kitt, kitten m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 861, Z. 42
im deutschen Wallis, schrunde an einem berge oder einer eistafel. Stalder 2, 104; der kitt ist aber in andern cantonen duft, reif, auch pick, kick, kich, gicht genannt. das. 1, 169. Tobler 51ᵇ.
kitt m.
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 860, Z. 16
früher kütt u. a. (s. 2), ein künstliches bindemittel für harte, besonders steinartige gegenstände, was beim holze der leim.
1)
kitt m., die jetzt geltende form.
a)
eigentlich: der kitt zum porcellain bestehet aus geronnener milch und gelöschtem kalke ... leimen (sie) damit was sie leimen wollen. wenn es so lange hält als unsre freundschaft halten soll, so ist es ein kitt den wir loben wollen. Lessing 12, 297, brieflich an mad. König, sie hatte ihn (13, 292) um auskunft gebeten, wie man den kitt, um das porcellain zu leimen, macht. gebrochnes glas wird mit kitt wieder verbunden, verschiedene handwerke brauchen verschieden bereiteten kitt, es gibt käsekitt, leimkitt, kalkkitt, ölkitt, harzkitt, mehlkitt u. a. nach dem stoffe zur bereitung des kittes, glaskitt, fensterkitt, eisenkitt, steinkitt, ofenkitt, porzellankitt, diamantkitt, dann glaserkitt, bildhauerkitt, malerkitt, treibekitt, wasserkitt, zahnkitt, schmelzkitt u. a. nach zweck und verwendung, s. Krünitz 39, 218 ff., wo kitt als gesamtname aller ähnlicher bindemittel gebraucht ist, mit einschlusz auch des mörtels (vgl. u. b). auch im bauwesen wird ein kitt gebraucht, mit ziegelmehl bereitet. Adelung. auch wird hie und da am bienenstocke das vorwachs kitt genannt, womit die bienen die öffnungen des stockes verschmieren. ders.
b)
bildlich: dieses verhältnis war der kitt, womit der stifter Roms sein politisches gebäude zusammengefügt hatte. Wieland Horaz. briefe 1, 84, also gleich mörtel, wie nachher Rückert u. c, vgl. unter a und 3, d;
die gliederfülle, sonst vom kitte
der jugend straff.
Spiritus Asper (Hempel) ABCbuch 1, 122;
so fest und stark ist was der eintracht kitt verküttet (: zerrüttet).
Rückert weish. d. br. s. 142;
kleinkinderdreck ist der beste kitt für weibertreue. Simrock sprichw. 5618; vergl. ehekitt. leim ist für diesen gebrauch zu unedel, geschweige denn kleister. s. auch kitten.
c)
eine nebenform die kitte, angegeben von Adelung, Krünitz 39, 218:
gehalten von der vorzeit derber kitte,
steht eine burg in waldger hügel mitte.
Rückert ged. 89 (2, 162);
dasz fremde völker von so fremden zungen,
so fremder abkunft und so fremder sitte
doch so verkittet sind von éiner kitte.
136 (2, 174).
d)
aber auch neutr., so gibt das brem. wb. 2, 777 nd. 'kitt, kütte; es bestehet aus kalcinirtem marmor- oder alabasterstein oder auch cement, welcher mit leinöl durchgeknetet wird'.
e)
früher auch kiet Steinbach, kieth maltha calidaria, lithocolla B. Faber, Kirsch cornuc. (im lat. theil aber kütt). unsicher ist kytt lithocolla Pinicianus (Augsb. 1521) Dief. 333ᶜ, auch kyt:
wie er (der betrügerische goldmacher) mit feistem kyt die siegel
all abgedruckt hett von dem diegel.
Rollenhagen froschmeus. O 6ᵃ.
