Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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kegel, m.

kegel m
filius spurius, unehelicher sohn, denn so gibt bestimmt der voc. th. 1482 die bed. an: kegel oder kotzensun, spurius. q 2ᵃ (kotzensun, hurnsun r 1ᵇ, s.kotze). ältere zeugnisse, bis jetzt selten, geben aber kekel, aus zwei mitteld. quellen: 'succuba, filius rivalis, ein kekel. dicimus enim do lief us kint und kekel' handschr. voc. v. 1422 in Breslau, s. mhd. wb. 1, 794ᵃ;
irdenke, wie ich bî si kome,
dîns kindes kekel sal iʒ vrome (nützen).
Bartsch mitteld. ged. 90, 226,
das versprechen eines verliebten hohen herrn an eine kupplerin, offenbar gleich 'kindes kind' überhaupt, obwol bei dem kindeskind einer kupplerin doch auch 'kotzensun' gedacht sein könnte; diesz zeugnis reicht übrigens wol ins 13. jh. zurück. doch auch hier erscheint es nicht mehr selbstständig, sondern schon in der verbindung mit kind; diese verbindung, meist 'kind und kegel', ist eine jener formeln, in denen ein sonst erstorbenes wort sich noch lange mit fortschleppt, und diese gerade, die noch heute lebendig ist, wird mit ihrem stabreim bis in die zeit der ältesten alliterierenden dichtung zurückreichen:
nun hört ir herren alle gemain,
paide grosz und auch klain,
alt, jung, kegel und kind,
alle die hie gesamlet sind.
fastnachtsp. nachlese 216, 13,
es ist anrede an die versammelten hörer, rein formelhaft, oder da man nach der angabe des voc. 1482 die eig. bed. von kegel damals noch wissen muszte, in neckischer absicht gebraucht; die universität mit kind und kegel. Luther br. 5, 11; weder kind noch kegel. Bocc. 1, 152ᵇ;
hab wir doch weder kegel noch kinder.
H. Sachs 3, 3, 74ᵃ;
(frau) die sich weder um kind noch kegel, haushaltung noch küche, kammer und kirche annimpt. Mathesius Syrach 2, 100ᵃ; unter ihm haben all sein eigen leut, was kind und kegel waren, im berg und weschen arbeiten müssen. ders. Sarepta 14ᵇ; denn solche art an vatter und mutter, kind und kegeln nie gut ward, sang auch Freidank auf sein letzte fart. 203ᵃ (1562 287ᵇ), das wort stand wol also in einem verlorenen spruche Freidanks;
zwei einzlich leut wir sind
und haben weder kegel noch kind.
J. Ayrer fastn. 94ᵃ;
weib, kind und kegel drang an port
und keins verstund sein eigen wort.
Günther 129;
ich muszte das kind ernähren. indessen ward mir angerathen zum richter zu gehen und über das alles ein protokoll zu lösen, damit ich nicht zu kind und kegel käme, wozu hier die unschuldigsten am ersten kommen. Hippel lebensl. 4, 202, damit mir nicht ein uneheliches kind als meines aufgehängt würde; ich hatte weder kind noch kegel. J. Paul teuf. pap. 1, xvi; hätte ich mir nicht kind und kegel (familie) aufgehalset, bei gott! ich zöge selber mit (in den freiheitskampf der Franzosen). Titan 4, 96. Adelung gibt aus der umgangssprache: mit kind und kegel davon gehen, mit seiner ganzen familie, er hat weder kind noch kegel, keine nahen erben. Man sieht, es erscheint nirgends auszer der formel; doch Göthe hat es einmal aus ihr herausgenommen in einem halb scherzenden gedicht, das mehrere wortkünste enthält, in der 'rechenschaft' vom jahre 1810 unter den 'geselligen liedern':
einem armen kleinen kegel,
der sich nicht besonders regt,
hat ein ungeheurer flegel
heute grob sich aufgelegt.
