Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kande

kande,
s. kante.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 158, Z. 49.

kante, kande, f.

kante, kande, f.
cantharus, gleich kandel und kanne.
1)
als geschirr, zum gebrauch vgl. kanne 1: kante oenophorum, cantharus Dasyp. 360ᵈ, ein kanten 24ᶜ; kande amphora Dief. 32ᵇ aus einem md. voc.; 'kant, kanten, kantel, ein weingeschirr' Maaler 240ᶜ: sie hörent nit uf zesaufen, sie sehent dan der kanten den boden. Keisersberg sünden d. m. 5ᵃ; wie daselbs gemeinlich ein reif oder ein grüner kranz oder kandt auszhengt, anzuzeigen dasz disz haus ein wirtshaus sei. Fischart bienenk. 1588 89ᵇ; (Eulenspiegel) nam zwo kanten, die waren beid gleich gemacht, und nimpt in ein kanten wasser und lat die ander kanten leer ... und get mit den kanten in den weinkeller und last einmessen ein stouf weins und thut die kant mit dem wein under den rock. Eulensp. cap. 57; also thet U. die kanten uf und sagt 'se hin, lieber her, die kan ist gar vol gelt', nachher griff mit der hand in die kan .. schluͦg die hend in die kant. cap. 112, beide formen wechselnd wie bei andern oberd. schriftstellern, s. sp. 164; ein neu zinnen kanthen. S. Frank 2, 105; welche rott am besten singet, dise gewinnen etlich kanten mit wein. weltb. 1534 51ᵃ (leseb. 3, 340, 29); wann sie voll seind und die kandten nimmer zum maul künden bringen. trunkenh. d iiij; ein kuͦw für ein kant ansehen, in höchster trunkenheit. das. (1531) E iijᵃ; deren so .. von freunden ob dem spiel und kanten umbkommen. kriesgb. d. fr. 187; wunderbarliche gesellen findet man oft in den abendzechen, insonders wenn es umb die funfte kanten wirt. Wickram rollw. 65;
sechs, achterlei wein was vorhanden,
da truͦg man auf mit fleschen, kanden.
ders. bilger 52;
ein schüssel oder (und?) kanten mit speis und trank. Agricola spr. 82ᵇ;
drumb lasz uns weidlich halten an
und zu mit ganzen kandten saufen.
Alberus Äsop 111;
er (der pfarrer) ist ein guter freundlicher herr, ist frölich mit den bawren, fürnemlich im wirtshaus wann es ausz der kanten gilt zu predigen. Hönigers narrensch. 75ᵇ; sechs jungkfrauen mit vergolten khanten. Westenrieder beitr. 5, 155;
wenn er ein kanden wein tregt her (der wirt),
so setzt er zwo (an), ist on gefehr (unversehens).
Ambr. lb. 130, 38;
da man mir vergant (versteigerte) allen hausrat und gewand, und liesz mir auch an der wand nit ein kräuslein noch ein kant. Garg. 99ᵃ (174); nun cantate canticum ausz der kanten dʒ die noten auf die erden fallen. 96ᵃ (168). in schlägereien, vgl. kandelwurf: zuckte ainer frävenlich gen dem andern es wären messer, stül, kanten, holz ald stein. Mones anz. 4, 154, Sigmaring. stadtr. v. 1460;
die kanten zu dem kopf gestochen,
den tisch um, gläser all zerbrochen.
Garg. 98ᵇ (173);
