestehn.
Wieland Oberon 8, 8;
nein, länger werd ich diesen kampf nicht kämpfen,
den riesenkampf der pflicht!
Schiller 20ᵃ;
erworbne unschuld, dem erhitzten blut
durch list und schwere kämpfe abgerungen.
269ᵇ;
Tell steht in fürchterlichem kampf (mit sich selbst). 537ᵃ, bühnenweisung in der apfelschuszscene; er schwieg einige minuten und schien einen heftigen kampf zu kämpfen. 712ᵇ;
ich lese
in ihren augen ihrer seele kampf.
415ᵃ;
und mir erscheint, was mich bisher gemieden,
ganz ohne kampf, der reine seelenfrieden.
Göthe 13, 266.
Vergl. streit, strausz, krieg, gefecht, fehde, zusammensetzungen auszer den angeführten zahlreich, z. b. geschützkampf, straszenkampf, seekampf, schiffkampf, reiterkampf, nahkampf, heldenkampf, verzweiflungskampf, ehrenkampf, vorkampf, gemütskampf, thierkampf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 138, Z. 45.

kämpfe, m.

kämpfe, m.
kempfe, kempf, schwachformig, die hochd. form von kämpe (s. d.), im 16. jh. schon auszer gebrauch kommend, von kämpfer verdrängt. mhd. kempfe, ahd. chemphio, chempho, alts. kempio pugil Haupt 5, 199, ags. cempa, altengl. schott. kempe, kemp, altfries. kampa, kempa; altn. kempa und zwar merkwürdiger weise fem., wie noch isl. bei Biörn und norw. kjempa bei Aasen, altschwed. kämpe m., daneben altn. kappi m. held, wie kapp wettkampf, jenes wol entlehnt? mlat. campio, davon dann ital. campione, span. campeon, prov. campion, franz. champion, daher engl. champion, mnl. campioen neben kempe. noch schwed. dän. kämpe held, dän. auch riese (kämpevise heldenlied, altes volkslied); auch älter schott. kemp ist zugleich riese. Entlehnung aus mlat. campio ist nicht nötig anzunehmen und wol unmöglich, da die entlehnung in der regel durch die casus obliqui vermittelt wird, also das n der endung schon im nom. erscheinen müszte, wie bei den roman. wörtern. ahd. chemphio, chempho, ags. cempa, altn. kappi sind eine regelrecht heimische bildung, wie pecchio becke 1, 1215, erpeo erbe 3, 710, scencho schenke m., u. a. (vgl. 3, 483 und käufel), und das mlat. wort ist vielmehr dem deutschen entnommen, champhio in der lex Rotharis. aus dem schwed. finn. kemppi held. Kempfen, campiones hieszen hauptsächlich leute, welche den kampf als gewerbe trieben, kunstkämpfer ('gladiator, athleta, pugil' ahd.), welche die kunst des fechtens lehrten (s. u. kämpfer); sie gehörten daher zu den fahrenden leuten die wol auch ihre kunst unter den joculatores mit zur unterhaltung vorführten. einen wichtigen dienst leisteten sie der gesellschaft, indem sie für miete gerichtliche zweikämpfe für andere ausfochten (Schwabensp. 62, 2). aus diesem grunde ist kempfe, champion auch vorkämpfer, der die sache eines andern verficht, md. 14. jh. vorkempfe (d. i. kempfe vür einen andern, wie fürspreche, vorsprech). eben das aber, dasz sie blut und leben und ehre für geld feil hatten, stellte sie rechtlich auf die niederste stufe (rechtsalt. 677), sie waren rechtlos, s. Ssp. 1, 38. 3, 45, 9, Schwabensp. 38. 258, 7, schon die lex Frisionum 5, 1 nennt sie unter denen, 'qui sine compositione occidi possunt'. In der meinung des volks kann aber diese ihre rechtliche verworfenheit nicht sehr ins gewicht gefallen sein, denn in sprache und dichtung ist das wort edel genug, um auf helden und fürsten, ja Christum angewandt zu werden:
der lantgrâve (Hermann) ist sô gemuot
daʒ er mit stolzen helden sîne habe vertuot,
der iegeslîcher wol ein kenpfe wære.
Walther 20, 12,
recht gut als kunstfechter auftreten könnte;
Wate stuont in huote (gegen des gegners schwert),
sam er ein kempfe wære.
Gudrun 360, 4,
deckt sich so kunstfertig, als ob er ein kunstfechter wäre;
he was ein forste ûterwelt,
unde an doget ein manlik helt,
rechte ein kempe unverhowen.
reimchron. bei Leibnitz, script. br. 3, 40,
wie ein nie verwundeter kunstfechter. wenn aus streitenden heeren zwei die entscheidung übernehmen, heiszen sie die kempfen ihrer parteien Parz. 691, 14; glaubensstreiter, märtyrer heiszen kempfen gotes, vrônkempfe, im passional märtyrerinnen gotes kempfinne, Christus selbst:
er vaht für uns des siges strît
als ein getriuwer kempfe tuot.
gold. schm. s. 136.
Später selten; in dem streitlied zwischen ritter und bauer:
ain ritter und ain pauman
begunden abenteuren,
ieweder chempfen da versprach,
ir chrieg solt niemant steuren.
Uhlands volksl. 336,
verredete es, einen kempfen, vorkämpfer zu brauchen, denn so hieszen auch die fürsprechen im gerichtsstreit, der als krieg galt, s. diesz und kämpfen 3, b. S. Brant preist den wein überschwenglich, darunter:
ein schenk des schimpfs, ein gute gab (l. gob),
der vechter kempf, der poeten lob.
thesmoph. 398 (Zarncke s. 150ᵇ),
der eigentlich für die fechter den kampf führt. noch bei Maaler 242ᵇ (1561): stark und vermüglich sein wie ein alter kempfen (kempfer Fris. 1574 1090ᵃ), pugilice valere. und heute noch als name Kämpfe, Kämpf, in Niederdeutschland Kempe, in England Kemp. sonst schob sich ihm kämpfer unter, wie fürsprecher statt fürspreche, rathgeber statt râtgebe, vridebrecher (schon 14. jh.) statt vridebreche u. a., wegen der verdunkelten endung der älteren formen, die nun dem gehör nicht mehr deutlich genug masculinisch klangen. doch wird es in neuerer zeit von kennern wieder gebraucht, z. b. Lachmann spricht in den anmerk. zu den Nibelungen s. 163 von den einheitskämpfen, den verfechtern der einheit des gedichts.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 144, Z. 47.

