Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klappe, f., subst.

klappe, f. subst.
von verschiednen klappenden dingen, eig. die nd. und md. form des streng hd. klaffe, klapfe, die aber nicht die entwickelung der nordd. schwesterform gefunden haben, während klappe durchs gewerbsleben nun allgemein hd. geworden ist, wie klappen. nur nd. ist klappe klapper Germ. 9, 264, s.klaffe.
1)
klappe flagellum Stieler 1962, peitsche. nd. heiszt klap m. die schmitze am ende der peitschenschnur Schambach 101ᵃ (vgl.klapfar Lexer 159). nl. kleppe flagellum Kil. s.klappen 1, a.
2)
wie klapf 3, s.kläppchen 3: die gottlosen sitzen beisammen und hangen jedem eine klappe an. Olearius pers. baumg. 7, 29; den gaffern geschiehet recht, wenn sie eine klappe darvon tragen (onerari malis) Stieler 602, die ihnen 'angehängt' worden ist.
3)
fliegenklappe, klatsche: zwei fliegen mit éiner klappe schlagen (s. 3, 1780), bildlich gebraucht, zweierlei auf éinen 'schlag' vollbringen, gewinnen u. ä.;
macht etwa mich verstummen
der brummflieg arges brummen ...
sehr ungern lang ich nach der klappe.
Voss (1825) 3, 227.
4)
herschend jetzt als beweglicher deckel der klappend zufällt, den man auf und zuklappt, öffnet und schlieszt, und ähnliches an mancherlei dingen; weder Stieler am ende des 17. jh., noch Rädlein, Steinbach im 18. nennen es. im nd. aber musz es sehr alt sein, denn dasselbe ist offenbar schott. clap (und clep) vom gaumendeckel, wol auch engl. clap der untere (bewegliche) theil des schnabels beim falken Halliwell 252ᵃ; auch franz. clapet ventil weist auf frühe entlehnung, wol nach dem nl. klap. von uns übernommen ist wol auch böhm. klapa, dem. klapka (auch klop, sklop, an einen heimischen urverwandten stamm angelehnt, der fallen, sinken bedeutet), poln. klapa, russ. klapan''. dän. klap, schw. klapp. nl. auch klep, ursprünglich kleppe (s. kläppe).
a)
die herkunft vom klappen ist recht deutlich bei klappe als kannendeckel (s.klapf!), kannenklappe Richey 118, Frisch 1, 519ᵃ, nach dem auch die kanne selbst und 'das was als ein zeichen des wirths aushängt' klappe heiszt. ferner liegende thüre oder fallthüre Brem. wb., Stürenb., duvenklappe am taubenschlage, auch allerhand kleine deckel ähnlicher art. alt sieht aus die bed. zugbrücke das., 'im herzogthum Bremen werden die hofdienste unterschieden in dienste binnen der klappe und dienste buten der klappe' Brem. wb. 2, 788. daher vielleicht die redensart, in der man jede thüre, jeden verschlusz klappe nennt: er kam zu spät und fand die klappe zu; mach die klappe zu, doch mehr scherzhaft, bei uns wenigstens. ebenso hd. schlag, schlagbaum, schlagbrücke vom zuschlagen, vergl. klappbrücke.
b)
dann erweitert von jedem ähnlichen deckel, auch wenn er nicht fallend zugeht und klappt, sondern nach oben, oder seitwärts (daher fallklappe in der bed. a). nordd., z. b. in Hildesheim, heiszen die fensterladen klappen. an einem schranke, pult, bureau: die klappe vorne war zu grosz. Immermann Münchh. 1, 137. klappe am klapptisch, die auf oder nieder geklappt werden kann (denn klappen folgte dieser fortbildung des begriffes), auch von der ganzen tischplatte: dem ofen gegen über stand der tisch, als klappe an die wand befestigt, damit man ihn an dieselbe aufschlagen konnte. Stilling jugend (1779) 39. so in der kirche ein sitz zum aufklappen, karkenklappe Richey 118.
c)
selbst da, wo von einem klappenden klange keine rede mehr ist, so in hosenklappe, latz ( Adelung), nd. boxenklappe Br. wb. 2, 788, nrh. boxeklepp. klappe am klapphandschuh:
zart und rund und schlank aus der klappe des sämischen handschuhs
blickend kühlt' ihr die rechte mit grünem fächer das antlitz.