'wirt, nun trag ainen andern (wein) her'.
tuͦt er denn das nit geschwind.
so wirf im dkanden an den grind.
parod. Cato bei Zarncke s. 149.
schmeckt aus der groszen kandt ein guter trunk darauf.
Opitz ged. Straszb. 1624 s. 14,
sonst aus d. gr. kann (1690 1, 158);
ein Frank der nicht gern kandten fegt (unfindbar).
Philander (1650) 1, 447,
wol trinkerausdruck für austrinken, vgl. fegen 10;
das saufen bringet grosz beschwer,
es macht täsch, speicher, keller lehr,
und jagt gewaltig aus dem haus
bett, kessel, kand und schüssel ausz.
das. 753;
so kam mirs auch treflich zustatten dasz man aus so bequemen kanden einschenkte. Simpl. 2, 259; also will ich auch (sagt die meuder) dasz man kein geld mehr umb venedische gläser ausgeben soll, als welche einem so augenblicklich zerbrechen: wer wein hat, der kan ihn ja wol aus der kanden oder wie ich aus einem häfelein trinken ... und siehet nicht gleich jeder schnauber ob man viel oder wenig trinkt. 3 (1713), 137; ziehe das wild (aus dem haar.) hervor und schnelle es auf den tisch, kanten oder teller deines nachbars. L. Tölpels baurenmoral (1752) 27;
wer hat mit toller trunkenheit
im klubbe rasender bacchanten
mit schläuchen, flaschen, vollen kanten
den hain Germaniens entweiht?
Schubart (1825) 2, 73,
in der palinodie an Bacchus, wol aus seiner schwäb. heimatssprache.
2)
als masz: rechte wage, rechte pfund, rechte scheffel, rechte kanden sol bei euch sein. 3 Mos. 19, 36, aus der oberd. sprache eingeschlichen, wie vorhin in Zinkgrefs ausg. von Opitz, doch vgl. kandel 159; die züber (zur sole) sind alle gleich, halten 8 fülleimer, ein fülleimer 8 kanden. Mathesius Sar. 125ᵇ (Nürnb. 1578), in der schilderung des salzwerks zu Halle a. d. Saale, war dort kande gebräuchlich? Das wort, von der schriftsprache jetzt ausgeschlossen, ist namentlich im bair. sprachgebiet noch heimisch, und daher auch in südöstl. nachbarsprachen gedrungen, kroat. dalm. serb. kanta, wind. kandva (und kandla, d. i. kandel), walach. cu̹nte̹ (Diez gr. 1², 339); auch russ. kandeja. merkwürdig ein masc. schwäb. im 16. jh.: einen kanten vollen weins. Pf. Germ. 4, 57. es heiszt ahd. canada (urk. v. 742), cannata, canneta, kanneta, kannite, chanta, cantharus Graff 4, 449. Schmeller 2, 302. Mones anz. 8, 94. Haupt 3, 126. 470, formen welche aus cantharus (Wackernagel) nicht zu begreifen sind. sie sind doch wol nichts als eine weiterbildung von channa, das nach ahd. kanali, canada eine nebenform chana gehabt haben wird, die dann die ältere wäre; auch mlat. caneta, canneta und canna, kanna (Ducange) werden aus deutscher quelle sein. kandel (kantel) ist entweder dem. zu kante oder wol auch aus kanel (kanl) entstanden, wie z. b. quendel aus quenel, quenula, mhd. trendel sphaera aus ahd. trennila.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 172, Z. 22.