2)
kütt, kütte, in älterer zeit vorherschend.
a)
kütt, küt: leinöl, das man zu wagenschmir und küt bedarf. Tucher Nürnb. baumeisterbuch 116, 19, 15. jh.; nimmet man zu kütt kalch, mel und ochsenblut, wol durch einander geknetten. Mathesius Sar. 72ᵃ. kütt M. Herr übers. des Palladius 1538 1, 41. kütt geben noch Kirsch (s. 1, e), Rädlein 575ᵃ, M. Kramer 1719, Wachter 900. kütten als zeitwort noch bei J. Paul, verkütten Rückert (s. 1, b).
b)
kütte fem. geben Comenius orb. p. 2, 51 (1719), Schmotther, Frisch (auch im franz. wb., schreinerkütte futée), M. Kramer 1787, ohne angabe des geschlechts Kirsch, Steinbach (kitt m. doch als hauptform): am mastbaum gebunden und kütt' in'n ohren. Claudius 1, 216 (131). s. auch das brem. wb. unter 1, d.
c)
eine nebenform köt oder köte, köde verrät sich in köden gleich kitten (s. d.), mit md. vocal, aber mhd. küte bestätigend.
3)
herkunft und verwandtschaft. es gibt da viel fragen und wenig antwort.
a)
als die echte form stellt sich die zweite heraus, nach der ahd. gestalt, die sich glücklich fand in einer gl. zu Heinrici summarium: gluten, cuti vel lîm. Graff 4, 365. Diut. 3, 265, m. oder n. danach musz es in mhd. zeit küte (küt) geheiszen haben, das doch auch schon zu kütte werden konnte. vielleicht gab es auch schon ahd. kutja f. (ein beispiel eines wortes in allen drei geschlechtern s. sp. 775).
b)
doch ist kitt darum nicht sicher als entstellung anzusehen, da die nd. mundarten ü sonst rein bewahren (s. z. b. kissen 1, e); wie das brem. wb., das doch ausdrücklich als hd. kütte daneben stellt (1, d), so gibt auch Dähnert kitt. das tt könnte freilich entlehnung aus dem hd. darthun.
c)
es heiszt auch dän. kit, schwed. kitt n.; aber sie mögen entlehnt sein, wie sicher poln. kit m., böhm. kyt, ehstn. kitt 'kütt' Hupel. im nl., engl. ist es nicht vorhanden (kit a smear or dab bei Halliwell gibt wol nur zufälligen anklang). aber auch die oberd. idiotica wie meist die älteren oberd. wbb. schweigen davon (Dasypodius nennt es steinleim s. v. 'lithocolla'); wäre es ursprünglich md.?
d)
fraglich und doch wichtig sind endlich angaben, die Stieler macht. sp. 1020 gibt er kütt m., ohne pl., maltha factitia, marga (mergel); eigentlich aber sei es lutum, argilla, creta figularis et lateratitia, also auch ziegelerde, thon u. dgl. (er leitet es nämlich von kot ab). sp. 958 dagegen kitt m. sabulum, caementum (mörtel), dann 'kisz et kitt dicuntur etiam lapilli seu lapidum fragmenta, quibus structurae farciuntur', die masse aus steingerölle, die man, doch mit mörtel vermengt, als füllung dicker mauern brauchte, fartura. ist das nicht mehr als selbst vermengung ähnlicher und doch verschiedener worte und dinge? merkwürdig kommt kisz um 1700 wirklich gleich kitt maltha vor: aus kalk und neuem käse ein stein oder kisz kan werden, welcher an härte dem demant nicht viel weichet. dr. Becher 47, der zusatz stein zeigt freilich dasz mehr an kies als kitt gedacht ist. s. auchkies 3, c.
e)
fände sich übrigens eine noch ältere form quiti für cuti, aus der sich auch kütt und kitt erklären würden (wie bei kirre, kürre), und wäre der kitt von seiner flüssigen, schmierigen gestalt beim verarbeiten benannt, so fände es anlehnung an den stamm quad, quat, der ähnliche dinge mehrfach bezeichnet; s. koth, das bair. selbst auch thon, mergel bedeutet.
Zitationshilfe
„kitt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kitt>, abgerufen am 12.12.2019.

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