kämpfen

kämpfen,
pugnare, certare, dimicare, in allen bedeutungen von kampf, s. d. ahd. chamfan, chemfan, eig. champhian, mhd. kempfen; mnd. kempen (auch kimpen Dief. 115ᵃ, md. kimpfen 471ᵃ, vgl. sp. 102), nl. kampen, bei Kil. auch kempen; ags. campjan, alt- und nordengl., schott. kemp; dän. kämpe, schw. kämpa, dial. und altschw. auch kampa, altnorw. isl. aber keppa, keppast, auch schwed. käppas, zu kapp wettkampf, wetteifer. nach dem ahd. champhian altfranz. champier, mlat. campire.
1)
Ursprünglich vom zweikampf, namentlich vom kunstfertigen, nachher von streit aller art, auch unsinnlich. noch im 17. jh. vom duell: Cornelius Tacitus schreibt, dasz diser gebrauch des duellierens oder kämpfens von den nortländischen Teutschen herkommen seie. Albertinus narrenhatz 376, vorher absonderlicher kampf, dann immer nur kampf, kämpfen. die alte kunst des kämpfens ward um 1500 abgestellt und gieng in eine neue kunst des fechtens über, so berichtet H. Sachs in dem fechtspruch, ankunft und freiheit der kunst 1, 408ᵈ (1590 307ᵇ); darin erzählt ihm ein fechter:
solchs alls ist worden abgestilt,
das solche kämpf verboten hat
römisch keiserlich mayestat
Maximilianus der thewer ...
und hat mit freiheit thun begnaden
fechten, die ritterliche kunst ....
ich sprach: ich bitt euch, sagt mir auch,
weil kämpfen nit mehr ist im brauch,
was ist die kunst des fechtens nütz?
u. s. w.;
doch blieb das wort auszer dom schulgebrauch.
a)
in ernst und spiel, früher besonders vor gericht: under des lehrt (lernte) unser Gargantobel ringen, schwingen, verträhen, kämpfen, zil schieszen u. s. w. Garg. 178ᵃ (327), eine besondere art des kunstkampfes das fischgarnkempfen, das., offenbar der kampf der röm. retiarii; wie Tewrdank der held mit dem vierten ritter kempfte zuͦ fuͦsz und in absiget. Teuerd. cap. 104; du solt nicht mehr Jacob heiszen sondern Israel, denn du hast mit gott und mit menschen gekempft und bist obgelegen. 1 Mos. 32, 28, vgl. Hosea 12, 4;
leicht her stangen und stab,
pesser ist kempfen dann hals ab.
fastn. sp. 509, 9,
ein sprichwörtlicher grundsatz, mit dem man sich oder anderen zum rechtszweikampf mut machte, mnl. beter camp dan hals ontwê. Reinh. fuchs s. 236, besser is kamp dan hals mit ein (inzwein?) Karlmeinet 392, 41, besser kampf als den hals entzwei Simrock 5394.
b)
kämpfen um etwas, mit dem nebenbegriff von kampf 3, c:
greife frisch zum schwert,
und um des lebens süsze beute kämpfen wir.
Schiller 465ᵃ;
er euch! er soll es wagen! er! mit mir
musz er auf tod und leben darum kämpfen!
429ᵇ;
dir dient so mancher fechter,
und keiner kämpft um sie?
Uhland ged. 245;
zu eben der zeit wo die republik Holland noch um ihr dasein kämpfte. Schiller 776ᵇ. auch so: das man fichtet und kempfet (im glauben), wie man gerecht werde. Luther 6, 129ᵇ.
c)
mit für, über, ob, zu gunsten jemandes: dasz ihr stehet in einem geist und einer seele und samt uns kämpfet für den glauben des evangelii. Philipp. 1, 27;
zu eurem volke steht und eurem lande
und kämpft für euer heilig recht.
Schiller 534ᵃ;
die höll ist los, der satan kämpft für Frankreich.
460ᵇ;
ja ich bitte auch dich, mein treuer geselle, stehe ihnen bei, die samt mir über dem evangelio gekämpfet haben. Philipp. 4, 3;
dieser sachen klag ich euch an, ich denke zu kämpfen