kante, kande, f.

kante, kande, f.
cantharus, gleich kandel und kanne.
1)
als geschirr, zum gebrauch vgl. kanne 1: kante oenophorum, cantharus Dasyp. 360ᵈ, ein kanten 24ᶜ; kande amphora Dief. 32ᵇ aus einem md. voc.; 'kant, kanten, kantel, ein weingeschirr' Maaler 240ᶜ: sie hörent nit uf zesaufen, sie sehent dan der kanten den boden. Keisersberg sünden d. m. 5ᵃ; wie daselbs gemeinlich ein reif oder ein grüner kranz oder kandt auszhengt, anzuzeigen dasz disz haus ein wirtshaus sei. Fischart bienenk. 1588 89ᵇ; (Eulenspiegel) nam zwo kanten, die waren beid gleich gemacht, und nimpt in ein kanten wasser und lat die ander kanten leer ... und get mit den kanten in den weinkeller und last einmessen ein stouf weins und thut die kant mit dem wein under den rock. Eulensp. cap. 57; also thet U. die kanten uf und sagt 'se hin, lieber her, die kan ist gar vol gelt', nachher griff mit der hand in die kan .. schluͦg die hend in die kant. cap. 112, beide formen wechselnd wie bei andern oberd. schriftstellern, s. sp. 164; ein neu zinnen kanthen. S. Frank 2, 105; welche rott am besten singet, dise gewinnen etlich kanten mit wein. weltb. 1534 51ᵃ (leseb. 3, 340, 29); wann sie voll seind und die kandten nimmer zum maul künden bringen. trunkenh. d iiij; ein kuͦw für ein kant ansehen, in höchster trunkenheit. das. (1531) E iijᵃ; deren so .. von freunden ob dem spiel und kanten umbkommen. kriesgb. d. fr. 187; wunderbarliche gesellen findet man oft in den abendzechen, insonders wenn es umb die funfte kanten wirt. Wickram rollw. 65;
sechs, achterlei wein was vorhanden,
da truͦg man auf mit fleschen, kanden.
ders. bilger 52;
ein schüssel oder (und?) kanten mit speis und trank. Agricola spr. 82ᵇ;
drumb lasz uns weidlich halten an
und zu mit ganzen kandten saufen.
Alberus Äsop 111;
er (der pfarrer) ist ein guter freundlicher herr, ist frölich mit den bawren, fürnemlich im wirtshaus wann es ausz der kanten gilt zu predigen. Hönigers narrensch. 75ᵇ; sechs jungkfrauen mit vergolten khanten. Westenrieder beitr. 5, 155;
wenn er ein kanden wein tregt her (der wirt),
so setzt er zwo (an), ist on gefehr (unversehens).
Ambr. lb. 130, 38;
da man mir vergant (versteigerte) allen hausrat und gewand, und liesz mir auch an der wand nit ein kräuslein noch ein kant. Garg. 99ᵃ (174); nun cantate canticum ausz der kanten dʒ die noten auf die erden fallen. 96ᵃ (168). in schlägereien, vgl. kandelwurf: zuckte ainer frävenlich gen dem andern es wären messer, stül, kanten, holz ald stein. Mones anz. 4, 154, Sigmaring. stadtr. v. 1460;
die kanten zu dem kopf gestochen,
den tisch um, gläser all zerbrochen.
Garg. 98ᵇ (173);
'wirt, nun trag ainen andern (wein) her'.
tuͦt er denn das nit geschwind.
so wirf im dkanden an den grind.
parod. Cato bei Zarncke s. 149.
schmeckt aus der groszen kandt ein guter trunk darauf.
Opitz ged. Straszb. 1624 s. 14,
sonst aus d. gr. kann (1690 1, 158);
ein Frank der nicht gern kandten fegt (unfindbar).
Philander (1650) 1, 447,
wol trinkerausdruck für austrinken, vgl. fegen 10;
das saufen bringet grosz beschwer,
es macht täsch, speicher, keller lehr,
und jagt gewaltig aus dem haus
bett, kessel, kand und schüssel ausz.
das. 753;
so kam mirs auch treflich zustatten dasz man aus so bequemen kanden einschenkte. Simpl. 2, 259; also will ich auch (sagt die meuder) dasz man kein geld mehr umb venedische gläser ausgeben soll, als welche einem so augenblicklich zerbrechen: wer wein hat, der kan ihn ja wol aus der kanden oder wie ich aus einem häfelein trinken ... und siehet nicht gleich jeder schnauber ob man viel oder wenig trinkt. 3 (1713), 137; ziehe das wild (aus dem haar.) hervor und schnelle es auf den tisch, kanten oder teller deines nachbars. L. Tölpels baurenmoral (1752) 27;
wer hat mit toller trunkenheit
im klubbe rasender bacchanten
mit schläuchen, flaschen, vollen kanten
den hain Germaniens entweiht?
Schubart (1825) 2, 73,
in der palinodie an Bacchus, wol aus seiner schwäb. heimatssprache.
2)
als masz: rechte wage, rechte pfund, rechte scheffel, rechte kanden sol bei euch sein. 3 Mos. 19, 36, aus der oberd. sprache eingeschlichen, wie vorhin in Zinkgrefs ausg. von Opitz, doch vgl. kandel 159; die züber (zur sole) sind alle gleich, halten 8 fülleimer, ein fülleimer 8 kanden. Mathesius Sar. 125ᵇ (Nürnb. 1578), in der schilderung des salzwerks zu Halle a. d. Saale, war dort kande gebräuchlich? Das wort, von der schriftsprache jetzt ausgeschlossen, ist namentlich im bair. sprachgebiet noch heimisch, und daher auch in südöstl. nachbarsprachen gedrungen, kroat. dalm. serb. kanta, wind. kandva (und kandla, d. i. kandel), walach. cu̹nte̹ (Diez gr. 1², 339); auch russ. kandeja. merkwürdig ein masc. schwäb. im 16. jh.: einen kanten vollen weins. Pf. Germ. 4, 57. es heiszt ahd. canada (urk. v. 742), cannata, canneta, kanneta, kannite, chanta, cantharus Graff 4, 449. Schmeller 2, 302. Mones anz. 8, 94. Haupt 3, 126. 470, formen welche aus cantharus (Wackernagel) nicht zu begreifen sind. sie sind doch wol nichts als eine weiterbildung von channa, das nach ahd. kanali, canada eine nebenform chana gehabt haben wird, die dann die ältere wäre; auch mlat. caneta, canneta und canna, kanna (Ducange) werden aus deutscher quelle sein. kandel (kantel) ist entweder dem. zu kante oder wol auch aus kanel (kanl) entstanden, wie z. b. quendel aus quenel, quenula, mhd. trendel sphaera aus ahd. trennila.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 172, Z. 22.