Voss Luise (1795) 1, 104.
auch an andern kleidungsstücken ein theil, der umgeklappt ist (aufschlag, krämpe am hute u. dgl.) oder umgeklappt werden kann, achselklappe, rockklappe u. a.: sie (die Nürnberger stadtgarde) trugen gelbe kollets mit rothen klappen, kragen und aufschlägen. Fr. v. Soden gesch. des weilers Affalterbach 107; stachen nicht die klappensegel der schönsten gestickten weste .. heraus? J. Paul uns. loge 12 (1, 15). Hier findet sich denn auch oberd. entsprechend schwäb. klapf m., pl. kläpfe, aufschlag am rocksaume, s. dazuklapf 3, b. merkwürdig schwed. klaff m. aufschlag am ärmel, stülpe am handschuh. seltsam stimmt im griech. das verhältnis von παταγεῖον aufschlag am kleide und πατάσσω, παταγέω schlagen, klappen. s. auchklatsche 2, und patte.
d)
vielfach im gewerbsleben, zuerst bei Frisch, klappe am blasbalge, in der pumpe u. ä., ventil (frz. clapet), vgl. klappenventil. am luftballon: dasz mir ein faden zerrisz, der an einer klappe in dem luftballe sasz. Münchhausen (1822) 82. und so vielfach an werkstücken aller art, blasinstrumenten (flöte, horn), orgeln, maschinen, rauchfängen, öfen u. dgl.; dazu ofenklappe, luftklappe, windklappe, springklappe u. a.
e)
davon dann in der physiologie, z. b. im thierischen körper von gewissen häuten die gewisse blutgefäsze klappenartig verschlieszen, in den eingeweiden, valvulae. Frisch 1, 245ᵃ; auch in der botanik, klappen am samenbehälter, samenklappen, valvulae, fornices.
5)
klappe, klappen, der fieberklee, biberklee, menianthes trifoliata. Nemnich 3, 556, auch ziegenklappenblume, zottenklappen. Rollenhagen froschm. K 2ᵇ nennt unter giftigen kräutern die blaw münchskleppen (: lappen), wol klappen zu lesen. vgl.klaffer sp. 899.
6)
es scheint auch klappe falle gegeben zu haben, wie nl. kleppe decipulum, transenna Kil., dazu bekleppen deprehendere, illaqueare (in einer falle, schlinge fangen) Henisch 271, den feind beringen und bekleppen Frisch 1, 525ᶜ aus Pomarius magdeb. chr., nl. beklippen Kil., ahd. bichlepfan opprimere Graff 4, 556, wie beschlagen oben 1, 1573 vom fangen mit dem netze, vgl. engl. clap-net netz zum lerchenfange. daher ital. calappio, galappio falle, fallstrick (s. u.kläffen 3), chiappare erhaschen, im garne fangen (gleich klappen 5, a), wodurch die bed. hoch hinauf rückt. vgl. norw. glefsa, schwed. dial. gläfs falle, fuchsfalle, letzteres auch klappe, deckel Rietz 203ᵃ (s.klappern I, d). s. auch klippe falle. urverwandt entspricht vielleicht (s. 4 und klapf 4, d) altsl. klepĭca falle, böhm. klopec, russ. kljapcy pl., besonders fuchsfalle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 958, Z. 40.

klappe

klappe?
als speise, in Neidharts gefräsz: gib (zum schmaus) einen kappen, einen trappen, und vier klappen. Fischart Garg. 96ᵇ (Sch. 168). MSH. 3, 310ᵃ; in einer andern fassung das. 797ᵇ und Hätzl. 70ᵃ kappen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 959, Z. 65.

kläppe, kleppe, f.

kläppe, kleppe, f.
klinke, drücker am thürschlosz, so z. b. im Göttingischen Schambach 102ᵇ, mnd. kleppe clotoria Dief. 128ᵃ, klinke, cleppe, mlat. clepa 126ᶜ, nl. klep, klap f.; nl. nrh. ist klep (kleppe) nebenform für klap, klappe überhaupt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 959, Z. 69.

klappen

klappen,
die nd. und md. form für klaffen (klapfen), im nhd. aber allgemein geworden und zu einer eigenen entwickelung gediehen. ags. clappjan, altfries. altn. schwed. klappa, dän. klappe, mit der bed. schlagen, pochen, klatschen; reicher entwickelt nl. klappen, besonders engl. clap. es lebt auch auf rom. boden, in ital. chiappare, s. 5, a. von der verwandtschaft s.klapf 4.
