Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kasteien

kasteien,
castigare, züchtigen, strafen, büszen lassen, aus dem kirchlichen latein früh eingeführt; es heiszt besonders seinen leib oder sich kasteien, sich selbst busze auferlegen, mit fasten und keuschheit. ahd. hiesz es chastigôn, chestigôn, also dem lat. castîgo noch ganz nahe, aber nach Notkers chestegôst 55, 9 wol schon mit zurückziehung des tons nach heimischer art und kürzung des i in folge davon (man sprach wol auch mlat. cástigo? Wackernagel setzt im wb. 1861 kestîgôn, mhd. kestîgen an). ebenso mhd. kástigen, késtigen, késtegen, einzeln auch kesten (vermittelt durch eine form késtien, kestjen?), z. b. Boners 96 ste fabel Pf. handelt von kestung der vrouwen:
ich meine die mouchelcellen,
dâ si (die priester) sich inne mestent,
sô die liut die vîent chestent.
altd. bl. 1, 218,
während die andern leute ihren teufel züchtigen, mit fasten und beten; vgl. md. castunge Jerosch. 13187 in H. Diesz késtigen, kästigen (köstigen) setzte sich fort im oberdeutsch des 15. 16. jh.: kestigen castigare, macere. voc. inc. teut. n 2ᵃ, voc. th. 1482 q 3ᵇ:
ob er sein leip do nit vast kestigt.
fastn. sp. 216, 12;
die altvätter sind gangen in dachsheüten und geiszheüten, dürftig, geangstet, gekästiget. Keisersberg irrig schaf (in 40) A 6ᵃ; wenn die (fieberkranken) in der hitz lingend (so) und kül wasser trinkend, so haben sie am ersten (anfangs) ein ergetzung und labung, und aber darnach so werdent sie noch fil me und fester gekestiget (vom fieber gepeinigt). hell. löw d 8ᵇ; der feind (teufel) wa er findet einen gekestigeten leib, rauch als ein eichnen rind, so setzt er nit gern seinen fuͦsz dahin. f 5ᵃ; darumb das ich fil gesündet hab, ist es billich dʒ ich fil geköstiget werd. eschengr. c 1ᵇ (ö gleich dem umgelauteten e); ich kestgen mein leib und mach in dem geist undertenig. ders. narrensch. 220ᵃ; welcher den gewalt verloren hat, der sol auch seinen hochmuͦt von im legen, das er nit von meniglichem gekestiget werd. Steinhöwel (1555) 32ᵇ, d. i. mit worten gestraft, getadelt, wie schon lat. castigare. kestigen, peinigen, angere, cruciare, vexare, kestiget und peiniget werden, doloribus affici Maaler 243ᵃ.
die frummen löst er (der tod) ausz der not.
darfür (für fromm) ich acht das beklagt weib,
sonst köstigt si nit deinen leib.
Schwarzenberg 151ᵃ,
sonst schmerzte ihr verlust dich nicht. eigen von wunden: ob du schon ein wund zusammen heftest, so gedenk in dir selbs das sie doch nit lang bleibt. was hilfts das end, das du im anfang so köstigest, so es doch am letsten musz frei sein wie am ersten. Paracelsus chir. schr. 13ᶜ, wol nach castigare zusammenpressen. Die nhd. schriftform aber ist kasteien, heimisch von jeher in der mittel- und niederdeutschen sprache, wie im nl.:
here, seit hi, laet u castien.
Reinaert de vos 489,
laszt eure strafpredigt ('swîget der rede' Reineke vos 465). diesz mnl. castîen (nnl. zerdehnt kastijden, auch noch kastijn) steht dem altfranz. chastier ganz nahe, jetzt châtier (engl. chastise). ebenso denn altnrh. kastîen, kastîgen, so altköln. in der seele trost Fromm. 2, 441ᵃ ebenso nd.:
he levet alse ên klûsenêr
unde kastîet sînen lîcham sêr.
Rein. vos 280;
scholde men de schôlrekens (schulbuben) nicht kastîen ...
nummermêr lêreden se to degen (lernten sie was rechts).
253.
