Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kampfer, m.

kampfer, m.
oder kampher, campher, selbst kamphor, wie man gelehrt schreiben will, camphora; das geschlecht hat sich der männlich klingenden endung anbequemt. bei Maaler 155ᵈ gampher, wie noch jetzt schweiz., im voc. th. 1482 'gampfer oder kaffer oder koffer' kijᵃ. mhd. hiesz es gaffer und campher m., nach mlat. cafura und camphora, auch ital. cafura und canfora, span. alcanfor, aus arab. pers. caphûr, cafûr, indisch kanpura. Gaffer ist noch die oberd. form, schwäb. bair. östr. (auch gaffet Höfer 2, 258, vgl.kammet); so stellt Hohberg 3, 1, 185ᵇ beide formen neben einander: 'ein erbis grosz campfer (kaffer'), aber gaffer 2, 279ᵇ. 280ᵃ, gafferpulver für die pest 1, 254ᵃ ff.; bei Henisch 1354 gapher. in einer anweisung für die tortur: bei den hexen aber wird das räuchwerk, welches von schwefel, kampfer und teufelsdreck zusammen gemacht, gebrauchet. Adrian mittheilungen 301. Früher hiesz es auch ampfer camphora Dief. 93ᶜ, u. a. aus Brack, ampher in der Leipz. ausg. 47ᵇ und bei Trochus L 1ᵃ, wol durch vermischung mit ambra, amber. Dazu kampferelixier, kampferessenz, kampferliquor (Frisch) u. a., s. unten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 149, Z. 35.

kampfer, adj., auch adv.

kampfer, adj., auch adv.,
von gewissen wunden: eine wunde in das haubt durch den hirnschädel oder knochen ist kampfer .. welche wunde die länge und tiefe hat, nemlich des mittelfingernagels tief und desselbigen fingers langsten gliedes lange, wird vor eine kampfer wunde gehalten. Görlitzer ordn. von 1565 bei Haltaus 1065; der einen .. durch den ellnbogen groblich und kampfer verwundet. Leipz. schöffenweisthum um 1549 das., in einem andern heiszt es: das brotmesser in die kele gestochen und ihr einen todtlichen kampferstich zugefuget; in einem gleichen von 1545: dasz er ihm drei kämpfer wunden und drei floszwunden (blutende, flieszende) zugefugt, nachher drei kampfer und drei fleischer wunden. das.; von lemnisse und kampfir wunden. das. 1154, aus Halle 1499; kampferthat oder dergleichen, als lemblich und beinschrötige wunden. 1155, von 1487; selbst als subst. kampfer m.: ein wurf oder schlag mit einem stein am kopfe .. auf einen kampfer tief. 2209 aus einem gutachten der medic. facultät zu Leipzig von 1652. das ist misverständnis der späteren zeit, auch die zusammensetzung kampferstich, kampferthat ist nur scheinbar, in kämpferwunde auszerdem ein misverständnis, kampfer ist nur kürzung von kampfbar (s. d.), welche aber den häufigen tagesgebrauch des wortes bezeugt; es ist wie schamper (schamperlied) aus schantber, das b gieng im f unter, zu grunde liegt die md. form kampfbêre. früher auch kampere d. i. kampbêre: wirdit der geswornin burgere einer zu tode geslagin adir gewundit einer kamperin wundin. Freiberger gesetz von 1305 bei Schott land- u. stadtr. 3, 87, vgl. das. 166. 174. 224. 225. 240. 246 u. ö. s. auch kampferwunde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 149, Z. 54.

kämpfer, m.

kämpfer, m.
kragstein, bei arcaden, bogenstellungen das capitäl des nebenpfeilers, auf dem der bogen des gewölbes ruht. Zedlers universallex. 15, 39, auch ein solcher über die mauer herausstehender knauf, ohne nebenpfeiler. Hübners handlungslex. 987, s. darüber käpfer:
komm, muse, lasz uns die wohnung und häusliche wirthschaft des landmanns
und viehzucht und gärten betrachten. hier steigt kein marmor aus Bergen
und zeuget kämpfer, kein taxus spitzt sich vor schlössern ...
Kleist frühling Zürich 1754 s. 24,
später geändert (werke 1771 2, 13):
hier steigt kein parischer marmor in säulen
empor und bückt sich in kämpfern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 150, Z. 4.

kämpfer, m.