1)
Schallen, in der art wie klapp 1, ursprünglich gewiss mit derselben manigfaltigkeit wie klaffen 1.
a)
wie klatschen, von der peitsche: ên ôlden fôrman hört noch gêrn de swepen klappen br. wb. 2, 790 (vgl.klacken 2). so denn Luther in der bibel: da wird man hören die geiseln klappen und die reder rasseln. Nahum 3, 2; ein alt fuhrmann hört doch gern klappen. Schottel 1131ᵇ. ebenso nl. klappen, engl. clap, entsprechend oberd. kläpfen, landsch. auch klappern, während im md. vielmehr klatschen (knallen) heimisch ist, das denn schriftdeutsch wurde. ganz ebenso ist es beim klatschen mit den händen: man wird uber in mit den henden klappen und uber in zischen. Hiob 27, 23, vor schadenfreude; alle die fur uber gehen, klappen mit henden. Jer. 2, 15, auch Jes. 55, 12. Nahum 3, 19. Zeph. 2, 15, vgl.klopfen in gleicher bedeutung. nd. auch gleich knallen, z. b. mit der klapperbüchse (s. d.).
b)
gewöhnlich und allgemein von mehr kurzen stumpfen tönen:
Marien bilde am Peiner schlot
moste liden mennigen schot:
noch (doch noch) stehet dat bilde like (ebenso) fast,
ir schetent klappet alse bast.
lied aus der hildesh. stiftsfehde Lüntzel 196. Wolff hist. volksl. 377,
die schüsse klingen beim anschlagen wie bast, nicht wie kugeln, doch ist zugleich das anschlagen, auftreffen selbst gemeint, s. ebenso hd. klaffen 1 und vgl. hier 4. von der schnellenden sehne der leeren armbrust: wenn er die sehnen klappen höret. Luther 3, 451ᵃ. Hauptsächlich von allerlei tönen die durch ein an- oder aufschlagen entstehen, obwol das nach dem vorigen nicht ursprünglich darin liegt:
dort trampeln die stampenden klepper, hier klappen die tappen der rappen.
Joh. Franke ird. Helicon 54;
des pferdes huf klappte freilich nicht, es war nicht beschlagen. Göthe 23, 227; die thür ward zugeschlagen dasz es klappte. Ludwig teutsch-engl. wb. 1024;
und wieder hört man durch die stille ...
des tritts geknarr, des alpstocks klappen.
Ann. v. Droste 448;
das (offene) fenster klappt, wenn es vom winde hin und her getrieben wird (auch klappt hin und her); eine thüre die schlecht schlieszt, klappt vom zuge hin und her im schlosse;
das mühlenrad, das träg die schaufeln dreht,
klappt langsam fort mit gleich gemesznen schlägen.
Salis 93, das md. wort bei einem Schweizer;
man hört ein paar pantoffeln die treppe herauf klappen; ein loses hufeisen, ein losgegangner absatz klappt beim reiten, beim gehn (mhd. klaffendeʒ huofîsen);
holla! her! die teller klappen.
brüder, nahet euch der kost.
Riemer pol. maulaffe c. 41.
von den zähnen die aufeinander schlagen: heulen und zeen klappen Matth. 8, 12 u. o., oberd. klaffen (auch klopfen);
mitten durchs heulen und klappen der hölle ...
erkannt ich den süszen, den liebenden ton.
Göthe 12, 240.
ob ihm vor angst gleich jede nerve bebte,
die zähne klappten.
Gotter 1, 193;
und dem schaudernden klappen die zähne.
Voss Il. 13, 284.
Man braucht in den meisten der angeführten fälle lieber klappern, womit das klappen als in rascher fortsetzung hinter einander erfolgend bezeichnet ist; wenn z. b. das mühlrad bei Salis vorhin in rascheren gang kommt, geht sein klappen in klappern über. daher auch vom storche beides:
dort klappt und klappert er genung.
Göthe 56, 34 (beruf des storchs).
c)
natürlich dann auch mit einer person als subject, wie u. a: klappen, die thüre auf und zu machen, nordd. (klappschwänzen oft s. aus und eingehen, hannov. klap-pœrtjen Fromm. 5, 151);
so lang der sterbende noch mit den zähnen klappt.
Gotter 1, 193;
der schneider tanzt wie toll ... klappt mit holzschuhen und schnalzt mit den fingern. Arnim schaub. 2, 235;
nun schlug sie stahl und stein zusammen, klappend,
in grader richtung nieder nach dem zunder.
Rückert 157 (1, 161);
mit dem deckel (des bierglases) klappen, z. b. um den kellner herbeizurufen. das geht denn schon in 'schlagen' über, s. 2. ungewöhnlich trans.:
es möchten teufelchen in schwarz gemalten kappen
um dich herum die zähne klappen.