1, 155,
er meint etwa bürschchen, stilles unbedeutendes kerlchen. Die eigentliche bed. des wortes war schon im 17. 18. jh. verloren; wer die formel genau ansah, konnte nur an den spielkegel denken, und es boten sich franz. redensarten mit quille kegel dar, die das stützen konnten: prendre, trousser son sac et ses quilles, seine sieben sachen zusammenpacken, sich fortmachen, u. ä. anders. noch Frisch, der doch den voc. 1482 schon anführt, war unsicher, ebenso Haltaus 1079; erst Adelung setzt bestimmt an: 'kind und kegel, eheliche und uneheliche kinder, oder die ganze familie'. es ist gewiss ein im hause entstandner ausdruck, der seinen rechten sinn im munde des hausvaters hatte zu einer zeit, die eben sehr weit zurückliegt, als kebsweiber neben dem eheweib von herkommen und sitte erlaubt waren, s.kebse. Das 16. jh. jedoch wird die genaue bed. von kegel noch gekannt haben, das zeigt ein wortspiel und scherz Fischarts im Garg. 27ᵃ (36 Scheible), wo er den bericht von seines helden herkunft vorbereitet; er meint da, wie gut es wäre wenn von jedem die geburtsregister bis in das schiff Noe zurückgiengen, denn die geschlechter wären im sturm der geschichte gar schlimm durcheinander gewürfelt, gar manche könige und hohe herren stammten von einem thorhüter, eseltreiber und schnapphahn ab; dann erinnert er an die kreuz- und querzüge der völker durcheinander, und fragt endlich: also kugelts im kreisz herumb, wie solt es da nicht kegel geben? offenbar doppelsinnig zugleich vom spielkegel und filius spurius, degener (bei Rabelais nichts entsprechendes, nur ist im cap. 1 von quilles kegeln beiläufig die rede). Als ältere zeugnisse für das wort wird man namen ansehen dürfen, obwol auch kegel 11 darauf ansprüche hat; z. b. ein knecht Kegel im 15. jh. bibl. des lit. vereins 18, 4, ein edler Heinrich Kegel im 14. jh., landkomthur des deutschen ritterordens, in J. Voigts gesch. des ordens 1, 673; Förstemann nam. 1, 307 rät bei dem ahd. namen Chagilberth auf unser kegel, und bei Chago. ein ahd. frauenname Kikila altd. bl. 1, 393. Für den ursprung des ausdrucks möge in ermangelung jedes sicheren anhalts einen unschönen einfall zu äuszern gestattet sein. das wort ist wol als scheltwort entstanden, etwa im munde der ehekinder, oder als kosewort im munde des vaters, in jedem fall mit neckerei, gewiss hergenommen von dem ursprung des kebskindes; denn so ist es wol mit bankhart, vgl. bankriese. wäre nun der eig. sinn ein obscöner? war etwa kegel ein häusliches kraftwort für penis? griech. φαλλός klingt verwandt mit lat. palus, pfahl; ja wie die testiculi als 'kugeln' bezeichnet wurden (s.kaule 3 a. e. sp. 350), hätte man scherzend den penis dabei sogar zum spielkegel machen können, und kegel schieben erscheint als volksausdruck für beschlafen:
ach frau, geh du dem kerl nicht nach :|:
der hausknecht der flegel,
er schiebt vorm thore kegel,
er trifft ins schwarze dach :|:
neuvermehrtes bergliederbüchlein o. o. u. j. s. 126 (s. Uhland volksl. 977).
Mannhardt zeitschr. f. d. myth. 3, 107 nimmt darauf hin den kegel geradezu als bild des phallus an. auch in Frankreich musz oder muszte jene redensart bekannt sein, denn in diesem sinn nennt Rabelais Garg. 1, 4 lustige gesellen die zum jahrmarkt kommen, bons beuveurs, bons compagnons ('gute gesellen'), auch beaux joueurs de quille là, gute kegelspieler, wie es scheint aus dem refrain eines liedes ('quille au singulier dénote assez à quelle quille l'auteur fait allusion' bemerken die herausgeber der Didotschen ausg. 1857); danach könnte wol sogar jener ausdruck ins germ. alterthum zurückreichen. So stünde kegel entweder für kegelsohn (was Grimm rechtsalt. 476 auch ansetzt, freilich ohne beleg), gleichsam 'filius penis', höhnend oder neckend gegenüber dem êkint oder dem kint schlechthin, das allein eigentlich diesen namen verdient; oder kegel, penis wäre an sich ein spottname des unehelichen sohnes, denn nach den beiden ältesten erklärungen scheint es von töchtern nicht gebraucht. es gibt genug solche kraftwörter, mit denen man in derbem scherz mann und weib, knabe und mädchen nach dem abzeichen des geschlechts benennt; so bair. schwanz, zipfel, fotze (s. 4, 45, Schm. 1, 581), tasche, födel, vgl.kachel 3 sp. 11, so vielleicht stift, mein stift im munde des vaters von seinem kleinen sohn; kegel, der kleine kegel wird wirklich von kleinen knaben in Sachsen (Leipzig) so gebraucht; vgl. die häufung solcher namen, die die ammen dem kleinen Gargantua geben, Garg. 131ᵇ (Sch. 239), s. besonders kölblein 4. nachzuweisen bliebe freilich, warum diesz kegel allein vom unehlichen sohne gelten sollte. Endlich kommt vielleicht ein rhein. ausdruck in frage, der in der form zu dem alten kekel stimmt: kehkel m. verwöhntes, empfindliches kind. Kehrein 219; diesz innere k schien ja auch bei kegel das ursprüngliche (sp. 388). vgl. schwäb. nestkegele n. das nesthökchen (s.gackenest).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 389, Z. 23.

kegel, m.

kegel m
conus, nd. kegel Chytr. (1592) 313, nl. kegel (Kil. keghel), dän. kegle, schw. kägla f. (und kegel m.).
1)
als mathematischer körper, gerader oder schiefer kegel, rechtwinkliger, stumpfwinkliger, stumpfer kegel u. a. dann angewandt als formbezeichnung, z. b. dunstkegel, lichtkegel: dasz sich unzählige kegel von lichtstralen, deren bases unbestimmlich grosz sind .. durchkreuzen. Lavater aussichten in die ewigkeit (1773) 2, 75. ähnlich von dem kegelförmigen schwarm der bienen:
vom aste
schwanket herab der unzählbare schwarm, ein haarigter kegel.
Kosegarten Jucunde (1808) 127.
Das ist aber nur spätere wissenschaftliche anwendung und verschärfung eines im frischen leben entstandenen begriffs, der von wirklichen dingen ausgieng, es fragt sich von welchem der folg.