kämpfer, m.
pugnator, es entstand (nach der stelle unter kämpferin schon in mhd. zeit) als stellvertreter von kämpfe (s. d.), an kämpfen angelehnt, und wird in vocabb. des 15. jh. ebenso erklärt, z. b. in Diefenbachs wb. v. 1470 kempfer duellator, athleta, agonista. 12. 17. 102, pugil, adleta, pugillator, palaster (παλαιστής) voc. inc. teut. n 1ᵇ, gladiator voc. 1482 q 3ᵃ, nd. kemper pugillator Diefenb. 471ᵇ (ebenso md. 57ᵇ). nl. kamper, kemper, champion, guerrier Kil., dän. kämper, auch schott. kemper bei der ernte u. ä., zu kemp wetteifern sp. 147.
1)
gleich kämpfe, kämpe. in einem fastnachtspiel bei Keller wird eine jungfrau verfolgt und fleht um hülfe beim könig, dieser:
junkfrau, get hin in den palast,
do han ich mangen werden gast.
suocht welcher woll eur kempfer sein.
'herr konik, ich find hie keinen helt,
den ich zu kempfer han erwelt'.
der könig empfiehlt ihr einen, den Rüdiger, markgraf von Pechlar, sie geht zu diesem:
o edler furst, ich pit euch ser,
fecht hie fur mich durch gotis er.
fastn. sp. 548;
kam her aus ferren landen weit
ein kürisser gar hoch berümbt,
desselben lob was weit geplümbt,
wie er het manchen kampf gethan,
darinn im niemand het gsiget an.
desselben kempfers erenhold
rüeft aus, wer mit im kempfen wolt u. s. w.
Teuerdank 77, 7;
derselbe heiszt dann ritter 77, 47; darauf, als Teuerdank den kampf angenommen, heiszt auch er kempfer, die bede kempfer 69; also kunstkämpfer, der aus dem kampf gewerbe macht, und jeder der sich zu gleichem kampf erbietet. Ebenso vor gericht, wer sich zu kampfrecht erbietet, heiszt alsbald und während des ganzen verfahrens vor gericht kämpfer, sowol der kläger wie der antworter; so in der kampfgerichtsordnung des burggrafthums Nürnberg bei Schottel 1234 ff., feierlich heiszt er daselbst auch kämpfer des heil. reichs, kämpfer des reichs, denn das gericht ward im namen des h. reichs gehalten; während des kampfs selbst heiszt es, die kämpfer arbeiten mit einander 1239. so nd. kemper im Rein. vos, von Isegrim und Reineke, da der kampf beginnen soll:
dar mochte men do twe kempers sen!
6298,
ausgelernte kämpfer, mit aller kunst, anders als kempen 2326, nl. im Reinaert 6977 auch an jener stelle die twee kempen. auch fechtmeister, kampflehrer hieszen so, wie vorher kempfe, z. b. der kempfer Lienhart Sollinger, Serapeum 5, 57, s. sp. 139. Daher noch bei Maaler 239ᶜ nach Frisius 1199ᵃ 'alter kämpfer, ein überlägner alter mann, senium' (s. sein alter kempfe sp. 145) und 'wie ein kämpfer, d. i. stark und vermügenlich, kreftenklich, pancratice'. wa het der kämpfer Milo ein lebendigen ochsen auf den achseln getragen. Fischart Garg. 41ᵇ (62); waghäls, schreck den teufel, abentheurer, ringer, kämpfer. groszm. 603 Scheible. ähnlich noch bei Schiller, von Theseus in der Phädra 2, 2:
den edlen kämpfer konnte nur der tod
so lange zeit dem aug der welt verbergen.
613ᵇ,
bei Racine entsprechen nur die worte ses travaux éclatants.
2)
später, mit geänderten sitten, ward es fast zu bloszem subst. verbale zu kämpfen; so wol schon im voc. inc. teut. kempfer mit dem tod, agonista, s. kampf sp. 143:
wie wetter erhebt sich der grimmigste kampf,
das stampfen der kämpfer zermalmet zu dampf
den sand und die schollen der erde.
Bürger, lied von treue;
von dem kriege zwischen Philipp II. und den Niederlanden: endlich nach einem halben jahrhundert giengen meister und schüler unüberwunden als gleiche kämpfer auseinander. Schiller 777ᵃ. Von bildlichem kämpfen: die kempfer .. mit irem klapren. Zwingli vom touf g 4ᵃ, die streitenden gegner;
wenn es gilt zu herrschen und zu schirmen,
kämpfer gegen kämpfer stürmen
auf des glückes, auf des ruhmes bahn.
Schiller 72ᵇ;
und o, dem kämpfer der hier standhaft ringet,
die siegeskrone dort aus des vergelters hand.
Gotter 1, 388;
nicht so vieles federlesen!
lasz mich immer nur herein (ins paradies):
denn ich bin ein mensch gewesen,
und das heiszt ein kämpfer sein.
Göthe 5, 257.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 150, Z. 18.

kampher

kampher,
s. kampfer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 157, Z. 19.

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„kampher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kampher>, abgerufen am 25.10.2021.

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