J. G. Jacobi (1807) 2, 208,
das ist jedoch nur aus dem geläufigen 'zähneklappen' durch zerlegung genommen.
d)
klappend fallen u. ä., gewöhnlich mit praepositionen zur angabe der art der bewegung: der deckel klappte zu, auch blosz klappte, wenn nur der schall zu bezeichnen ist; er klappt ein, fällt klappend in die fugen; der foliant klappte zusammen. ebenso wieder trans. und pers., s. 5, b.
2)
Klappend schlagen, stoszen.
a)
intr.: da werdet ir denn anfahen drauszen zu stehen und an die thür klappen und sagen 'herr, herr, thu uns auf' Luc. 13, 25 (var. kloppen, klopfen), vgl.anklappen ebenso;
tanzten sie leicht einher ... und andere jünglinge klappten
stehend im kreise dazu.
Voss Od. 8, 379,
schlugen oder stampften den takt, ἐπελήκεον. nd. auch 'durch einen schlag in des andern hand ihm etwas versichern' (wie schweiz. klepfen sp. 956 mitte), dat is beklappt, es ist alles richtig Dähnert 231ᵇ, s. sp. 957 mitte, vgl. hier c a. e.
b)
trans., z. b. den takt klappen: es (das oratorium) wäre ein trefflicher genusz gewesen, wenn nicht der vermaledeite capellmeister den takt mit einer rolle noten wider das gitter und so unverschämt geklappt hätte. Göthe 27, 114 (gleich darauf klatschen genannt). das fenster zuklappen, klappend zuschlagen, altengl. ebenso: (she) clapt the window to. Chaucer Cant. t. 3738. das buch zuklappen, zusammenklappen, aber auch aufklappen, klappend aufschlagen, s. dazu 5, b. auch mit persönlichem object: einen auf die finger klappen, klopfen, klapsen, ihm einen klapp geben;
eim solchen narrn und vollen zapfn
solt man bisweil die nase klappn.
B. Ringwaldt laut. warh. 74,
der verf. schrieb wol zappn, aber in der ausg. v. 1621 s. 66 steht wirklich auch klapfn. eine fliege klappen, mit der klappe schlagen: die fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die klappe selbst. Lichtenberg 2, 89.
c)
von kampf oder rauferei wird herrühren die redensart 'wenns zum klappen kommt', zum 'treffen' (der feinde auf einander), wenn es ernst wird, los geht, im 16. jh. nd. went to klappende ginge Berckmann strals. chron. 119; as et schull tom klappen gahn Lappenbergs Lauremb. s. 130. auch wenns klappens gilt. Ringwalds l. w. 1621 122 (urspr. stand kappens, s. sp. 198);
er sperrt, er brüstet sich und macht sich eben grosz,
wenns aber klappens gilt, ist er ein armer klohs.
reime dich oder ich fresse dich 184.
Dann unpersönlich wenn es klappen soll, wenn es zur entscheidung kommt: ich gieng hin und wolte meine sachen proponiren. aber wanns klappen solte, da war ich ganz verstummt, dasz ich unverrichteter sachen wider zu hause kam. wollüstige u. verstandslose jugend eines reuigen studenten. o. o. 1664 B 5ᵃ; aber in dem, da es solte klappen (dasz er eine anstellung bekäme), da schickte mir gott eine krankheit zu. B 2ᵇ. doch mischt sich das mit 3, g. Übrigens wird es auch auf den handschlag bezogen (s. a): as dat tom klappen kamen sull, tôg he torügge (die hand nämlich). Dähnert 231ᵇ.
3)
Klappen im verhältnis zu klingen, klappen gleich passen.
a)
dem mehr musikalischen klingen steht klappen gegenüber als das kurze, stumpfe, klanglose tönen, z. b. von holz; gläser klingen beim anstoszen, zinnerne kannen, blecherne becher klappen nur; auch ein falsch gehaltnes glas klappt nur:
sprachs, und es klangen die gläser mit hellem gekling an einander.
nur des jünglinges glas verstimmte den klang mit rauhem
puf; da schüttelte zürnend der vater das haupt, und bedräut' ihn ...
klappt nicht immer sein glas wie ein spaltiger topf und des neuern
dichterschwarms ungeschlifner hexameter ...
kein vernünftiger faszt an den oberen kelch wenn er anklingt,
nein, an den fusz!
Voss Luise (1795) 1, 515 ff.
Etwas dem ähnliches musz folg. redensart veranlaszt haben:
das alte klapt, das newe klingt,
das alt nichts taug, das new lust bringt.
Eyering 1, 263 (s. dasselbe u. klappern II, 1, m).