2)
von gewissen knochen.
a)
am vordern pferdeschenkel, 'die gegend wo sich die schulter endet und der schenkel anfängt, bis auf das knie'. Frisch 1, 507ᵃ; 'das armbein welches in das schulterblatt eingelenket und mit dem dicken fleische der schulter bekleidet ist'. Adelung: so nimb ein stricklein und hebe gleich underhalb des knies an zu binden bisz auf den kegel hinab. Seuter 313; schlags dem ross über beide kegel und füszel in einem hasenbalg und keer das rauch dem ross auf dem fusz einwarts. 143; dise Türken pflegen nit allein den schopf, mönin (mähne) und schwanz, sonder auch die füsz, einen oder mehr, zuweilen auch alle vier bisz zum kögel oder knie, ja oft das ganz ross zu ferben. 1; die pferde die hohe kegel haben, gehen nicht so sicher. Hohberg 2, 135ᵃ. bei Seuter offenbar anders als in jenen erklärungen, der theil des fuszes über huf, fessel und köte, ebenso 1, 891 unter auskegeln aus Pinter.
b)
bair., tirol. kegel ist auch 'gelenkknochen'; daher den arm, fusz auskegeln, aus der kugel fallen (auch in Sachsen bräuchlich), s. Schm., Schöpf. diesz auskegeln ist zwar 1, 890 aus dem 16. jh. nur von pferden bezeugt; wäre es nur von pferden auf menschen übertragen und daraus erst das 'gelenkknochen' entnommen? vgl. 3, c und d sp. 385. ein altn. wort kommt mit in frage, köggull os, condylus, artus, pl. köglar glieder (auch für leib überhaupt gebraucht), s. Egilsson 470ᵇ; bei Biörn 1, 471ᵇ ist es nur fingerglied, bei Fritzner 381ᵃ nur das letzte glied der finger oder zehen.
3)
kegel im kegelspiel auf der kegelbahn, so am häufigsten im volksgebrauch, wol von jeher, denn das spiel scheint von hohem alter; mhd. der kegel spiln cod. colocz. 165, die driu kegelstebelîn Renner 16755 (im Frankf. druck 1549 85ᵇ kägelhölzelein), die sich ein schüler aus der krambude aussucht, sind gewiss ein spiel kegel, vgl. die schilderung des spiels 'sô zwên schîbent zeinem zil' das. 11364 ff., sie passt genau aufs kegelspiel, und bilderhandschriften stellen es so dar. Auch nl. kegel, dän. kegle, schwed. kägla f., ferner russisch kegel, keglja, wend. kehel, sloven. kegel (čagel), litt. kegelys m., kegle f., ehstn. kegli, keili, finn. keila (auch netzholz); so scheint das kegelspiel mit deutscher sitte nach dem osten gewandert. abweichend ist poln. kre̜giel, angelehnt an kra̜g scheibe (auch wurfscheibe im spiel), aber doch wol lehnwort; und böhm. kuželka, dem. von kužel kegel überhaupt, eig. spinnrocken (s. sp. 363 unten); eigen ist auch litt. kokas m. spielkegel neben kegelys. Wichtig für das alter der bed. ist franz. quille f. spielkegel (auch kiel, keil), denn es deutet auf ein dem ahd. chegil entsprechendes altfränkisches wort in gleicher bed.; wichtig auch englisch statt des gewöhnlichen ninepins landschaftlich keels pl., Halliwell 490ᵃ, das zwar allenfalls aus dem franz. stammen könnte, aber schwerlich kayls pl., vollends die merkwürdige nebenform gaggles pl. Hall. 388ᵇ, das weist auf ein alteinheimisches wort.
a)
pyramis, kegel, auch piramida, pyramen, in vocc. des 15. jh. Dief. 437ᵃ, auch kögel geschrieben (und kügel, wol anlehnung an kugel), kögel z. b. bei Abele, Philander nachher; pyramidalis, unden breit und oben schmal, als ein kegel oder flam. gemma gemmarum; die neun kegel, metularum novenarius. Stieler 909; ein spiel kegel. Frisch;
kugel und kögel wechselten.
Abele unordn. 2, 164.
Es heiszt kegel schieben Steinbach 1, 840, s. kegelschieben:
het ich solcher kegel neun,
wolt umb ein kleinot (preis) schieben lan.
fastn. sp. 212, 10.
bair. kegel scheiben, mhd. schîben, auch bôʒen und schîben (s.bossel). auch werfen: welcher in drei würfen am maisten kegel warf, der gewan das best (den preis). Augsb. chron. des 15. jh., s. u. kegeln; nrh. kiegelwerpen kegelschieben (s. d.); noch in Thüringen sagt man z. b. ich habe so und so viel kegel geworfen, vom 'schieben', und nennt einen schub einen wurf, vgl. Kant u. c; es ward oder wird nämlich hie und da nach den kegeln mit einer discusartigen scheibe (vgl. das poln. kre̜giel vorhin) oder auch mit kugeln geworfen, wie noch in England. auch schieszen, wol nach demselben 'werfen', denn schieʒen war der ausdruck für das werfen des speers: wer vor den kegeln steht, der hat im sinn, er wölle alle kegel umbschieszen. Agricola sprichw. (1582) 59ᵃ; kegel ümschieszen, conos evertere. Stieler 909 (umwerfen Frisch); ich habe fünf kegel geschossen und sieben geschlagen, j'ai cinq quilles de venue et sept de rabat. Rädlein 530ᵃ. diesz schlagen meint nämlich die kegel, die nicht durch den wurf selbst, sondern von der rückspringenden kugel getroffen werden: kegel schlagen, conos evertere revertendo ad terminum Frisch 1, 506ᶜ, vgl. kegelschlag;
ein grober flögel
schlägt oft sechs kögel,
da sonst ein ehrlich bidermann
nicht wol éin kögel treffen kan.
