Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

kaninchen, n.

kaninchen, n.
cuniculus, der im hd. schon länger gültige name des thiers, die mundarten nennen es meist mit sehr abweichenden formen: caninchen Trochus prompt. Lpz. 1517 H 2ᵇ, in rhein. vocabb. des 15. jh. Dief. 162ᶜ canichen (druckf.?), canelichen; kanninchen, kaninchen bei Rollenhagen, caninichen bei Rädlein, Steinbach, Kirsch, kaninchen bei Stieler, Frisch; ein sonderbarer sing. caninich n. bei Schottel 1296, den sogar der Schweizer Denzler (Basel 1697) mit anführt neben königlein, der rechten oberd. form. bei Luther caninichen: die caninichen widerkewen wol, aber sie spalten die klawen nicht, darumb sind sie unrein. 3 Mos. 11, 5. 5 Mos. 14, 7; caninichen ein schwach volk, dennoch legts sein haus in den felsen. sprüche Sal. 30, 26; kaninichen. ps. 104, 18;
das kaninichen druckt ich zwischen die ohrn.
Reinicke fuchs Frankf. 1583 117ᵃ;
kein künstler und kein kluger mann (zauberer),
der sonst caninchen machen kan.
Chr. Weise überfl. ged. 1700 s. 169;
dort lauscht das weisze caninchen in dunkler höhle, es drehet
die rothen augen herum.
Kleist frühling 1754 s. 25;
rothe und bewegliche augen wie die kaninchen haben. Göthe 16, 248;
o du, weisz wie kanienchen, geschlank wie ein englisches windspiel.
Voss (1825) 2, 68.
Die form stammt aus dem nd., kanineken Chytraeus (1592) 375, in der nd. übers. des pentateuch v. 1534 canyneken; das einfache kanîn, schwachformig, Rein. vos 2915. 3416. 4368. 4782. nnd. kanink ditm., kanînken oldenb., kaneineken westf. Fromm. 5, 161, gött. karnîneken, brem. kernienken (wie kartun kattun, karnalje canaille). Mitteld. heiszt es, dem lat. näher, kanickel, canickelgen Picander 2, 231 (ein Leipziger), kanickligen Rädlein, heute karnickel, karnickelchen (sächs., osterländisch, thür.), auch götting. karnikelken, märk. kanickel und karnickel Danneil 96ᵃ. Die nd. form geht weiter nach norden, dän. schw. kanin, isl. kanîna und kûnîna f.; daher auch finn. kaniini (und kani), nach dem nd. deutlich litt. kanynke, lett. kanînkenis, ehstn. kannelike (vgl. oben canelichen). Die quelle der nd. form scheint nl. konijn, mnl. cunîn, und diesz aus älter franz. connin, conin, daher auch engl. cony, altengl. aber cunyng, landsch. conig Halliwell 287ᵃ. 267ᵇ; span. conejo, port. coelho, ital. coniglio, aus cuniculus. gael. coinein, coinean. das lat. wort ward übrigens sogar griechisch, κούνικλος, κύνικλος, mit derselben tonänderung wie mhd. künigel, s. königlein. Es gibt wilde und zahme kaninchen, Frisch unterscheidet sie als bergcaninchen und hauscaninchen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 161, Z. 65.

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Zitationshilfe
„kaninchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kaninchen>, abgerufen am 28.10.2021.

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