Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kibbe

kibbe,
mutterschaf, s.kippe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1865), Bd. V (1873), Sp. 656, Z. 33.

kipe

kipe,
s. kiepe. nachtr.; die bed. tasche auch in der Wetterau (kîbe). altn. aber kippa korb bei Fritzner.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 780, Z. 2.

kippe, f.

kippe, f.
ein md. nd. wort mit mehrfacher bed., die doch auf éine grundbedeutung zurückgehn mögen.
1)
spitze.
a)
hauptsächlich in bezug auf ein ding das auf der spitze steht und dem sturze ausgesetzt ist, kippe praecipitium Steinbach, Frisch: auf die kippe kommen pervenire in praecipitium, auf der kippe stehen stare in praecipiti. Steinbach. ein glas z. b. das auf der kante des tisches steht, steht auf der kippe (auch auf der wippe, s. u. 2), wenn sein schwerpunkt der kante nahe ist, wenn es 'umzukippen' droht; stelle das glas nicht auf die kippe. bildlich: er steht auf der kippe, ist in gefahr sein amt zu verlieren. Steinbach, auch von kaufleuten denen bankerott droht; der minister steht schon lange auf der kippe, wie ist gestürzt u. ä.;
es ist nicht fein, die grosze monarchie
...... so auf der kippe zu sehen.
Klamer Schmidt.
Wir fühlen das nur als in beziehung zu kippen, wie subst. verbale dazu, und Adelung, Campe u. a. fassen es so auf, als 'zustand' u. s. w. so ist es wol auch wirklich mit dem bair. ausdruck dafür auf der spreng, zu sprengen springen machen, schweiz. auf der schwanke, auch gimpfe Tobler 222ᵃ. in Thüringen heiszt es gern kipfe, öfter kepfe; auch keppe kommt md. vor (sächs., im ungr. berglande Schröer 69ᵃ) und kapfe, kappe, und immer mit dem entsprechenden verbum dabei, s.kepfen, ↗kappen 3, kippen 1. aber auch spitze selbst wird so gebraucht.
b)
es musz aber auch ein selbständiges kippe spitze gegeben haben, das Wachter 839 ansetzt als extremitas cujusque rei. dafür bürgt Luthers kipfe der felsen, kipplein spitzchen 16. jh., nd. westf. kip (und tip) spitze Woeste in Kuhns zeitschr. 2, 87, besonders mrh. kippel (neben küppel) kleiner hügel, als masc. Kehrein 224; so schott. kip spitzer hügel und hervorragende spitze. Diesz kippe steht denn im reinsten ablautsverhältnis zu kuppe und zu kappe (8, b) spitze, zwischen den beiden letztern aber steht kaupe 2 spitze, und das alles mag sehr alt sein.
2)
kippe, schaukel Rädlein 536ᵃ. 767ᵇ; ebenso wieder keppe Schmotther 2, 384 (bei beiden nur in dieser bedeutung). s. dazu kippen 1, b. gewiss eine schaukel wie sie sich die kinder z. b. aus einem brete herstellen, das auf seinen schwerpunkt gelegt ist, auf eine 'spitze', auf die kippe gestellt. nd. heiszt das wippe (wie wippe u. 1), auch aus beiden worten verbunden kippwipp, und ablautend wippwapp Stürenburg ostfries. wb. 333ᵃ. s. auch 4.
3)
kippe, eine falle, decipula quae dejecto pondere resurgit Frisch 1, 515ᵇ; auch nl. bei Kilian kip decipula, mnl. kep pedica hor. belg. 7, 6ᵃ. auch das könnte eig. eine 'auf der kippe' stehende vorrichtung sein, die dann 'umkippt', wie die falle vom 'zufallen' benannt ist, ebenso schlag vom zuschlagen, sprenkel vom abspringen. doch vgl.kippen 7. s. auch klippe falle.
4)
kippe, goldwage. M. Kramer 1787. davon kippe und wippe, s. u. kipper 3, a. eigentlich musz diesz kippe der wagebalken sein, der mit kippe 2 sachlich übereinkommt. berührung mit 3 in der sache zeigt frz. trébuchet goldwage und vogelfalle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 782, Z. 5.

kippe, f.