über altes und neues.
Göthe 40, 205, s. Rein. vos 6120,
es ist ein gerichtlicher kampf, s. kampf 1, b. euch mit schriften zu ermahnen dasz ihr ob dem glauben kämpfet. br. Jud. 3;
drum musz ich, gewährt ihr in güte sie nicht,
drob kämpfen auf tod und auf leben.
Bürger, lied von treue.
d)
gegen einen, mit einem (s. 1 Mos. 32, 28 unter a):
kämpfen wir gegen einander, so ist es übel gehandelt.
Göthe 40, 218;
wenn einer, so sehnte sich York danach, wider Napoleon kämpfend die alte waffenehre Preuszens zu erneuen. Droysen Yorks leben 1, 192. mit auch von der waffe.
e)
auch thiere kämpfen, die hirsche kämpfen in der brunstzeit (um die gunst der hirschkuh, um den preis der tapferkeit). Frisch 1, 499ᵇ, ihr kampf mit den hunden heiszt bei den jägern vielmehr streiten, ebenso von wildschweinen. vgl. 6 und abkämpfen.
2)
Vom kampf in der schlacht:
auf tod und leben wird gekämpft und herrlich
wird mancher pass durch blutige entscheidung.
Schiller 543ᵃ;
sie sitzen ab, sie kämpfen mann für mann.
484ᵇ;
während dieses mörderischen kampfes zur seite von Möckern war im dorfe selbst nicht minder erbittert und blutig gekämpft worden. Droysen Yorks leben 2, 357; im süden von Leipzig war auf das hartnäckigste gekämpft worden. 369. so schon im 16. jh., obwol selten wie es scheint:
bisz der landgraf (Philipp von Hessen) erobret ...
die erst, ander und dritten (schanze)
mit kempfen und mit striten
mit stark werhafter hand.
Körners hist. volksl. 171;
diesz 'kämpfen und streiten' öfter: dasz einer der ehrlich kempfen und streiten wil, seinem gegentheil, wie sichs gebürt, absage. Reinicke fuchs Frkf. 1583 179ᵃ; von Christi erlösungsarbeit:
es get ein heilige zeit daher,
das Christus sein marter hat geliten
und für uns alle gekempft und gestriten.
Rosenblüt bei Göz H. Sachs 3, 177,
als unser kempfe, vorkempfe. Aber noch im 17. jh., wenn man von kampf im kriege sprach, dachte man an das abbild eines gerichtlichen zweikampfs, wie folgende stelle in lehrreichster weise darthut, in einer betrachtung über die umwälzung der kriegsart durch das grobe geschütz: das geschütz hat diese art an sich, dasz es gleichsam im ersten angriff und ehe so viel ins gras beiszen, zwischen den kämpfenden gegentheil recht spricht und dem einen oder andern den sieg zueignet. Simplic. (1713) 3, 65, sieg hiesz eben auch das gewinnen vor gericht, vgl. gottes urtel von der entscheidung des kriegs in einem liede von 1619 Soltau 458, und die stelle aus Uhlands volksl. unter kämpfe, sowie die nachher aus den fastnachtspielen. es heiszt: es wurde mit erbitterung gekämpft, mit todesmut, man kämpfte mann gegen mann, brust an brust, man kämpfte um jeden fuszbreit landes, aber immer noch klingt darin der alte zweikampf nach, denn gekämpft wird recht eigentlich erst da wo es zur entscheidung geht und die streitenden heere gleichsam zu zwei persönlichen gegnern werden. so ist kampf streng unterschieden von krieg, gefecht, streit, fehde, schlacht, obwol es mit einem oder dem andern zusammenfallen kann, je nach der auffassung der sache. Adelung beschränkt kampf sogar auf den kampf mann gegen mann und meint, bei der heutigen art krieg zu führen komme es 'nur noch zuweilen in der dichterischen schreibart' vor. das volk allerdings braucht das wort jetzt fast gar nicht, seit das bild des gerichtlichen und anderen zweikampfs den augen entrückt ist; doch in der Schweiz noch mit einem kämpfen, wortwechsel halten. Stalder 2, 84, s. 3, b.