kante, f.

kante, f.
margo, ora, rand, ecke, scharfe seite, ein nd. wort, erst im 17. jh. wie es scheint in die schriftsprache eingeführt, mnl. cant m., nnl. kant m., niederrh. im Karlmeinet 85, 29. 178, 35 kant schildrand, doch in md. mundarten, wie sächs. thür. jetzt völlig heimisch. engl. cant (altengl. cantel, s. Halliw. 230ᵇ), dän. schwed. norw. kant m., isl. kantr, aber nicht altn., ags.; altfries. kant in fiuwerkant 'auf der vierten seite' Richth. 745ᵃ. auch altfranz. cant ecke, winkel, ebenso ital. span. port. canto. über der abstammung liegt dunkelheit; auch griech. κανθός augenwinkel, lat. canthus eisenreif um das rad (mlat. speiche, felge Dief. 96ᵇ) kommen dabei in frage, denn canthus erklärt Quintilian für africanisch oder hispanisch, und kymr. cant ist umzäunung, kreis, radschiene, rand, vereinigt also alle vorhandnen bedeutungen. s. Diez 85, der das deutsche wort für kelt. entlehnung hält. aber auch slav., poln. kant m. ecke, rand, das zwar entlehnt sein mag (wie lett. kante f., ehstn. kant), aber heimisches aussehen hat poln. ka̜t winkel, böhm. kout, slov. kót u. s. w., s. weiter Diefenbach origines europaeae 278 ff. merkw. eine glosse des 15. jh. in md. vocc. 'canticus ranft, ramft' Dief. 96ᵇ; was ist das ahd. 'ein kant plates pagina' Graff 4, 455 ? eine roman. erweiterung ist it. cantone, franz. span. port. canton ecke, landschaft; so dän. kant gegend, nl. bei Kil., wie auch it. canto, vgl. ort. ein schweiz. ausdruck ist braue, brauwe f., scharfer rand z. b. eines holzes Stalder 1, 220.
1)
nd. kante ist ecke, spitze, ferner rand; daher seekante küste (davon wol lapp. kadde ufer):
mag ick der nich gôn spazeren
an de kant von de rûskende sê? ...
se plücket wol alle de blömkes
de an de sêkante sind.
Uhlands volksl. 200,
auch das kant Rein. vos 796 meint wol seeküste, Elvkant Elbstrand Schütze 2, 222. daher nennt Opitz nach dem nl. die syrische küste der Damascener kant (Voss anm. zur Luise 3, 2, 618), kante küste Rädlein, meereskante Dingelstedt ged. (1845) 471. Aber auch der winkel, die ecke von innen gesehen, daher an de kante, bei seite brem. wb., bî de kant Fromm. 3, 276, 98; dann seite überhaupt, binnenkante und bûtenkante, innere und auszenseite, bei Frisch aber binnenkante binnenwinkel. Von nhd. wbb. gibt es zuerst Schottel 1342, kant f., Stieler 928 kant und kante, angulus, ora, extremitas, auf allen kanten undique (nrh. an gêner kânt nirgends Fromm. 5, 519, im Hunsrück uf alle kante auf jede art und weise, bei jeder gelegenheit). man braucht es hd. hauptsächlich für rand, das hervorstehende äuszerste an allerlei gegenständen das sich als spitze oder linie darstellt, hauptsächlich letzteres: die beiden oder die vier kanten eines bretes, die kante eines tisches, eines steins; die dickeste kante, den astigsten theil des bretes. Lessing 7, 208;
nur frisch ans werk! die spitze, die mich bannte,
sie sitzt ganz vornen an der kante (der schwelle).
Göthe 12, 78;
und so gibts (im Jura) gar zierlich ausgeschweifte höhlen und löcher, die wann sie mit scharfen kanten und spitzen zusammen treffen, sich seltsam zeichnen. 16, 224, vgl. scharfkantig;