kippe, f.
neben und gleich kappe bei Fischart: sprecht mir nach .. ein mönch, zwen mönch, drei mönch baten mich umb ein alte kippen kappen u. s. w. Garg. 49ᵃ (78 Sch.), wie es scheint aus einem sprechspiel. es erscheint zunächst wie ein rhythmisches spiel mit dem ablaut, willkürlich nach art der kindersprüche, wie schon mhd. ganz unzweifelhaft in einem unechten Neidhart bei Haupt s. xlv gippen gappen für geben, hippen happen für haben, in einem bair. schnaderhüpfel gniglt gnaglt genagelt Schm. 2, 686. die formel bei Fischart lebt noch jetzt in kinderreimen, ostfriesische reime der art fangen an kippe kappe kögel oder kippe kappe kente, s. Frommanns mundarten 5, 272. Aber es gibt ostfries. auch wirklich 'kippe leichte mütze, mannsmütze' (auch kipse, vgl.käpsel) Stürenburg 107ᵇ (kipp-kappkögel eine hutähnliche papierlaterne, s. 117ᵇ), nl. kip (kips) f., pl. kippen kindermütze, und schon spät mhd., wol mrh., bei Engelhusen 'leripendium, kipp' Mone anz. 7, 301ᵇ (s. kappenzipfel): danach und nach dem unter kiffen beigebrachten liegt da wirklich ein altes wort vor für mütze u. ä. zu kappe und kippe stellt sich nun den dreiklang des ablauts vollendend ahd. kuppa, kuppha mitra, mütze Graff 4, 355 (vgl. gapfa mitra 176), das auch tief in die rom. sprachen eindrang (Diez 119). Da ist nun entweder der seltene fall, dasz ein fremdwort, kappe, fortbildung mit ablaut erfuhr (s. Wackernagel umdeutschung 50, vgl. kiste), oder dem fremden capa kam bei seinem hereinkommen ein heimisches wort entgegen (vgl. sp. 139, auch 706. 639. 512, sicher bei kappe selbst sp. 196), oder das eigentlich noch heimatlose capa ist selbst von den wandernden Germanen hergekommen. vgl. weiter kopf.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 782, Z. 55.

kippe, f.

kippe, f.
mutterschaf, ein mehrfach merkwürdiges wort.
1)
kippe, auch kibbe gibt Nemnich 4, 819 an, ohne bezeichnung der landschaft. das erste wird md. sein, in der Leipziger gegend gibt es kippe kippe! oder kippchen! als lockruf für schafe (und ziegen, wie hippe!).
a)
Schottel 1344 nennt kibbe, dazu kibbenlamm, letzteres wie aulamm; Schambach kiwwe f. und kibben n., zuchtschaf nach dem ersten jahre (wie kalbe vom kalb), aber auch allgemeiner weibchen einiger thiere, besonders der schweine, ziegen und schafe, kimlam (für kibbenlamm) mutterlamm.
b)
es findet sich im norden wieder. besonders schottisch, auch mit einer zuthat zum eig. begriffe: keb ein mutterschaf das sein lamm verloren hat oder todt geboren, keb-lamb ein lamm das die mutter verlor, s. mehr bei Jamieson. englisch kebber ein schaf das ausgeschossen wird, s. das. und Halliwell.
c)
dän. dial. kippe dagegen ist ein junges kalb, schwed. dial. kibb m., auch kubbe u. a. kalb Rietz 361ᵃ, nur als schmeichelname, in welcher form alte thiernamen am längsten nachleben nebst dem verächtlichen gebrauch. ähnlich götting. kiwweken n. schweinchen, namentlich als lockruf, auch kim! Schambach 99ᵇ. in dieser bed. entspricht, mit ablaut (wie kubbe) nl. kabbe, aber auch kebbe, bei Kilian, porcellus, dazu kabbeln junge werfen, von schweinen, katzen u. a. (schott. to keb von schafen, abortieren). es ist deutlich dasz darin ein germ. wort von hohem alter vorliegt.
2)
für weitere ergründung einige winke. der wechsel der anwendung auf schaf und kalb ist ähnlich bei kilber, s. dort 2, c. d. und wie dort in schilbe eine nebenform mit S voran (vgl. 406), so hier in schippe, schibbe (auch zibbe) mutterschaf Nemnich, z. b. in der Lausitz, sodasz man an verwandtschaft beider denken darf. aber schibbe wird auch von schaf nicht zu trennen sein. zu dem götting. kim ist aber auch dän. gimmerlam mutterlamm zu vergleichen, nordengl. gimmerlamb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 783, Z. 4.