3)
Weitere anwendung.
a)
von wettkampf, vgl. kampfspiel:
dô diu amsel kamfte mit der nahtegal.
Hadloub MS. 2, 192ᵃ;
ähnlich J. Paul: die nachtigall im nahen zimmer kämpft, wie von der tuba ins feld gerufen, mit deinen tönen (des Albano der clavier spielt). Titan 2, 159. bei Maaler 242ᵇ reichliche beispiele: kempfen welcher der best schütz seie, celeri certare sagitta, kempfen wölcher am basten (s. 1, 1150) möge laufen, pedibus contendere cum aliquo, mit eim kempfen wölcher am aller meisten wachen oder arbeiten möge, mit gaben kempfen wölcher die gröst schenke bringe. das ist das nord. kappro wettrudern u. a. sp. 141; schott. so kemp, besonders von mähdern und bei andrer feldarbeit, um die wette arbeiten. vgl. den glaubenskampf als wettkampf, kämpfen 1 Cor. 9, 24. 25.
b)
weil der zweikampf ein rechtsmittel war, die wahrheit zu ermitteln, so heiszt auch der wortstreit vor gericht kämpfen, wie der fürspreche ein kämpfe, ja wie alle den kampf betreffende ausdrücke zugleich für den rechtsstreit galten, siegen, gewinnen, überwinden, verwinnen, fällen, unterliegen, ring, plan u. a.; in einem 'ludus solatiosus', einem gerichtsspiel wie sie zu fastnacht aufgeführt wurden, rühmt sich am schlusz der procurator, redner, vürsprech, der für seine partei gewonnen hat, um sich weiter zu empfehlen:
mit witzen und sinnen
thue ich vil recht gewinnen.
ich kan die warhait für pringen
und mandleich (männlich) kemphen in den (l. dem) ringen.
fastn. sp. 1003, 20,
nach 1006, 1 tret in den (gedr. dem) ringen ist der ring ('ringe' sg.) gemeint, der kampfkreis. so von einer religiösen disputation, die der Wiener bürger Caspar Tauber, der 1524 als ketzer hingerichtet ward, auf dem schaffot mit dem chormeister führte:
wie wol oft (der) chormaister
viel im in sein (seine?) wort,
noch thet er erlich kempfen,
sich an kein trewung kort.
Körners hist. volksl. 129.
daher von anderm wortstreite (vgl. 2 a. e.):
und (die weiber) kempfen lang mit wechselworten,
wann jede 'will die beste sein' (alter kampfausdruck, vgl. kostfrei):
endlich sie sich beid geben drein
und wöllen mit den feusten kempfen.
H. Sachs 3, 2, 7ᵃ;
umsonst, je hitziger ihr kämpft (mit gründen),
je minder wird sein trotz gedämpft.
Wieland.
c)
kämpfen in wort und schrift, um rechte, wahrheiten, grundsätze, immer mit dem bilde des zweikampfs: das sy aber umb áller bilder willen also kempfend, ist ein irrsal. Zwingli antwort an Val. Compar 1525 L 4ᵇ, dawider eifern; üwer kempfen und arguieren (streiten). vom touf K 3ᵇ; das alles ward in täglichen reden, ward in einer masse von flugschriften durchgekämpft. Dahlmann engl. rev. 373.
d)
vom minnekrieg, dem bettespil, wie kriegen, mhd. ringen; vgl. kampf 1, g und kampflîche wîp Parz. 192, 16. 515, 4, s. auch kölblein 6.
sie streitet, du streitest, ihr streitet zugleich,
durch streiten und kämpfen mehrt Venus ihr reich,
durch streiten und kämpfen wächst Cypripors stärke.
Günther 928;
meine gluth ist nicht zu dämpfen (sagt ein mädchen),
bis ich einstens werde kämpfen
mit dem Amor bis aufs blut.
volkslied aus vorigem jh. (vater, ist denn nicht erschaffen).