Luther erzählt einmal von dem rate, den er zu Worms 1521 dem bischof von Trier gab, man solte diese sachen gott lassen ... were sie aus menschen, so würde sie bald untergehen u. s. w., und sagt vom erfolge: aber es wolt nicht klingen. wolan, wie es auch hernach geklappet hat und noch klappe, da frage man das ganze Deudschland umb. Luther 3, 424ᵇ, d. h. der rat fand kein gehör, er klang den leuten nicht (vgl. Günther unter d), er klappte nur, 'taugte ihnen nichts' nach Eyering vorhin, doch tritt klappen da zugleich in die bed. 4 über.
b)
aber auch anders erscheint diesz klappen, als eine art ersatz fürs klingen, in der redensart klingts nicht so klappts doch, in rebus magnis vel ipse conatus laudatur Stieler 967, Stein bach 1, 860, besser etwas als nichts, man musz den guten willen für die that nehmen u. dgl., auch nordfries. klingt't eeg, so klapt't dagh. Haupt 8, 375. man kann wol auch da an das klappen der becher beim zutrinken denken, aber das folg. weist auf wichtigeres hin.
c)
die redensart wird von versen angegeben: klingen sie nicht, so klappen sie doch gut, parum inventionis poeticae habent, rhythmi tamen boni sunt. Frisch 1, 519ᵃ; diese verse klappen nicht gut, non eurhythmi sunt. das., also klingen vom inhalte, klappen von der form, genauer vom tonfall, eigentlich vom takte, der die hebungen bezeichnet. so deutlich in folg.:
denk, der waffenméistèr
hämmert, singet! ísts àuch
ungereimt, so kláppts dòch!
Eichendorff ged. 93, 'chor der schmiede'
dien old schillingsdöhnken (liedchen) vam lindworm dögt d. nicht só väl!
wat so en malle kumpan henfummelde, klingt nich un klappt nich.
J. H. Voss de winterawend 35,
in den anm. (idyllen 1801 s. 356) 'die verse haben weder wolklang noch gemessenen fall'; scheuen oder verachten wir alle kunstregel (in der metrik) und meinen dem genius genug zu thun, wenn wir was klingt und klappt nur ungefähr herausfühlen. Voss zeitmessung der d. spr. 1802 s. 5*); das ist keine gute harmonie, das klappt nicht, schlechter reim. Fr. Müller 1, 246. recht deutlich von den hebungen im verse bei Gottsched in der übers. von Horazens dichtkunst (cum senos redderet ictus 253):
er (der jambus) flieszt ganz schnell und leicht, daher man solchen zeilen,
darinn er sechsmal klappt, dén namen läszt ertheilen.
krit. dichtk. 1751 s. 39.
Schottel braucht das trans., vom dichter, aber verächtlich: auch noch heute die reimenschmiede lappen und klappen in dieser art gemeiniglich immer hin. haubtspr. 892, er spricht von dem altdeutschen verse mit vier hebungen (s. knüttelvers), ärgerlich dasz sie nur an die hebungen, nicht an jamben denken, vergl. Bürger unter klippklapp und Platen unter klappern 1, m. Der ausdruck, nebst dem gegensatz zu klingen, geht wol eben auf die meistersänger zurück, aus deren 'tabulatur' ja manches in den mund des volkes kam; man schlug oder klappte wol wirklich im unterrichte den takt, und der nl. name klippelveersken für jenen altdeutschen vers bei Kilian (s. klippelvers) stammt vielleicht daher (es hiesz auch klippen und klappen, s. i), ebenso der trost unter b.
d)
so begreift sich auch, dasz klappen selbst gleich klingen gebraucht wird, indem man im tonfalle das hauptstück des wolklanges sah:
auch schifft ich oftermahl auf dielen über meer,
und holt ein gleichnisswort aus Misisippi her,
bestahl den Lohenstein .....
da klappte mir kein vers, der nicht auf stelzen gieng.
Günther 376,
mit mir verbunden, klang mir gut, gefiel mir im klange, im bau;
wer sagt mir, wie ich soll auf recht poetisch sagen
'ich schlief, und träumte mir'? denn das ist zu gemein,
und Opitz würde gar dadurch an hals geschlagen,
wenns nicht fein kunterbunt beschrieben solte sein.
vielleicht klappt dieses gut: die schnellen feuerpferde
des Titans wurden nun bei Thetis ausgespannt u. s. w.
Philander von der Linde;
'de verske klappet nig, die verse reimen nicht gut (reimen vom rhythmus), it. haben keinen wohlklang'. brem. wb. 2, 790. Aber auch geringschätzig, wie bei Schottel vorhin:
men heft sick twar tomartert, dat boek (Reineke Vos) to bringen
in hochdüdsche spraek, men (aber) it will ganz nich klingen,
it klappet jegen dat original to reken
als wen men plecht een stücke vûl holt to breken u. s. w.
