Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kanntbar, kanntlich

kanntbar, kanntlich,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 168, Z. 78.

kenntlich, kennlich

kenntlich, kennlich,
kennbar, offenkundig, erkennbar u. a.; die beiden formen sind nicht eigentlich eine, sodasz eine von beiden falsch wäre, wie man im 18. 17. jh. meinte, sondern zwei von verschiedenem ursprung, es ist derselbe fall wie mit kennbar und kenntbar. dasz hier kenntlich siegte, bei dem nahen kennbar aber die form ohne t, ist gewiss der bequemheit des t zur trennung der beiden liquiden beim sprechen zuzuschreiben. noch Frisch wollte nur kennlich gelten lassen, denn das t sei ein einschiebsel (1, 510ᵇ), Stieler aber gibt nur kentlich, Steinbach nur kenntlich. das schwanken zeigt sich übrigens auch bei kennhaftig und kenthaftig, ja schon im 16. jh. merkwürdig genug in kenntmal für kennmal, wo das t wirklich falsch ist.
1)
kennlich, im mhd. zur zeit nur erkennelich und bekennelich (in unbekennelich) wb. 1, 810ᵇ. 808ᵃ, noch im 15. jh. bekenlich notabilis Dief. 383ᵃ, vom stamm selbst gebildet; aber auch mhd. kennelich wird zu finden sein, zumal nrh. kenlich schon in einer urk. von 1300 erscheint: het des bischof ampman van Collen iemanne van des grêven lûden van der Marche geschât .. dat kenlich is. Höfer auswahl 59, das offenkundig, 'notorisch' ist; vort sî ûch dat kunt ind kennelich. weisth. 4, 771; kund ende kennelich sî allen lûden .. 784, gleichfalls nrh., 14. jh. auch mnl. kenlijk, bei Kil. kennelick 'notoire', altfries. kûth and kanlik (wie kanna gleich kenna) Richth. 858ᵃ; nnl. kennelijk, dän. kjendelig. nhd.:
a)
offenkundig, bekannt, wie nrh. vorhin und nl. (s. auch kennbar in dieser bed.); Logau spricht einmal wider die neuen 'poetischen namen', z. b. lustinne für Venus, und meint,
wann wir christen in dem sinne (in unserm geiste)
nicht der heiden wesen hausten (beherbergten), würden wenig ihre worte
ärgern durch die bloszen namen, die so kennlich aller orte.
2, 8, 47, allbekannt.
b)
kennbar, erkennbar: wie nun die neigung des menschen nicht wol kennlich ist. Butschky Patmos 320;
(den) das schwarze haar und der verwörrte bart
neben langen augenwimpern trefflich kennlich hat gemacht.
Hoffmannswaldau (1700) getr. schäfer 166.
doch auch an diesen kennlich des 17. jh. könnte schon grammatisches nachdenken schuld sein, wie bei Frisch: er ist im tode noch kennlich u. a., unkennlich, auch erkennlich (doch daneben erkänntlich), das Rückert wieder braucht.
2)
kenntlich, mhd. bekentlich und bekantlich, vom part. praet. gebildet, wie kenntbar (nur hd.); auch kentlich erscheint schon in mhd. zeit, bei Jeroschin 15518 von helmen, bannern, die vor staub nicht kentlich in die virre (ferne) sind, erkennbar, sichtbar (s. kennen II, 3, e), welche bed. in erkant auch das part. selber schon hatte. ob kenntlich auf die form kant (gekant) zurückgeht, mit umlaut, oder auf die mehr mitteld. form gekennt, ist schwer zu sagen; da aber bei kenntbar kein grund zum umlaut vorliegt und kanntbar, kanntlich sich als oberd. ausweisen, so ist das zweite wahrscheinlich.
a)
offenkundig, kundbar: wie denn dieses gebots sünde (pl.) für allen andern die gröbesten und allerkendlichsten sind, keinen deckel noch schmücklin haben. Luther 6, 313ᵃ (das t zwischen den liquiden erweicht, vgl. bekendlich 1, 1417), doch mit übergang in folg. bed., wie in dem alten erkennet, erkant auch; alle dorfgesessene und markkötter, welche kenntlich keinen ackerbau und keine pferde haben. Möser phant. 2, 28, gleich bekanntlich, bekanntermaszen. man schrieb es auch mit ä, wie käntnis, um an gekannt zu erinnern (s. 3): derowegen zohe sie abermahls eins von meines vaters känntlichen kleidern an. Felsenburg 4, 216, es scheint 'bekannt, wolbekannt'.
b)
kennbar, erkennbar (schon mhd. vorhin, ebenso bekentlich, noch im voc. opt. Lpz. 1501 cognoscibilis), die jetzt allein geltende bed.: das princip der beurtheilung des schönen wird allgemein, aber durch keinen allgemeinen begriff kenntlich vorgestellt. Kant 7, 223; wenn die kunst also uns den personificierten begriff des todes kenntlich machen will .. Lessing 8, 246; der künstler, um es kenntlich zu machen (dasz Urania die muse der sternkunst ist), musz sie mit einem stabe auf eine himmelskugel weisen lassen. 6, 441;
doch wo die spur, die aus der menge ...
den schwarzen thäter kenntlich macht?
Schiller 58ᵃ, streift an a;
ihm fehlt der sanftmüthige zug um den mund, der ihn aus tausenden kenntlich machte. 128ᵇ, zu kennen 4, herauserkennen;
legt den helm ab und die rüstung,
sie macht euch kenntlich und beschützt euch nicht.
481ᵃ;
wir nennen eine gesichtsbildung gemein, wenn sie die intelligenz im menschen durch gar nichts kenntlich macht. 1127ᵇ.
3)
kanntlich, von gekannt, wie kantbar sp. 531. es ist schweiz., gleich kenntlich Tobler 94ᵇ, aber auch gleich erkenntlich, dankbar (s. sp. 536 c), und für geständig Stalder 2, 85, letzteres wie bekanntlich 1, und auch passivisch 'kantlich quod in confesso est' Schottel 367ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1865), Bd. V (1873), Sp. 550, Z. 7.

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„kanntlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kanntlich>, abgerufen am 23.10.2021.

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