4)
Kämpfen mit unpersönlichen gegnern;
a)
mit elementen: weil sie (die Friesen) kämpfen muszten mit dem schwerte gegen den Normann und mit dem spaten gegen die wilde see. Stüve wesen und verf. der landg. 79;
ja wenn die kühne kraft nicht ruhen kann,
so mag er kämpfen mit dem element,
den flusz ableiten und den felsen sprengen
und dem gewerb die leichte strasze bahnen.
Schiller 348ᵃ;
zwecklose kraft unbändiger elemente!
da wagt mein geist sich selbst zu überfliegen,
hier möcht ich kämpfen, diesz möcht ich besiegen.
Göthe 41, 259;
stimmen (singende) .. die mit den wellen des meeres kämpfen. 27, 133; ohnmächtig kämpft sich der geschickteste schwimmer zum lande. Schiller 701;
so lasz uns durch den sturm uns kämpfen.
Immermann ged. (1822) 183.
dies refl. sich kämpfen auch sonst: er kämpfte sich aus dem gewühl heraus, er kämpfte sich bis zur casse vor, sich frei kämpfen, sich durchkämpfen, sich herauf, empor kämpfen, vgl. Klinger sp. 149. Auch die elemente kämpfen mit einander, das wasser kämpft mit der flamme:
ist es der sturm der droben kämpft,
der regen gipfel peitschend?
Göthe 3, 231;
an örtern, wo ihr (der sonne) stral gedämpft
mit braunen schatten dämmernd kämpft.
Gotter 1, 229.
b)
mit verhältnissen, übeln, leiden, widerwärtigkeiten, mit dem schicksal, die dann auch selbst als kämpfende gegner auftreten, s. kampf 3; der glaubenskampf gehört hierher, von dem unter 1, c mehrere biblische belege, vgl. kampfglaube:
einen guten kampf hab ich
auf der welt gekämpfet.
H. Albert, s. sp. 142;
ziehet an den harnisch gottes ... denn wir haben nicht mit fleisch und blut zu kämpfen, sondern mit fürsten und gewaltigen, nemlich ... mit den bösen geistern unter dem himmel. Eph. 6, 12;
mit edelm muth dem schicksal widerstehen,
das grimmig dir entgegen kämpft.
Schiller 455ᵇ;
eh ich besitz von dieser grafschaft nahm, kämpftet ihr mit dem mangel. 313ᵇ; die harmonie seines geistes war völlig zerstört, eine innerliche hitze und heftigkeit, die alle kräfte seiner natur durch einander arbeitete, brachte die widrigsten wirkungen hervor und liesz ihm zuletzt nur eine ermattung übrig, aus der er noch ängstlicher empor strebte, als er mit allen übeln bisher gekämpft hatte. Göthe 16, 143 (Werther); die beschwerden und arbeiten dieses dienstes, wo er (graf L. Dohna) zugleich für sein heer und auch für sein land selbst gegen die russische in mannszucht sehr aufgelöste hülfsschaar zu kämpfen hatte. Arndt erinn. 183. grundsätze, anschauungen kämpfen mit einander: verschiedene verfügungen worinn der alte (politische) begriff mit dem neuen kämpft. Möser phant. (1778) 2, 207.
5)
In der innern welt des menschen, s. kampf 4.
a)
körperlich: seine kernhafte gesundheit kämpfte glücklich mit den üblen folgen der wunde und kämpfte sie endlich nieder; mit dem tode kämpfen, den letzten kampf kämpfen, agonizare. Stieler 923, auch diesz als zweikampf ursprünglich, s. sp. 143.
b)
in gemüt und geist. der mensch kämpft mit seinen gedanken:
alsô hânt vil manege hînt
urliuge gehabet âne vînt,
wan si kemphent die naht lanc
mit ir gireschem gedanc.
Thomasin w. gast 3045.