und so hüpft er auf die masse dieses felsens, von der kante
zu dem andern, und umher so wie ein ball geschlagen springt.
Göthe 41, 229;
in der hand die goldne leier, völlig wie ein kleiner Phöbus,
tritt er wolgemuth zur kante (des felsens), zu dem überhang.
41, 230;
jeder sonnige hügel war benutzt (zum weinbau), bald aber bewunderten wir schroffe felsen am strom auf deren schmalen vorragenden kanten wie auf zufälligen naturterrassen der weinstock zum allerbesten gedieh, 30, 176. man stellt ein bret u. ä. auf die kante, die hohe kante, dasz es mit der andern kante nach oben steht: alle straszen (in Venedig) sind geplattet, selbst die entferntesten quartiere wenigstens mit backsteinen auf der hohen kante ausgesetzt (als pflaster). Göthe 27, 108. auch der rand am stück tuch wird kante genannt.
2)
auszerdem kam es in einem besondern gebrauch seit dem 17. jh. ins hd. aus dem nl. (canten pl. Binnaert), von zacken oder 'spitzen' als schmuck, Brüsseler kanten, Brabanterkanten, franz. dentelles, engl. point, das span. randa, port. renda aber, von gleicher bedeutung, ist unser rand (Diez 281). in einer Mindener kleiderordnung von 1674 (P. Wigand beitr. 236. 237) wird den frauen und jungfrauen des zweiten und dritten standes verboten die hauben und halskragen auf die neue mode mit kanten und spitzen zu besetzen, vollends aber bei kindern und säuglingen die mützen mit güldenen und silbernen kanten und gaullaunen besetzt; kanten von weiszzeug werden nachher besonders erwähnt als weisze linnen knüppels oder spitzen; doch ist das. 237 erwähnt dasz schon die ordnung von 1658 ihnen zwo seidene spitzen oder canten erlaubt habe. cante, schmale von gold ober silber gekleppelte spitze an halstüchern u. dergl. Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 295;
mit der brüsselschen kante, die ihren busen nicht deckte.
Wieland Amadis (1771) 1, 45,
der sing. von dem ganzen stück, zeug. gewöhnlich im pl., so schon Rädlein 'kanten, spitzen':
brachte die müze sodann, die batistene, welche mit rothem,
flammig gekräuseltem band und dem quast von kanten gezieret.
Voss Luise 3, 2, 618.
der silberschein der Brüssler kanten.
Thümmel 3, 338;
er schrieb ihr ein briefchen auf seidenpapier,
umrändelt mit goldenen kanten.
Bürger (1789) 2, 167.
es gibt gestickte kanten, gewirkte, gedruckte, genähte an taschentüchern, kragen und anderm weiblichen putz, desgl. an fenstervorhängen u. s. w., vgl. käntchen. auch in der stubenmalerei und an tapeten heiszt der arabeskenartige rand der sich unter der decke hinzieht, die kante, blumenkante, fruchtkante; beide letztere ausdrücke auch von kleidern, wie perlenkante, spitzenkante, silberkante u. dgl. vgl. kanten 1, b. manche schmetterlingsflügel sind wie mit kleinen zarten kanten besetzt; daher heiszen (sächs. thür.) manche schmetterlingsarten selbst kante.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 173, Z. 45.

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„kande“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kande>, abgerufen am 19.10.2021.

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