ebenso md., z. b. kastîunge Jeroschin 25644, auch 6125 in HK (in der östr. hs. D chestigung). daneben mitteld., wie so oft 'vermittelnd' zwischen der nd. und hd. form, kastîgen und kestîgen (myst. 1, 235, 29 ist wol kestîgunge zu schreiben), kestîen:
du peltenêrsen, ganc dîn straiszen
und kastîge ('kastyge') dînen lîp.
Haupt 3, 499,
so sagt Maria zur Martha im Alsfelder passionsspiel; dô begonde si sie (Sarah die Hagar) zu kestîne (zu schmähen) und sprach zu Abrahame, daʒ er ûʒtribe die dîrne und irn sun. Leyser pred. 132, 10; castigare, kesteyen. Diefenbachs wb. von 1470 sp. 62, plectere kastyen, kastygen in andern md. vocc. Dief. 441ᶜ. Luther gebraucht in der bibel nur das md. casteien (früher soll er auch das oberd. kastigen gebraucht haben, s. Weigands wb. der synon. s. 1170, wenn es nicht kastîgen war?): am zehenden tage des siebenden monden solt ir ewrn leib casteien (ταπεινοῦν). 3 Mos. 16, 29 (in früheren ausgaben ewer seelen demütigen); wer seinen leib nicht casteiet an diesem tage. 23, 29 (in der nd. übers. von Luthers pentateuch 173ᵃ castygen, 230ᵃ castigen, sonst castyen 152ᵇ); es ist ewr groszer sabbath, das ir ewre leibe casteiet. 23, 32, auch 4 Mos. 30, 14, dich casteietest Dan. 10, 12. und diesz brauchen denn nachher auch oberdeutsche, selbst katholische schriftsteller: ir daurt mich das ihr euch also kasteyet (mit fasten). Fischart Garg. 41ᵃ (62 Sch.);
solt man die schüler nicht kasteien
und gewehnen sie von bübereien ...
Reinicke fuchs Frankf. a. M. 1583 17ᵃ,
castigare war auch ein schulwort, strafen mit worten oder schlägen; es leszt sich gleichwol äuszerlich ansehen, als betten, fasten und kasteyen sie sich, aber solche ire werk seind todt. Albertinus narrenhatz (Augsb. 1617) 51, ein katholik; hören andächtiglich mess, gehen fleiszig gen predig, beichten und communicieren oftermals, gaislen und kasteyen ihren leib. 53;
isz nicht zu viel, dasz du es müssest wiedergeben,
kasteye dich (faste) auch so, dasz es nicht kost dein leben.
Olearius pers. ros. 3, 10;
mein fasten, mein kasteyn, mein zehnd und almos geben,
und was noch mehr gehört zu einem frommen leben.
Logau 1, 9, 53,
vom fasten allein gibt Steinbach sich kasteien; ich mag meinen leib und geist so arg nicht kasteien, die vielen essais ... durchzulesen. Bürger 138ᵃ, bildl. für martern; jene frau die sich kasteiet, gefängnisse besucht. Göthe 36, 62;
wems behaget sich zum jünger
eines Plato zu kastein.
Thümmel 3, 54;
und die verstockten zu kastein
(liesz man) mit kurzer hand sie kayennieren (nach Cayenne schicken).
Seume mein sommer 1805 s. 129.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 262, Z. 17.

kastein, f.

kastein, f.
im Neidhart fuchs H 4: wie Neithart bei einer schönen graserin in einer kastein badet; ein holzschnitt stellt beide dar in einem wie es scheint steinernen bassin badend, das einem groszen brunnentrog gleicht. das seltsame wort erinnert an den badeort Gastein (ahd. freilich Gastuna, Castuna), zugleich an kasten 2, e als badebassin. in der form stimmt genau ein nordital. (parmes.) casteina Diez 92, freilich nur schrankkasten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 263, Z. 46.

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Zitationshilfe
„kasteien“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kasteien>, abgerufen am 22.10.2020.

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