Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gankeln, kankeln

gankeln, kankeln,
baumeln, wackeln, schaukeln, nur landschaftlich, aber in allen drei hauptmundarten und gewiss von hohem alter.
1,
a)
henneberg. ganggeln, hangend sich hin und her bewegen Fromm. 3, 132, nordfränk. gankeln Schm.² 1, 923; die glocke macht ging gangk Fromm. 6, 131. 123ᵃ, der am galgen baumelnde 'spielt gankerle gank', wie vermutlich ein wirkliches spiel hiesz: der jenige, der gankerle gank spielen und durch das henfene fenster sehen soll, machet ein amor mit herr Johann des oberrichters magd, diese recommendirt ihn der tochter, die tochter der mutter, diese macht nachmals dem herrn schultheisen durch küssen und halsen eine solche opinion, dasz der henkermeszige vor einen Agamemnon und tapfer officirer gehalten wird. Schuppius 531 (v. d. einbild.).
b)
nd. im Götting. kankeln, einen wackelnden gang haben, kankelig wackelnd, bes. vom gange, kankelbein langbeinige spinne und mensch mit langen dürren beinen, s. Schambach 96ᵃ. in Sachsen kankeln oder gankeln baumeln, z. b. mit den beinen beim sitzen, auch schaukeln, kankel f. die schaukel.
c)
auch im alem. und bair. gebiete: schweiz. ganggeln, schlaff einherwackeln, ganggel m. einfaltspinsel, er lâts ganggle, läszt alles gehn wie es mag. Stalder 1, 423; tirol. gangkelen gehend hin und her schwanken, auch zu gehn anfangen wie die kinder Schöpf 173, letzteres auch kärnt. ganggeln, und zu schweiz. ganggel stimmend gangge m. f. einfältige person (ganggen, ganggeln dummes zeug machen) Lexer 108, vermutlich nach dem gaukelnden gange oder gaukelndem bewegen überhaupt benannt.
2)
zum erweis des alters kann statt alter zeugnisse sein auftreten mit ablautung und im scand. norden dienen.
a)
ablautend auszer dem ging gangk u. 1, a henneb. gonkeln (mit o für u) baumeln Fromm. 6, 475, am Mittelrhein gonkel f., die schaukel Kehrein 1, 169, auch gleich schwanken, s. das. 2, 28, hess. gunkeln baumeln, z. b. das scheuernseil gunkelt noch, die bösen jungen müssen eben dran gewesen sein (es als schaukel benutzt haben), auch ich will dir einmal den stock auf dem buckel gunkeln lassen. Vilmar 140, der das kunkelieren in der Nürnb. hs. der erlösung v. 4713 (vgl. u. knütteln 1) dazu zieht.
b)
trefflich ergänzend und vollends beweisend tritt mundartliches aus Schweden dazu, bei Rietz kinka baumeln (z. b. sitzend mit den beinen, oder am galgen), auch kinksa, und kinka f. die schaukel 320ᵇ, dann kanka wackeln, auch umherstreifen und tändelnd arbeiten 307ᵇ; auch mit der l-bildung wie gankeln, gunkeln bei uns: kangla baumeln, schlenkern, auch wackelnd gehn und tändeln 307ᵃ, kankla und kunkla, auch kongla u. ä., tändeln 307ᵇ. norw. kinka mit dem kopfe wackeln.
c)
und wie bei uns mit g- neben k- schwed. gunga f. schaukel, gunga schaukeln, schwanken, dän. gynge, in schwed. mundarten gungsa schaukeln, gungsa f. die schaukel Rietz 185ᵃ, und gingla wackeln, gängla wankend gehn 185ᵇ. die doppelheit der lautstufe ist danach in dem stamme herkömmlich, wie oft.
3)
zur verwandtschaft.
a)
das nd. kankelbein u. 1, b wiederholt sich im entlegensten süden, in der sprachinsel am Monte Rosa ganglbein langbeinige spinne Schott 301 (auch wäberbein 340), deutlich nach ihren gankelnden beinen; aber auch ihr md. name kanker macht darauf anspruch, doch könnte auch er urspr. ihr eigenthümlich wankendes gehn meinen, zumal sie auch ganker und kankel heiszt, s. mehr V, 163.
b)
ein anderer anklang fand sich bei klanken, das auch schwanken heiszt, mit klungklanker schaukel, glanken baumeln, auch glankern, glunkern u. ä., s. V, 952; solche doppelform eines stammes, mit und ohne l zwischen anlaut und vocal, ist nicht selten, s. u. klank 4, d.
c)
aber auch berührung mit dem stamme von gehn, urspr. gangan, liegt mehrseitig deutlich vor. das gangkeln der kinder z. b. als erstes gehn (1, b) ist ein wanken und ein gehn zugleich, der zweite begriff allein tritt auf in tir. bair. gankel gleich gängel (s. d.), gehn könnend, und doch mit der form von gankeln; schon im 15. jh. ganggeln gleich gangeln (s. d. 1). umgekehrt zeigt gängeln 1, e, schaukeln, die form von gangen und die bed. von gankeln.
d)
auch gängeln aber hat ein gänkeln neben sich in schweiz. gänggelen, einmal 'im gehen zappeln' (gänggeli n. schmeichelname kleiner kinder) Stalder 1, 423, aber auch tändeln (s. u. gängeln 2, c), also gleich schwed. kankla, kangla u. 2, b; die gaukelnde, baumelnde bewegung wird der alte begriffskern sein.
e)
es ergibt sich aus dem allem, dasz in alter zeit ein stamm mit der bed. baumeln in der doppelform kank (gank) und gang den germ. sprachen eigen war, und auch gangan wird da am besten unterkommen, denn das schreiten (s. gang, urspr. schritt) sieht dem andern, der es zu benennen hat, nicht anders aus als ein baumeln der beine; es war vielleicht zuerst ein kinderwort. vgl. die verwandten gageln, gagen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1254, Z. 11.

kankeln

kankeln,
schaukeln, sächs.; s. gankeln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 162, Z. 51.

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Zitationshilfe
„kankeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kankeln>, abgerufen am 26.10.2021.

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