kippe, f.

kippe, f.
hagebutte, in der Zips, kippen pl., dazu kippenstrauch Schröer 69ᵃ, diesz auch in östr. Schlesien Peters volksthümliches u. s. w. aus östr. Schlesien 1, 278, in Siebenbürgen kippendorn aus d. 14. jh. F. Müller deutsche sprachd. aus Siebenb. 27, jetzt käppendüren Schröer 69ᵃ. aber auch noch am Rheine, in der alten heimat der meisten jener östlichen Deutschen, in Nassau kipe f. hagebutte, kipedorn wilde rose Kehrein 224. dasselbe ist aber auch, mit anderm vocal, nordengl. choup hagebutte Halliwell 248ᵇ, schott. choup, choop, ags. cûpe? aber auch der gewöhnliche name hiefe, ahd. hiufâ, zeigt denselben lautstoff, ein weiterer beleg für den stufenwechsel im anlaut, s. sp. 661 mitte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 783, Z. 36.

kippen

kippen,
ein wesentlich md. und nd. wort mit mehrfacher bed., die doch am besten zusammengestellt werden. mit einer bed. (7) tritt es aber nur oberdeutsch auf, merkwürdig genug.
1)
zu kippe 1.
a)
intr. das gleichgewicht verlieren und darum umschlagen (umkippen, überkippen) und fallen, oder auch je nach der natur des gegenstandes mit einem theil in die höhe, mit dem andern niederschnellen (abkippen und aufkippen). ebenso nd. kippen umschlagen, abgleiten, schnellen, s. brem. wb. 2, 774. das glas das 'auf der kippe stand' kippt wenn es den schwerpunkt verliert ('ist in bewegung umzufallen' Adelung); ein balken der in der wage, im gleichgewichte lag, kippt auf und ab, wenn er ihn verliert, wol auch kippt hin und her. diesz letztere könnte denn schon Luthers kipfen der bäume sein, es ist dieselbe bewegung wie bei der schaukel, kippe oder wippe, daher wippen schaukeln (vgl. wipfel). Die erste erwähnung find ich sonst bei Schottel 1344, dann bei Frisch der tisch kippt, deprimitur: ich hatte selbsten zu thun, dasz ich nicht von dem brete (auf dem er schwamm) herum kipte. Schelmufsky 1, 88; der wagen, das schiff wollte umkippen. Hennig preusz. wb. 122. beim perf. wird wechselnd haben oder sein gebraucht, jenachdem das kippen als ein thun oder leiden gefühlt wird, z. b. das bret hat gekippt, 'hat' sich kippend bewegt, geschwankt, aber ist umgekippt u. ä., 'ist' kippend umgeschlagen.
b)
thätig, obwol intr.; mit dem stuhle kippen, Campe, lieber kippeln, sich kippend bewegen, schaukeln. bildlich abortieren: sê hat kippt oder ümmkippt. Danneil 231ᵃ, wie hess. umkeipeln (s. 361 unten), vgl. schottisch cowp owre (over) 362.
c)
aber auch trans., z. b. den kippkarren kippen (kippen machen), dasz er sich entleere. das glas kippen beim trinken, um die neige zu gewinnen. so nordd. für trinken überhaupt, es scheint besonders eín Berliner wort, ênen kippen, einen schnaps trinken, eine flasche (die bulle) auskippen u. ä.: wir wollen in Palekes keller eine (flasche) Fredersdorfer (bier) kippen. H. Smidt Devrient-novellen 46, im munde eines lehrlings.
d)
auch küppen kommt vor, so schreibt z. b. Lessing: sie drengen von entgegen gesetzten seiten in mich, beide wollen mich umstürzen .... dasz ich doch küppen musz. 8, 23. ebenso Frisch 1, 515ᵇ unten, bei Herder umküppen, in der Felsenburg verhochdeutscht aufküpfen (1, 697). ist das echt?
e)
das wort hat viele nebenformem. dem küppen, küpfen nahe heiszt es schles. köppen, thür. köpfen, selbst bair. koppen, und alles das alt bezeugt, zum theil mhd.; ferner keppen und kepfen, deren e aber auf a zurückgeht, s.kappen sp. 197 und kapfe kippe unter kepfen; noch anders im vocal käupeln. schweiz. mit der liquida vor dem wurzelauslaut gimpfen (gimpfe kippe), auch gempfen, gampen, gigampfen, und auch aus Pommern wird mir ein umkampeln angegeben. es ist klar, dasz da ein sehr alter stamm vorliegt, der sich so manigfaltig ausgeprägt hat. doch können darin mehrere stämme zusammengeflossen sein, s. bes. 3, b und gabeln gaukeln.