der geist, wille kämpft mit dem fleische: und hond dennocht zeschaffen, dawider (wider das fleisch) zu kempfen. Keisersberg sünden d. m. 8ᵃ; so lang dein vernunft das nit wil, sunder nach irem vermügen dawider ringt und kempft und wolt gern entladen sein von solicher ... anfechtung. irrig schaf B 4ᵃ; ihr habt noch nicht bisz aufs blut widerstanden über dem kämpfen wider die sünde. Hebr. 12, 4. leidenschaften kämpfen mit einsicht, tugend, liebe mit pflicht u. s. w.:
wenn hoffnung kämpft mit furcht in einem herzen.
A. Gryphius (1663) 152;
vergebens kämpft ihr stolz der stärkern zärtlichkeit
entgegen.
Wieland Oberon 10, 25;
kämpf deinem schmerz entgegen wie ein mann!
Schiller 576ᵇ;
denn widerwillen seh ich an der stirne dir,
ein edles zürnen das mit überraschung kämpft.
Göthe 41, 185.
daher mit sich selbst kämpfen:
plötzlich stand
sie still, schien mit sich selbst zu kämpfen.
Lessing 2, 350;
unterdessen gieng der magier mit starken schritten auf und nieder und schien unentschlossen mit sich selbst zu kämpfen. Schiller 720ᵇ; der prinz sagte mir unterwegs nicht ein wort, sondern gieng seitwärts und allein und schien einen gewaltsamen kampf zu kämpfen. 717ᵃ; ich habe lang mit mir gekämpft, ehe ich mich entschlieszen konnte. jeder hat mit üblen angewöhnungen zu kämpfen; sie konnte ihre zweifel nicht niederkämpfen;
gleich einem drachenpaar in einer finstern höle
kämpft itzo ja und nein ergrimmt in seiner brust.
Zachariä verwandl. 3, 165;
hinsehen musz ich, wie das herz mir auch
dagegen kämpfe, nach der tödtlichen gestalt.
Schiller 464ᵃ;
wehe dem der im sturme der leidenschaft noch mit den spitzfindigkeiten einer klügelnden vernunft zu kämpfen hat. 753ᵇ; nie gefühlte zweifel kämpften in seiner brust. 934ᵃ; sie kämpft zwischen liebe und festigkeit. Göthe 57, 16; er kämpft zwischen eitelkeit und liebe. 17; kämpfst du dich durch den schauder, oder verschlingen düstre bilder den muth? Klinger 2, 112; deiner würdig kämpfte ich mich durch den schrecken. 2, 113. vgl. sich kämpfen sp. 148.
6)
sich kämpfen reciproce: da kämpfen sie sich (die hirsche) mit ihrem gehörne zuweilen so stark das sie nicht wieder auseinander kommen können. Heppe leithund 292. es hiesz mhd. einen kempfen, bekämpfen. s. kriegen so. Vgl. abkämpfen, ankämpfen, auskämpfen, bekämpfen, durchkämpfen, erkämpfen, mitkämpfen, überkämpfen, verkämpfen, vorkämpfen, widerkämpfen, zerkämpfen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 145, Z. 51.

kämpfen

kämpfen?
in der würzburg. fischerordnung von 1570 und 1766 ist denen die keine altwasser haben, das stöhren und kämpfen verboten. Schmeller 2, 302. vgl. kamm 8 sp. 106 und kampf 102.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 149, Z. 32.

kempf, kempfe

kempf, kempfe,
s. kämpfe, auch kamm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1865), Bd. V (1873), Sp. 530, Z. 8.

zerkämpfen, verb.

zerkämpfen, verb.
refl., sich abkämpfen, sich im kampfe abmühen: ich mus mich noch tag und nacht darmit zukempfen Luther 33, 272 W.; Wieland bei Campe 5, 843ᵇ; Pfeffel poet. vers. 5, 129; summa vi et acriter contendere Stieler 923 (verdächtig). —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1932), Bd. XV (1956), Sp. 699, Z. 31.

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Zitationshilfe
„kampf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kampf>.

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