Philander (1650) 2, 144.
die umgeworfnen kegel werden aufgesetzt: von der regel, wie kirchweihisch aufzusetzen seien die kegel. Fischart groszm. 589 Sch.; soll ich diesen kerl das oberst zu unterst unters firmament wie einen kegel aufsetzen? Schiller 122ᵇ.
b)
vom kegelspiel, wie von andern, mancherlei angewandte redensarten: wan der luft, als wir das dorf angezünt, nit so gar wider uns gewest wer, sollt es auch mer kegel geben haben. S. Schertlins briefe 168, wären mehr feinde gefallen, von der redensart es gibt so und so viel kegel, d. i. sie fallen, sind umgeschoben; und gibt alsdann (nach abgeschlagenem sturm) im abzug gute kappen und die meinsten kegel. Kirchhof mil. discipl. 185, 'da fallen die meisten'; also kugelts im kreisz herumb, wie solt es nicht kegel geben? Garg. 27ᵃ (36), mit demselben witzwort, aber doppelsinnig, er meint natürliche kinder, s. sp. 390; zuhand darnach beide mit einander zu bett giengen und beid mit einem willen einigkeit und frieden machten, da gab es kegel. Bocc. 1535 74ᵃ nov. 27, die letzte redensart ist zusatz Steinhöwels; wann die kugel oft umlauft, wirds einmal (viele) kegel geben! Lehmann 29, offenbar von einem andern kegelspiel, etwa dem jetzigen tivolispiel ähnlich;
trifft mancher grobian nicht kegel und fällt nicht gleich ein holdes ja,
so ist das feuer in dem dache und dieses nachwort flüchtig da.
Günther 429,
wird er bei der bewerbung abgewiesen. zwischen kugel und kegel kommen, zwischen zwei übeln wählen müssen. Adelung (vgl. u. kaule 1, a sp. 349). junge regenten können eilf kegel treffen Schottel 1113ᵃ unter den sprichwörtern, sie können das unmögliche möglich machen; da der praktische politiker auf den theoretischen mit groszer selbstgefälligkeit als auf einen schulweisen herabsieht ... den man immer seine eilf kegel auf einmal werfen lassen kann. Kant 5, 413, etwa wie schnee sieben.
c)
doppelsinnig auch in folg.; ein wächter des heil. grabes, ritter Wagendrüssel, rühmt sich in einem osterspiel des 15. jh.:
und kam (conj., bair.) der teufl aus der hell
und Satanas sein gesell,
die wolt ich mit fechten bestan
oder ich sei nit ein biderman.
ich wolt in die kegel rüren
dasz mans in en wagen müszt füren.
Pichler drama des mittelalters in Tirol s. 47,
zugleich die spielkegel und die knochen, beine gemeint (vgl.klauben 1, c), s. 2, b.
d)
der vocab. incipiens teut. ante lat. (ältere ausg.) n 1ᵃ bringt die merkwürdige angabe: kegel, pirameda, est quoddam os in pede thibie et sure cum quo luditur, ein gewisses bein im knochen (das musz doch mit pes gemeint sein, nach 'bein' knochen) des schienbeins und wadenbeins womit man spielt. also man nahm den kegel aus dem bein und brauchte ihn als kegel im spiel, in jenes ritters wortspiel klingt das noch nach, wie ähnlich in einem hohnwort mit keule:
dein bein (pl., wären gut) dasz man mit schlüg der keulen.