f)
so erscheint er denn auch auswärtig in schott. coup, schwed. kaͦppla, s. sp. 362. merkwürdig schwed. kipped adj., was zu fallen droht Rietz 321ᵇ. nahe liegt auch schott. kip (up), to turn up, z. b. von einem aufgekrämpten hute, kip - nosed mit aufgestülpter nase, und altn. kippa schnellen, s. Fritzner. entlehnt niederwend. kipasch kippen Zwahr 152.
2)
etwas anders trans. auf die kippe, kante stellen, besonders wenn es mit einem hebel geschieht, meist aufkippen, umkippen. Adelung, einen stein, ein fasz kippen; nd. upkippen aufheben und auf die kante stellen, wie upkanten. Richey 116. Schütze 2, 260, umkippen (auch intr.), z. b. einen block auf die ecke heben und dann auf die andere seite fallen lassen. brem. wb. 2, 775. im schiffswesen den anker kippen (auch nl. kippen, dän. kippe, schw. kipa, also aus dem nd., da das wort sonst dort fehlt). Röding 1, 106, wie aufsetzen, aufpentern, beim aufwinden schräg umlegen, dasz er die seitenplanken nicht verletze, vgl.kippung. nach Campe auch ostereier kippen, auf die spitze stellen dasz sie sich überkugeln (s. aber 4, c).
3)
die spitze abschneiden, abhauen, Adelung nur als nd. bekannt (s. besonders Dähnert); es ist aber md., während im gegentheil die nd. angabe z. b. im brem. wb. unsicher lautet, bei Danneil, Stürenburg ganz fehlt.
a)
ich kipp, ἀποκόπτω Alberus Qq 4ᵇ, noch wetter. einen baum kippen, oben abhauen. ebenso vom andern ende des md. gebiets, aus Schlesien bei Steinbach ich kippe trunco: der baum ist abgekippt worden, decacuminata est, er kippte mit dem degen das gesträuche ab (auch verkippen); es ist aber auch sächs., voigtl.; auch ostpreusz. kippen abhauen Hennig 122. sächs. auch die feder abkippen, nachdem sie fertig geschnitten ist, die äuszerste spitze abschneiden. eigen osterl. kîpen die bäume ausschneiden, ausputzen.
b)
auch hier wieder eine nebenform kipfen (s. d.), vgl. auch kipsen und kaupen. wenn sich auch das zwar am bequemsten zu kippe spitze stellt, kommt doch hier deutlich ein andrer stamm in frage. das entsprechende engl. chip heiszt vielmehr schnitzen, behauen, zerschneiden, ags. cippjan; nd. kippen auch einschneiden, kerben Kuhns zeitschr. 2, 97, nl. kip wie keep kerbe. eine ältere md. spur davon ist jedenfalls das kippe f. im Reinhart 1707 als schneidendes werkzeug, wol einfach hippe, wie die urspr. fassung hepe hat, s. J. Grimm sendschr. an Lachm. s. 60. ablautend entspricht kappen, das doch wieder auch ganz gleich kippen 3, a ist, s. mehr dort sp. 197. kippen von münzen, beschneiden, s. unterkipper 3, b. 2, a.
4)
mit der spitze hauen, stoszen, anstoszen u. dgl., das läszt sich wenigstens als gemeinsamer begriff der folgenden bed. fassen.
a)
schwach, leicht hauen, sodasz es nicht eindringt, so in der Wetterau. nd. kippen picken (westf.) Kuhns zeitschrift 2, 479. hierher wol folg.:
mein adel litte hohn, wenn ich
nicht herr im hause hiesze.
kind, reduzire mich nur nicht
vor aller junker angesicht,
magst lieber mit der hippen
incognito mich kippen.
Overbeck ged. 152.
b)
kippen mit dem stahl am feuerstein um feuer zu machen, so sächs., thür. und sonst, henneb. Frommann 2, 76.
c)
ähnlich in einem spiele mit den ostereiern, die man je zwei mit den spitzen an einander stöszt, um zu sehen welches zuerst bricht, eine art wettspiel: mit roten eiern kippen, ovis paschalibus collidendo certare. Stieler 958; die ostereier oder mit ostereiern kippen. Adelung. nrh. keppen Frommann 3, 554. 557, ostfries. dem. kippken (auch hikken), westerw. köppen, küppen, nl. kinken. fränk. becken, schwäb. bicken (1, 1809), d. i. picken, schweiz. klöckeln, aber merkwürdig auch gipf m. spitze des eises. vgl. Frisch 1, 515ᶜ.
