Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kandel, f.

kandel, f.
kanne. mhd. kandel Erec 3495 ist wegen der späten hs. unzuverlässig; oft im 15. jh.: cantharus, chandel, kandel Dief. 96ᵃ; das. aus dem 16. jh. kantel, auch bei Maaler 240ᶜ, und schon im 15. jh. wasserkantel Dief. 31ᶜ. im voc. inc. teut. m 7ᵃ 'kandel cantarus, inde kandel est ejus diminutivum', jenes als fem., dieses als n. (s. z. b. kampel m. mit dim. sp. 136 unten, vgl. käntlein).
1)
zum schenken oder trinken, wie kanne:
ainer gab ain hulzin kandel.
Hätzl. 262ᵇ;
holz zu hülzern kandeln. Luther tischr. 22ᵇ (2, 15); gibt einer einem kannengieszer zin, es sei new oder alt, als an zerbrochnen schüsseln, tellern, kandeln ... wo er im aber daraus liesz kandeln oder andere ungeschlagene arbeit machen u. s. w. Leipz. stadtordn. 1544 C 4ᵇ. aber auch von gold: zur lösung der goldenen kandel zu Nürnberg 555 gulden rh. Krenner bair. landtagsh. bei Schm. 2, 302. sie ist von verschiedener grösze, in Aventins hinterlassenschaft fanden sich in der kandlrem: drei seidlkandl, zwei kopfkandl, item ein zweikopfige kandl. verzeichnis von 1534 bei Schm., vgl. bei Tucher 289 vierteil- masz- und seitelkandel, auch schenkkandel, mischkendelein.
so setz dich, trink ein kandel bier.
H. Sachs 3, 3, 29ᶜ;
Romane, bring mir zu dem handel
mit kaltem wasser her ein kandel.
3, 1, 218ᶜ;
mit dem deckel auf der kandel klöpfelen. Garg. 112ᵃ (200);
der Lipp schaut in die kandel,
er klopfet, sie war lär.
89ᵃ (153);
ir vil mit kandeln und schwerten schirmen.
fastn. sp. 385, 18,
in einer schlägerei (vgl.kandelwurf); item C. Kessel ded. 4 lb. hl., daʒ er einen mit einer kandeln geworfen hat. Nürnb. chron. 1, 265, 14. jh.;
flaschen, kandeln zu bier und wein,
köpf, kraus und glas, zu schenken ein.
Folz von hausrat, bei Göz H. Sachs 4, 152;
zuͦ halben, ganzen saufen sie einander zuͦ (zur kirmes)
ausz kandeln und ausz krügen.
Uhland volksl. 646;
in musz man tragen, aber das sacrament stehet für im wie ein kandel weins auf dem tisch. Luther 1, 301ᵇ, denn auch der weinkrug auf dem altar heiszt so, die opferkandl beim messelesen Schmeller 2, 302, kärnt. opferkándilan Lexer 154, tir. die kandelen Schöpf 301, schon im voc. inc. teut. altarkandel; haben sie (die bair. abgeordneten, acc.) die von Augsburg mit ihrer kandel und abt von Sankt Ulrich mit 10 kandeln welschwein geehrt. bair. landtagsh. 14, 166 bei Schmeller; 10 kandl wein, geschenkt denen von Landshut. 15, 303. jenes ist die städtische ehrenkanne (Garg. 271ᵃ, Sch. 513), zum ehrenwein.
namen die kandel, füllten hnein,
wie sie da stund, vom besten wein.
Waldis Es. 231ᵃ (4, 18, 51);
die martinsgans lebt stets im saus,
schwenket die kandl und becher aus.
ganskönig 4ᵃ;
ein solcher (ein schlemmer) wird andächtig sein in der kandel. Fischart groszm. 66 (598 Sch.);
wenn man ein neue kandel bring.
J. Ayrer fastn. 52ᵃ.
auch in Luthers bibel (gewöhnlich kanne): lauter gold zu kreweln, becken und kandel. 1 chron. 29, 17. ein sprichwort bei Abraham a S. Clara: bei kandl und Andl (wein und mädchen) ist selten ein ehrbarer wandel, Simrock 5395 kandel und Andel bringen einen warmen mantel, wein und liebe wärmen am besten. das wort lebt noch in Baiern (neben kannel, kanden, kannen, kännel) Schm. 2, 302, Östreich, Tirol (die spritzkandl, gieszkanne der gärtner), dazu dim. das kandele, kärnt. kandile; merkwürdig aber ist, dasz es jetzt auf das bair. sprachgebiet beschränkt ist, während es im 15. 16. jh. allgemein scheint, auch in Mitteldeutschland heimisch (Leipzig, Luther, Waldis), wo es jetzt unbekannt ist, vgl. kante 2.
2)
als masz, wie auch kanne: anno 1541 ist (in Leipzig) der grosze steinen und viereckichte rorkasten volendet, und gemessen worden durch die visirer, was er in sich halde. als ist befunden das er 2181 aimer und funf kandel in sich halde, tut zu Turgischen (Torgauischen) fassen gerechnet 436 fasz, einen aimer, funf kannen. mittheil. der deutschen gesellsch. zu Leipzig 1, 115; butter geschmelzt eine kandel um 3 groschen, kleine fisch eine kandel oder quart um 4 gr. Colerus hausb. (Frisch 1, 499ᶜ), auch er ist ein Meiszner, und doch heiszt es da heute nur kanne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 158, Z. 50.

kändel, kandel

kändel, kandel,
s. känel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 159, Z. 45.

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Zitationshilfe
„kandel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kandel>, abgerufen am 24.10.2021.

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