Lauremberg scherzg. 79 (4, 632 Lapp.);
in dergleichen fällen klappen denn keine verse einfältiger (klingen eintöniger) als die so genannten Alexandriner. Spreng zu Drollinger 215. Auch von musik, gesang, was zu a zurückkehrt:
ja wie allhie (auf erden) ein gansgeschrei
klapt gegen einer symphonei,
also klapt auch im jammerthal
die music gegen gottes sal.
Ringwald tr. Eck. D 6ᵃ.
e)
auch abgesehen von poesie klappen völlig gleich klingen, oder verbunden damit:
'herr F ...' liesze gar zu seichte (als titel),
'magister F ...' klappt und klingt
so zärtlich als die ohrenbeichte,
die Dorgen (die junge frau) in dem bette singt.
Günther 522;
'magister' kriegen von dem schreiber
('schulmeister' klappt nicht) mehr respect.
523.
von geld in einem sprichworte aus der geschäftswelt, mit dem Schönsleder f 3ᵈ dicta non sonant (Plaut.) wiedergibt (während er doch klappen selbst noch nicht aufführt): 'thaler klappen, wort lappen, handschrift klingen nichts, tinnulae rationes (klingende gründe) plurimum habent virium ad persuadendum'.
f)
aber auch der reim selbst, das zusammenklingen wird damit bezeichnet, s.klappwort gleich reimwort und klappreim als kunstausdruck der meistersänger. ebenso das zusammenklingen in der musik, z. b. auer (eure) waldhörner klappe nött zusamme Schmidt westerw. id. 79; schon bei Ringwald vorhin wird das mit gemeint sein, 'wie gansgeschrei mit einer symph. harmoniert', und die anwendung auf den reim rührt erst daher. auch das mag auf die meistersänger zurückgehn, musz aber doch ebenfalls vom taktieren herkommen; klappen hiesz etwa das zusammentreffen der verschiednen stimmen im takte, oder das pünktliche einsetzen éiner stimme in einer fuge. es ist bei gesangübungen noch jetzt so in allgemeinem gebrauche, ein mehrstimmiger gesang wird geübt, bis alles klappt, scharf und rein zusammenstimmt, dann überhaupt, bis alles 'gut geht'; der dirigent erklärt das klappt noch nicht, das musz besser klappen, wie es wesentlich der klappende taktstock regelt, vergl. Göthe unter 2, b und den takt 'schlagen', bei Chytraeus 'modi .. de schlach, de tact im sange' cap. 51.
g)
daher überhaupt passen, schon im 16. jh. geläufig: denn es klapt noch klinget nicht, wenn ich sagt 'Luther bedeut Husz', sondern 'er ist ein Husz' (klingt und klappt allein). Luther 3, 442ᵇ; lieber, wie klappets, wenn du solchs also wilt deuten nach Zwingels dünkel 'Christus bedeut den rechten weinstock'? das., er meint, diese auffassung 'stimmt' nicht zur meinung des verfassers, auch diesz klappen und klingen stammt wol wie es ist aus gesangübungen; zu befestigung desselben (der auslegung eines bibeltextes) so holen sie den text Salomonis mit den haaren herzu .. horcht, wie klappt das (passt auf den fall), als strichen die kinder den treck mit ruten ausz. secht, kompt das nicht wunderlich uberein? es scheinet als ob es mit einem hauspensel zusamen geflöszet und mit einer holzschären beschnitten wer. Fischart bienenk. 1588 150ᵃ, wie die letzten vergleiche für das passen von malerei und holzschnitzerei entlehnt sind, wird klappen gesang im sinne haben; aber er erzählt noch wol andere (geschichtchen als belege seiner behauptung), die wol besser klappen. das. 215ᵃ; soll ich sagen, es (das lamm) sei mir die nacht, wie ich etwas hart entschlafen, gestolen? das klapt abermal nicht, hab ich sorg. Kirchhof wendunm. 1602 2, 236, hier von worten zur sache übergehend;
hört: glyk als eene warme semmel is nich kold,
also de nie maneern van kledern syn nich old.
klapt dat nicht wol? de glyknis kan sick flaschen (passen)
als eene fust ant ohr, als botter in der taschen.