weimar. jahrb. 2, 121,
'der keulen schlagen' musz ein spiel sein (s.keule 2), worauf schon der gen. hinweist, und wer sich überzeugt hat, wie erstaunlich lange in solchen redensarten sitten fortleben, die längst verschollen und vergessen sind (vgl. z. b. das heutige 'blutdürstig', das noch jedermann arglos braucht, mit dem mhd. 'bluottrinker' Berthold 277, 12. 283, 39, menschenbluot trinken, menschenfleisch freʒʒen 277, 14. 17 von 'blutdürstigen' menschen, mördern), der zaudert nicht die redensart als ein blosz verblasztes zeugnis anzusehen, dasz man einst wirklich aus der keule des menschen eine keule zum spielen machte, hier aus dem kegel im knochengebäude einen kegel zum spiel. ich stehe nicht an, dabei nicht blosz an den kegel des pferdes unter 2, a zu denken, sondern auch an menschen, wie eben das zeugnis fordert; menschenopfer waren ja in unserm alterthum so gut gebräuchlich (Grimm myth. 38 ff., 194) wie im römischen und griechischen. Gerade so dienten bei Griechen und Römern als würfel zum spiel zuerst die knöchel aus den hinterfüszen von thieren, denn die würfel, ἀστράγαλοι, tali führen eben den namen 'knöchel' (auch mhd. würfelbein, ohsenbein würfel Haupt 8, 559), und ebenso haben unsere kinder ein spiel mit steinchen das sie noch knöcheln nennen, sicher von den knöcheln die man zuerst dazu nahm. auch zu dem spiel κυνδαλισμός, das unsre kinder noch üben (s. Schmeller 3, 473, Rochholz alem. kinderlied u. kinderspiel s. 451, in der Leipziger gegend spichelieren mit dem spichel), scheinen ursprünglich knochen gedient zu haben, denn der bair. name des spichels, bickel, bedeutet eben knochen, und schon oben 1, 1809 ist vermutet, bickel knöchel und bickel spitzhacke möchten sich so vereinigen dasz man einst knochen zu spitzhacken gebrauchte; der spichel, schweiz. spickel, bair. bickel beim κυνδαλισμός ist dem eisen einer spitzhacke gleich und haut gleich dieser in die erde. ja das griech. wort selbst scheint gleichen gehalt zu haben, denn der κύνδαλος des spiels ist wol nur eine andre form für κόνδυλος, d. i. knochen. in Baiern fertigen die kinder ihre schlitten noch aus pferdebeinknochen Schmeller 3, 57, wie in Sachsen die kufen der käsehütschen aus groszen schenkelknochen z. b. von rindern, und im norden werden schlittenkufen, schrittschuhe der art ausgegraben. ja aus der Leipziger gegend wird mir mitgetheilt (Eithra, Wurzen), dasz man da auf dem lande noch jetzt sich ein kegelspiel selbst herstellt aus den unterschenkeln der vorderfüsze von pferden, indem man 'die kugel, welche sich über dem huf befindet, nachdem sie vom drechsler hergerichtet ist, zur kugel gebraucht, und den über der kugel befindlichen knochen, ebenfalls so hergerichtet, zum kegel'. Es läszt sich denken dasz das kegelspiel sehr alt sei, es ist auf dem lande noch ein oder das hauptvergnügen an sonntagen und den hohen festen; war es vielleicht von jeher ein anhang der hohen feste, aus der heidnischen zeit her? und ist der kegel vom pferde, der zum spiele dient, ursprünglich von dem pferde das dem Wuotan geopfert ward? oder von den den göttern geopferten kriegsgefangenen? denn gerade Wuotan liebte pferde- und menschenopfer, und nichts liegt näher, als dasz man von dem opfer wie das fleisch zum opferschmause, so die knochen zu den spielen nahm und beide dadurch gleichsam heiligte. der wilde jäger, d. i. Wuotan, führt noch rossknochen bei sich (Rochholz Schweizersagen 1, 219, Schambach und Müller nieders. sagen 420. 68, zeitschr. f. myth. 1, 19) und an heiligen orten, wo sonst die fastnachtsfeuer ihre stelle hatten nebst allerlei spielen und leibesübungen, weisz das volk von gespenstigen kegelbahnen (Rochholz a. a. o. 1, 129, Meier schwäb. sagen 77. 144), ja in dem kindermärchen nr. 4 (1, 22) erscheint ein gespenstiges kegelspiel mit todtenbeinen als kegeln und todtenköpfen als kugeln. das kegeln im himmel, was das volk im donnern findet, gehört ja wol auch ursprünglich Wuotan an, in der Oberpfalz u. a. schreibt man es dem heil. Petrus zu (Schönwerth 2, 125). die zahlen in denen die kegel auftreten, neun und drei, letztere im Renner oben und noch hie und da im südlichen Deutschland, sind beide heilige zahlen; von der neun s. Grimm rechtsalt. 215. 216, myth. 578, gerade beim opfergebrauch maszgebend myth. 42. 43. 46. 47. übrigens scheint das kegeln ursprünglich nur eine ausbildung oder besondere anwendung des alten steinstoszens, steinwerfens, das ja wol mit anderen kraftübungen als wettspiel die götterfesttage verherrlichen half; daher noch das werfen oben und die wurfscheibe. s. auch das werfen nach einem götzenbild, das einen kegel darstellte, wie es im 16. jh. in Halberstadt geübt ward, mythol. 743.
4)
kegel, bierkegel werden hier und da als zeichen der wirtschaft, des bierschanks vor wirtshäusern aufgehängt, so in Schlesien Steinbach 1, 841; kegel, der lange hölzerne arm den die bierhäuser ausstrecken ('wo der liebe gott den arm herausstreckt' sagt man in Sachsen vom wirtshaus), dann das wirtshaus selbst. Weinhold schles. wb. 42ᵇ. den kegel hinaussetzen Rädlein 530ᵃ.
wo werdet ihr denn bier hernehmen?
sprach die alte schwieger.
'wo der kegel hangt, ist der bierschank'
sprach die junge gleich wieder.
Hoffmann schles. volksl. 233.
dann auch bierkegel von jedem bierzeichen, wenn es auch nur ein krug ist. Adelung.
5)
alt mögen auch folg. anwendungen aus dem hauswesen sein.
a)
knüppel, stock; in einer mittelrhein. urk. von 1362 in Mones zeitschr. 8, 336 werden als nutzung eines waldes erwähnt alles daʒ tennen holz, ligendes oder stendes, daʒ ignot dinne ist ... kegel und wide, es können doch nur stöcke und reisig, knüppel und wellen sein; vgl. 9, b.
b)
bair., tirol. heiszt kegel auch die angel oder häspe (haspen) einer thür, eines fensterladens u. dgl. Schmeller 2, 287, Schöpf 308; das stimmt zu der bed., die ahd. allein bezeugt ist, s. 12, a.
