Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klüftig, kluftig

klüftig, kluftig,
1)
klüftig voller klüfte, spalten, ritze, zerklüftet, bei Stieler 983, Steinbach, Frisch (beim ersteren auch praeruptus, confragus von felsboden), bei Adelung klüftiges holz, gestein: auf ein klüftigen stein. Mathesius Sar. 34ᵇ, bergm.; der kalkstein, an dem man vorbei fährt, ist sehr klüftig. Göthe 43, 159, feinklüftig 51, 140. auch kluftig Salis (s. kreidenfels): als die sonn die saulen (holzsäulen) aufzogen und kluftig gemacht. Birlinger Augsb. wb. 383ᵃ, 18. jh. das elende, klüftige, verfallene haus. Immermann Münchhausen 3, 114.
2)
cluftig, fissilis, illud quod leviter potest findi. voc. inc. teut. d 6ᵇ; so noch nd. klüftig, kluftig von holz das leicht spaltet Danneil 106ᵇ, und schon ahd. chluftîg fissilis Graff 4, 517):
denn sonst pflegte der keil den klüftigen stamm zu zerspalten.
Voss georg. 1, 144.
besonders auch in zusammensetzung, z. b. de eke is vêrklüftig, 'aus der eiche können vier ständer geschnitten werden' Dähnert 237ᵇ; bäum, die zwei, drei, vierkluftig seind, arbores bifidae, trifidae, quadrifidae. Henisch 221.
3)
von kluft 8, scheit: grôtkluftig holt, brennholz in groszen scheiten. Danneil 106ᵇ; grofklüftig holt ebenso Richey 125.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1268, Z. 46.

klüftig

klüftig,
ein nd. nl. wort das sich auch hd. einzeln findet, vom vorigen ganz verschieden: Simplicissimus stellet hier unter dem tractament seines vaters hauses den ganzen dreiszigjährigen krieg und das verfahren der soldaten mit dem armen landvolk auf das klüftigst und deutlichst für. Simpl. (1685) 1, 20, es meint hier die naiv drollige weise mit der der knabe die behandlung seines vaters und der hausleute erzählt, deren bedeutung er nicht verstand; welches vieleicht auch der author also satyrich (d. h. 'wie ein satyr') und klüftig allhier erzehlungsweise vorzustellen darümmen beliebet. das. 2, 389 (vogelnest 2, 8), von einer derb possenhaften buhlgeschichte, die stelle ist wie die vorige späterer zusatz. Es ist das nl. klugtig, kluchtig (Kil.), possierlich, kurzweilig, witzig unterhaltend (auch sonderbar, wunderlich), mit cht für ft, von klucht f. schwank, posse, bei Kilian kluchte farce, davon kluchtspel une farce, posse auf dem theater, kluchten jouer farce, agere histrionem. kluftspiel erscheint auch bei uns tief im osten, in einem sprichwort bei Gomolke: sis gar a kluftspiel um de grün eche (Weinhold schles. wb. 43ᵇ). es ist wol eben, wie klüftig auch, von der bühne aus in gebrauch gekommen, auf der im 17. jh. die niederländischen kluchten (klichten), possenspiele, komödien im original bekannt wurden und dann in deutschen nachbildungen lange die gunst des volks besaszen. vgl.kluft 11. In Norddeutschland ist das wort noch weit verbreitet, ostfriesisch klüft, klücht, klucht schwank, spass, lust, klüftig, klüchtig, kluchtig lustig, possierlich Stürenburg 113ᵃ, Fromm. 5, 144, ebenso am Niederrhein klöcht f., klöchtig Aach. mundart 112, klüchtig Frommann 6, 279; in Lippe (Osnabrück, Oldenburg, Göttingen-Grubenhagen) klüftig klug, anschlägig 6, 215, in Hamburg, Bremen kluftig auch für witzig, sinnreich, ebenso in Mecklenburg, Ostpreuszen, Livland, z. b. ein klüftiger kopf (s. literaturbr. 14, 264), und so braucht es der Königsberger Hamann: in diesem fall ist die kunst kleinigkeiten zu sagen schwerer als die klüftigsten beweise. 4, 457. auch inselfriesisch klüftagh wunderlich Johansen 25, dän. klögt witz, klögtig klug, witzig, norw. klyftig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1268, Z. 66.

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Zitationshilfe
„klüftig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kl%C3%BCftig>, abgerufen am 26.11.2020.

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