Lauremberg scherzged. 33 (2, 529).
ebenso scherzhaft et klappt wie de faust ofs âge Schmidt westerw. id. 79, dat klappt as vûst up oge 'ist ungereimt' Brem. wb., dat klappt nig das., non quadrat, ganz in dem sinne wie es reimt sich nicht oder es stimmt nicht, jenes vom dichten, diesz vom singen ausgegangen. Das gilt denn endlich auch von ganz unmusikalischen dingen, z. b. von einer rechnung, die nicht klappen will, wie man sagt sie stimmt oder trifft. von lebensverhältnissen allerlei art, z. b.: geht man so mit seinen kindern um? stöszt man sie, wenn nicht alles gleich klappen will, sofort unbarmherzig aus dem hause? Schopenhauer parerga 2, 117. von den anordnungen zu einer festlichkeit sagt man, es wollte nichts recht klappen, es klappte alles vortrefflich, auch klappte zusammen.
h)
doch greift da ein andres klappen herein, das zu derselben bed. gelangte. manche werkstücke nämlich, die genau in einander passen sollen, lassen diesz, dasz sie nun ganz scharf abgepasst sind, durch einen gewissen klappenden ton erkennen den sie beim ineinander passen von sich geben, klappen gleich kurz und knapp klingen; der gegensatz ist klappern, unsicher schlottern. so musz an einer maschine mit ihren hunderterlei in einander greifenden theilen bei der probe alles klappen, wenn sie gut sein soll. eine thüre, ein deckel, die endlich genau schlieszen, verraten diesz durch ihr einklappen, klappendes, schnappendes einschlagen. daher bildlich: sie haben sich zwar entzweit, es wird aber wol wieder einklappen Heynatz antib. 1, 338; ähnlich einschlagen, z. b. (gut) einschlagen in ein geschäft, sich hinein schicken, finden. vgl. engl. pat passend mit pat klopfen, klapsen. aber auch die bed. 4 mischt sich in diesen bildlichen gebrauch.
i)
es heiszt auch mit ablautspiel klippen und klappen, in verschiedner wendung: mögen sie (fremde laute, in fremdwörtern) anderswo schön klingen, hier (im deutschen) klippen und klappen sie nicht einmal. Jahn merke zum deutschen volksthum 183, in der bed. a, ohne scharfes urtheil kann man bei der glücklichsten poetischen fähigkeit nichts schreiben, das da fertig ist, klippt und überall klappt. Lenau brieflich (L. Uhland, eine gabe für freunde s. 254), diesz nach c oder h; s. auch unter 4, b. sinnlich braucht man klippen und klappen vom klappern der mühle, wie klippklapp.
4)
Klappen heiszt auch glücken, gut ablaufen, mit wieder anderm ursprunge, den ein sprichwort offenbart.
a)
wers trifft dem klapt es. Fischart groszm. 85 (614 Sch.), es, d. i. das ziel, die scheibe (s. zu Soltau 2, 51), wie auch die folgenden worte zeigen 'besser schäl dann fähl' sagt einmal ein schilender schütz; trifts so klapts, wirstu treffen so wirds klappen. Lehman floril. 1, 777. das ziel klappt, wenn es getroffen ist, und ist die scheibe ins schwarze, vollends auf den nagel getroffen, so klappt es in ganz eigner weise. also mir klappt es gleich 'ich habe es glücklich getroffen'. dasselbe scheint, nur trans. gewendet, ital. chiappare, treffen wonach man zielt, auch antreffen.
b)
daher bildlich, meist auch unpersönlich:
ob sichs anläszt, als wollt es nicht
auf unsrer seiten klappen.
lied v. 1619, Scheibles flieg. bl. 186,
für uns nicht gut ablaufen, der ausfall nicht für unsre parten sein. es ist noch im gange, z. b. von einem geschäftsmanne: er gibt sich alle mühe, aber es will ihm oder bei ihm gar nicht klappen (aber auch nicht einklappen, nach 3, h); thüring. auch es klippt und klappt nicht, es will nicht klippen und nicht klappen, desgl. glückt und klappt nicht. ganz gleich, vielleicht auch im ursprunge, thür. sächs. mir tappt es, ich habe glück (demin. mir hats getappelt), thür. zusammentappen zusammentreffen, sich gut treffen.
c)
doch mischt sich diesz klappen mit dem vorigen; unsicher klingen z. b. folgende stellen: wolt aber immer ausflucht suchen und es wolte ja nicht klappen. Pape bettel- u. garteteufel M 1ᵇ, glücken oder passen; ich will das urtheil von dessen (meines buches) werthe, und da selbiges vor meine partie nicht allzu vortheilhaftig klappen solte .. Felsenb. 1, vorr., ausfallen, doch auch 'klingen'; derowegen klappte der respect, welchen er doch im höchsten grad verlangte, gar schlecht. 1, 114.