6)
alt sieht auch die bed. haufe aus.
a)
rhein. kegel, kocke, heu auf kegel machen. Kehrein 219. auch nord. taucht diese bed. auf: schwed. kägla f. torfhaufe, als verb kägla, torf in kleinen haufen aufsetzen zum trocknen, dän. kägle. Rietz 382ᵃ. jeder haufe von leichtbeweglichem stoffe, wie sie in der wirtschaft in haus und flur so viel zu machen sind, nimmt von selbst eine art kegelform an, und in Diefenbachs Erfurter wb. v. 1470 sp. 214 wird piramis als ein kegel ader ein schober hew erklärt. diesz kegel berührt sich aber möglicherweise mit kocke heuhaufe, auch kacke, das seinerseits in eine weite europäische verwandtschaft eingreift, s.kocke, vgl. das verwandte kappe heuhaufe sp. 195 fg. (Kilian gibt ein 'kepel, keppel pyramis').
b)
haufe von menschenkot: findet sie (die sau) aber ienen (irgendwo) im garten ein baurenfeiel und kegel, denn stoszet sie das maul oder nans (nas) darein. Keisersberg seelenpar. 228ᵃ; (Gargantua) bisz auf ein federkengel, damit ihm die rut nit weh thet, und weint doch, dasz im .. vor ängsten die stinkenden kegel entgiengen. Garg. 130ᵃ (235); einen frischgesetzten kegel. Wieland 34, 341. schweiz. säukegel Rochholz sagen 2, 187, also für kot überhaupt, angelehnt an kacken? schwäb. heiszt in der kindersprache kegelen cacare.
7)
von bergen, felsen, die spitz und hoch in die höhe stehn, bergkegel; auch der kegel des berges, die höchste kegelartige kuppe: die andern nach der seite zu getriebenen brocken, auf die auszenseite des kegels (des Vesuvs) niederfallend. Göthe 28, 30; erst plumpten die schwereren und hupften mit dumpfem getön an die kegelseite hinab. das.; kamen mit der noch rieselnden asche am fusze des kegels an. 28, 32; ein anderer (berg) wie ein gestutzter kegel. 28, 178; s.kegelberg. schon i. j. 1236 erscheint ein ort Chegelsperch als zubehör des stifts Engelberg in Unterwalden wenn das gewiss von kegel conus stammt, hat es doch gleichfalls in bair. kogel bergkuppe eine andere anlehnung.
8)
kegel des helmes, helmkegel, nach lat. conus, kegelartige spitze worin der helmbusch steckt (vgl.kamm 3), spätgriech. κῶνος:
diesem traf er den mähnenumflatterten kegel des helmes.
Bürger 218ᵇ,
diesem traf er zuerst den umflatterten kegel des helmes.
Voss, Il. 4, 459.
9)
technisch von mancherlei kegelförmigen dingen.
a)
am büchsenschlosse ist ein kegel, zündkegel, piston; an den kanonen das visier auf dem rohre (Frisch 1, 507ᵃ); beim spitzenklöppeln die klöppelhölzer. Adelung, auch bei seidenwirkern. oft im maschinenwesen, z. b. sperrkegel zum hemmen eines sperrrades; schneckenkegel in taschenuhren; filzkegel u. a.
b)
bei den schriftgieszern heiszt kegel die gehörige dicke oder breite die den einzelnen lettern nach den verschiedenen schriftgröszen zukommt, welche sich im druck als höhe darstellt; jede der herkömmlichen schriftarten hat ihren besondern kegel, z. b. corpuskegel, dann auch z. b. corpus auf petitkegel. der ausdruck ist wol aus der ersten zeit der kunst, als die lettern noch hölzern waren, und erinnert an die bed. 5, a oder b.
c)
als verbrämung: denen weibspersonen dises standes werden die brüstlen (leibchen) nicht mit kegel, sondern allein mit seidinen spitzen gebrämt. Birlinger Augsb. wb. 80ᵃ, kleiderordnung, es musz also etwas kostbareres sein als seidenspitzen.
d)
weidm. vom hasen, einen kegel machen, sich kegeln, ein 'männchen' machen. so schwed. dial. kägla sej von pferden, sich bäumen. vgl. die redensart er steht wie ein kegel, 'kerzengerade'.