d)
Stieler gibt kippen auch allgemein als ferire, icere, allidere, pulsando frangere, dazu ankippen allidere, illidere, aufkippen collidendo frangere, aber ohne weitere belege, nur nach dem vorigen? doch stimmt dazu nl. kip ictus, coup bei Kil., vgl.kappen 4 a. e. sp. 198.
e)
von vögeln, mit dem schnabel stoszend fassen: also nun die hüner hie und dort kipten und schluckten die (hingestreuten) bissen brots. Eulensp. cap. 8; von einem habicht, den kopf herunter halten und kippen. Döbel 2, 186ᵇ; dem esel die augen auskippen. Ryff thierbuch 114. es steckt wol auch in dem nl. kippen vom auskriechen der küchlein, eig. 'ova excludere, pullos edere' Kil., da die hühner die reifen eier aufpicken; auch nordengl., schott. chip. diesz kippen ist eig. eins mit dem unter a und trifft wieder auch mit picken, bicken zusammen.
5)
gold wiegen. M. Kramer 1787. s. kippe 4 sp. 782.
6)
geld aufwechseln, kipperei treiben, s.kipper 3, b.
7)
endlich, merkwürdig durch ort, bedeutung und verwandtschaft ein schweiz. kippen, stälen, suppilare, clepere, furari Maaler 243ᵈ, verkippen heimlich verzucken, surripere, suffurari 422ᶜ; bei Frisius clepere, kippen, stälen 235ᵇ u. a.; noch bei Stalder 2, 103 schnell und heimlich wegnehmen, doch nur von geringfügigen dingen, als milderes wort für stehlen, auch kibben. Zwar hat auch Schottel 1344 'kippen und wippen' fälschen, triegen, entwenden, kippung subreptio, furtum, und ihm nach Stieler kippen 'fallere, fraudare' und 'surripere'; aber das ist erst von den kippern des 17. jh. abgeleitet, wie Schottels angabe zeigt, s. auchkipperei, ↗kippicht. ein nl. kippen ferner heiszt ausklauben, das beste aussuchen, auch nd. kippen, ûtkippen auslesen, s. oben auskippen 1, 892; das scheint aber erst vom kippen mit der wage entstanden (s. unter kipper). Dagegen stimmt zu dem Schweizerworte (man beachte Stalders 'schnell', Maalers 'verzucken', heftig, rasch wegziehen) ein nordisches wort: altn. isl. kippa reiszen, ziehen mit raschem griffe, s. Fritzner 349ᵃ, schw. kippa, dän. kippe; auch altengl. kippe to take up hastily Halliwell 495ᵃ, näher noch schottisch kip to take the property of another by fraud or violence, kep to catch. die brücke zu dem schweiz. worte bildet nl. kippen greifen, fangen, aber auch stehlen (wegstelen Weiland). ist diesz nl. wort den Rhein hinauf gewandert? das nord. wort hat übrigens zugleich eine merkwürdige berührung mit kippen 1, es heiszt auch schnellen, s. das gleichbed. koppen 3. vgl. noch Diefenbach goth. wb. 2, 441 wegen auswärtiger anklänge.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 784, Z. 31.

kuppen

kuppen,
cacuminare, truncare Stieler 1012, die bäume kuppen, die nägel an den fingern kuppen Campe, die kuppe abschneiden; vgl.koppen 1. auch abkuppen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2779, Z. 57.

küppen

küppen
gleich kippen (s. d. 1, d), umkippend stürzen, bei Lessing, Herder, wird nach kuppe 2 gleich kippe doch echt sein; auch trans., küpte praet.: die dames trugen mich mit samt dem stuhle in den tanzkreisz hinein und küpten mich mit dem stuhle um, dasz ich der länge lang hinfiel. Schelmufsky 1, 49.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2779, Z. 60.

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Zitationshilfe
„kippe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kippe>, abgerufen am 27.11.2020.

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