5)
Mehrere klappen halten sich nahe zu klappe oder sind erst mit oder aus ihm entstanden.
a)
zu klappe 6, falle stimmt nd., in Osnabrück duven klappen, (fremde) tauben im taubenschlage fangen. Strodtmann 105, nrh. in Cleve ebenso kleppen, wie kleppe für klappe. ähnlich in Sachsen einen klappen, erwischen, ertappen (auch erklappen), wenn das nicht von der fliegenklappe stammt. vgl. ital. chiappare erwischen.
b)
besonders zu klappe 4 ist klappen neu weiterentwickelt; jede bewegung einer klappe oder eines einer klappe ähnlichen gegenstandes wird klappen genannt. das zuklappen einer kiste, genauer des deckels, das zuklappen eines klappmessers geschieht zwar noch mit einem klapp; aber den deckel aufklappen, in die höhe klappen enthält ein neues klappen; es ist übrigens mit schlagen ebenso, z. b. das buch aufschlagen. ebenso denn die handschuhe aufklappen (s.klapphandschuh), den hut, genau die krämpe niederklappen Adelung, umklappen wie eine klappe umlegen, überklappen, zusammenklappen, es ist eine art falten.
c)
auch intr.: das messer klappte von selbst zusammen;
denn siehe da, der rappe trägt
den knappen kaum bis mitten auf die brücke (von pastetenteig),
so klappt rings um ihn her der teig in die höhe.
Siegfr. v. Lindenberg (1790) 2, 350,
faltete sich, 'schlug'. livl. einklappen mit den knien, einknicken Gutzeit.
d)
'einschlagen' in einen 'umschlag', weil es oft mit einem schlag, klapp geschieht (nordd. nennt man auch einen umschlag eine klappe, z. b. um ein butterbrot einzuschlagen): da (in der genieperiode) wurden ideen in freundschaft gebracht die sich auszer Bedlam nie gesehen hatten, raum und zeit in einen kirschkern geklappt und in die ewigkeit verschossen. Lichtenberg (1800) 1, 70. gewöhnlich einklappen.
6)
Klappen gleich klaffen, schwätzen, plaudern, auch mnl. clappen garrire hor. belg. 7, 6ᵃ, nnl. klappen, altengl. clappe und noch dial. clap (Halliwell). in dieser bed. isl klappen aufs nd. beschränkt geblieben und ist sogar hier vom hd. klaffen bedrängt oder verdrängt worden, s. sp. 896; doch lebt es noch in der nachbarschaft des nl., in Ostfriesland Stürenb. 109ᵃ, in Cleve Geerling 14 in der bed. klatschen, verklatschen (verklappen). wenn es sich im deutsch-ungr. berglande findet, klappen schwätzen (klapper m., klapperin f.) Schröer nachtr. 36ᵇ, so ist das wol vom Niederrhein mit eingeführt. dennoch fehlt es auch hier nicht an mitteld. wie oberd. spuren, s.kläpper schwätzer, das zweite klapper 3, kläppisch; klappern dagegen ist in dieser bed. gut hd.
7)
Im billardspiel ist klappen eine eigne art des stoszens, wo man den spielball statt in der mitte mehr nach unten trifft, um seinen lauf künstlich zu lenken, vergl. klapp 3; der stosz gibt einen klappenden klang. auch trans. seinen ball klappen, und refl. ich habe mich (meinen ball) ins loch geklappt, verklappt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4,5 (1866,1867), Bd. V (1873), Sp. 959, Z. 73.

kläppen, kleppen

kläppen, kleppen,
nebenform von klappen crepitare, wie kläffen neben klaffen, kläpfen neben klapfen, aber selten, während von letzteren klapfen das seltene ist: kläpt herein Petr. 29ᵃ. bei Schönsleder g 1ᵃ cornicari wie die kräen kleppen (s.klappern 2, e). mnd. tennecleppen frendere Dief. 246ᶜ, s.klappen 1, b; ostfries. kleppen klappen, klingen, schallen Stürenburg 110ᵇ; auch nl. kleppen neben klappen. Ein nd. kleppen von der glocke bedeutet das anschlagen mit dem klöppel, kleppel (statt läutens mit dem strange), so in Ostfriesland, auch in Aachen des Müller und Weitz 112, in kurzem tone läuten Weigand 1, 593; anderwärts klempen, klengeln, beiern, aber auch schwed. kläppa (kläppta) Rietz 325ᵃ. s. auch kleppen laufen, reiten unter kläppern 1, b a. e.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 965, Z. 18.

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Zitationshilfe
„kläppen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kl%C3%A4ppen>, abgerufen am 27.11.2020.

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