10)
eiskegel, eiszapfen, s. 3, 379 J. Paul; schon im 15. jh. in einem rhein. voc. kegel tiria Dief. 585ᵇ, adj. kegelen stiriosus ('vol iszapfen') 553ᵃ; auch nnl. kegel, ijskegel. aber das ist ein andres altes wort mit reicher und weit auseinandergehender formentwickelung, hier nach der auffallenden ähnlichkeit an kegel conus angelehnt. denn mnl. heiszt es kekel, kekele, kikele, mnd. kekele Diefenb. 585ᵇ, auch md. 15. jh. kickel (stiriosus kickeleht) 553ᶜ, in Aachen kiechel m. Müller u. Weitz 106, westf. îskiækel Woeste volksüberl. 100, altcölnisch kechel Dief. 553ᶜ, jetzt noch nrh. kächeln pl. Fromm. 3, 553ᵃ, ferner auf der Eifel kachel f. Schmitz 226ᵃ, und schon in rhein. und md. vocc. des 15. jh. häufig iskachel, eiskachel Dief. 553ᶜ. 585ᵇ, auch iskackel und eiskageln 585ᵇ. im anlaut anders gestaltet mnd. jokel, isjokele hor. belg. 7, 28ᵇ. Dief. 585ᵇ, md. jochele 553ᶜ, ditm. îsjækel, îsjæk; noch anders nd. îshekel brem. wb. 2, 704, hd. hîchela Graff 1, 485, sumerl. 15, 57, und wieder md. îshacheln Dief. 553ᶜ, auch ichel von îse mhd. Scherz 724. und dasz diesz auseinandergehen der formen sehr alt sein musz, läszt ähnliches im engl. erkennen, da heiszt es landsch. iccle (eccle), altenglisch ikle, dem mhd. ichel gleich, und landsch. iceshoggle, iceshackle, altschott. isechokil, auch engl. icily, vgl. mhd. îsel, ahd. îsilla, issa, auch ihsilla, ags. aber îsgicel; norw. jukel, isjukel (vgl. isl. jaki m. eisklumpe, jökull eisberg und oben 3, 360, auch gramm. 1², 322), schwed. dial. aisikkel, dän. dial., nordschleswigisch egel, nordfries. eghal, dem mhd. ichel gleich. auch mit k im anlaut engl. kinker, das im inlaut dem kengel stiria Dief. 553ᶜ ähnelt. s. auch das zweite kieke.
11)
kegel von menschen, als grober, roher mensch: roubsen und kengel in der nase haben und sie hinein supfen und dergleichen, die ding stond übel, dasz einer also ein kegel ist. Keisersberg post. 22ᵇ; die wüsten kegel die tag und nacht voll sind. das. 141 (Frisch 1, 506ᶜ); ein armer buer, etwan ein kegel, ein bub, der möcht etwan ston und einen erschieszen, der seiner drei bestünd, wen sie gleichem gewer aneinander kemen. brösaml. 1, 100ᵃ; das sihest du wol in den follen keglen, die stets fol seind und haben die fleschen stets an dem maul hangen. 2, 68ᵃ; es seind aber vil kegel im gewalt, us deren mund kein gut wort gat, als (immer) ist es wu wu wa wa. 2, 73ᵃ; darumb so soltu nit ein kegel sein und vor deinem gesind soliche ding reden (über die empfängnis). Mariae himelfart 11ᵇ; da hab ich ein bawren gekennt, ein groben kegel, der hiesz Hans Werner, kundt lesen und kundte schier die ganze bibel auszwendig. Pauli schimpf und ernst 13 (37);
ei, sagt die fraw, du grober kegel.
Frey garteng. 42ᵇ;
in summa, bhalt vorgsetzte reglen,
so kompstu zu den groben keglen.
Scheit grobianus G 1ᵃ;
schrei uberlaut 'du grober flegel,
warfür sichstu mich an, du kegel!'
M 4ᵃ;
so wüste kegel F 2; voller kegel Q 1. Frisch erklärt 'truncus', und da nun kegel gleich knüppel belegt ist (5, a), könnte es sein wie mit bengel knüppel und grobian; s. auchkeil 6 so gebraucht. doch könnte immerhin das kraftwort auch auf dem kegelplatz entstanden sein, der grobe, ungeschlachte mensch wäre verglichen mit dem kegel, der gefühllos von der kugel die gröbste behandlung erfährt. So wird der spielkegel noch jetzt wegen seiner form oder hölzernen steifheit mit menschen verglichen; von einem plumpen bauerburschen:
bald stand ein kurzer dicker kegel
mit rothen haaren vor ihr da.
Langbein, taschenb. zum ges. vergn. 1798 s. 244;
besonders von formlos dicken kindern, ein kleiner kegel. denkbar ist doch auch zusammenhang mit dem folg. kegel in 'kind und kegel', oder mit nl. kinkel grober bauer, grobian, bei Kil. kenkelboer rusticus, stupidus, vgl.kengel gleich kegel. dän. kegle 'wicht, kerl', z. b. en dytig kegle, ein ganzer kerl.
12)
Die geschichte und herkunft des wortes bietet viele fragen und möglichkeiten dar.
a)
das ahd. chegil ist nur bezeugt als kleiner pfahl, pflock, besonders als zeltpfahl, zeltpflock, erdchegil, zeltchegil, clavus tabernaculi, paxillus. Graff 4, 362; diese bed., die schon mhd. ungebräuchlich war, könnte doch im nhd. kegel 5, b nachklingen. aber das ahd. wort mag immerhin auch schon spielkegel gewesen sein, dieser wird eben auch heute noch hie und da, wie hie und da im bairischen gebirge glaub ich, in Tirol, nicht aufgestellt, sondern in den boden festgesteckt zum umwerfen, wie ein pfahl, und das war vielleicht die alte art.
b)
franz. quille kegel bedeutet auch einen keil in schieferbrüchen, und eben keil musz mit kegel nah verwandt sein, wie gr. κῶνος (cōnus) kegel nah an cŭneus keil anklingt. in Nürnberg und der Oberpfalz heiszt sogar keil keil und kegel zugleich, kugelkeil spielkegel Schm. 2, 289; ist diesz keil kegel nur aus kegel zusammengezogen, wie ahd. einmal gizeltcheil statt chegil geschrieben steht? vgl. nhd. auskeilen für auskegeln 1, 891. auch der keil hat ungefähr die kegelform, er hiesz mhd. kîl, ahd. chîl paxillum, und eben der 'zeltkegel', zeltpfahl erscheint ahd. auch als kizeltkîl Graff 4, 362, der pfahl, pflock ist unten zum keil zugespitzt.
c)
diesz keil, kîl nun verhält sich lautlich zu kegel fast genau wie kaule, kûle zu kugel, und bei beiden ist die weitere frage dieselbe, welche der zwei formen ist die ältere? ähnliche verhältnisse sind übrigens nicht selten, vgl. z. b. geil lascivus mit dem bair. gleichbed. gegel, stiel mit stigel, steil mit stickel, beil mit bickel (ahd. pîal und pigil); ähnlich verhalten sich keil und keidel, speil und speidel.
d)
jenes franz. quille bezeichnet aber auch den kiel im schiffe, ebenso span. quilla, ital. chiglia, die Diez 99 auf ahd. kiol zurückführt; er bemerkt aber selbst, dasz sie lautlich genauer zu kegil passen, sodasz man sich ein altfränkisches wort denken dürfte, das dem ahd. chegil entsprechend zugleich den kiel bezeichnete, wie unter b chegil und chîl sich mischen. kurz der kiel des schiffes scheint in die verwandtschaft zu gehören, die form des beim bau hingelegten grundbalkens liegt dem begriff pfahl auch nahe genug, nur das zugespitzte fehlt, wie bei kegel knüppel (5, a). und dann mag auch der kiel der feder, stengel an pflanzen, mhd. kil (auch kengel genannt) zur sippe gehören.
e)
so ergibt sich ein stamm k-l, im vocal wie gewöhnlich manigfach gestaltet. und nun, wie kugel sich zu kegel stellt (im spiel wie im knochengebäude des körpers sind sachlich beide verbunden), ganz ebenso kûle kaule, kugel zu kîl keil. nach dem anhalt aber, den kaule im skr. gula und gôla hat (sp. 359), möchte man in kugel wie in kegel alte erweiterungen jener wurzel k-l durch selbstwiederholung des anlauts annehmen, die im verbum der deutschen stämme einstens sehr thätig war (s. z. b. u. blasen, halten), aber auch der bildung von substantiven nicht fremd, wie im lat. griech. (s. z. b. feifalter, vgl. gesch. d. d. spr. 863 ff.).
f)
kugel stimmt recht gut zu dieser annahme, denn wenn man nach der ahd. form fragt, die nicht belegt ist, so macht das u für die zweite silbe sowol i als a unmöglich (im ersten falle müszte es sonst jetzt kügel, im zweiten kogel heiszen), nur kugul ist möglich (globus kugul Mones anz. 8, 396, 13. jh. alem.), und das war wol ursprünglich kukul (s. nachher), vgl. landsch. kulle kugel sp. 349. kegel dagegen, ahd. chegil, musz wegen des i in der ersten silbe urspr. a gehabt haben, und dafür zeugt noch die heutige aussprache des betonten e mit dem hohen laut wie in segel, flegel, nicht mit dem tiefen (ä) wie in sëgen, gelëgen; daher auch die alem. form keigel (s. oben bd. 1, 3 über ä), im Aargau, Rochholz Schweizersagen 1, 129, s. Brant unter kegeln; also eine deutsche urform kagil, oder kakil. Das g im inlaut nämlich stört diese annahme keineswegs, denn ebenso ward z. b. aus lat. cuculla ahd. cugulâ und chugelâ, anfangs noch cucalâ (s.kogel); einfaches P und K im inlaut nach kurzem vocal halten sich schwer, gehn gern zurück auf b, g. vgl. auch kekel unter dem folg. kegel, und ahd. gegil für kegil Graff 4, 362, engl. gaggle kegel sp. 384.
g)
für kegil gerade liegt freilich noch eine andere möglichkeit vor; nimmt man es zusammen mit nl. kegge keil, ags. cæge schlüssel (engl. key), nhd. kag kohlstengel, strunk, schwed. kage stoppel, stumpf, die alle in ihrer form (ich meine die sachen) dem auge einen ähnlichen eindruck machen, so spricht daraus ein stamm kag; auch der alte schlüssel war wol nur ein stück holz zum vorziehen des riegels von auszen, vermutlich keilförmig (vgl. lat. clavis schlüssel mit clavus pflock, nagel, clava stock). nah anklingend sind auch sl. litt. worte, freilich ohne verschiebung, böhm. kyč kolbenstock, schienbein, kyčka stock, stumpf, prügel (kyj stock, keule, auch altsl.), litt. kùcus knüttel, u. a. s. auchkog.
h)
erwähnenswert scheint endlich, wie der kreis der bedeutungen, den kegel mit seinen verwandten durchläuft, sich bei bolz fast genau wiederholt. diesz bedeutet auszer pfeil auch keil (vgl. engl. thunderbolt, donnerkeil), pflock, einen theil vom körper oder knochengebäude wie kegel 2 und keule, selbst federkiel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 383, Z. 40.

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